Weihnachten 2016

Das nun zu Ende gehende Jahr hat uns große Veränderungen gebracht. Die wohl größte Veränderung war unser Umzug in den Nachbarort. Seit September wohnen wir in Hollern-Twielenfleth – etwas weiter weg von Hamburg, dafür etwas näher an Stade. Die Kinder können nun mit dem Fahrrad zur Schule und zur Arbeit fahren.

Wir hatten schon länger an einen Umzug gedacht. In diesem Jahr haben wir endlich Nägel mit Köpfen gemacht, nachdem wir ein ungewöhnliches Haus in ruhiger Lage gefunden haben, das uns sofort gefallen hat. Nach 18 Jahren im eigenen Haus in Steinkirchen wohnen wir jetzt wieder zur Miete. Unsere beiden Häuser dort werden gerade saniert und sind ab Februar/März bereits vermietet.

Unser Großer hat in diesem Jahr sein Abitur gemacht (Note 1,6) und im August seinen Bundesfreiwilligendienst im Lebenshilfe-Kindergarten angetreten. Er bleibt uns also auf jeden Fall noch bis zum nächsten Sommer erhalten. Unser Jüngster hat sein erstes Jahr in der neuen Schule mit Erfolg beendet und strebt nun in der zehnten Klasse seinen erweiterten Realschulabschluss an, um anschließend in der Oberstufe das Abitur ansteuern zu können.

Im Juli, einen Tag nach ihrem 95. Geburtstag, ist Oma Emmi gestorben, die Großmutter meiner Frau. Sie hatte zuletzt im Altenheim in Bad Lauterberg gelebt, wo sie nun auch begraben liegt. Es war ein regnerischer Sommertag, an dem wir sie im kleinsten Kreis beerdigt haben.

Am 1. Januar 2016 hatte ich den Vorsatz gefasst, in diesem Jahr mehr zu schreiben und mehr zu lesen. Das hat auch so einigermaßen funktioniert, vor allem was den ersten Teil angeht. Denn im Sommer konnte ich nach zehn Jahren die Verantwortung für die jährlich stattfindende Konferenz abgeben, für die ich bis dahin zuständig war. In meiner neuen Rolle gehört Schreiben wieder zu meinen Haupttätigkeiten. Das macht mir viel Freude.

Im Sommer waren wir alle gemeinsam zwei Wochen auf Mallorca, zum ersten Mal überhaupt. Uns hat die Insel sehr begeistert, und wir ahnen, warum sie so ein außergewöhnlich beliebtes Urlaubsziel ist. Dabei hat uns Nordlichtern die mediterrane Sonne und die Sommerhitze auch einigermaßen zu schaffen gemacht. Wahrscheinlich sind Frühjahr oder Herbst für uns die besseren Jahreszeiten.

Für 2017 planen wir nun erstmals seit langem keinen Familienurlaub mehr. Meine Frau und ich wollen nach genau zwanzig Jahren wieder einmal einen Sommerurlaub zu zweit verbringen. Damals waren wir auf Korsika, genau genommen allerdings waren wir damals schon zweieinhalb. Wohin im nächsten Jahr die Reise gehen soll, wissen wir noch nicht.

Die Veränderungen, die ich oben so lapidar beschrieben habe, haben uns sicher einige Kraft gekostet. 2016 war ein anstrengendes Jahr, vor allem die zweite Hälfte nach dem Urlaub. Wir haben uns auch öfter gefragt, ob das wohl alles gutgehen wird. Doch vom Ende her gesehen fühlt sich alles gut an.

Wir fühlen uns hier im neuen Haus sehr wohl, das meiste ist inzwischen eingerichtet, und das Projekt Sanierung und Vermietung ist auch auf einem guten Weg. Wenn Anfang des neuen Jahres die Bauarbeiten abgeschlossen und die Mieter eingezogen sind, dann können wir das Thema wohl erst einmal abhaken.

Die Weihnachtspause fällt in diesem Jahr recht kurz aus. Meine Frau muss auch zwischen Weihnachten und Silvester arbeiten, unser Großer und ich haben nur etwas mehr als eine Woche frei. Nur der Jüngste kann zweieinhalb Wochen Weihnachtsferien genießen.

„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.“ So gibt Matthäus (1,23) die Verheißung des Propheten Jesaja (7,14) wieder. Die Christen haben dieses Wort immer auf Jesus Christus bezogen. Er ist das Zeichen, das der Prophet angekündigt hat.

Und der Name „Gott ist mit uns“ ist Programm. In Jesus Christus kommt Gott selbst zu uns, wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Etwas Größeres als dies kann kein Mensch feiern, mit einer Ausnahme nur – nämlich Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, was wir zu Ostern feiern.

„Diese beiden Punkte sind ein Skandal für den modernen Geist“, bemerkt Joseph Ratzinger im Prolog zu „Jesus von Nazareth“. Es ist im Grunde erstaunlich, dass Weihnachten heute so eine große Bedeutung auch für Menschen hat, die gar nicht an das Weihnachtsereignis glauben. Konsequent wäre ja dann, Weihnachten nicht zu feiern.

Doch wäre die Welt ohne Gott, der in einem kleinen Kind zu uns kommt, nicht ein trauriger und trostloser Ort? Gerade zu Weihnachten ist diese Leere nicht leicht auszuhalten, und umgekehrt: Die Fülle des Mensch gewordenen Gottes ist der wahre Grund der Weihnachtsfreude. Möge jeder, der nun Weihnachten feiert, dies spüren.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2017!

Differenzverlust

Wirklich schade und ein großer kultureller Verlust ist ja, dass der Unterschied zwischen Advent und Weihnachten verloren scheint. Das Fest selbst verblasst, wenn es wochenlang quasi vorweggenommen wird, statt es voller Vorfreude zu erwarten.

Was feiern Atheisten zu Weihnachten?

Weihnachten ist im allgemeinen Bewusstsein und in der Öffentlichkeit so präsent wie wahrscheinlich nie zuvor. Gleichzeitig ist das Christentum in unseren Breiten eher auf dem Rückzug. Wie passt das zusammen?

Offensichtlich hat das Fest nur noch oberflächlich mit dem Christentum zu tun. Es scheint eher so, als ob sich eine mehr und mehr agnostisch-atheistische Gesellschaft der christlichen Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes bemächtigt und sie ihres eigentlichen Inhaltes beraubt, mithin ausgehöhlt hätte.

Schon vor mehr als zwölf Jahren habe ich mich in einschlägigen Foren mit der Aussage unbeliebt gemacht, ich hielte das Weihnachtsfest ohne christliche Substanz für hohl. An dieser Einschätzung hat sich wenig geändert – außer vielleicht, dass sich die Situation inzwischen eher noch verschärft hat.

Heutzutage braucht es zum Feiern generell keinen Anlass mehr – man geht am Wochenende feiern, ohne dass es dazu einen wie auch immer gearteten Grund braucht. Was feiern also Atheisten zu Weihnachten? Der Philosoph Slavoj Žižek versuchte kurz vor Weihnachten in der FAZ eine Antwort, konnte aber nicht so recht überzeugen.

Für Christen kann die Konsequenz im Grunde nur sein, dem Fest ein eigenes Profil zu geben. Die äußeren Zeichen von Weihnachten gehören uns nicht mehr, sie lassen sich allem Anschein nach auch schmerzfrei für ein Fest von Konsum und Kommerz ohne jegliche tiefere Bedeutung heranziehen. Wir brauchen also neue Zeichen und Symbole – sowie die alten Riten. Ein paar Beispiele:

  1. Weniger ist mehr: Die Advents- und Weihnachtszeit auf das Wesentliche reduzieren, das dann aber mit Sorgfalt und Liebe zum Detail pflegen. Dem Inhalt den Vorzug geben vor der Form, ohne der Formlosigkeit zu verfallen. Scharf überlegen, was wegfallen kann und was unbedingt sein muss.
  2. Keine Weihnachtsfeiern vor dem 24. Dezember: Zugegeben, das ist nicht einfach und könnte uns auch in ein falsches Licht der Leib- und Lustfeindlichkeit rücken, aber konsequent wäre es schon. Und es würde sofort den Vorweihnachtsstress deutlich reduzieren.
  3. Fasten im Advent: Während die Umwelt über Wochen schlemmt und futtert, könnten Christen fasten und verzichten, dem geistlichen Prozess den Vorzug geben und sich innerlich auf das Fest vorbereiten – das dann auch äußerlich viel schöner wird, weil nicht alle bis dahin bereits völlig übersättigt sind. Die Adventszeit ist eine kleine Fastenzeit mit eigener Prägung, und mangels kirchlicher Vorgaben können wir uns selbst aussuchen, wie wir unseren Verzicht gestalten.
  4. Roratemessen: Hier liegt ein großer liturgischer Schatz, den es zu pflegen und eventuell wieder zu heben gilt. Stark in der Form wie auch im Inhalt.
  5. Umkehr, Buße und Beichte: Eigentlich selbstverständlich, aber inzwischen so selten geworden, dass es wieder lohnt, daran zu erinnern. Lange Schlangen vor Beichtstühlen, wie ich sie im Advent in Hamburg sah, sind ein gutes Zeichen.
  6. Die Weihnachtsbotschaft in den Mittelpunkt: Sie kommt im allgemeinen Trubel kaum noch vor – rücken wir sie also wieder in den Mittelpunkt. Erzählen wir, was wir zu Weihnachten feiern. Und fragen wir Atheisten, warum sie so inkonsequent sind, Weihnachten zu feiern, ohne an das Wunder der Menschwerdung Gottes zu glauben.

Weihnachten 2015

Im Sommer 1989 war ich mit drei Freunden, Zelt und Rucksack in Ungarn unterwegs. An diese Reise musste ich in diesem Jahr mehr als einmal denken. Zuerst, als wir uns kurz nach Ostern von einem dieser Freunde verabschieden mussten, der an Krebs gestorben war. Die Trauerfeier war sehr von Dankbarkeit geprägt für alles Gute, das war. Ein großer Trost, so erschien es mir.

Und dann, als im Spätsommer die Bilder von Flüchtlingen zu sehen waren, die über Ungarn nach Deutschland kamen. Das ungarische Loch im Eisernen Vorhang war 1989 der Anfang vom Ende der DDR. Diesmal liegen die Dinge komplizierter. Der Unterschied entspricht etwa dem zwischen einem Deichbruch im Binnenland und einem an der Nordsee. Im Binnenland ist die nachfließende Wassermenge begrenzt, an der Nordsee quasi unbegrenzt.

„Keen nich will dieken, de mutt wieken“, sagt man hier im Norden. Wer nicht will deichen, der muss weichen. Mit der Mauer gab die DDR im November 1989 ihre Staatlichkeit auf. Hoffen wir, dass der Zusammenbruch der europäischen Grenzen in diesem Jahr sich wie damals zum Guten wenden lässt.

Dabei ist unsere christliche Berufung, den Menschen, die zu uns kommen, mit Barmherzigkeit zu begegnen und alles zu tun, was in unserer Macht steht, um ihre Not zu lindern. Dies scheint mir, wie so vieles, ein echter Kraftakt zu werden.

Was sollen wir also tun? Diese Frage stellen die Leute an Johannes den Täufer. „Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ (Lk 3, 11)

Nächstenliebe ist immer konkret. Sie richtet sich an genau einen Nächsten, nicht an eine mehr oder weniger große Gruppe. Papst Franziskus hat in diesem Jahr alle katholischen Gemeinden und Gemeinschaften dazu aufgerufen, jeweils genau eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Das ist ein gutes Beispiel für eine sehr konkrete und zugleich relativ einfach umsetzbare Hilfe. Würden alle, die er damit angesprochen hat, dieser Aufforderung folgen, dann wäre schon viel gewonnen.

Viel Kraft hat uns auch in diesem Jahr die Sorge um meine Schwiegermutter gekostet. Es ist nicht leicht, ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie die nötige Hilfe anzunehmen verweigert. So schränkt sie ihr Leben unnötigerweise immer weiter ein. Dabei steht so vieles bereit, was helfen könnte. Eine Depression ist eine teuflische Krankheit. Uns als Angehörigen bleibt nichts anderes übrig als uns abzugrenzen, um nicht selbst Schaden zu nehmen.

Unser Jüngster hat in diesem Sommer die Schule gewechselt. Sein Ziel bleibt das Abitur. Nach der dritten Frühjahrskrise in Folge hat er zwar wieder die Versetzung geschafft und ist nun in der neunten Klasse. Doch waren wir uns einig, dass eine Veränderung nötig war. Er hat einen guten Start in der neuen Schule erwischt, allerdings sind mit dem Wechsel auch nicht alle Schulprobleme auf einen Schlag gelöst.

Unser Großer geht mit großen Schritten auf sein Abitur zu, das er im kommenden Jahr ablegen wird. Die ersten sechsstündigen Klausuren hat er bereits geschrieben. Derzeit bewirbt er sich um ein Freiwilliges Soziales Jahr für die Zeit nach dem Abi. Im Januar bereits hatte er seine Führerscheinprüfung bestanden und durfte seitdem in Begleitung seiner Eltern fahren. Seit seinem 18. Geburtstag im Oktober fährt er nun auch alleine.

Beruflich hat mich in diesem Jahr die Neuausrichtung meines Aufgabengebietes beschäftigt. Dieser Prozess war eine echte Herausforderung, blieb aber nicht ohne Erfolg, was mich nun einigermaßen positiv in die Zukunft blicken lässt – auch wenn es momentan gerade mal wieder nicht so rund läuft.

Im Sommer waren wir zum zweiten Mal hintereinander in Südtirol, in der gleichen Ferienwohnung wie vor einem Jahr. Diesmal war ein Freund unseres Ältesten dabei, was die Gruppendynamik etwas belebt hat. Südtirol hat uns wieder sehr begeistert. Es war sicher nicht der letzte Urlaub dort, auch wenn wir für nächstes Jahr ein anderes Reiseziel suchen.

Im Oktober durfte ich bei der Diakonenweihe meines ehemaligen Kurses das Kreuz in den Hildesheimer Dom tragen. Ein großes Zeichen – es ist Christus am Kreuz, um den es hier geht. Der Diakon wendet sich Christus zu, den er besonders in den Armen und Hilfsbedürftigen erkennt. Es war ein goldener Herbsttag, der mich mit großer Freude erfüllt hat. Als fast alle beteiligten Personen rund um den Altar im Dom standen, war für mich auch noch einmal klar zu sehen, dass es in dieser Konstellation keinen gangbaren Weg gab.

Im November haben wir den 75. Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Wir können froh und dankbar sein, dass es ihr und auch meinem Vater, bei allen altersbedingten Einschränkungen, nach wie vor gut geht.

Zu Weihnachten werden wir nun wieder zu meinen Eltern fahren und ein paar Tage dort sein. Am zweiten Weihnachtstag trifft sich die Familie.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2016!

Weihnachten 2014

Das Jahr 2014 hat uns überdeutlich die Grenzen unserer Kräfte vor Augen geführt. Es war ein ausgesprochen anstrengendes Jahr, das auch sichtbare Spuren in meiner Gesundheit hinterlassen hat.

Es begann mit der Sorge um meine Schwiegermutter, die uns das ganze Jahr über begleitet hat. Im April mussten wir sie dann unter dramatischen Umständen nach Göttingen in die Klinik bringen, wo sie drei Wochen blieb. Seitdem lebt sie wieder zuhause, doch geht es ihr weiterhin nicht gut.

Auch beruflich lief es in diesem Jahr nicht rund. Letztlich galt es, mein Aufgabenfeld zum größten Teil neu zu gestalten. Dies brachte viel Unsicherheit und einige Rückschläge mit sich, was stark an meinen Kräften zehrte. Zum Jahresende zeichnet sich nun jedoch eine Lösung ab.

Zur Belastung wurden auch die spätesten Sommerferien, die Niedersachsen je hatte. Dadurch hatten die Kinder ein extrem langes Schuljahr und wir einen sehr späten Sommerurlaub. Erst Mitte August konnten wir schließlich nach Südtirol in Urlaub fahren. Für das lange Warten wurden wir jedoch reich entschädigt, mit einer wunderbaren Ferienwohnung, fantastischen Gastgebern und einer Urlaubsregion, die uns in jeder Hinsicht begeistert hat. Wir planen deshalb, auch im kommenden Jahr wieder nach Südtirol zu fahren und die gleiche Ferienwohnung zu buchen. Klingt langweilig, ist es aber nicht.

Noch vor dem Urlaub allerdings hatte mich der Stress eingeholt und mir bisher ungekannte Nackenschmerzen beschert. Es fühlte sich an, als ob ich meinen Kopf nicht mehr tragen könne. Dies schien mir ein Sinnbild zu sein für meine Lebenssituation, die meinen Kopf zu schwer werden ließ. Ich fühle mich oft wie Sisyphos, dem die Resultate seiner Anstrengungen immer wieder zunichte gemacht werden.

Doch gerade darin, täglich von Neuem zu beginnen, besteht die Berufung des Sisyphos. Albert Camus schreibt:

“Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […] Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.”

Tatsächlich lernte ich dann von meinem Hausarzt, dass wir Menschen unseren Kopf nicht tragen können, weil er dazu zu schwer ist – wir balancieren ihn auf der Wirbelsäule. Dazu hilft uns ein Apparat aus Muskeln und Sehnen. Dieser heikle Balanceakt, den es täglich zu bestehen gilt, scheint mir ein Sinnbild für das Verhältnis zwischen geistigen und körperlichen Kräften zu sein.

Im Herbst schließlich plagte mich wochenlang eine Erkältung mit Schnupfen und Husten, die einfach nicht weichen wollte. Auch diese Erkrankung habe ich als Folge einer Lebenssituation gedeutet, die mich krank gemacht hat. Meine Kräfte reichten nicht aus. Ich fühlte mich schwach.

So erinnerte ich mich in diesem Jahr mehr als einmal an die paradox erscheinenden Worte des Heiligen Paulus: “Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.” (2 Kor 12,10) Paulus berichtet von einem Stachel, der ihm ins Fleisch gestoßen wurde, “ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe” (2 Kor 12,7). Dreimal habe er den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von ihm ablasse, berichtet Paulus.

Doch der Herr antwortete ihm: “Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.” (2 Kor 12,9) Paulus zieht daraus einen radikalen Schluss: “Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.” Das radikale Vertrauen auf Christus lässt ihn seine Ohnmacht und seine Ängste ertragen.

Unser Jüngster ist mit seinen 13 Jahren nun auch schon größer als seine Mutter. Er hat auch in diesem Jahr wieder mit Ach und Krach die Versetzung in die nächste, jetzt achte Klasse geschafft. Das alljährliche Drama scheint seine Eltern mehr zu belasten als ihn selbst, doch auch er war in diesem Jahr recht häufig krank.

Unser Ältester ging Ende Juni, am Fest der Heiligen Apostel Petrus und Paulus, zur Heiligen Firmung, auf die er sich seit Anfang des Jahres vorbereitet hatte. Zu diesem Fest waren auch seine Großeltern und seine Tante angereist. Seit dem Sommer ist er mit seinem Führerschein beschäftigt. Die theoretische Prüfung ist bereits bestanden, die praktische soll Anfang des neuen Jahres folgen. Dann kann er als Siebzehnjähriger in Begleitung eines Elternteils selbst Auto fahren.

Meine Frau war mir, in diesem Jahr besonders, ein starker Halt und eine verlässliche Stütze in allen Stürmen des Lebens. Das klingt alles etwas pathetisch, aber so war es. Jetzt zum Ende des Jahres hat auch sie, die zuletzt als einzige von uns immer gesund war, noch eine Erkältung erwischt, die aber zum Glück harmlos blieb.

So freuen wir alle uns nun etwas mehr als in anderen Jahren auf die Weihnachtsferien, auf ein paar entspannte Tage und einen ruhigen Jahreswechsel. Und auf ein neues Jahr, das besser werden möge als das vergangene.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2015!

Weihnachten 2013

Denke ich an das zurückliegende Jahr, dann fällt mir vor allem unser wunderbarer Sommerurlaub in Schweden ein: ein traumhaftes Ferienhaus, für skandinavische Verhältnisse phantastisches Sommerwetter und die herrliche Landschaft von Värmland und Dalarna. Schweden wirkte auf uns wie ein friedliches, weites Land, bestens zur Erholung geeignet.

Unser Ferienhaus lag nur gute 100 Kilometer von jenem Ort entfernt, wo meine Tante und mein Cousin mit seiner Familie wohnen. Das gab uns die Gelegenheit zu einem Besuch dort. Und auf der Rückfahrt zur Fähre von Göteborg nach Kiel konnten wir einen Zwischenstopp in Hammarö bei Karlstad einlegen, wo ein weiterer Cousin mit Frau und Tochter direkt am Vänern wohnt.

Unser Ältester bekommt viel Lob für sein Schreibtalent, das er regelmäßig für die Jugendseite im Tageblatt einsetzt. Er hat in diesem Jahr seinen Gruppenleiterkurs gemacht. Dafür war er zweimal, in den Oster- und den Herbstferien, für einige Tage unterwegs. Am zweiten Adventswochenende schließlich fand der Praxisteil mit über 30 Kindern statt.

Während er im Gymnasium überwiegend gute und sehr gute Noten bekommt, hat unser Jüngster mehr mit der Schule zu kämpfen. Ich denke aber, dass er sich durchbeißen wird. Nach gut zwei Jahren in der Musikklasse bekommt er nun sein eigenes Tenorhorn, das bisher geliehene Instrument wird zurückgegeben. Sein Lehrer sagt, dass er mit viel Spaß bei der Sache sei.

Meine Frau hat in diesem Herbst ein kleines Bauprojekt initiiert: einen neuen Gartenschuppen. Er ist zwar noch nicht ganz fertig, aber bietet schon Platz für Fahrräder, Gartenmöbel und allerlei Dinge, die bis jetzt in irgendwelchen Ecken standen. Dafür musste das alte Spielhaus weichen, das schon länger baufällig war und aus dem die Kinder herausgewachsen waren.

Für mich endete in diesem Jahr durch eine Entscheidung des zuständigen Weihbischofs vorzeitig meine Ausbildung zum Diakon. Das war ein im Wortsinne schmerzlicher Prozess, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Über die Gründe gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Einigkeit besteht nur darin, dass es einfach nicht mehr ging.

Wie alles im Leben hat auch dies seine gute Seite. Ich hatte eine Urlaubswoche für die Ausbildung reserviert, die ich nicht mehr brauchte. So konnte ich November einige Tage im Kloster Nütschau verbringen. Dort habe ich mich auch mit dem Leben meines Namenspatrons befasst, des heiligen Martin von Tours, dessen Fest wir am 11. November feiern. Dabei sind mir drei Dinge aufgefallen.

I.
Martin von Tours hat nie ein geistliches Amt angestrebt. Als der Bischof der Stadt Poitiers, der heilige Hilarius, versuchte, ihm das Amt des Diakons aufzubürden, um ihn dadurch enger an sich zu binden und an den Dienst Gottes zu ketten, weigerte er sich immer wieder und gab vor, er sei unwürdig. Bischof von Tours wurde er schließlich gegen seinen eigenen Willen.

II.
Auch ohne dass es ihn nach einem geistlichen Amt drängte, ging Martin dahin, wohin der Herr ihn rief. Dabei hatte er häufig mit dem Widersacher zu kämpfen. So berichtet sein Biograph Sulpicius Severus:

Martinus zog also seines Weges, und als er durch Mailand gekommen war, trat ihm der Teufel in menschlicher Gestalt entgegen und fragte ihn, wohin er gehe. Und als er den Martinus antworten hörte, er gehe dahin, wohin der Herr ihn rufe, sprach er: “Wohin du auch gehen und was du auch unternehmen magst, der Teufel wird dir widerstehen.” Da antwortete ihm Martinus mit den Worten des Propheten: “Der Herr ist meine Hilfe; ich werde mich vor dem nicht fürchten, was der Mensch mir tun kann.” Und sogleich verschwand der Feind vor seinem Angesicht.

III.
Martins Haltung am Ende seines Lebens kommt am schönsten in einer der Antiphonen zum Ausdruck, die das Römische Brevier zu seinem Fest bereithält:

Domine, * si adhuc populo tuo sum necessarius, non recuso laborem: fiat voluntas tua.
Herr, wenn dein Volk mich noch braucht, dann will ich mich der Mühsal nicht verweigern. Dein Wille geschehe!

Dieses fiat gehört zum Vater unser, dem Gebet des Herrn. Doch es erinnert auch an das fiat der Maria, die vom Engel die Botschaft erhält, dass sie den Erlöser empfangen soll: Fiat mihi secundum verbum tuum. Mir geschehe nach deinem Wort. Damit beginnt, was wir in diesen Tagen feiern: Gott wird Mensch, in Jesus Christus, durch das Ja der Maria.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2014!

Die krasse Weihnachtsoktav

So wie bisher in keinem Jahr fällt mir in diesem Jahr auf, wie krass doch die Liturgie der Weihnachtsoktav ist. Es beginnt noch ganz harmlos mit der Lukanischen Weihnachtsgeschichte in der Heiligen Nacht. Wobei auch da schon das vor der Christmette gesungene Martyrologium eine Ahnung von der Tiefe des Ereignisses gibt.

Am Morgen des Weihnachtstages folgt der Johannesprolog, ein absoluter Hammertext. Von Krippenseligkeit keine Spur mehr:

Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Wir sind bei einem Grundthema der Heilsgeschichte und der Heiligen Schrift: Gott wendet sich an sein Volk, aber das will nichts von ihm wissen. So war es schon bei Adam und Eva, so war es bei Jesus Christus, und so ist es heute.

Der Protomartyrer Stephanus erinnert uns dann am zweiten Weihnachtstag an dreierlei: als Diakon an die Diakonie, den Dienst an den Armen, als Martyrer an den Zusammenhang von Krippe und Kreuz, als Visionär an den offenen Himmel, den der Heiland aufgerissen hat.

Der Apostel und Evangelist Johannes, dessen Prolog schon zwei Tage vorher zu Gehör kam, schließt sich am dritten Weihnachtstag an. Das Tagesevangelium berichtet von der Auferstehung. Damit haben wir nun Geburt, Kreuz und Auferstehung innerhalb von drei Tagen.

Es folgt das Fest der Unschuldigen Kinder – wieder Martyrer, wieder rot wie zwei Tage zuvor. Der Evangelist Johannes kommt nun in der Lesung zu Wort:

Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.

Das Evangelium, diesmal Matthäus, ruft die Verfolgung des neugeborenen Erlösers ins Bewusstsein, die zum Kindermord von Bethlehem führt. Dieses Fest findet seine Aktualisierung in der heutigen Abtreibungspraxis, der jedes Jahr allein in Deutschland und laut der offiziellen Statistik über 100.000 Kinder zum Opfer fallen.

Am fünften Tag der Weihnachtsoktav tritt eine gewisse Entspannung ein. An diesem Tag gedenkt die Kirche eines weiteren Martyrers, des Hl. Thomas Becket.

Auf den sechsten Tag fiel in diesem Jahr des Fest der Heiligen Familie, das auf den ersten Blick besser zur weihnachtlichen Stimmung passt. Allerdings auch nur, wenn wir die vielfältigen Gefährdungen der Familie außer Acht lassen, auf die nicht zuletzt Papst Benedikt nicht müde wird hinzuweisen.

Mit dem heutigen Silvestertag, dem siebten Tag der Weihnachtsoktav, und dem morgigen Hochfest der Gottesmutter endet die Weihnachtsoktav. Doch auch das Thema des morgigen Tages hat es noch einmal in sich. Dazu morgen mehr an dieser Stelle.

Weihnachten 2012

2012 war ein Jahr, auf das ich mit einer gewissen Zufriedenheit zurückblicken kann. Ich denke an einen wunderbaren Sommerurlaub im Allgäu, der uns viel schönes Wetter, eine entspannte Zeit und eindrucksvolle Berge gebracht hat.

Der Höhepunkt war der Aufstieg auf den Hochgrat, den höchsten Berg des Allgäuer Voralpenlandes. Wir haben immerhin rund 1.000 Meter Höhenunterschied (netto) überwunden, den Abstieg nicht gerechnet. Für uns Flachlandbewohner ist das schon eine ganze Menge.

Mein Vater hat im März seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ich bin froh und dankbar, dass er bei guter Gesundheit ist, nach wie vor ein aktives Leben führen und seine Enkelkinder aufwachsen sehen kann.

Unser Jüngster hat in seinem zweiten Gymnasialjahr schon mehr zu kämpfen als bisher. Es scheint aber, dass es mehr die Nerven seiner Eltern als seine eigenen sind, die er damit strapaziert. Mit seinem Tenorhorn macht er gute Fortschritte. Im Bläserchor hier an der Lühe spielt er jetzt auch schon mal bei den Erwachsenen mit.

Im Sommer bin ich in die Ausbildung zum Diakon aufgenommen worden, ein weiterer Schritt ist damit getan. Diese Ausbildung wird bis 2015 dauern, was noch weit entfernt klingt, aber bei genauerer Betrachtung doch schon recht bald ist.

Es wird nun bereits konkreter. Wir haben uns zum Beispiel mit der Seelsorge für Alte, Kranke und Zuwanderer befasst und im Herbst eine Woche lang intensiv das seelsorgliche Gespräch geübt. Ich merke, wie ich neu gefordert bin. Und zugleich nehme ich etwas für meinen Beruf mit.

Es wird sich um eine nebenberufliche und ehrenamtliche Aufgabe handeln, auf die ich mich vorbereite. Einerseits. Andererseits lautet die Bezeichnung: Diakon im Zivilberuf. Was schon andeutet, dass sich auch im Beruf das eine oder andere ändern wird.

Vor einigen Tagen, am 12. Dezember, hat Papst Benedikt (@Pontifex) zu twittern begonnen. Einer seiner ersten Tweets lautete:

Das ist, in aller Einfachheit, ein diakonisches Programm. Zuerst kommt das Gebet und damit die persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Dann folgt das Evangelium, die Heilige Schrift, in der Gott uns anredet. Und schließlich als Antwort darauf die Zuwendung zu den Notleidenden, in denen wir Christus sehen können.

All das steht in enger Beziehung zueinander. Die Sorge um die Armen und Leidenden bleibt an der materiellen Oberfläche, wenn sie nicht aus der frohen Botschaft heraus geschieht. Und das Hören auf das Evangelium bleibt folgenlos, wenn es nicht in Gebet und Gottesbeziehung gründet. In einer Beziehung, die sich am Nächsten konkretisiert. Wer sich so dem Nächsten zuwendet, wendet sich Christus zu.

Nun feiern wir seine Geburt. Jesus ist selbst als Notleidender geboren worden, nicht im Palast, sondern im Stall. In der Herberge war kein Platz. Joseph Ratzinger schreibt im Prolog, seinem jüngsten Band über Jesus von Nazareth:

Von Geburt an gehört er nicht dem Bereich dessen zu, was weltlich wichtig und mächtig ist. Aber gerade dieser Unwichtige und Ohnmächtige erweist sich als der wahrhaft Mächtige, als der, auf den letztlich alles ankommt. So gehört zur Christwerdung das Hinausgehen aus dem, was alle denken und wollen, aus den herrschenden Maßstäben, um ins Licht der Wahrheit unseres Seins zu finden und mit ihm auf den rechten Weg zu kommen.

Christ sein heißt, mit den herrschenden Maßstäben nicht einverstanden zu sein, wenn sie nicht an Christus Maß nehmen. Weihnachten ist also alles andere als ein harmloses Fest, das allenfalls zu Übergewicht führen kann. Weihnachten ist radikal.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2013!

Weihnachten 2011

“Wie soll das geschehen?”, fragt Maria den Engel Gabriel im Evangelium vom 4. Adventssonntag. Diese Frage habe ich mir auch gestellt, als ich vor der Entscheidung stand, mich um die Ausbildung zum Diakon zu bewerben. Ist mein Leben nicht schon voll genug? Woher nehme ich die Zeit dafür?

“Für Gott ist nichts unmöglich”, antwortet der Engel auf die Frage Marias. Seit Sommer bereite ich mich nun zusammen mit fünf anderen Männern auf die Ausbildung zum Diakon vor, die im kommenden Sommer beginnen und drei Jahre dauern soll.

Das Thema selbst beschäftigt mich schon seit acht Jahren, in wechselnder Intensität. Es hat mich bis heute nicht losgelassen. Die Ausbildung und die Vorbereitung darauf führen mich nun alle paar Wochen nach Hildesheim, meistens an Wochenenden, gelegentlich auch unter der Woche.

So stand ganz am Anfang im Juli ein viertägiges Praktikum, bei dem ich den sozialen Mittagstisch in der Hildesheimer Gemeinde Guter Hirt kennengelernt habe. Seit September arbeite ich zwei- bis dreimal im Monat in einer Suppenküche in Hamburg-Altona, nicht weit von meiner Arbeitsstelle. Und im Oktober haben wir uns in einer geistlichen Woche mit den Psalmen beschäftigt.

Unser Sommerurlaub führte uns in diesem Jahr nach England. Die erste Woche haben wir in einem Cottage im Südwesten gewohnt, die letzten fünf Nächte in einem Apartment in London. Besonders angetan waren wir von der britischen Höflichkeit, aber auch das glasklare und gut verständliche britische Englisch war eine echte Freude.

Unser Jüngster ist zum neuen Schuljahr auf das Gymnasium gewechselt, das auch sein großer Bruder besucht. Das war für ihn eine gewisse Umstellung, die er aber gut bewältigt hat. Er geht jetzt in die Musikklasse und spielt Tenorhorn. Er ist manchmal ein kleiner Filou, der die Schule nicht so ganz ernst nimmt. Die ersten Folgen davon hat er auch schon zu spüren bekommen.

In diesem Jahr 2011 fand ein Jahrtausendereignis statt, das bisher einmalig war und sich in absehbarer Zeit auch nicht wiederholen wird. Ein deutscher Papst besuchte das Eichsfeld, um dort mit 90.000 Pilgern eine Marienvesper zu feiern. Es war ein wunderbarer, fast spätsommerlicher Frühherbsttag, an dem das Eichsfeld gewissermaßen zu sich selbst kam.

Nun hat der Eichsfelder Katholizismus heute längst nicht mehr jenes hohe Maß an volkskirchlicher Selbstverständlichkeit, das er in früheren Zeiten genoss. Umso erstaunlicher ist, für wie viele Menschen es eine reine Selbstverständlichkeit war, an diesem Tag nach Etzelsbach zu pilgern. So auch für mich. Als sich Anfang des Jahres die Berichte zu verdichten begannen, war mir klar, dass ich als alter Eichsfelder alles daransetzen würde, dabei zu sein.

Der Papst war der Katalysator dieses geistlichen wie weltlichen Großereignisses. Er gab den Anlass, aber letztlich zeigte sich auf dem Pilgerfeld in unerwarteter Stärke die katholische Identität meiner Heimat. Wenn auch die äußere Stärke des Katholizismus im Eichsfeld bröckelt, im Innersten hat er noch Kraft.

Die Marienvesper war in gewisser Weise das Herzstück dieses Papstbesuches. Keine große Messe, sondern eine einfache Vesper. Eine kurze, einfache Ansprache, die ans Herz rührte. Im Grunde des Herzens sind alle Dinge einfach. Das ganze Ereignis hatte eine Einfachheit und Selbstverständlichkeit des Herzens, die sich auf alle Aspekte übertrugen.

Seit Jahrhunderten pilgern unzählige Menschen nach Etzelsbach zum Gnadenbild der Maria, die ihren toten Sohn in den Armen hält. In seiner Predigt sagte der Papst über Maria:

Begreife – so scheint sie uns zu sagen –, dass Gott, der die Quelle alles Guten ist und der nie etwas anderes will als dein wahres Glück, das Recht hat, von dir ein Leben zu fordern, das sich rückhaltlos und freudig seinem Willen überantwortet und danach trachtet, dass auch die anderen ein Gleiches tun. „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. In der Tat – wo wir Gottes Liebe ganz über unser Leben wirken lassen, dort ist der Himmel offen. Dort ist es möglich, die Gegenwart so zu gestalten, dass sie mehr und mehr der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus entspricht. Dort haben die kleinen Dinge des Alltags ihren Sinn, und dort finden die großen Probleme ihre Lösung.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2012!

Die Weihnachtszeit dauert vierzig Tage

Und endet nicht etwa mit dem Fest Taufe des Herrn, das wir nach dem neuen Kalender gestern begangen haben und nach dem alten Kalender am Donnerstag, dem 13. Januar, feiern werden, dem Oktavtag der Erscheinung des Herrn. Darauf hat Papst Benedikt XVI. erfreulicherweise am vergangenen Mittwoch in seiner Generalaudienz hingewiesen:

Benedikt XVI. ruft dazu auf, die Weihnachtszeit „von allzuviel Moralismus und Kitsch zu befreien“. Das sagte er an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz im Vatikan. Er bat die 7.000 Besucher in seiner Audienzhalle, die Weihnachtszeit „intensiv so zu leben, wie die Kirche sie durchführt“. Er erinnerte daran, dass Weihnachten keineswegs vorüber sei: „Die Weihnachtszeit erstreckt sich über vierzig Tage, vom 25. Dezember bis zum 2. Februar – also vom Heiligen Abend bis zur Darstellung Jesu im Tempel.“

„In der Liturgie haben wir den Eintritt des Sohnes Gottes in die Welt geheimnisvoll und zugleich wirklich erfahren. Die Menschwerdung Gottes zu feiern ist nicht bloßes Erinnern an vergangene Ereignisse, sondern macht die Geheimnisse unseres Heils gegenwärtig. In der Liturgie, in der Feier der Sakramente sind sie für uns heute wirksam. „Und das Wort ist Fleisch geworden“, heißt es im Prolog des Johannesevangeliums. Mit der Menschwerdung des göttlichen Wortes geschieht etwas ganz Neues in der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Gott wohnt unter den Menschen. Die Menschheit des Sohnes Gottes, sein Fleisch ist Werkzeug des Heils: „Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heils“, wie Tertullian sagt.“

Mit Weihnachten breche schon „das Geheimnis unseres Heils an“, so der Papst – ein Geheimnis, das dann „im Leiden, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi gipfelt“.

„Die Krippe ist der Beginn der Hingabe Christi und weist bereits auf das Kreuz hin. So sind Weihnachten und Ostern die zwei untrennbaren Punkte des Glaubens an Jesus Christus, den menschgewordenen Erlöser. In ihm ist Gott im Fleisch erschienen und hat seine Wahrheit in der Geschichte offenbart. Auch heute offenbart sich Gott im Fleisch, d. h. im lebendigen Leib der Kirche und in den Sakramenten als wirksame Zeichen des Heils. Er kommt zu uns und lädt uns ein, uns umwandeln zu lassen, damit wir an seinem göttlichen Leben teilhaben. Hier liegt das Geheimnis von Weihnachten, das auch in uns Wirklichkeit werden soll.“