Commentarium Catholicum
Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.

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Mal wieder ein alter Bekannter im Domradio

In dieser Woche legt mit Nils Baer wieder einmal ein alter Bekannter aus der Blogozese das Evangelium im Domradio aus. Dort stellt man ihn als Diplomtheologen und gebürtigen Kölner vor, der am neu gegründeten YOUCAT Zentrum Augsburg arbeitet.

Da er in der Blogozese nach meinem Kenntnisstand bis dato inkognito unterwegs ist, möchte ich daran hier jetzt auch nichts ändern.


Haec Dies

Frohe Ostern!


Warum Ästhetik alles andere als unwichtig ist

Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass ästhetische Gründe irgendwie unwichtig sind. Es kommt auf Funktion und Inhalt an, die Form ist zweitrangig. Form follows function?

Welch ein Irrtum! Ästhetik ist Wahrnehmung. Wenn wir von Ästhetik sprechen, dann sprechen wir davon, wie etwas wahrgenommen wird. Und das soll unwichtig sein?

Jede Botschaft, auch und gerade die frohe, braucht eine Form, damit sie überhaupt wahrgenommen werden kann. Martin Mosebach hat bekanntlich der Häresie der Formlosigkeit einen ganzen Essayband gewidmet.

Diese Häresie hat uns jede Menge schreiend hässlicher Kirchengebäude und eine vielfach verhunzte Liturgie beschert. Wo Hässlichkeit und liturgischer Murks zu Prinzipien erhoben werden, da lässt sich Gott nicht mehr wahrnehmen. An die Stelle Gottes tritt der Mensch mit all seinen Unzulänglichkeiten.

Wie langweilig! Die Wahrnehmung Gottes geht hingegen immer mit Schönheit einher. Kirchengebäude und Liturgie müssen schön sein, damit sie etwas vom Wahren, Guten, Schönen durchscheinen lassen. Die Wahrheit, die Christus ist, die Güte Gottes und die Schönheit seiner Verehrung liegen eng beeinander.

Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen habe ich auch ganz persönliche Gründe für diese Ansicht. Als ich in den neunziger Jahren vor der Frage stand, ob ich Christ oder Agnostiker bin, da sagte ich mir: Um Agnostiker zu sein, müsste ich das gesamte christliche Erbe als Irrtum verwerfen, oder wenigstens als auf den Sand des Nicht-Erkennbaren gebaut.

Das schien mir unmöglich. Die herrlichen Kathedralen, die wunderbare sakrale Kunst, die unglaublich schöne geistliche Musik – das kann doch nicht das Produkt eines großen Irrtums der Menschheit sein.

Bei vielen heutigen Kirchenbauten, moderner Sakralkunst und neuem geistlichen Lied hingegen bin ich mir da nicht so sicher.

Auch wenn das eine schöne Schlusspointe wäre, so will ich doch dem Eindruck wehren, früher sei alles besser gewesen. Das denke ich nicht. Was aber die Jahrhunderte überlebt hat, das ist das Wahre, Gute, Schöne. Das Unwahre, Schlechte und Hässliche verschwindet früher oder später.

Insofern können wir das Urteil über unsere Kirchengebäude, die heutige Sakralkunst und die gegenwärtige geistliche Musik getrost späteren Generationen überlassen. Wenn sie überhaupt noch etwas davon sehen werden.


Helmut Schüller spricht nicht in Soltau

Der Sprecher der österreichischen Pfarrerinitiative Helmut Schüller wird nicht in der katholischen Kirchengemeinde St. Maria vom heiligen Rosenkranz in Soltau sprechen. Eine für kommenden Montag geplante Veranstaltung wurde auf ausdrücklichen Wunsch von Bischof Norbert Trelle abgesagt.

Meinem Bischof kann ich für diese unpopuläre, aber völlig richtige Entscheidung nur allerhöchsten Respekt zollen. Er wird wissen, dass er sich damit zum Buhmann der einschlägigen Öffentlichkeit macht. Der NDR hat schon in Wort und Bild berichtet. Während die Position der Gemeinde und ihres Pfarrers ausführlich gewürdigt werden, darf der Generalvikar als Vertreter des Bischofs gerade einmal ein einziges Statement abgeben.


Ein Verstoß gegen die Predigtregeln

Am vergangenen Sonntag habe ich in der Hildesheimer Basilika St. Godehard eine bemerkenswerte Predigt gehört. Der Prediger war ein jüngerer Diakon, einer der Benediktiner aus der Jerusalemer Dormitio-Abtei, die dort leben. Für ihn war es die Abschiedspredigt nach einem mehrwöchigen Aufenthalt. Das veranlasste ihn, über eine Grundsatzfrage zu predigen:

Warum sind Sie überhaupt hier?

Eine gute Frage, auf die der Prediger auch eine Reihe von Antworten wusste. Ich möchte darauf verzichten, den Inhalt der Predigt hier wiederzugeben. Bemerkenswert war sie, weil ich ihr von Anfang bis Ende folgen konnte. Das ist leider nicht die Regel. Bei den meisten Predigten schlafe ich ein. Und zwar nicht bildlich gemeint, sondern wörtlich. Ich schaffe es einfach nicht, der Predigt zu folgen. Die Müdigkeit ist stärker.

Wir haben es geschafft, aus der aufregendsten Geschichte der Menschheit einen echten Langeweiler zu machen. Vor lauter Aus- und Abgewogenheit, vor lauter Mäßigung und klugen pastoralen Zumutbarkeitsüberlegungen haben wir die Botschaft des Evangeliums wie in einem weichen Kissen gedämpft und abgefedert. Die wenigsten Predigten regen auf, und wenn, dann meist aus den falschen Gründen – weil sie nicht die Lehre der Kirche verkündigen.

Diese Predigt jedenfalls dauerte 25 Minuten, wie ich hinterher erfuhr. Ich selbst schaue während der Heiligen Messe nicht auf die Uhr. Die himmlische Liturgie, in die wir da eintauchen, kennt kein zeitliches Maß. 25 Minuten sind selbstverständlich viel zu lang, die Predigt war zu wortreich und schlug unnötige rhetorische Schleifen, wie mir hinterher gelehrtere Menschen als ich es bin erklärten. Es fiel sogar das böse Wort vom Wortdurchfall.

Mir ist das egal. Diese Predigt hat mich berührt. Und sie hat provoziert. Das muss vielleicht nicht jede Predigt tun, aber einschlafen möchte ich auch nicht.


Der Frosch im heißen Wasser

Dieser Tage häufiger zu hören ist das Bild vom Frosch im Wasser, dessen Temperatur so langsam erhöht wird, dass er es erst merkt, wenn es zu spät ist. Mir kam es neulich in den Sinn, als ich diese Statistik sah. Ich fragte mich nämlich, wie viele wir eigentlich noch sind, die wir jeden Sonntag die Heilige Messe besuchen.

Und siehe da: 2010 waren wir noch 3,1 Millionen, nach 4 Millionen nur acht Jahre zuvor. Man kann über diese Statistik vieles sagen, aber da sie seit 1950 (11,7 Millionen) immer auf die gleiche Weise erhoben wird, zeigt sie sehr deutlich einen langfristig stabilen Abwärtstrend. Am vergangenen Sonntag, dem zweiten Fastensonntag, wurden wieder einmal neue Daten erhoben.

Wie hoch muss die Temperatur im Froschglas eigentlich noch steigen, bevor der Frosch vor Hitze kollabiert?


Warum es 2013 keinen Kanzlerwechsel geben wird (und was Joachim Gauck damit zu tun hat)

Wenn es noch eines Indizes bedurft dafür hätte, dass die Bundestagswahl 2013 praktisch gelaufen ist, dann haben es die Ereignisse rund um die Kandidatur Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten geliefert. Doch der Reihe nach.

Mich beschlich schon 2005, als Angela Merkel Kanzlerin einer Großen Koalition wurde, die Erwartung, sie werde wie Helmut Kohl vier volle Legislaturperioden im Kanzleramt verbringen. Dafür sprach zunächst ihr Lebensalter: Damals war sie gerade einmal 51 Jahre alt. Am Ende ihrer vierten Kanzlerschaft wäre sie demnach 67.

Schwerer aber als das biologische Argument wiegen politische Erwägungen. Denn welche Mehrheiten sollte es auf absehbare Zeit gegen die CDU/CSU geben? Es gibt in Deutschland keine linke Mehrheit. Sie hat es seit Gründung der Bundesrepublik nicht gegeben. Wenn doch einmal die SPD den Kanzler stellte, dann nur mit Hilfe von Anleihen aus dem bürgerlichen Lager.

So war es 1969 die FDP, die Willy Brandt zur Kanzlerschaft verhalf. Helmut Schmidt wurde im bürgerlichen Lager immer sehr geschätzt, und letztlich verlor er die Kanzlerschaft, weil er die Unterstützung aus dem linken Lager einbüßte. Gerhard Schröder konnte 1998 die von ihm erfundene Neue Mitte und damit Stimmen aus dem Reservoir von CDU/CSU und FDP für sich gewinnen.

Welche Szenarien sind nun für die Bundestagswahl 2013 möglich? Die Fortsetzung der gegenwärtigen Koalition erscheint unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen. Die SPD hat offensichtlich keinen schlagkräftigen Kanzlerkandidaten: Steinmeier ist schon 2009 gegen Merkel gescheitert, Gabriel als Kanzler ist kaum vorstellbar, Steinbrück vermutlich in seiner eigenen Partei nicht mehrheitsfähig.

Eine rot-grüne Mehrheit ist ebenso unwahrscheinlich, sofern die Linke erneut in den Bundestag einzieht. In jedem Fall würde sie voraussetzen, dass entweder die Grünen oder die SPD (oder beide) im bürgerlichen Lager wildern, um eine Mehrheit zu erringen. Den Grünen fiele das nicht schwer, da sie durch und durch bürgerlich, konservativ und spießig geworden sind. Doch ob sie mit ihrem gegenwärtigen Führungspersonal in der Lage sind, diese Tatsache in eine erfolgreiche Wahlkampfstrategie umzusetzen?

In jedem Fall sind die Grünen eine Machtoption für Angela Merkel, und wenn nicht schon 2013, dann spätestens 2017. Da eine Dreiparteienkoalition im Bundestag praktisch ausgeschlossen ist, bleibt die Große Koalition mit Angela Merkel als Kanzlerin und womöglich erneut Frank-Walter Steinmeier als Vizekanzler. Er ist zwei Jahre jünger als Merkel und noch lange nicht am Ende seiner politischen Karriere.

Unter Umständen wird 2013 sogar ein Sechsparteienparlament gewählt, wenn FDP, Linke und Piraten in den Bundestag einziehen würden. In diesem Fall ist die Große Koalition äußerst wahrscheinlich und eine rot-grüne Mehrheit praktisch ausgeschlossen. Angela Merkel könnte mit SPD und Grünen Sondierungsgespräche führen, um sich den passenden Koalitionspartner auszusuchen.

Die Personalie Joachim Gauck hat gezeigt, dass der CDU/CSU drei mögliche Koalitionspartner zur Verfügung stehen: SPD, Grüne und FDP. In einer solch komfortablen Situation sollte sich doch eine dritte Regierung Merkel bilden lassen. Eine Mehrheit gegen die Kanzlerin ist hingegen nicht in Sicht.


Fastenzeit 2012

Vor zwei Jahren gab es an dieser Stelle rege Diskussionen darüber, was eigentlich Fasten ist. Ich muss dazu sagen, dass mich die philosophischen Feinheiten hier weniger interessieren als die Fastenregeln der Mutter Kirche. Die wiederum hat, wie ich seinerzeit schrieb, Papst Paul VI. 1966 in der Apostolischen Konstitution Paenitemini neu geregelt.

In diesem Dokument, dass interessanterweise im Internet nur auf Englisch verfügbar ist, heißt es:

The law of fasting allows only one full meal a day, but does not prohibit taking some food in the morning and evening, observing—as far as quantity and quality are concerned—approved local custom.

Eine volle Mahlzeit pro Tag, dazu etwas Nahrung am Morgen und Abend – das ist durchaus machbar. Vorgeschrieben ist dieses Fasten nur am Aschermittwoch und Karfreitag:

Abstinence is to be observed on every Friday which does not fall on a day of obligation, while abstinence and fast is to be observed on Ash Wednesday or, according to the various practices of the rites, on the first day of “Grande Quaresima” (Great Lent) and on Good Friday.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, wie die Konstitution Abstinenz definiert:

The law of abstinence forbids the use of meat, but not of eggs, the products of milk or condiments made of animal fat.

Ich werde mich daran halten und diese Praxis auch auf die übrigen Tage der Fastenzeit ausdehnen, Sonntage und gebotene Feiertage (oder Hochfeste?) ab der ersten Vesper ausgenommen. Außer Fleisch verzichte ich auch auf Alkohol und Süßigkeiten.

Im Übrigen steht in dieser Fastenzeit eine Revision meiner Gebetspraxis an. Dazu vielleicht später mehr.

Als Fastenlektüre habe ich mir in diesem Jahr die Bekenntnisse des Hl. Augustinus vorgenommen. Die Kindle-Ausgabe kostet übrigens nur 89 Cent. Ein weiteres Buch nehme ich mir als Hörbuch vor: Auf Christus schauen: Einübung in Glaube, Hoffnung, Liebe von Joseph Ratzinger.


Passauer Kantorale

Seit einigen Jahren versehe ich in unserer Gemeinde regelmäßig den Kantorendienst. Da ich, von den Organisten einmal abgesehen, der einzige bin, der das regelmäßig tut, ist die genaue Ausgestaltung mehr oder weniger mir selbst überlassen.

Zusammen mit unserem Organisten habe ich in den letzten Jahren vor allem die kleinen roten Bände namens “Die Zwischengesänge der Messfeier” verwendet. Hier wird die einfache Psalmodie aus dem Gotteslob angeboten, die auch ohne große Vorbereitung leicht singbar ist.

Nun habe ich auf Empfehlung eines unserer Subsidiare das Passauer Kantorale entdeckt. Es handelt sich um drei Bände pro Lesejahr, die derzeit zu je 3,50 Euro (plus Versandkosten) angeboten werden. Ich habe gleich den kompletten Satz bestellt. Hier sind die Psalmen in einfache, mehrteilige Melodien gesetzt. Häufig gibt es auch eigene, nicht im Gotteslob stehende Kehrverse.

Das Passauer Kantorale ist leichter zu singen als das im Moment nicht lieferbare Kantorenbuch zum Gotteslob. Es braucht etwas mehr Vorbereitung als die einfache Psalmodie, ist aber für Laiensänger wie mich gut machbar.


Konfessioneller Proporz

Proporz ist wichtig, wenn es um die Besetzung von Staatsämtern geht. So ist bei der Besetzung des Bundeskabinetts auch darauf zu achten, dass die regionale Zusammensetzung stimmt: Ost und West, Nord und Süd müssen angemessen vertreten sein. Ähnlich war es zumindest in den ersten Jahrzehnten der Bonner Republik auch im Hinblick auf die Konfessionen. Zur Zeit Adenauers war es undenkbar, dass ein Katholik Bundespräsident werden konnte. Theodor Heuss war Protestant.

Auch zur Regierungszeit des Katholiken Helmut Kohl waren die Bundespräsidenten allesamt Protestanten: Karl Carstens, Richard von Weizsäcker, der bis 1984 der Synode und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland angehörte, und Roman Herzog. Als Gerhard Schröder Kanzler wurde, änderte sich daran nichts: Auch Johannes Rau und Horst Köhler waren Protestanten. Mit Christian Wulff zog der erste Katholik seit Heinrich Lübke ins Schloss Bellevue ein.

Bis auf Weiteres werden sie die einzigen beiden Katholiken im Amt des Bundespräsidenten gewesen sein. Denn mit Joachim Gauck wird wiederum ein Protestant, und diesmal sogar ein evangelischer Pastor, zum Staatsoberhaupt gewählt. Bei der Besetzung der vier höchsten Staatsämter steht es damit bis auf Weiteres zwei zu zwei: Bundestagspräsident Norbert Lammert und der gegenwärtige Bundesratspräsident Horst Seehofer sind katholisch.

Erstaunlich auch, wie viele evangelische Pastoren und sonstige Kirchenfunktionäre in den letzten Tagen für präsidiabel gehalten wurden: So wurden neben Gauck auch die beiden letzten Ratspräsidenten der EKD, Wolfgang Huber und Margot Käßmann, sowie Katrin Göring-Eckardt, Präses der EKD-Synode, ins Rennen geschickt. Dies zeigt, wie stark die Führungsriege des deutschen Protestantismus inzwischen politisiert ist.

Katholische Priester in Staatsämtern sind hingegen nicht zu erwarten. Ihnen ist es durch das Kirchenrecht untersagt, öffentliche Ämter anzunehmen.


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