Bibel. Lesen!

Es war damals im Paulus-Jahr, als ich begann, die gesamte Bibel zu lesen. Immer ein Kapitel pro Tag. Das dauert. In diesem Tempo: Jahre.

Nach einiger Zeit begann ich, jeweils einen Vers (oder einen Teil davon) aus meinem Kapitel des Tages zu twittern. Die Suche nach dem Twittervers des Tages ist noch einmal eine ganz besondere Art der Bibelmeditation.

Inzwischen bin ich einmal mit der gesamten Bibel durch, habe das Neue Testament ein zweites Mal gelesen, diesmal in der richtigen Reihenfolge, und mit dem Alten Testament begonnen, diesmal ganz vorne.

Der aktuelle Plan lautet, die Bibel einmal von vorne bis hinten zu lesen, in der richtigen Reihenfolge. Wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht. Das hat aber auch noch ein paar Jahre Zeit, denn derzeit verweile ich lesend beim Buch Genesis.

Bei der zweiten Lektüre fällt mir nun auf, wie sehr die Bibel bei aller Heterogenität doch eine organische Einheit bildet. Sie ist ein lebendiges Buch, ein Buch des lebendigen Gottes.

Von Anfang an handelt die Bibel vom Werben Gottes um sein Volk, die Nachfahren Abrahams, das Volk Israel, aus dem Jesus Christus hervorging, der Erlöser der Welt, durch den schließlich alle Menschen zu Kindern Abrahams werden. Und von der Abwendung des Menschen von Gott, der Zuwendung zu anderen Göttern, die doch nur Götzen sind.

Was also in unseren Tagen geschieht, die Abkehr vom Gott unserer Väter, die Zuwendung zu allerlei Götzen, das findet sich bereits auf den ersten Seiten der Bibel. Das ist überhaupt nichts Neues.

Überaus spannend zu lesen ist, wie sich der Spannungsbogen von der Urgeschichte bis zur Apokalypse aufbaut. Die Bibel ist das großartigste Stück Weltliteratur, das ich kenne. Wer sie noch nicht gelesen hat, der sollte das unbedingt nachholen.

Kleiner Nachtrag zum Welthumanistentag

Dem Christentum und insbesondere dem Katholizismus wird ja gelegentlich vorgeworfen, irrational zu sein. Ich verstehe zwar, woher dieser Vorwurf kommt, doch halte ich ihn für nicht stichhaltig.

Etwas anders verhält es sich mit dem Humanismus, der gerade – am 21. Juni, Sommersonnenwende, naja – den Welthumanistentag beging. Ein wenig naiv erscheint mir die Definition des Humanismus als “Glaube an das Gute im Menschen”.

Spätestens seit dem 20. Jahrhundert fiele es mir schwer, daran zu glauben. Und das 21. Jahrhundert hat auch nicht viel besser begonnen.

Homo homini lupus.

Kleiner Nachtrag zum Katholikentag

Irgendwie stört mich der Name: Katholikentag. Das klingt sektiererisch und so gar nicht nach katholischer Weite.

Hingegen Kirchentag – das ist doch der umfassendere Begriff. Können wir vielleicht tauschen?

Dann heißen Katholikentage künftig Kirchentag – und aus den Kirchentagen werden Tage kirchlicher Gemeinschaften.

(Just kidding.)

Die hilflose Kommunikation der Kirche in Deutschland

Heute vor einem Jahr brachte der Kölner Stadt-Anzeiger eine bis dahin nahezu beispiellose Medienkampagne gegen die katholische Kirche ins Rollen. Die Kampagne kam nur deshalb vorläufig zum Erliegen, weil schon vier Wochen später, am 11. Februar, Papst Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht erklärte und damit den Kölner Klinik-Skandal, der in erster Linie ein Medienskandal war, aus den Schlagzeilen verdrängte.

Doch nur wenige Monate später strebte die zweite große Kampagne des vergangenen Jahres ihrem Höhepunkt zu: die mediale Hetzjagd auf den Bischof von Limburg. Auch in diesem Fall war es dem Papst, nun Franziskus, zu verdanken, dass der Bischof aus der Schusslinie verschwinden konnte. Und auch diese Kampagne ist noch längst nicht ausgestanden. Noch im Januar könnte der nächste Akt folgen, sollte bis dahin der Bericht der Untersuchungskommission vorliegen.

Mit der Insolvenz des Weltbild-Konzerns steht nun schon die dritte Kampagne binnen kurzer Zeit ins Haus. Gewerkschaften und Betriebsrat laufen sich bereits warm. Knapp eine Woche nach dem Insolvenzantrag scheint allerdings die Botschaft noch nicht so recht zu zünden. Zum Glück für die hilflosen Kommunikatoren der katholischen Kirche in Deutschland. Bis jetzt.

Wenn sich eines sagen lässt, dann wohl dies: Die Krisenkommunikation funktioniert nicht. Wenn es überhaupt eine solche gibt. Wer auch immer für kirchliche Kommunikation in Deutschland Verantwortung trägt, ob Bischöfe und andere Würdenträger oder Laien in entsprechenden Funktionen, der dringt mit seiner Botschaft nicht durch. Oder er versucht es gar nicht erst.

Alle drei Kampagnen haben eines gemeinsam – ihr Hintergrund ist das Geld. Immer geht es um die Finanzierung des kirchlichen Apparates und kirchlicher Einrichtungen in Deutschland, um den Umgang mit Finanzmitteln und die Frage, wer darüber bestimmen darf. Fast möchte es scheinen, als ob die von Papst Benedikt 2011 postulierte Entweltlichung mit einer atemberaubenden Zwangsläufigkeit angelaufen ist.

Die Kirche ist nach dem Staat der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland, schafft es aber schon lange nicht mehr, ihre Stellen mit gläubigen Menschen zu besetzen – was einen entsprechenden Verlust an eigener Glaubwürdigkeit erzeugt. Im Gegenteil, trotz schon seit Jahrzehnten konstant sinkender Mitgliedszahlen expandieren kirchliche Betriebe weiterhin und verschärfen so das Glaubwürdigkeitsproblem.

Die überfällige Debatte über diesen Problemkreis kam im Februar 2013 zum Stillstand, weil die Weltsensation eines Papstrücktritts wichtiger schien. Doch die Problematik besteht weiter, und ich kann nicht erkennen, dass die Verantwortlichen auf die erwartbare und unausweichliche Debatte vorbereitet wären – Versäumnis No. 1.

Auch die Hetzjagd auf den Limburger Bischof kam nicht über Nacht, sondern hatte einen jahrelangen Vorlauf. Vorbeugende Kommunikation und Vorbereitung auf das, was schließlich in diesem Sommer kam – Fehlanzeige. Versäumnis No. 2.

Schließlich Weltbild. Auch dieses Thema, die Krise der katholischen Publizistik und des daraus hervorgegangenen Handelskonzerns hat ebenfalls eine lange Vorgeschichte. Wo ist die entsprechende, langfristig vorbereitete Kommunikationsstrategie für den seit langem absehbaren Krisenfall? Versäumnis No. 3.

An dieser Stelle wäre auch über den Missbrauchsskandal zu sprechen, der spätestens seit den Enthüllungen in den USA vorhersehbar war. Auch hier hatte sich offensichtlich niemand an den entscheidenden Stellen auf das Unvermeidliche vorbereitet. Die Krisenkommunikation war hilflos und stolperte von einem Missgeschick zum nächsten.

Warum ist das so? Und welche Folgen sind daraus zu erwarten? Mehr dazu demnächst.

Weltbild-Insolvenz ist eine Chance – und der Beginn des nächsten Kommunikationsdesasters

Weltbild hat heute einen Insolvenzantrag gestellt. Damit geht das Drama um den katholischen Medienkonzern in eine neue Runde. Denn ein solcher Antrag muss keineswegs ein schnelles Ende bedeuten. Die Schlüssel hat nun der Insolvenzverwalter in der Hand, die deutschen Bischöfe und ihre Institutionen haben nur noch den schwarzen Peter.

Kommunikativ droht damit nach der Causa Limburg das nächste Desaster. Denn nun wird “die Kirche” pauschal für alles verantwortlich gemacht, was wem auch immer nicht in den Kram passt – während sie zugleich alle Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand gegeben hat.

Schade, aber am Ende unvermeidlich. Der Insolvenzverwalter wird versuchen zu retten, was zu retten ist. Neue Gesellschafter werden sich mit der Sanierung des Sanierbaren zu befassen haben. Der Rest wird abgewickelt, wie es im Jargon der alten Treuhand so schön heißt.

Die Geldsorgen mit Weltbild sind die deutschen Bischöfe damit los, und auch die Verantwortung für unchristliche Sortimentspolitik. Als Buhmann aber werden sie weiterhin gebraucht. Jetzt erst recht.

Weihnachten 2013

Denke ich an das zurückliegende Jahr, dann fällt mir vor allem unser wunderbarer Sommerurlaub in Schweden ein: ein traumhaftes Ferienhaus, für skandinavische Verhältnisse phantastisches Sommerwetter und die herrliche Landschaft von Värmland und Dalarna. Schweden wirkte auf uns wie ein friedliches, weites Land, bestens zur Erholung geeignet.

Unser Ferienhaus lag nur gute 100 Kilometer von jenem Ort entfernt, wo meine Tante und mein Cousin mit seiner Familie wohnen. Das gab uns die Gelegenheit zu einem Besuch dort. Und auf der Rückfahrt zur Fähre von Göteborg nach Kiel konnten wir einen Zwischenstopp in Hammarö bei Karlstad einlegen, wo ein weiterer Cousin mit Frau und Tochter direkt am Vänern wohnt.

Unser Ältester bekommt viel Lob für sein Schreibtalent, das er regelmäßig für die Jugendseite im Tageblatt einsetzt. Er hat in diesem Jahr seinen Gruppenleiterkurs gemacht. Dafür war er zweimal, in den Oster- und den Herbstferien, für einige Tage unterwegs. Am zweiten Adventswochenende schließlich fand der Praxisteil mit über 30 Kindern statt.

Während er im Gymnasium überwiegend gute und sehr gute Noten bekommt, hat unser Jüngster mehr mit der Schule zu kämpfen. Ich denke aber, dass er sich durchbeißen wird. Nach gut zwei Jahren in der Musikklasse bekommt er nun sein eigenes Tenorhorn, das bisher geliehene Instrument wird zurückgegeben. Sein Lehrer sagt, dass er mit viel Spaß bei der Sache sei.

Meine Frau hat in diesem Herbst ein kleines Bauprojekt initiiert: einen neuen Gartenschuppen. Er ist zwar noch nicht ganz fertig, aber bietet schon Platz für Fahrräder, Gartenmöbel und allerlei Dinge, die bis jetzt in irgendwelchen Ecken standen. Dafür musste das alte Spielhaus weichen, das schon länger baufällig war und aus dem die Kinder herausgewachsen waren.

Für mich endete in diesem Jahr durch eine Entscheidung des zuständigen Weihbischofs vorzeitig meine Ausbildung zum Diakon. Das war ein im Wortsinne schmerzlicher Prozess, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Über die Gründe gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Einigkeit besteht nur darin, dass es einfach nicht mehr ging.

Wie alles im Leben hat auch dies seine gute Seite. Ich hatte eine Urlaubswoche für die Ausbildung reserviert, die ich nicht mehr brauchte. So konnte ich November einige Tage im Kloster Nütschau verbringen. Dort habe ich mich auch mit dem Leben meines Namenspatrons befasst, des heiligen Martin von Tours, dessen Fest wir am 11. November feiern. Dabei sind mir drei Dinge aufgefallen.

I.
Martin von Tours hat nie ein geistliches Amt angestrebt. Als der Bischof der Stadt Poitiers, der heilige Hilarius, versuchte, ihm das Amt des Diakons aufzubürden, um ihn dadurch enger an sich zu binden und an den Dienst Gottes zu ketten, weigerte er sich immer wieder und gab vor, er sei unwürdig. Bischof von Tours wurde er schließlich gegen seinen eigenen Willen.

II.
Auch ohne dass es ihn nach einem geistlichen Amt drängte, ging Martin dahin, wohin der Herr ihn rief. Dabei hatte er häufig mit dem Widersacher zu kämpfen. So berichtet sein Biograph Sulpicius Severus:

Martinus zog also seines Weges, und als er durch Mailand gekommen war, trat ihm der Teufel in menschlicher Gestalt entgegen und fragte ihn, wohin er gehe. Und als er den Martinus antworten hörte, er gehe dahin, wohin der Herr ihn rufe, sprach er: “Wohin du auch gehen und was du auch unternehmen magst, der Teufel wird dir widerstehen.” Da antwortete ihm Martinus mit den Worten des Propheten: “Der Herr ist meine Hilfe; ich werde mich vor dem nicht fürchten, was der Mensch mir tun kann.” Und sogleich verschwand der Feind vor seinem Angesicht.

III.
Martins Haltung am Ende seines Lebens kommt am schönsten in einer der Antiphonen zum Ausdruck, die das Römische Brevier zu seinem Fest bereithält:

Domine, * si adhuc populo tuo sum necessarius, non recuso laborem: fiat voluntas tua.
Herr, wenn dein Volk mich noch braucht, dann will ich mich der Mühsal nicht verweigern. Dein Wille geschehe!

Dieses fiat gehört zum Vater unser, dem Gebet des Herrn. Doch es erinnert auch an das fiat der Maria, die vom Engel die Botschaft erhält, dass sie den Erlöser empfangen soll: Fiat mihi secundum verbum tuum. Mir geschehe nach deinem Wort. Damit beginnt, was wir in diesen Tagen feiern: Gott wird Mensch, in Jesus Christus, durch das Ja der Maria.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2014!

Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
2 Kor 12,7-10

Erster Eindruck vom neuen Gotteslob

Allmählich wurde es wirklich Zeit. Schon in wenigen Tagen wird, jedenfalls in meinem Bistum, das neue Gotteslob eingeführt. Heute nun gelang es mir endlich, mein Exemplar zu erwerben. Der erste Eindruck: Es ist in allen Dimensionen (Höhe, Breite, Dicke) gegenüber dem Vorgängermodell gewachsen. Diese Tatsache wird also den Herstellern von Gebetbuchhüllen eine kleine Extrakonjunktur bescheren, da die alten Hüllen nicht mehr passen.

Außerdem fehlt, wenn ich nichts übersehen habe, ein Gewissensspiegel. Was angesichts des gewachsenen Umfangs und der Existenz gleich einer ganzen Reihe von Gewissensspiegeln im alten Gotteslob doch durchaus erstaunlich ist. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Was ich an dieser Stelle dem geneigten Leser überlassen möchte.

Der Herr ist meine Hilfe

Martinus zog also seines Weges, und als er durch Mailand gekommen war, trat ihm der Teufel in menschlicher Gestalt entgegen und fragte ihn, wohin er gehe. Und als er den Martinus antworten hörte, er gehe dahin, wohin der Herr ihn rufe, sprach er: “Wohin du auch gehen und was du auch unternehmen magst, der Teufel wird dir widerstehen.” Da antwortete ihm Martinus mit den Worten des Propheten: “Der Herr ist meine Hilfe; ich werde mich vor dem nicht fürchten, was der Mensch mir tun kann.” Und sogleich verschwand der Feind vor seinem Angesicht.
Das Leben des Heiligen Martin, Bischofs und Bekenners, aufgezeichnet von Sulpicius Severus

Der Liebe Raum schaffen selbst durch den Kampf

In tätiger Liebe aufbrechen zu Christus und der Liebe Raum schaffen selbst durch den Kampf, in beidem aber demütig offen sein für die Impulse des Geistes Gottes, das macht die Heiligkeit des Martinus aus.
Ludwig A. Winterswyl in der Einleitung zu “Das Leben des Heiligen Martin, Bischofs und Bekenners, berichtet von Sulpicius Severus. Freiburg im Breisgau 1940.”