Mit Folklore ist keinem gedient

Ein Kommentar zu meiner jüngsten Notiz stellt die Vermutung auf, es ginge darum,

irgendeine noch undefinierte Form zu suchen, „diese Leute loszuwerden“.

Nichts liegt mir ferner. Nun ist es zwar so, dass diese Leute de facto schon verloren sind, und zwar je nach Lesart entweder als zukünftig noch Kirchensteuer zahlende Kunden oder auch als gläubige Christen und Katholiken. Niemand wird auf Dauer für eine Leistung teuer bezahlen, die er kaum oder gar nicht in Anspruch nimmt. Deshalb befindet sich der Kulturkatholizismus seit mindestens Jahrzehnten in einer langsamen, aber stetigen Abwärtsspirale. Doch dies betrifft nur die zeitliche Organisationsform, die immer im Wandel ist und sein muss.

Schwerer wiegen die Konsequenzen für das Seelenheil. Statt diesen Leuten wirklich zu dienen, geben wir ihnen häufig Steine statt Brot. Mit Folklore ist ihnen nämlich nicht gedient. Es ist und bleibt zwar richtig, dass die Sakramente ex opere operato wirken, doch was nützt eine bestenfalls sporadische Sakramentenpraxis ohne Kohärenz, und hier insbesondere ohne Beichte? Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. (1 Kor 11,27)

Die Kirche dient den Kulturkatholiken nicht, indem sie ein folkloristisches Beiwerk zu einem ansonsten gottlosen Leben liefert. Sie muss stattdessen das Wort verkünden und dafür eintreten, ob man es hören will oder nicht. Den Kirchensteuerzahlern nach dem Munde zu reden und ihnen, koste es was es wolle, ihre Wünsche zu erfüllen, ist keine Lösung. Es ist weder nachhaltig noch dient es dem Seelenheil.

Deshalb ist es kein Fehler, die derzeitige Praxis zu beenden, um die freiwerdenden Kräfte und Mittel anderweitig einzusetzen. Als Orientierung sollte dabei dienen, zu fördern, was wächst. Was schrumpft und zusammenbricht, muss nicht künstlich am Leben erhalten werden. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Kulturkatholizismus

Wie erklärt sich eigentlich, dass die große Mehrzahl der Katholiken nur sehr punktuell am kirchlichen Leben teilnimmt? Das beginnt schon mit der Taufe. Nicht alle Kinder katholischer Eltern werden getauft, aber doch erheblich mehr als nur die Kinder der regelmäßigen Kirchgänger. Nicht alle katholisch getauften Kinder gehen zur Erstkommunion, aber doch die meisten, auch wenn sie weder vorher noch nachher am Gemeindeleben teilnehmen. Viele von ihnen lassen sich als Jugendliche firmen, obwohl sie seit der Erstkommunion nur selten eine Kirche von innen gesehen haben. Und selbst der Wunsch nach einer kirchlichen Hochzeit, zwar generell rar geworden, führt immer noch Katholiken in die Kirche, die sonst höchstens zu Weihnachten und eventuell noch Ostern dort erscheinen.

Warum tun die das? Meine Vermutung ist, dass es sich hier um ein Phänomen handelt, das im angelsächsischen Raum als Cultural Catholicism beschrieben wird. Der kaum geläufige deutsche Begriff dafür lautet Kulturkatholizismus. Es handelt sich um katholisch getaufte und aufgewachsene Menschen, die ihren Glauben nicht oder nur eingeschränkt praktizieren, die zum Teil auch gar nicht mehr glauben, aber sich weiterhin als katholisch bezeichnen, in Deutschland in der Regel auch Kirchensteuer zahlen und zu verschiedenen Gelegenheiten kirchliche Dienstleistungen wie Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit, Beerdigung oder den feierlichen Gottesdienst zu Weihnachten in Anspruch nehmen. Gemessen an der Differenz zwischen der Zahl regelmäßiger Kirchgänger und der Zahlen der Täuflinge, Erstkommunionkinder und Firmlinge, was selbstverständlich nur ein grobes Indiz sein kann, handelt es sich hier um einen großen Markt.

Mit anderen Worten: Der Kulturkatholizismus ist in Deutschland eigentlich die vorherrschende Strömung innerhalb des Katholizismus. Es handelt sich um den Rest der einstigen Volkskirche. Zu den Kerninhalten des katholischen Glaubens verhält sich der Kulturkatholizismus bestenfalls indifferent, häufig aber offen ablehnend. Anekdotischer Beweis: Es gibt Firmbewerber, die nicht an die Auferstehung Christi glauben. Das sind nicht einmal wenige. Der Kulturkatholizismus dürfte auch innerhalb der kirchlichen Apparate inzwischen die Mehrheit erreicht haben, was für viele Phänomene jedenfalls eine plausible Erklärung ist, die nicht auf bösen Willen rekurriert, sondern auf Unwissenheit und Indifferenz.

Der Kulturkatholizismus hat sich von der ihn umgebenden Mehrheitskultur absorbieren lassen und vom Katholizismus nur den folkloristischen Teil behalten. Wo die katholische Lehre im Konflikt zur Mehrheitskultur steht, da steht der Kulturkatholizismus sicher auf Seiten der Mehrheit. Der Fairness halber muss hinzugefügt werden, dass der Kulturkatholizismus auch unter regelmäßigen Kirchgängern weit verbreitet sein dürfte und umgekehrt auch unter Heiligabendchristen und anderen sporadischen Kirchenbesuchern noch gläubige Christen zu finden sind.

Diese Situation stellt die Kirche vor ein nahezu unlösbares Dilemma. Es ist klar, dass der Kulturkatholizismus mittel- und langfristig keine Zukunft hat, die über den Status folkloristischen Beiwerks zu einem ansonsten gottlosen Leben hinausgehen würde. Zudem überfordert die Anspruchshaltung der Kulturkatholiken schon heute die ausgedünnten und überalterten Kerngemeinden wie auch die hauptamtlichen Apparate. Eine schöne Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit, Beerdigung oder Messe zu Weihnachten ist auf Ressourcen angewiesen, die der kirchensteuerfinanzierte Apparat nicht selbst herstellen kann. Die Qualität des Angebots lässt nach, und damit sinkt auch die Nachfrage. Auf der anderen Seite lässt sich der Riesentanker Kirche hier kaum umsteuern, ohne in schärfste Konflikte mit seinen Kirchensteuer zahlenden Kunden zu geraten.

Es wird schwer werden, dieses Phänomen auch nur offen zu diskutieren. Alle relevanten Kulturkatholiken, die also an entsprechenden Schaltstellen sitzen, werden die Diagnose auf das Schärfste zurückweisen und wie gewohnt ins Wolkige ausweichen, sobald es ans Eingemachte geht. Die gängigen Leerformeln sind seit Jahrzehnten gelernt und bestens bekannt. Im Kern heißt ihre Devise auch nur: Weiter so. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Dabei ist eine Rückwärtsbewegung ohnehin so gut wie ausgeschlossen. Es kann im Grunde nur um einen Neubau gehen. Ob der Kulturkatholizismus vorher erst zusammenbrechen muss oder ob auch schon früher mit dem Neubau begonnen werden kann, bleibt abzuwarten. Ein Umbau, eine echte Re-Formation, wäre nur um den Preis echter Umkehr zu haben.

Das Licht

Wenn ich heute gefragt würde, warum ich noch katholisch bin, dann müsste ich wohl sagen: Das liegt am Licht. Und zwar am Licht der Osternacht, das in die dunkle Kirche getragen und dort verteilt wird.

Auch in meinen gott- und glaubensfernsten Zeiten habe ich immer gespürt, dass dieses Licht der Osternacht etwas Besonderes ist. Ich hatte immer eine Sehnsucht nach diesem Licht, von dem ich heute weiß, dass es das Licht der Auferstehung ist: Christus, das Licht. Lumen Christi. Deo gratias.

Von diesem Licht aus, das einen völlig dunklen, gotischen Dom nach und nach erhellt, lässt sich das ganze, gewaltige Gebäude des katholischen Glaubens erhellen. Wie viel Kunst, Musik, Malerei, Architektur, Theologie, wie viele gute Werke (um es mal altmodisch zu formulieren) sind zur größeren Ehre Gottes entstanden! Omnia ad maiorem Dei gloriam. Dabei verweisen alle sichtbaren Zeichen am Ende auf die Gegenwart Gottes.

Mir war es am Ende intellektuell unmöglich, diesen riesigen Zeichenkosmos als das Produkt einer einzigen großen Lüge zu verwerfen. Denn das wäre ja der Atheismus – genau diese Aussage, dass jedes Gebäude, jedes Bild und jede Statue, jedes Stück Musik, die ganze Theologie, alle guten Werke, die ganze Gemeinschaft der Martyrer und der Heiligen durch die Jahrtausende letztlich auf einer Lüge basieren.

Das scheint mir eine intellektuelle Zumutung zu sein. Deshalb wurde ich, damals im Grunde Agnostiker, nicht zum Atheisten, sondern begab mich wieder auf den Weg zum Glauben. Und deshalb bin ich katholisch. Wegen dieses Lichtes, das die Nacht erhellt. Et nox sicut dies illuminabitur / et nox illuminatio mea in deliciis meis. „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“

Die Zukunft der Kirche

Die Zukunft der Kirche kann und wird auch heute nur aus der Kraft derer kommen, die tiefe Wurzeln haben und aus der reinen Fülle ihres Glaubens leben. Sie wird nicht von denen kommen, die nur Rezepte machen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur dem jeweiligen Augenblick sich anpassen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur andere kritisieren, aber sich selbst als unfehlbaren Maßstab annehmen. Sie wird also auch nicht von denen kommen, die nur den bequemen Weg wählen. Die der Passion des Glaubens ausweichen und alles das für falsch und überholt, für Tyrannei und Gesetzlichkeit erklären, was den Menschen fordert, ihm wehe tut, ihn nötigt, sich selbst preiszugeben.

Sagen wir es positiv: Die Zukunft der Kirche wird auch dieses Mal, wie immer, von den Heiligen neu geprägt werden. Von Menschen also, die mehr wahrnehmen als die Phrasen, die gerade modern sind. Von Menschen, die deshalb mehr sehen können als andere, weil ihr Leben weitere Räume umfasst.

Joseph Ratzinger, „Glaube und Zukunft“, (Kösel Verlag 1970, Seiten 120ff). Quelle: kath.net

Wandern und Wundern

Notizen von der W@nder-Konferenz in Hannover

I. Ästhetik

Wie sehen wir eigentlich aus? Pfarrheime atmen gern den Muff der Siebzigerjahre, für eine Auffrischung der Optik war lange schon kein Geld mehr da. Oder kein Wille zur Gestaltung, zur Aneignung vorhandener Räume. Wie hören wir uns an? Klingen wir nach Choral und Orgel oder nach Gitarre? Oder vielleicht so:

Wir sind ein ästhetisches Minderheitenprogramm. Ist das gut oder schlecht? Wie ist das User Interface (UI)? Und viel wichtiger noch ist die User Experience (UX). Wie erlebt uns der Nutzer kirchlicher Produkte? Wie ist die Customer Journey? Welche Produkte bieten wir überhaupt an? Und umgekehrt: Wie nehmen wir eigentlich andere wahr?

Das Gefühl der Fremdheit entsteht zunächst aus der ästhetischen Differenz. An sich nichts Schlechtes, ist Gott doch der ganz Andere. Und sicher lässt er sich auch im Dekor der Siebziger, zwischen Gummibaum und rotem Tee, und in Musik finden, die in den Siebzigern einmal neu war.

Doch diese äußere Erscheinung geht unweigerlich zu Ende. Wo sich ästhetische Beliebigkeit, Hilflosigkeit und Ignoranz manifestieren, schreckt kirchliche Ästhetik häufig einfach nur ab. Unsere Tradition hat große Kunst und Kultur hervorgebracht. Die Messlatte liegt hoch, wenn es um kirchliche Hochkultur geht, und niedrig, wenn wir den ästhetischen Muff vergangener Jahrzehnte betrachten.

II. Räume

Unsere Räume sind uns zur Altlast geworden. Vielfach für Lastspitzen ausgelegt, sind sie die meiste Zeit schlecht ausgelastet, kosten viel und schieben Sanierungsstau. Auch deshalb konservieren sie die Ästhetik vergangener Zeiten.

Wahrscheinlich wäre es günstiger, die nötigen Räume zu mieten statt sie selbst vorzuhalten. Das schüfe Beweglichkeit und gäbe die Chance, temporär an Orte wie die Eisfabrik zu gehen, wo die Gottesfrage sonst eher selten vorkommt. Und sich diese Räume anzueignen.

Kein Zweifel: Es gibt viel unbedingt erhaltenswertes Erbe einer großen Geschichte. Aber auch viel ästhetischen Schrott, der Geld und Zeit frisst, ohne dass dem ein nennenswerter Ertrag entsprechen würde. Räume definieren das kirchliche Leben, wie ein stählernes Gehäuse. Dabei müsste es umgekehrt sein: Das Leben definiert die Räume.

III. Scheitern

Wir sind längst schon marginalisiert. Nur Minderheiten nehmen noch am kirchlichen Leben teil. Doch unverdrossen führen wir das Programm aus den längst vergangenen Zeiten der Volkskirche fort, auch wenn es nun ein Minderheitenprogramm geworden ist und die Abstimmung mit den Füßen läuft.

Scheitern hat ein viel zu schlechtes Image. Zu den positiven Seiten des Scheiterns gehört, dass es bis dato gebundene Kraft und Zeit freisetzt. Scheitern schafft Raum für Neues. Es ist eine große Erleichterung, nicht mehr alle Kräfte für den Ritt auf toten Pferden aufwenden zu müssen.

Doch sich das Scheitern eingestehen zu müssen, ist oft nicht leicht. Wie groß muss der Schmerz werden, bis wir dazu bereit sind? Lieber unter Schmerzen weitermachen als sich schmerzhaft das Scheitern einzugestehen? Es gibt eigentlich keinen Grund, Programme fortzusetzen, die nicht mehr funktionieren.

IV. Vernetzung

In Zeiten, da Inhalte per Video und Internet allgemein verfügbar sind, haben Konferenzen und ähnliche Events zwei Funktionen: Sie schaffen gemeinsame, geteilte Erlebnisse und Vernetzung unter den Teilnehmern. Beides war bei W@nder stark ausgeprägt.

So materialisierte sich in Hannover ein gewisser Teil meiner Timeline, neue Leute kamen hinzu, wie der eine und die andere, die ich schon länger mal kennenlernen wollte. Schön zu sehen, wie sich die digitale Vernetzung langsam auch im kirchlichen Kontext ausbreitet.

Die Zuordnung der Seilschaften in Hannover bescherte mir mit Jonny Baker, dem Eröffnungsredner des Haupttages, gleich einen Hauptgewinn. Wir sprachen in unserer Seilschaft u.a. über Design Thinking und Service Design — Themen, die im kirchlichen Kontext eher selten vorkommen, im beruflichen Kontext hingegen häufig.

Aus unerfindlichen Gründen hing ich in Hannover relativ viel mit Seminaristen, Diakonen, Kaplänen, Pastoren und Priestern herum. Viele gute Leute, durchaus ermutigend, wenn ich an die Zukunft unserer Kirche denke. Pioniere.

V. Führung

Pioniere arbeiten niemals losgelöst von ihrer Haupttruppe, für die sie den Weg bahnen sollen. Deshalb haben wir hier ein Führungsthema. Und ein Führungsproblem. Wir brauchen Führungskräftetraining auf allen Ebenen. Das wird nicht alles von alleine gehen.

Führung heißt auch, über den Einsatz von Ressourcen zu entscheiden. Eine Entscheidung für etwas ist immer zugleich auch eine Entscheidung gegen etwas anderes. Geld kann nur einmal ausgegeben, Personal nur einmal eingesetzt werden.

VI. Sendung

The gift of not fitting in. Das Paradoxon: Dies verbindet uns heute mit der Mehrheit der Gesellschaft. Nur eine kleine Minderheit passt noch hinein, die Mehrheit hingegen findet keinen Zugang mehr oder nur noch punktuellen Bezug. Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.

Wir brauchen die Sendung. Wir können uns nicht selbst senden. Und womöglich ist Sendung auch ein guter Begriff, wo das Wort Mission auf Vorbehalte stößt (obwohl heute jedes Wirtschaftsunternehmen, das etwas auf sich hält, eine Mission hat).

VII. Literatur

Vier Bücher, die in diesem Kontext hilfreich sind.

Aber du weißt den Weg für mich

Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir.
Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht.
Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den Weg für mich.

(Taizé)

Weihnachten 2016

Das nun zu Ende gehende Jahr hat uns große Veränderungen gebracht. Die wohl größte Veränderung war unser Umzug in den Nachbarort. Seit September wohnen wir in Hollern-Twielenfleth – etwas weiter weg von Hamburg, dafür etwas näher an Stade. Die Kinder können nun mit dem Fahrrad zur Schule und zur Arbeit fahren.

Wir hatten schon länger an einen Umzug gedacht. In diesem Jahr haben wir endlich Nägel mit Köpfen gemacht, nachdem wir ein ungewöhnliches Haus in ruhiger Lage gefunden haben, das uns sofort gefallen hat. Nach 18 Jahren im eigenen Haus in Steinkirchen wohnen wir jetzt wieder zur Miete. Unsere beiden Häuser dort werden gerade saniert und sind ab Februar/März bereits vermietet.

Unser Großer hat in diesem Jahr sein Abitur gemacht (Note 1,6) und im August seinen Bundesfreiwilligendienst im Lebenshilfe-Kindergarten angetreten. Er bleibt uns also auf jeden Fall noch bis zum nächsten Sommer erhalten. Unser Jüngster hat sein erstes Jahr in der neuen Schule mit Erfolg beendet und strebt nun in der zehnten Klasse seinen erweiterten Realschulabschluss an, um anschließend in der Oberstufe das Abitur ansteuern zu können.

Im Juli, einen Tag nach ihrem 95. Geburtstag, ist Oma Emmi gestorben, die Großmutter meiner Frau. Sie hatte zuletzt im Altenheim in Bad Lauterberg gelebt, wo sie nun auch begraben liegt. Es war ein regnerischer Sommertag, an dem wir sie im kleinsten Kreis beerdigt haben.

Am 1. Januar 2016 hatte ich den Vorsatz gefasst, in diesem Jahr mehr zu schreiben und mehr zu lesen. Das hat auch so einigermaßen funktioniert, vor allem was den ersten Teil angeht. Denn im Sommer konnte ich nach zehn Jahren die Verantwortung für die jährlich stattfindende Konferenz abgeben, für die ich bis dahin zuständig war. In meiner neuen Rolle gehört Schreiben wieder zu meinen Haupttätigkeiten. Das macht mir viel Freude.

Im Sommer waren wir alle gemeinsam zwei Wochen auf Mallorca, zum ersten Mal überhaupt. Uns hat die Insel sehr begeistert, und wir ahnen, warum sie so ein außergewöhnlich beliebtes Urlaubsziel ist. Dabei hat uns Nordlichtern die mediterrane Sonne und die Sommerhitze auch einigermaßen zu schaffen gemacht. Wahrscheinlich sind Frühjahr oder Herbst für uns die besseren Jahreszeiten.

Für 2017 planen wir nun erstmals seit langem keinen Familienurlaub mehr. Meine Frau und ich wollen nach genau zwanzig Jahren wieder einmal einen Sommerurlaub zu zweit verbringen. Damals waren wir auf Korsika, genau genommen allerdings waren wir damals schon zweieinhalb. Wohin im nächsten Jahr die Reise gehen soll, wissen wir noch nicht.

Die Veränderungen, die ich oben so lapidar beschrieben habe, haben uns sicher einige Kraft gekostet. 2016 war ein anstrengendes Jahr, vor allem die zweite Hälfte nach dem Urlaub. Wir haben uns auch öfter gefragt, ob das wohl alles gutgehen wird. Doch vom Ende her gesehen fühlt sich alles gut an.

Wir fühlen uns hier im neuen Haus sehr wohl, das meiste ist inzwischen eingerichtet, und das Projekt Sanierung und Vermietung ist auch auf einem guten Weg. Wenn Anfang des neuen Jahres die Bauarbeiten abgeschlossen und die Mieter eingezogen sind, dann können wir das Thema wohl erst einmal abhaken.

Die Weihnachtspause fällt in diesem Jahr recht kurz aus. Meine Frau muss auch zwischen Weihnachten und Silvester arbeiten, unser Großer und ich haben nur etwas mehr als eine Woche frei. Nur der Jüngste kann zweieinhalb Wochen Weihnachtsferien genießen.

„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.“ So gibt Matthäus (1,23) die Verheißung des Propheten Jesaja (7,14) wieder. Die Christen haben dieses Wort immer auf Jesus Christus bezogen. Er ist das Zeichen, das der Prophet angekündigt hat.

Und der Name „Gott ist mit uns“ ist Programm. In Jesus Christus kommt Gott selbst zu uns, wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Etwas Größeres als dies kann kein Mensch feiern, mit einer Ausnahme nur – nämlich Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, was wir zu Ostern feiern.

„Diese beiden Punkte sind ein Skandal für den modernen Geist“, bemerkt Joseph Ratzinger im Prolog zu „Jesus von Nazareth“. Es ist im Grunde erstaunlich, dass Weihnachten heute so eine große Bedeutung auch für Menschen hat, die gar nicht an das Weihnachtsereignis glauben. Konsequent wäre ja dann, Weihnachten nicht zu feiern.

Doch wäre die Welt ohne Gott, der in einem kleinen Kind zu uns kommt, nicht ein trauriger und trostloser Ort? Gerade zu Weihnachten ist diese Leere nicht leicht auszuhalten, und umgekehrt: Die Fülle des Mensch gewordenen Gottes ist der wahre Grund der Weihnachtsfreude. Möge jeder, der nun Weihnachten feiert, dies spüren.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2017!

Differenzverlust

Wirklich schade und ein großer kultureller Verlust ist ja, dass der Unterschied zwischen Advent und Weihnachten verloren scheint. Das Fest selbst verblasst, wenn es wochenlang quasi vorweggenommen wird, statt es voller Vorfreude zu erwarten.

Die Kirche hat ein Führungsproblem

In letzter Zeit ist mir noch klarer geworden, was ich schon länger ahnte, ja eigentlich wusste: Die hiesige Kirche hat ein Führungsproblem, und zwar ein gewaltiges. Es handelt sich, und das ist der neue Teil dieser Erkenntnis, um ein systemisches Problem. Was insbesondere heißt, dass dieses Führungsversagen nicht in erster Linie einzelnen handelnden Personen anzulasten ist.

An dieser Stelle ist ein Hinweis auf ein sehr gelungenes Blogprojekt mit dem Namen Kirchenentwicklung angezeigt. (Nebenbei sagt es übrigens auch einiges aus, dass diese Domain offensichtlich noch 2015 zu haben war. Aber das steht auf einem anderen Blatt.) Einen der Autoren dieses Blogs kenne und schätze ich aus der Zeit meiner Ausbildung zum Diakon, und im Unterschied zu mir hat er die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist heute Diakon.

Das Blog pflegt einen systemisch orientierten Blick auf den derzeitigen Stand der Kirchenentwicklung in Deutschland. Was dort geschrieben wird, ist sprachlich relativ weit entfernt vom üblichen Pastoraljargon, der ja auch, geben wir es ruhig zu, nur schwer erträglich ist. Mir ist schon klar, dass dort ebenfalls ein Jargon kultiviert wird, nur halt ein anderer – in diesem Fall eben der Jargon der Organisationsberatung. Das schafft jedoch einen gewissen Verfremdungseffekt und dadurch frische Erkenntnis.

Dass und warum die hiesige Kirche ein Führungsproblem hat, ist mir bei der Lektüre des Buches „Exponential“ von Dave und Jon Ferguson aufgefallen. Die Autoren sind amerikanische Freikirchler, was so seine Vor- und Nachteile hat. Sie beschreiben jedenfalls Führung als einen sehr systematischen, also systemischen Prozess. Schon auf der, einmal abgesehen von der Familie, kleinsten Ebene der Gemeindebildung, nämlich in den small groups, gibt es Führung und Führungspersonen, weil es sie geben muss. Das setzt sich dann über alle Ebenen hinweg fort, und dabei denken die Fergusons alles andere als klein. Im Gegenteil, wie der Name des Buches schon anzeigt, geht es hier um sehr große Strukturen und entsprechende Ambitionen.

Einen weiteren Hinweis in die gleiche Richtung bekam ich aus Episode 87 des exzellenten Rebuilt Podcast. Tom Corcoran spricht in dieser Folge mit Matt Manion, dem Direktor des Catholic Leadership Institute. Dieses Institut hat sich der Ausbildung von Führungskräften für die katholische Kirche verschrieben. Diese Führungskräfte sind zunächst einmal Bischöfe und Priester. Wir kommen ja historisch aus einer sehr stark hierarchisch geprägten Führungskultur. Diese Kultur ist etwa seit dem II. Vatikanischen Konzil einigermaßen erodiert, ohne jedoch eine stabile und funktionale neue Führungskultur hervorzubringen.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass nun jeder – Bischof, Priester, Laie, vielleicht auch der Papst – tun kann, was er will, und das zum Teil auch tut. Das Resultat ist Chaos, Verwirrung und Verfall. Alte Strukturen lösen sich auf, ohne dass neue Strukturen entstehen würden. Systemisch betrachtet ist das ein Desaster, weil es eben auch die einzelne handelnde Person innerhalb des erodierenden Systems strukturell überfordert. Strukturen und Führung entlasten ja gerade den Einzelnen von Entscheidungen, die er nicht zu treffen hat. Gleichzeitig legen sie fest, was von wem zu entscheiden ist.

Wir haben noch eine schwache Ahnung, dass Führung auf jeder Ebene gefordert ist. Es gibt noch Gruppenleiter für Gruppen aller Art, es gibt Führungsgremien mit Namen, die auf -rat oder -vorstand enden und Vorsitzende haben. Doch was fehlt, ist ein durchgängiges Verständnis von Führung. Besonders krass fällt mir dieses Fehlen in den Lokalen Leitungsteams auf. Der Begriff enthält ja drei Elemente: Lokal ist zunächst ganz schlicht der jeweilige Ort des Handelns, also meistens die Gemeinde, die nun nicht mehr wie früher mit der Pfarrei zusammenfällt. Leitung ist ein anderes Wort für Führung, doch was genau da wie geleitet werden soll, erscheint eher unklar. Geht es um einen Ersatz für den nicht mehr vorhandenen Pfarrer? Oder eher um die Nachfolge des früheren Pfarrgemeinderates? Und das Wort Team verschärft noch einmal das Problem.

Denn ein Team hat, dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend, ein gemeinsames Ziel. Ein Gemeindeleitungsteam braucht eine Vision und ein Leitbild für die lokale Gemeinde, sonst kann es nicht arbeiten. Und damit sind wir nun beim Kern des systemischen Versagens. Denn in der Praxis werden solche Teams, soweit ich das beurteilen kann, mit diesen Fragen alleine gelassen. Das kann schon aus rein systemischen Gründen nicht funktionieren. Denn Lokale Leitungsteams arbeiten nicht im luftleeren Raum. Sie sind Teil der Gemeinde, der Pfarrei, des Dekanates, des Bistums und sonstiger kirchlicher Strukturen. Eine Vision und ein Leitbild, die ein lokales Leitungsteam entwickelt, müssen daher kompatibel zu den Visionen und Leitbildern der anderen Ebenen sein.

Und das heißt: Ein lokales Leitungsteam muss sich mit den Leitbildern der Pfarrei und des Dekanates ebenso auseinandersetzen wie mit den entsprechenden Vorgaben der übrigen Führungsebenen. Tatsächlich gibt es diese Vorgaben ja, jedenfalls auf den höheren Ebenen. Im Bistum Hildesheim wäre da das Hirtenwort zur österlichen Bußzeit 2011 zu nennen, in dem Bischof Norbert Trelle für Lokale Kirchenentwicklung wirbt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat 2015 ein Wort zur Erneuerung der Pastoral mit dem Titel „Gemeinsam Kirche sein“ veröffentlicht. Und Papst Franziskus hat seinen Plan 2013 im nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute vorgelegt.

Nun ist Papier bekanntlich geduldig. Was noch fehlt, sind die entsprechenden Prozesse und eine Führungskultur, die das Hören auf diese Worte befördern würde. In Deutschland steht uns dabei nach wie vor der gute, alte antirömische Affekt im Wege. Auch die enorme Popularität von Papst Franziskus hat daran im Grunde nicht viel geändert. Bestenfalls wird selektiv wahrgenommen, was aus Rom kommt. So leben es auch die deutschen Bischöfe vor, und so setzt es sich systemisch über die Ebenen hinweg fort. Der Diözesanbischof schert sich nicht groß um Papiere der Bischofskonferenz. Hildesheim ist weit weg, denkt man sich im Dekanat. Und auch die einzelnen Gemeinden innerhalb der Pfarrei wollen am liebsten nichts miteinander zu tun haben. Schlimm genug, dass man sich den Pfarrer teilen muss und keinen „eigenen“ Priester mehr hat. Jeder macht seins.

Pfarrer sind häufig keine überzeugenden Führungskräfte. Liegt es an der mangelnden Ausbildung, am Menschenschlag oder fehlen einfach nur überzeugende Rollenmodelle? Damit wird es schwierig. Wie wollen Laien in dieser Situation Führung übernehmen? Führung wird im Grunde nicht goutiert. Dabei möchte ich, um Missverständnisse zu vermeiden, keineswegs einer autoritären Führung alten Stils das Wort reden. Führung hat viel damit zu tun, Verantwortung zu delegieren. Das muss aber sauber geschehen und passiert nicht einfach im Vakuum fehlender Führung von alleine. Bottom-up geht das nicht.

Für Laien sehe ich da nur eine Option: Kleine Christliche Gemeinschaften zu gründen und dort Führung einzuüben und zu lernen. Solche Gemeinschaften brauchen jeweils einen Leiter und einen Stellvertreter, der die Aufgabe hat, selbst zum Leiter zu werden und dann die Leitung einer anderen Gemeinschaft zu übernehmen oder eine neue Gemeinschaft zu gründen. Auf diese Weise entstehen regelmäßig neue Gemeinschaften, die zugleich über personelle Verflechtungen miteinander vernetzt sind. Aus dem Pool der Leiter lassen sich dann auch Führungskräfte für höhere Aufgaben rekrutieren. So bildet sich mittelfristig eine Führungskultur von unten, die auch Auswirkungen auf das etablierte, führungsschwache System hat.

Die Bordkapelle auf der Titanic

Erhard Eppler prägte 1975 den Gegensatz zwischen Wertkonservatismus und Strukturkonservatismus. Das war damals strategisch geschickt und mit einem gewissen Maß an Polemik gewürzt. Mir kam dieser Gegensatz wieder in den Sinn, als ich den Pfarreibesuch von Christian Hennecke und Christiane Müßig in Stade Revue passieren ließ. Der Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim und die Referentin für Lokale Kirchenentwicklung besuchen derzeit alle Gemeinden Pfarreien unseres Bistums, um über den Stand der Lokalen Kirchenentwicklung zu sprechen.

Christian Hennecke kann sehr charmant sein. Er formuliert so elegant, dass es den Angesprochenen vermutlich nicht einmal auffiel, was er ihnen sagte. Im Grunde hielt er nämlich den ängstlichen, um die Zukunft ihrer priesterlosen Gemeinde besorgten engagierten Katholiken entgegen, dass er sich um die Zukunft der Kirche keine Sorgen mache. In Zukunft, so Hennecke, werden halt ganz andere Leute Gemeinde sein als die, die er da vor sich hatte.

Das zu prognostizieren ist leicht, denn diese Leute, die er da vor sich hatte, strahlen so wenig Begeisterung aus, dass sie niemanden mehr für ihre Gemeinde gewinnen werden, die etwa 30 Kilometer von Stade entfernt mitten im Elbe-Weser-Dreieck liegt. Sie wenden alle verfügbaren Kräfte dafür auf, den Status quo möglichst lange zu erhalten, wissen aber genau, dass diese Kräfte zu Ende gehen. Die Stimmung ist so ähnlich wie auf der Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg. Das Schiff gerät langsam in Schieflage, aber immerhin spielt die Bordkapelle noch. Näher, mein Gott, zu Dir!

Das ist ein gutes Beispiel für Strukturkonservatismus, wie ihn Eppler kritisierte. Dieser Gemeinde fehlt nach dem Selbstverständnis der engagierten Laien im Grunde nichts außer dem „eigenen“ Priester. Ach ja, und die Jugend gibt es auch nicht. Junge Erwachsene und Familien – ebenfalls Fehlanzeige. Ist überhaupt noch jemand unter 40 dabei? Hier wird es langsam knifflig, denn damit fehlen nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch schon deren Eltern.

Es bleibt die Generation der Großeltern, die zum Teil noch mit Druck dafür sorgt, dass ihre Enkel getauft werden, zur Erstkommunion gehen und die Firmung empfangen. Wobei meine eigenen Beobachtungen aus über zehn Jahren Taufkatechese ergeben, dass dieser Fall inzwischen recht selten geworden ist. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die heutigen Eltern im Alter von Mitte 20 haben meistens selbst Eltern, die um die 50 sind. Diese Generation junger Großeltern steht selbst schon nicht mehr so eng zur Kirche, dass sie noch Druck ausüben würde. Darum ist es auch nicht schade.

Wie sehen wir eigentlich jene 95 Prozent der auf dem Papier stehenden Gemeindemitglieder, die sonntags nicht zur Messe kommen? Wie können wir ihnen dienen? Zwei Fragen, die Christian Hennecke an diesem Abend stellte. Dabei geht es ihm nicht so sehr um den sakramentalen Service, auf den ein guter Kirchensteuerzahler schließlich Anspruch zu haben meint, also um Taufe, Erstkommunion und Firmung für den Nachwuchs, kirchliche Heirat und schließlich Beerdigung durch einen Priester, festliche Messe zu Weihnachen und vielleicht noch Ostern. Sondern wirklich um die Frage, was wir für diese Menschen tun können, die doch zu uns gehören.

„Es kommt ja keiner“, lautet ein häufig in diesem Kontext geäußerter Satz. Wir sind ja eine offene Gemeinde, die jeden mit offenen Armen aufnehmen würde, aber es kommt ja keiner. Doch warum sollte jemand kommen? Der Auftrag des Herrn an seine Jünger lautet schließlich, zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Mt 28,19). Gehen! Nicht darauf warten, dass jemand kommt. Und übrigens – alle vier Pfarreien im Dekanat Unterelbe wachsen von Jahr zu Jahr. Vermutlich dank Zuzug in den Speckgürtel Hamburgs, der die Verluste durch Tod und Kirchenaustritt überkompensiert.

Es kommt also doch jemand. Der Herr schickt uns Wellen des Wachstums, so ähnlich formuliert es der kalifornische Baptistenpastor Rick Warren. Unsere Aufgabe ist es, diese Wellen zu reiten. Eine gesunde Gemeinde wächst. Unsere Aufgabe ist es, gesund zu bleiben. Dann stellt sich das Wachstum quasi von selbst ein. Uns gelingt es bis jetzt nicht, die Neuankömmlinge zu Gemeindemitgliedern zu konvertieren. Unsere Strukturen stehen dem im Wege. Wie sehen gesunde Strukturen aus? In jedem Fall gehört dazu die sakramentale Struktur der Kirche, die durch den allgemeinen Rückgang zusehends unter Druck gerät.

An dieser Stelle hilft die Unterscheidung zwischen Wertkonservatismus und Strukturkonservatismus nicht weiter. Die soziale Struktur der Kirche kann, muss und wird sich ändern. Die sakramentale Struktur nicht. Sie konstituiert die Kirche. Die Botschaft bleibt stets die gleiche, und der Auftrag des Herrn für seine Kirche ebenfalls. Lokale Kirchenentwicklung läuft Gefahr, den mehr oder weniger zufälligen Ideen mehr oder weniger zufälliger engagierter Katholiken anheim zu fallen. Es sind aber nicht die Ideen, auf die es ankommt, sondern die Umsetzung. Daran mangelt es meistens.