in Catholica, Diaconia, Familia

Weihnachten 2015

Im Sommer 1989 war ich mit drei Freunden, Zelt und Rucksack in Ungarn unterwegs. An diese Reise musste ich in diesem Jahr mehr als einmal denken. Zuerst, als wir uns kurz nach Ostern von einem dieser Freunde verabschieden mussten, der an Krebs gestorben war. Die Trauerfeier war sehr von Dankbarkeit geprägt für alles Gute, das war. Ein großer Trost, so erschien es mir.

Und dann, als im Spätsommer die Bilder von Flüchtlingen zu sehen waren, die über Ungarn nach Deutschland kamen. Das ungarische Loch im Eisernen Vorhang war 1989 der Anfang vom Ende der DDR. Diesmal liegen die Dinge komplizierter. Der Unterschied entspricht etwa dem zwischen einem Deichbruch im Binnenland und einem an der Nordsee. Im Binnenland ist die nachfließende Wassermenge begrenzt, an der Nordsee quasi unbegrenzt.

„Keen nich will dieken, de mutt wieken“, sagt man hier im Norden. Wer nicht will deichen, der muss weichen. Mit der Mauer gab die DDR im November 1989 ihre Staatlichkeit auf. Hoffen wir, dass der Zusammenbruch der europäischen Grenzen in diesem Jahr sich wie damals zum Guten wenden lässt.

Dabei ist unsere christliche Berufung, den Menschen, die zu uns kommen, mit Barmherzigkeit zu begegnen und alles zu tun, was in unserer Macht steht, um ihre Not zu lindern. Dies scheint mir, wie so vieles, ein echter Kraftakt zu werden.

Was sollen wir also tun? Diese Frage stellen die Leute an Johannes den Täufer. „Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ (Lk 3, 11)

Nächstenliebe ist immer konkret. Sie richtet sich an genau einen Nächsten, nicht an eine mehr oder weniger große Gruppe. Papst Franziskus hat in diesem Jahr alle katholischen Gemeinden und Gemeinschaften dazu aufgerufen, jeweils genau eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Das ist ein gutes Beispiel für eine sehr konkrete und zugleich relativ einfach umsetzbare Hilfe. Würden alle, die er damit angesprochen hat, dieser Aufforderung folgen, dann wäre schon viel gewonnen.

Viel Kraft hat uns auch in diesem Jahr die Sorge um meine Schwiegermutter gekostet. Es ist nicht leicht, ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie die nötige Hilfe anzunehmen verweigert. So schränkt sie ihr Leben unnötigerweise immer weiter ein. Dabei steht so vieles bereit, was helfen könnte. Eine Depression ist eine teuflische Krankheit. Uns als Angehörigen bleibt nichts anderes übrig als uns abzugrenzen, um nicht selbst Schaden zu nehmen.

Unser Jüngster hat in diesem Sommer die Schule gewechselt. Sein Ziel bleibt das Abitur. Nach der dritten Frühjahrskrise in Folge hat er zwar wieder die Versetzung geschafft und ist nun in der neunten Klasse. Doch waren wir uns einig, dass eine Veränderung nötig war. Er hat einen guten Start in der neuen Schule erwischt, allerdings sind mit dem Wechsel auch nicht alle Schulprobleme auf einen Schlag gelöst.

Unser Großer geht mit großen Schritten auf sein Abitur zu, das er im kommenden Jahr ablegen wird. Die ersten sechsstündigen Klausuren hat er bereits geschrieben. Derzeit bewirbt er sich um ein Freiwilliges Soziales Jahr für die Zeit nach dem Abi. Im Januar bereits hatte er seine Führerscheinprüfung bestanden und durfte seitdem in Begleitung seiner Eltern fahren. Seit seinem 18. Geburtstag im Oktober fährt er nun auch alleine.

Beruflich hat mich in diesem Jahr die Neuausrichtung meines Aufgabengebietes beschäftigt. Dieser Prozess war eine echte Herausforderung, blieb aber nicht ohne Erfolg, was mich nun einigermaßen positiv in die Zukunft blicken lässt – auch wenn es momentan gerade mal wieder nicht so rund läuft.

Im Sommer waren wir zum zweiten Mal hintereinander in Südtirol, in der gleichen Ferienwohnung wie vor einem Jahr. Diesmal war ein Freund unseres Ältesten dabei, was die Gruppendynamik etwas belebt hat. Südtirol hat uns wieder sehr begeistert. Es war sicher nicht der letzte Urlaub dort, auch wenn wir für nächstes Jahr ein anderes Reiseziel suchen.

Im Oktober durfte ich bei der Diakonenweihe meines ehemaligen Kurses das Kreuz in den Hildesheimer Dom tragen. Ein großes Zeichen – es ist Christus am Kreuz, um den es hier geht. Der Diakon wendet sich Christus zu, den er besonders in den Armen und Hilfsbedürftigen erkennt. Es war ein goldener Herbsttag, der mich mit großer Freude erfüllt hat. Als fast alle beteiligten Personen rund um den Altar im Dom standen, war für mich auch noch einmal klar zu sehen, dass es in dieser Konstellation keinen gangbaren Weg gab.

Im November haben wir den 75. Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Wir können froh und dankbar sein, dass es ihr und auch meinem Vater, bei allen altersbedingten Einschränkungen, nach wie vor gut geht.

Zu Weihnachten werden wir nun wieder zu meinen Eltern fahren und ein paar Tage dort sein. Am zweiten Weihnachtstag trifft sich die Familie.

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2016!

Schreibe einen Kommentar

Kommentar