Archived entries for Evangelium vitae

Weihnachtsferien

Der letzte Schultag für die Kinder, der letzte Arbeitstag für die Eltern. Die nächsten 18 Tage ist nun Pause. Bless the Lord!

Die wunderbare Frau Schnutinger hat sich so ihre Gedanken zur Debatte über Spätabtreibungen gemacht und das Ergebnis in eine Satire gegossen:

Liebes Tagebuch,

heute ist unsere Lehrerin, Frau Lütke-Lewebrink, ohnmächtig geworden. Die feministischen EngelInnen haben Maria eingeredet, sie solle eine Spätabtreibung machen. Sie finden es nämlich doof und diskriminierend, dass der Erlöser ausgerechnet ein Mann ist. Jetzt haben sie eine Protestnote an Gott, also Kevin Brömmelkamp, geschrieben, Jesus solle gefälligst eine Frau sein, oder zumindest irgendwas mit Transgender oder so!

Der Kevin, äh, Gott hat erstmal eine Ethikkommission einberufen, die das ganze klären soll. Ochs und Eselchen haben den Vorsitz, der Stern soll vermitteln, der Herbergswirt führt Protokoll. Morgen wird die Protestnote diskutiert. Eine Abtreibung so kurz vor Jesu Geburt, das hat es überhaupt noch nie gegeben bei uns in der Kirche!

Unser Krippenspiel droht nun ganz auszufallen.

Mehr.

I don’t believe in Obama

Das Messiashafte an der politischen Inszenierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten ging mir schon auf die Nerven, als Barack Obama noch gegen Hillary Clinton kämpfte. Auch Obama ist nur ein Politiker, und ein fehlbarer noch dazu. Zu den Fehlleistungen gehört die flapsige Antwort auf die in amerikanischen Wahlkämpfen eminent wichtige Frage, ab wann ein Baby Menschenrechte habe:

Whether you are looking at it from a theological perspective or a scientific perspective, answering that question with specificity is, you know, above my pay grade.

Über seiner Besoldungsklasse? Aha. Nancy Pelosi, demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses und Katholikin, legt sich zur gleichen Frage mit bis jetzt 27 Bischöfen an, als sie behauptet, das könne niemand sagen, die katholische Kirche diskutiere darüber seit Jahrhunderten.

I would say that as an ardent, practicing Catholic, this is an issue that I have studied for a long time. And what I know is, over the centuries, the doctors of the church have not been able to make that definition. And Senator–St. Augustine said at three months. We don’t know. The point is, is that it shouldn’t have an impact on the woman’s right to choose. [...] I don’t think anybody can tell you when life begins, human life begins. [...] So again, over the history of the church, this is an issue of controversy. But it is, it is also true that God has given us, each of us, a free will and a responsibility to answer for our actions. And we want abortions to be safe, rare, and reduce the number of abortions.

Am vergangenen Sonntag hat nun auch Obamas Vize Joe Biden, ebenfalls Katholik, auf die gleiche Frage geantwortet:

I’d say, “Look, I know when it begins for me.” It’s a personal and private issue. For me, as a Roman Catholic, I’m prepared to accept the teachings of my church. But let me tell you. There are an awful lot of people of great confessional faiths–Protestants, Jews, Muslims and others–who have a different view. They believe in God as strongly as I do. They’re intensely as religious as I am religious. They believe in their faith and they believe in human life, and they have differing views as to when life–I’m prepared as a matter of faith to accept that life begins at the moment of conception. But that is my judgment. For me to impose that judgment on everyone else who is equally and maybe even more devout than I am seems to me is inappropriate in a pluralistic society.

Das sind mir schöne Katholiken.

Was war (3): Eva und die Wölfe

Was mich an der Aufregung der letzten Wochen über Eva Herman am meisten gestört hat, war die Geringschätzung, ja Verachtung der Mutterschaft, die in vielen Wortmeldungen zum Ausdruck kam. Mutter zu sein ist in Deutschland inzwischen etwas völlig Nachgeordnetes, das hinter allem Möglichen zurückstehen muss. Wer Mutter wird, hat offensichtlich nichts Besseres zu tun. Oder ist zu blöd zum Verhüten.

Eine zynische, menschen- und frauenverachtende Haltung scheint Allgemeingut geworden, jedenfalls in der veröffentlichten Meinung. Sie korrespondiert aufs Genaueste mit der jüngst veröffentlichten Abtreibungsstatistik und der Berichterstattung darüber. Angesichts von 42 Millionen Kindstötungen jährlich scheint die ganze Sorge den Zehntausenden Frauen zu gelten, die bei Abtreibungen ums Leben kommen.

Selbstverständlich ist das eine berechtigte Sorge, aber ist es nicht zynisch und menschenverachtend, die getöteten Kinder keines einzigen Gedankens zu würdigen? Und nimmt sich nicht die als Holocaust (Ganzopfer, Brandopfer) bezeichnete industrielle Ermordung der europäischen Juden im Vergleich zu 42 Millionen getöteten Kindern pro Jahr fast mickrig klein aus?

Eva Herman wird für ungeschickte Äußerungen zur nationalsozialistischen Familienideologie von mediokren Talkmastern öffentlich hingerichtet und in die Nähe zum Nationalsozialismus gerückt – während die Ideologie, gegen die sie sich wendet, Jahr für Jahr eine Zahl von Opfern fordert, die an die des Zweiten Weltkriegs heranreicht. Diese Ideologie ist die Geringschätzung des Lebens selbst und die Unterordnung des Lebens der nächsten Generation unter unsere Wünsche und Bedürfnisse.

Es ist in Deutschland fast schon rechtfertigungspflichtig geworden, Kinder aufzuziehen statt sie zu verhüten oder abzutreiben. Werte wie Liebe, Familie und Kinder waren einmal selbstverständlich und sind es in jeder gesunden Gesellschaft. In Deutschland nicht.

Klare Fronten

In Portugal wird über die Legalisierung der Abtreibung abgestimmt. Wie schön, dass der Deutschlandfunk die Rollen zwischen fort- und rückschrittlichen Kräften noch glasklar verteilen kann [MP3].

Reflex

Der Spiegel 48/2006 (Ausriss)

Am Montag im Spiegel. Das Übliche.

Eher wegen des Karmas

Jack Nicholson berichtet in einem Gespräch mit dem Regisseur Peter Bogdanovich im SZ-Magazin, dass seine angebliche Schwester June in Wahrheit seine Mutter und seine angebliche Mutter seine Großmutter war.

Deshalb kann ich auch nicht so ganz locker und liberal, wie ich’s gern täte, für das Recht auf Abtreibung plädieren. In der Welt von heute gäbe es mich nicht. Verstehst du, was ich meine?

Du meinst, deine Mutter hätte abgetrieben?
Ja. June war erst 16 – und ziemlich erfolgreich. Es wäre also anzunehmen. Weißt du, es gibt Ansichten, die man nie ändert. Zumindest glaubt man das. Ich hab meine Ansicht zu diesem Thema geändert. Nicht aus Vernunftgründen – eher wegen des Karmas.

Kleines Quiz

Patrick Bahners gibt Rätsel auf.

Man male sich aus: Altötting, Montag, 11.September 2006, Viertel vor zehn am Morgen. Das Papamobil biegt auf den Kapellplatz ein. Seit aller Herrgottsfrühe warten die Gläubigen auf Benedikt XVI. Aus dem kunterbunten Kirchenvolk treten besonders die Trachten der katholischen Vereine hervor. Die Kolpingbrüder haben Aufstellung genommen und die Korporierten. Mitten im Getümmel stehen die Vertreterinnen des eingetragenen Vereins Donum vitae (Geschenk des Lebens). Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens, gestützt durch ihre Vorgängerin Barbara Stamm und die Regensburger Kirchenrechtsprofessorin Sabine Demel, schwenkt die Fahne des Vereins. Das Motiv ist eine mit deutlicher Madonnenähnlichkeit ausgestattete Mutterfigur, die auf dem rechten Arm ihr Kind hält und in der linken Hand ein Blatt Papier, das sie wie achtlos wegzulegen scheint.

Welche drei Fehler haben sich in dieses Szenario eingeschlichen? Bitte zuerst nachdenken und dann hier nachlesen.

Zellklumpen

“Im Labor wird aus dem Zellklumpen sowieso kein Baby”, überschreibt die FAZ treffend einen Diskussionbeitrag von Carl Djerassi zur Stammzellen-Debatte, der auf eine Zusammenfassung von Patrick Bahners im gleichen Blatt antwortet. Für seine Argumentation zieht er das Argument eines namentlich nicht genannten Moraltheologen heran:

Wenn ein Ei durch eine Samenzelle in einem herkömmlichen Geschlechtsakt befruchtet werde, verdiene der daraus entstandene Embryo den besonderen rechtlichen Schutz „potentiellen Lebens“, weil alle Schritte – von erster Zellteilung und Einnistung in die Schleimhaut der Gebärmutter bis zur weiteren Entwicklung des Embryos beziehungsweise Fetus – Teil eines einzigen natürlichen Kontinuums seien, das nicht unterbrochen werden dürfe, bis das Kind den Mutterleib verlasse.

Die für die Stammzellenforschung benutzten Embryonen würden jedoch, so Djerassi, nicht im Körper einer Frau erzeugt. Im Labor sei ein solches natürliches Kontinuum nicht möglich – ergo auch kein Schutz der auf diese Weise erzeugten Embryonen nötig.

Eine Argumentation, gegen die sich die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der EKD schon 2003 wandten:

Wo das Interesse der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen so stark ist, dass man die Tötung menschlicher Embryonen zur Gewinnung solcher Stammzellen in Kauf nimmt, wird menschliches Leben instrumentalisiert, was ethisch nicht gerechtfertigt ist. Die Würde und das Lebensrecht des menschlichen Embryos, die ihm auch dann von Anfang an zukommen, wenn er außerhalb des Mutterleibs gezeugt wurde, werden damit bestimmten Forschungsinteressen untergeordnet und als weniger wert erachtet.

Was im Übrigen auch ein gewisses Licht auf die Argumentation des anonymen Moraltheologen wirft (wie hier zu ersehen ist, handelte es sich um Walter Schaupp).



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