Laurentius

Das Fest des Diakons und Märtyrers Laurentius gibt mir Gelegenheit, mich als Eichsfelder, namentlich Duderstädter im norddeutschen Exil zu erkennen zu geben. Laurentius ist der Patron meiner Heimatstadt und wird dort jeweils am nächstliegenden Sonntag mit einer Messe im Freien gefeiert. Am vergangenen Sonntag war ich dort, allerdings fand die Messe dann wetterbedingt doch in St. Cyriakus (dessen Gedenktag und damit das Patrozinium meiner Heimatkirche übrigens am Montag war) statt.

Noch vor einer Generation war der Laurentiustag in Duderstadt eine Art wilder Feiertag wie heute noch Fronleichnam: Geschäfte und Schulen waren geschlossen, und in Erfüllung eines Gelübdes zog die Gemeinde in einer großen Prozession zu Ehren des Hl. Laurentius durch die Stadt. Von dieser Tradition ist heute zwar nicht mehr viel übrig, aber verschwunden ist sie jedenfalls noch nicht. Der genaue Ursprung liegt im Dunkeln.

Vor ungefähr 500 Jahren wurde Duderstadt von einer gewaltigen Feuersbrunst heimgesucht, die sich unheimlich schnell ausbreitete. Schon waren fast die Hälfte der Häuser dem Brande zum Opfer gefallen, und die Einwohner mußten befürchten, daß die ganze Stadt in Schutt und Asche sinken würde. In dieser furchtbaren Not gelobten sie eine Prozession, die alljährlich zu Ehren des Stadtpatrons, des hl. Laurentius, abgehalten werden sollte. Die Feuersflammen legten sich, und der Brand hörte auf. Die Duderstädter aber hielten ihr Gelübde, und noch heute findet am 10. August, dem Tage des hl. Laurentius, die große Prozession mit dem Allerheiligsten statt. [Quelle]

Und Joseph Dieck berichtet in seiner Geschichte der Pfarrei und Kirche St. Cyriakus Duderstadt:

„Den Kirchenpatron (St. Cyriacus) begehen wir am 8. August und den Stadtpatron (St. Laurentius) am 10. August. Am letzteren Tage war eine feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten von der Pfarrkirche zur Unterkirche [St. Servatius], wo ein feierliches Amt zelebriert wurde. Nach dem Amte ging die Prozession durch mehrere Straßen der Stadt zurück zur Oberkirche. Später, nach Abtretung der Unterkirche, verlegte man die Prozession nach der Liebfrauenkirche. Das Hochamt wird jetzt in der Cyriakuskirche gehalten“. Die Servatiuskirche, die de facto, wenngleich nicht de jure zweite Stadtpfarrkirche war, wurde den Protestanten 1808 zur Verfügung gestellt.

Alles über Laurentius in Duderstadt findet sich bei Klaus Graf: St. Laurentius, Stadtpatron von Duderstadt. Erschienen in: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 65 (1997), S. 103-127.

Wie

hab ich das nur jahrelang ausgehalten? Fragt sich und uns der Haltungsturner.

„Ich war lange in dieser weinerlich-linksradikalen Szene aktiv, die sich vor allem bei Kirchens häuft. Unter Theologiestudenten war das auch sehr verbreitet damals bis in die erste Hälfte der 90er. So wie dieser Kommentar von ‚mikel‘ bei Nico und noch mehr seiner zwei Kommentare darüber. Erinnerte mich sehr an meinen Lieblingstroll Rolf in der letzten Mailingsliste, in die ich hin und wieder reinschaue. Und an so viele, die damals bei den religiösen Sozialisten rumturnten.

Dieses ’so lange bis, …, niemals‘. Dieses freudlose und jedem Unernst, der das Leben doch erträglich machen könnte, abholde. Es ist schon lustig. Und gruselig in der Rückschau, dass ich das mal normal fand.“

Religiöse Sozialisten? Was es alles gibt.

Meisner

Hier häufig zitiert, der Kölner Kardinal. Heute bei Spiegel Online:

„SPIEGEL ONLINE: Dienen Sie den Menschen, indem Sie Homosexualität verdammen und von Schwulen und Lesben verlangen, gegen Ihre Natur zu leben?

Meisner: Die Kirche hat für die Schöpfungsordnung einzustehen. Der Mann ist auf die Frau hin geschaffen und die Frau auf den Mann hin und daraufhin, dass sie aus der Ehe eine Familie machen. Damit ist dann auch der Fortbestand der Menschheit gesichert.

SPIEGEL ONLINE: Das widerspricht der Lebenserfahrung von Homosexuellen komplett.

Meisner: Aber es entspricht der Schöpfungsordnung. Ich stehe für die Schöpfung Gottes ein und verkünde den Glauben. Wenn meine Zeit abgelaufen ist, werde ich dafür vor dem Richterstuhl Gottes stehen.“

Sehr lustig übrigens, der Schreibfehler in „gegen Ihre Natur“…

Berufungen

Ich habe übrigens in meiner Aufzählung eine Pflicht vergessen:

Der ganzen christlichen Gemeinschaft obliegt die Pflicht, Berufungen zu fördern, damit in der ganzen Kirche für die Erfordernisse des geistlichen Amtes ausreichend vorgesorgt wird; besonders sind dazu die christlichen Familien, die Erzieher und in besonderer Weise die Priester, vor allem die Pfarrer verpflichtet. Die Diözesanbischöfe, denen die Sorge um die Förderung von Berufungen hauptsächlich aufgegeben ist, haben das ihnen anvertraute Volk über die Bedeutung des geistlichen Amtes und über die Notwendigkeit von Amtsträgern in der Kirche zu belehren; sie haben Unternehmungen zur Förderung von Berufungen, besonders durch Werke, die dazu errichtet werden, zu veranlassen und zu unterhalten. [CIC 233,1]

Nicht ganz unwichtig.

Keine Hochzeit

Erst einmal etwas Statistik:

Die Bilanz ist erschreckend: Waren es 1992 noch rund 7800 Hochzeiten in der Landeskirche, lag die Zahl 2002 bei 4560, im vergangenen Jahr nur noch bei 4300. In der Propstei Rhein-Main hat sich die Zahl kirchlicher Hochzeiten von 1992 bis 2002 gar mehr als halbiert, von 1316 auf 610. Die hessen-nassauische Landeskirche ist keine Ausnahme. Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Bistümer Limburg und Mainz verzeichnen Rückgänge. […] In der Stadt [Frankfurt] haben sich im vergangenen Jahr 210 Paare das Ja-Wort gegeben, 1992 waren es 360; im Bistum Limburg, zu dem Frankfurt gehört, ist die Zahl von 2500 (1994) auf 1240 (2004) geschrumpft.

Als „bemerkenswert“ stuft Tobias Blum, Sprecher des Bistums Mainz, die Zahlen ein: Ließen sich dort 1995 noch 2480 Paare trauen, waren es 2004 nur noch 1546. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ging die Zahl in diesem Zeitraum von 3750 auf 2326 zurück. Deren Sprecher Karl Waldeck macht dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich: den „relativ geringen Stellenwert von Ehe und Familie in der Gesellschaft“ und das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter der Kirchenmitglieder, das bei etwa 45 Jahren liege.“ [FAZ]

Und dann ein neues Berufsfeld, die „freien Theologen“ – „mit Zukunft“?

Anita Schuldt, einst Prädikantin in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, hat schon einmal eine Trauzeremonie auf einem Fußballplatz gehalten. „Aber solche Wünsche fallen aus dem Rahmen“, sagt die „freie Theologin“ aus Hasselroth im Main-Kinzig-Kreis. Den großen Vorteil gegenüber einer kirchlichen Trauung sieht Schuldt in der Möglichkeit, viel besser auf individuelle Wünsche von Paaren eingehen zu können. Eine solche Trauung kostet ihr zufolge durchschnittlich etwa 600 bis 700 Euro.

Daß Menschen an diesem Punkt ihres Lebens nach einem Ritual suchen, steht für Schuldt und ihren Kollegen Markus Grünling fest. Grünling war einmal katholischer Pfarrer im Erzbistum Freiburg. „Auch wenn die Zahl kirchlicher Trauungen zurückgeht, wächst das Gefühl, daß eine Trauung einen Rahmen braucht, der Sicherheit gibt“, meint er.

Teresia Benedicta vom Kreuz

Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Joh 4, 19-24

Primitive Zweckmäßigkeit

Nachzutragen wäre da noch ein Artikel von Michael Gassmann auf der Geisteswissenschaften-Seite der FAZ vom 3. August, der sich mit dem Verhältnis von Kirchenmusik und Liturgie beschäftigt.

Man hat der Liturgiereform des Zweiten Vaticanums vorgeworfen, sie habe alle Sinnlichkeit des Ritus zerstört. Das vernichtende Urteil läßt sich in der Theorie leicht widerlegen, findet aber in der Praxis oft seine Bestätigung. Tendenzen der Verflachung sind nicht zu übersehen. Die waren freilich nicht intendiert. Der Begriff der „participatio actuosa“ wird verkürzt, wenn man unter ihm bloß einen äußerlichen Aktionismus versteht, wie es zum Beispiel des beständige Wechselsingen darstellt oder die gleichzeitige Einbindung aller irgendwie musizierenden Gruppen in ein und denselben Gottesdienst. […] Wo heute die Sinnlichkeit des Ritus zerstört wird, da geschieht es meist, weil der Kunstanspruch ans geistliche musikalische Werk aufgegeben wird zugunsten einer primitiven Zweckmäßigkeit, die sich nach den Bedürfnissen und Vorlieben gemeindlicher Arbeitskreise richtet. [FAZ, 85 Cent]

Albert Gerhards (Hg.): Kirchenmusik im 20. Jahrhundert. Erbe und Auftrag. Reihe: Ästhetik – Theologie – Liturgik, Bd. 31, 2005, 192 S., 17.90 EUR, br., ISBN 3-8258-7680-2

Obliegenheiten

Es scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein, dass die Aufnahme in die katholische Kirche auch eine Reihe von Pflichten mit sich bringt. Als da wären (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in alphabetischer Reihenfolge):

  • Gehorsam gegenüber den Hirten der Kirche
  • Finanzielle Beiträge (z.B. Kirchensteuer)
  • Freitagsopfer
  • Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren
  • Kenntnisse über die Lehre zu erwerben
  • Missionspflicht
  • Sakramentenempfang (Eucharistie und Buße mindestens jährlich)
  • Sonntagspflicht

Wird eigentlich darüber noch aufgeklärt, wer für sich oder seine Kinder um die Aufnahme bittet? Und wie stehen jene Nichtkatholiken zu diesem Pflichtenkatalog, die mehr oder weniger dringend die Zulassung zur Eucharistie einfordern?

Nachtrag: Was die einzelnen Punkte bedeuten, erklärt Scipio.

Sein Credo

„Das Evangelium muss vor Kirchenmoral gehen, Seelsorge vor Verwaltung, Mitbestimmung der Basis vor überholten autoritären Strukturen, nicht umgekehrt, wie es leider ist. Sich nur auf den Katechismus zurückziehen bedeutet, mit toten Buchstaben den Geist des Christseins zunichte zu machen.“
Pfr. Roland Breitenbach, der gestern seinen 70. Geburtstag feierte [rzmedia]