Archived entries for Caritas

Believing the incredible

The Christian virtues of faith, hope, and charity are in their essence as unreasonable as they can be. As the word “unreasonable” is open to misunderstanding, the matter may be more accurately put by saying that each one of these Christian or mystical virtues involves a paradox in its own nature, and that this is not true of any of the typically pagan or rationalist virtues. Justice consists in finding out a certain thing due to a certain man and giving it to him. Temperance consists in finding out the proper limit of a particular indulgence and adhering to that. But charity means pardoning what is unpardonable, or it is no virtue at all. Hope means hoping when things are hopeless, or it is no virtue at all. And faith means believing the incredible, or it is no virtue at all.
G.K. Chesterton, Heretics

Knappste Güter

Norbert Bolz ist ja neben Harald Schmidt einer der halb säkularen, halb katholischen Säulenheiligen dieses Notizbuches. Ich mag ihn, seit er mir in den frühen Tagen meines Studiums begegnete, nicht als Person begegnete, sondern als Rhetoriker, Analytiker, Ketzer wider den Zeitgeist wie auch dessen Exeget, als Universalgelehrter und -dilettant gleichermaßen.

In Telepolis zieht er nun wieder richtig vom Leder. Auch die Fraktion der militanten Eva-Herman-KritikerInnen bekommt ihr Fett weg. Hier meine Lieblingspassage:

Wohl denen, die bei Freud vorkommen – sie haben wenigstens noch eine Seele. Natürlich verletzt und beschränkt die Familie; natürlich macht sie neurotisch. Aber nur in der Familie kann Liebesfähigkeit entstehen. Was immer auch in Kitas, Horten und Krippen geboten wird – Liebe kann es nicht sein. Es geht hier um die knappsten Güter des 21. Jahrhunderts: Zeit und Aufmerksamkeit. Und weil natürlich alle spüren, dass man die zeitintensive Liebe zu einer konkreten Person durch nichts ersetzen kann, predigt man heute schon in Kindergärten und Grundschulen das große Blabla von Teamfähigkeit, sozialem Lernen und Kommunikationstraining.

Dazu möchte ich nur eine Passage aus einem Text stellen, von dem ich zunächst nicht verrate, von wem er stammt:

Das Kind braucht Zuwendung. Das bedeutet: Wir müssen ihm etwas von unserer Zeit geben, Zeit unseres Lebens. Aber gerade dieser wesentliche „Rohstoff“ des Lebens – die Zeit – scheint immer knapper zu werden. Die Zeit, die wir haben, reicht kaum aus für das eigene Leben; wie sollten wir sie abtreten, sie jemand anderem geben? Zeit haben und Zeit geben – das ist eine ganz praktische Weise, wie wir erlernen müssen, uns selber zu geben, uns zu verlieren, um uns zu finden.



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