Keine Wahl

Kein Christ hat ein Wahlrecht, welcher Kirche oder kirchenähnlichen Gemeinschaft er sich anschließen möchte. Es gilt, was ich auch schon zur Frage des Kirchenaustritts schrieb:

Entweder ist der Glaube der Kirche wahr – dann kann es keinen Grund zum Austritt geben. Oder er ist unwahr – dann gäbe es keinen Grund, in der Kirche zu sein. Tertium non datur.

Wenn der Glaube der Kirche wahr ist, ist es meine Pflicht, in der Kirche zu sein. Ist er es nicht, ist es meine Pflicht, nicht dort zu sein. Ob der Glaube der Kirche wahr ist oder nicht, hängt nicht (oder nur zu weniger als einem Milliardstel) von mir ab.

Klima

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung schlägt vor, jetzt gezielt bei kinderlosen Frauen zwischen 35 und 45 Jahren für die Erfüllung von Kinderwünschen zu werben. Der Grund: Es handelt sich um die letzte Kohorte geburtenstarker Jahrgänge – ab 1970 ging die Zahl der Geburten drastisch zurück. Im FAZ-Feuilleton merkt Christian Schwägerl dazu an:

„Es hat in den vergangenen Jahren leider vieler solcher kalter Zahlen und Graphiken bedurft, um das Empfinden für einen kritischen Punkt des Ausbleibens von Kindern und der kollektiven Alterung in der politischen wie in der ökonomischen Führungsschicht zu wecken und in die Bevölkerung zu tragen. Auf den Straßen und Plätzen, ja selbst in den Schulen ist das offenbar sehr lange niemandem aufgefallen. Die Wissenschaft wurde zum Ersatz für einen Reflex, der eigentlich im Mitmenschlichen daheim sein sollte, der aber weitgehend ausgeblieben ist, weil es offenkundig Wichtigeres gab als die Frage, wo eigentlich die Kinder sind.“ [FAZ]

Da hat offensichtlich ein Prozess der Analyse und des Nachdenkens eingesetzt, der unter die Oberfläche schaut.

„Was Deutschland nämlich von vielen anderen Staaten unterscheidet, ist nicht so sehr der Rückgang der Geburtenzahlen als der Rückgang des Kinderwunsches, von tendenziell zwei auf tendenziell nur ein Kind. Abstrakte Kinderwünsche bestehen eher unabhängig von der Frage, ob die Öffnungszeiten des Kindergartens zu knapp bemessen sind. Auf dieser Wunschebene entscheiden ganz andere Faktoren.

Zumindest möglich erscheint es zum Beispiel, daß neben der normativen Sozialisierung der neuen Elterngeneration in einer kinderärmeren Gesellschaft auch der gesamtgesellschaftliche Pessimismus in Deutschland, die kollektive Depression, das Jammern und endzeitliche Reden vom Niedergang, ja pikanterweise auch der Alarm in demographischen Fragen zu einem düsteren Klima beitragen, das vitale Wünsche drosselt. Wer das Gefühl vermittelt bekommt, mit Kindern nur Bedienstete der nächsten Rentnergeneration in die Welt zu setzen, mit denen er einsame Stunden auf verwaisten Spielplätzen zu verbringen haben wird, den mag das eher abschrecken als der Verzicht auf Restaurantbesuche, durch den die Windeln finanziert werden müssen. Gerade die Zielgruppe der in den sechziger Jahren Geborenen war in ihrer Jugend Weltuntergangsszenarien grün gepolter Lehrer ausgesetzt. Damals hieß es, man dürfe in diese Welt keine Kinder setzen. Heute heißt es, man solle Kinder bekommen, weil die demographisch-ökonomische Lage so düster sei. Ob das überzeugender ist?“

Lesenswert. Im Gegensatz dazu beleuchtet Susanne Gaschke in der Zeit wieder einmal die nicht nur, aber auch selbstgestellten Fallen der heutigen Akademikerinnengeneration mit allen fatalen Konsequenzen.

Schwester Rahel

EvangelikalerPfingstlicher Klartext:

„Ein Löwe sieht ganz nett und kuschelig aus für ein Kind und natürlich kann ich es darin bestärken keine Angst vor ihm zu haben und ihn als Kuscheltier hinstellen. Aber wenn der Löwe auch im ersten Augenblick gutmütig aussieht, so wird er doch im nächsten Augenblick das Kind verschlingen mit Haut und Haar. Genau so ein Löwe ist die katholische Kirche, ein großes Kuscheltier, dass auf den ersten Blick schön aussieht, aber im nächsten Augenblick, stürzt sie die Menschen in den Rachen des Löwen, der umherstreift um seine Opfer zu fangen.

Ich kann echt nicht verstehen, warum man Irrlehren so unterstützt. Jeder der die katholische Kirche unterstützt, per Link, Nachrichten etc. ist ein Mensch, der großes Unglück über die Menschen bringt, er stößt sie genau in den Rachen des Löwens. Wenn dass doch nur die Menschen sehen würden und den Mut aufbrächten, das was falsch ist beim Namen zu nennen und dann sich an des Herrn Wort zu halten: Gehet aus von ihr! Aber heute hat ja kaum einer mehr den Mut, Klartext zu reden, warum auch immer 🙁 .“

Puh!

1: Roman Catholic (100%)
2: Eastern Orthodox (77%)
3: Lutheran (72%)
4: Anglican/Episcopal/Church of England (70%)
5: Presbyterian/Reformed (53%)
6: Congregational/United Church of Christ (37%)
7: Church of Christ/Campbellite (27%)
8: Methodist/Wesleyan/Nazarene (26%)
9: Baptist (Reformed/Particular/Calvinistic) (23%)
10: Anabaptist (Mennonite/Quaker etc.) (18%)
11: Pentecostal/Charismatic/Assemblies of God (13%)
12: Seventh-Day Adventist (12%)
13: Baptist (non-Calvinistic)/Plymouth Brethren/Fundamentalist (9%)

[Christian Traditions Selector, via fono]

Ablass

Geniale Idee, der Ablass zum Weltjugendtag. Wie die Reaktionen zeigen, zahlt er voll auf das Bild der Marke römisch-katholisch ein.

Nebenbei: Sollte ich mein Notizbuch umbenennen? Römisch-katholisches Notizbuch? Allgemeines Notizbuch? Umfassendes Notizbuch? Christliches Notizbuch? Muss mal eine Umfrage starten…

Was heißt „Notizbuch“ auf Latein? commentarium catholicum…

Patti Smith

„Sie waren in Rom, als Papst Benedikt XVI. gewählt wurde. Ist Patti Smith zum katholischen Glauben konvertiert?

Ich flog nach Rom, um eine Ausstellung mit meinen Bildern und Fotografien zu eröffnen. Also habe ich die Gelegenheit genützt und ging zum Petersplatz. Plötzlich wedelten die vielen Nonnen mit den Armen in der Luft und riefen »Blanca, blanca«. Als ich zum riesigen Bildschirm hochschaute, sah ich den weißen Rauch. Und dann fingen die Glocken an zu läuten – Wow!!! Es war einer der aufregendsten Tage meines Lebens. Unter Tausenden von Menschen auf dem Platz zu stehen, umgeben von dieser unglaublichen Freude. Für mich war das ein Augenblick positiver Geschichte –, und ich habe viele negative Momente erlebt. Selbst aus großer Entfernung konnte man auf dem Bildschirm die Menschlichkeit dieses Mannes spüren. Er war so glücklich – ich habe geweint. Dabei bin ich keine Italienerin, geschweige denn katholisch.

Nun teilen nicht alle diese Freude.

Ich weiß, dass er nicht nach jedermanns Geschmack ist, aber ich denke, er ist eine gute Wahl. Da ich mich um kein Dogma kümmern muss, kann ich intellektuell und spirituell von ihm lernen, wie ich auch vom Dalai Lama gelernt habe. Ich mag ihn – Ratzinger –, sehr sogar.

Er wirkte gelöster, anders, als man ihn kannte.

Er verändert sich. Sein Leben lang saß er in Zimmern und Bibliotheken und las und lehrte, und jetzt fühlt er die Liebe der Menschen. Das merkt man.“ [Die Zeit 04.05.2005 Nr.19]

Der Perlentaucher verkauft das Interview als Neuheit…

Realitätsverweigerung

Das Echo auf den Vorschlag von Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen, spricht Bände.

Bundeswirtschaftsminister Clement bezeichnete den Vorstoß als überzogen und nicht machbar. Der SPD-Politiker plädierte in der ‚Passauer Neuen Presse‘ zugleich für den Vorschlag der Rürup-Kommission, ab 2011 das gesetzliche Renten-Eintrittsalter Jahr für Jahr um je einen Monat auf zuletzt 67 Jahre heraufzusetzen. Auf Kritik stieß der DIW-Vorstoß auch beim CDU-Sozialpolitiker Storm, der die Forderung im Berliner „Tagesspiegel“ völlig absurd nannte. [dradio.de]

Klar, es ist Wahlkampf. Aber was will uns diese kollektive Realitätsverweigerung sagen? Als Bismarck die Rentenversicherung einführte, lag die Altersgrenze bei 70 Jahren. Damals erreichte indes nur ein relativ überschaubarer Teil der Versicherten dieses Alter – die Rentenversicherung war eine Versicherung gegen das Risiko des Altwerdens, das wie alle Risiken nicht in jedem Fall eintrat. Seit Adenauer ist sie eine Art legales Kettenbriefschema – mit entsprechend verheerenden Konsequenzen für die armen Säue am Ende der Nahrungskette.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Riemann-Hanewinkel, hält ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren dagegen für vorstellbar. Dies dürfe jedoch kein Zwang werden, sagte die Sozialdemokratin im Deutschlandradio Kultur. Sie verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die Menschen heute älter werden, weshalb eine längere Lebensarbeitszeit realistisch sei. [dradio.de]

Ich für meinen Teil, nach heutiger Rechtslage Rentner im Jahre 2034, richte mich mal auf Rente ab 75 ein.

Nachtrag: Kurze Geschichte der Rentenversicherung beim DIA

Klara

Mögen auch Fleisch und Herz mir verschmachten,
Gott bleibt mein Fels und mein Anteil auf ewig.
Ich sehe alles als Verlust an, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein.
Gott bleibt mein Fels und mein Anteil auf ewig.
Responsorium zum Gedenktag der Hl. Klara (Lektionar zum Stundenbuch I/6)

Laqueur

Eigentlich wollte ich den Essay Europa im 21. Jahrhundert von Walter Laqueur im Merkur ja noch ausführlich zitieren oder wenigstens kurz loben. Und zwar wegen seiner großen Übersicht über die ganze Spannbreite der demographischen Entwicklung in Europa und ihrer Folgen. Doch nun berichtet der Perlentaucher von einer kritischen Stimme in der Süddeutschen Zeitung:

„Thomas Steinfeld setzt sich […] mit den Protagonisten der ‚demographischen Apokalypse‘ auseinander. Er warnt vor den ‚Taschenpropheten‘, deren Wortmeldungen sich formal ‚bis ins Detail‘ glichen und deren Visionen einen ‚erheblichen Mangel an Phantasie, eine biedere Furcht vor einem noch fernen Ende‘ geltend machten.“

Jetzt ist doch die Frage: Hat hier jemand seine Demographie-Lektion noch nicht gelernt? Oder ist die Kritik tatsächlich fundiert?