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Bücher schnorren

Wer Bücher sein eigen nennt, kennt das Problem: Wohin mit dem Überfluss? Wie Platz schaffen im Regal? Was geschieht mit aussortierten Büchern?

Einige Zeit habe ich es mit Amazon versucht. Der dortige Gebrauchtbüchermarkt ist sehr groß. Doch ist das Angebot größer als die Nachfrage. Viele Bücher sind für den Spottpreis von einem Cent zu haben. Amazon schlägt drei Euro Versandkosten auf den vom Verkäufer gesetzten Preis auf. Der minimale Endpreis ist daher 3,01 Euro, und damit scheint noch eine Marge möglich zu sein. Anders lässt sich die Schwemme an Billigstbüchern bei Amazon nicht erklären.

Wie auch immer. Mit einem relativ großen Buchangebot lässt sich über Amazon das eine oder andere Buch verkaufen. Für den Normalverkäufer ist es allerdings relativ mühsam, ein solch großes Angebot zu pflegen, da jedes Buch über ein mehrstufiges Formular erfasst werden muss. Und für alle unverkauften Bücher beginnt das Spiel nach geraumer Zeit von vorn. Aufwand und Ertrag stehen in keinem gesunden Verhältnis.

In der vergangenen Woche habe ich mit BookMooch eine neue, vielversprechende Möglichkeit entdeckt, mich vom Buchüberschuss zu trennen. BookMooch ist eine Büchertauschbörse, auf der nicht direkt, sondern indirekt getauscht wird. Jedes Mitglied hat ein Punktekonto. Für jedes verschickte Buch gibt es eine Gutschrift, jedes angeforderte Buch kostet Punkte.

Mit Hilfe der ISBN lassen sich die meisten Bücher sehr schnell und einfach erfassen. So habe ich 85 Bücher aufgelistet, von denen meine Frau sich trennen möchte. Meine abgelegten Bücher werden noch folgen. Das erste Buch ging sofort weg, sodass derzeit noch 84 vorhanden sind. Außerdem habe ich meine Amazon-Wunschliste importiert, die eher eine Merkliste ist. Das ging fix.

Nach einigem Stöbern bei BookMooch ist meine dortige Wunschliste inzwischen noch deutlich angewachsen. Und die ersten Bücher habe ich bereits geschnorrt angefordert.

Die Mehrzahl der Mitglieder kommt aus den USA, in Deutschland gibt es bis jetzt erst 183 Mitglieder. Vom Bücherangebot sollte also nicht übermäßig viel erwartet werden, aber interessante Gebrauchtbücher dürften wohl schnell geschnorrt werden. Und so wieder Platz im Bücherregal schaffen.

Die Kirche ist keine Marke. Sagt Hans Küng.

Man nicht sagen, dass ich besonders oft mit Hans Küng übereinstimmen würde. Auch wenn ich “Existiert Gott?” nach wie vor für ein gutes Buch halte. Aber was er hier im Interview mit der Welt sagt, kann ich unterschreiben:

WELT ONLINE: Sie haben also Vorbehalte gegen den Begriff “Ökumene der Profile”, der von evangelischer Seite in die Diskussion eingeführt wurde?
Küng: Wenn die evangelische Kirche sich nur noch profilieren kann, indem sie sich absetzt einerseits von Rom und andererseits vom Islam, dann verleugnet sie im Grunde das, was in der ökumenischen Bewegung längst deutlich wurde: dass wir uns nicht gegenseitig zu profilieren suchen. Begriffe wie Profilierung stammen aus der Geschäftswelt. Man betrachtet da die Kirche als eine Marke. Aber eine christliche Glaubensgemeinschaft ist keine Marke. Der Konkurrenzbegriff, der damit eingeführt wird, ist nicht der richtige Begriff für die Beziehungen der Christen untereinander, die ja Geschwister in Christus sein sollen.

Bücher 2007 (1): Ich bin dann mal weg

Im vergangenen Jahr habe ich nicht nur hier wenig notiert, ich habe auch sehr wenig gelesen. Das eine oder andere dieser wenigen Bücher will ich in loser Folge hier kurz vorstellen.

Den Anfang macht ein Bestseller, der aus gutem Grunde ein solcher geworden ist. 1978 gingen 13 Pilger den Jakobsweg – im vergangenen Jahr waren es 114.026. Dieser Aufschwung ist nicht allein Hape Kerkeling zu verdanken. Aber Kerkeling schwimmt mitten im breiten Strom der Wiederentdeckung des Pilgerns im Allgemeinen und des Jakobsweges im Besonderen.

Ein im guten Sinne populäres Buch, streckenweise witzig, immer unterhaltsam und manchmal sogar von geistlichem Wert. Auch in mir hat es den Wunsch geweckt, nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg. Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, 19,90 Euro.



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