Abendmahlsgemeinschaft

Ökumene auf allen Kanälen. Ralf stellt eine eucharistische Frage:

„Anfangen möchte ich aber mit einem Anliegen, das immer an uns herangetragen wird: die sog. Abendmahlsgemeinschaft, d.h. die regelhafte Zulassung von Mitgliedern der aus der Reformation hervorgegangenen kirchl. Gemeinschaften zur Eucharistie.“

Das Problem damit ist sogar noch ein geringeres als der umgekehrte Fall. Denn für den oben beschriebenen Fall gilt laut Ut unum sint (1995),

„daß die katholischen Priester in bestimmten Einzelfällen die Sakramente der Eucharistie, der Buße und der Krankensalbung anderen Christen spenden können, die zwar noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, aber sehnlich den Empfang der Sakramente wünschen, von sich aus darum bitten und den Glauben bezeugen, den die katholische Kirche in diesen Sakramenten bekennt.“

(Ich nehme an, dies war die Intention von Joseph Card. Ratzinger, als er Roger Schütz beim Requiem für Johannes Paul II. die Kommunion reichte.) Diesen Ansatz nimmt Ecclesia de Eucharistia (2003) wieder auf:

„Es ist notwendig, diese Bedingungen genau zu befolgen. Sie sind unumgänglich, auch wenn es sich um begrenzte Einzelfälle handelt. Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente, etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente, hat zur Folge, daß der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist. Und umgekehrt kann ein katholischer Gläubiger nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen, der das gültige Sakrament der Weihe fehlt.“

Nun wieder Ralf zur Abendmahlsgemeinschaft:

Das Anliegen verstehe ich zwar menschlicherseits (Harmonie ist eben immer schöner), aber nicht auf theolog. Ebene. Es wird bei den ökumen. Bemühungen immer das Jesuwort aus dem Joh. Ev. herangezogen, sein Gebet, in dem er bittet, daß die Gläubigen eins sein mögen, damit die Welt glaube, daß Gott Vater ihn in die Welt gesandt hat – sprich: die Einheit dient dem Zeugnis der Christen in der nichtchristlichen Welt.

Soweit so gut (nota bene: Einheit kein Selbstzweck!).

Gesetzt dem Fall, es gäbe die Abendmahlsgemeinschaft. Würde dadurch ein deutliches Zeichen Christi in die Welt gesandt werden? Ich sage nein, denn die sichtbare Kirchengemeinschaft bestünde dadurch ja nicht, für einen Außenstehenden gäbe es nicht einen Deut mehr Klarheit. Im Gegenteil, alles erschiene absolut gleich-wertig. Für die Wirkung nach außen ist aber schon rein psychologisch verheerend, wenn alles gilt. Wie soll man da überzeugen?“

Der Anspruch der Wahrheit

„Schon jetzt ist es möglich, die Themen festzulegen, die vertieft werden müssen, um zu einer echten Übereinstimmung im Glauben zu gelangen: 1) die Beziehungen zwischen Heiliger Schrift als oberster Autorität in Sachen des Glaubens und der heiligen Tradition als unerläßlicher Interpretation des Wortes Gottes; 2) die Eucharistie, Sakrament des Leibes und Blutes Christi, dargebracht zum Lob des Vaters, Gedächtnis des Opfers und Realpräsenz Christi, heiligmachende Ausgießung des Heiligen Geistes; 3) die Weihe als Sakrament zum Dienstamt in seinen drei Stufen: Bischofsamt, Priestertum und Diakonat; 4) das Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut, verstanden als Verantwortung und Autorität im Namen Christi für die Unterweisung im Glauben und seine Bewahrung; 5) die Jungfrau Maria, Gottesmutter und Ikone der Kirche, geistliche Mutter, die für die Jünger Christi und für die ganze Menschheit Fürbitte leistet.

Auf diesem mutigen Weg zur Einheit halten uns die Klarheit und die Klugheit des Glaubens an, die falsche Irenik und die Nichtbeachtung der Normen der Kirche zu vermeiden. Umgekehrt gebieten uns dieselbe Klarheit und dieselbe Klugheit, die Lauheit beim Einsatz für die Einheit und noch mehr den vorgefaßten Widerstand zu meiden oder auch den Defätismus, der dazu neigt, alles negativ zu sehen.

An einer Sicht der Einheit festhalten, die allen Forderungen der geoffenbarten Wahrheit Rechnung trägt, heißt jedoch nicht der ökumenischen Bewegung Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil, es bedeutet zu vermeiden, daß sie sich mit Scheinlösungen zufriedengibt, die zu keinem stabilen und echten Ergebnis führen würden. Der Anspruch der Wahrheit muß bis auf den Grund gehen. Ist das etwa nicht das Gesetz des Evangeliums?
Ut unum sint – Ioannes Paulus PP. II – Enzyklika (1995)

Eucharistie und Ökumene

Welt-Korrespondent Paul Badde berichtet aus Bari:

Noch mehr aber wurde hier heute die Seepredigt des neuen Papstes erwartet, in der er alle Christen daran erinnerte, dass die Eucharistie „das Herz des Sonntags ist, aus der der Kirche immer neu geboren wird“. Auch darum „können wir ohne den Sonntag nicht leben“, zitierte er das Motto des Tages.

Es stammt aus dem Jahr 304, aus der letzten Christenverfolgung der Römer unter Kaiser Diokletian, bevor dessen Nachfolger Konstantin kurz danach vor der Überlegenheit der kleinen christlichen Minderheit kapitulierte. Unter Androhung der Todesstrafe hatte Diokletian noch einmal Versammlungen der Christen am Sonntag verboten. Dennoch hatten sich in Abitene im heutigen Tunesien 49 Christen am Sonntag wieder versammelt, um Eucharistie zu feiern. Sie wurden verhaftet, verhört und gefoltert. Warum hatten sie das nur gemacht, fragte sie entgeistert der Prokonsul. „Ohne Sonntag können wir nicht leben“, antwortete ihm ein gewisser Emerito, bevor alle 49 hingerichtet wurden.

“Der Sonntag ist keine Last auf unseren Schultern“, rief heute jedoch Benedikt XVI. keinem Kaiser oder Prokonsul mehr zu, sondern dem Diktat einer konsumistischen Welt. „Er ist uns ein Bedürfnis und eine Freude“. Um den „nahen Gott“ zu treffen, müssten wir uns jedoch auch „untereinander treffen“. Die Eucharistie sei deshalb ein Zeichen der Einheit in einer leider zerrissenen Christenheit. „Alle Kraft“ müsse die Christenheit darum der Wiedererlangung jener Einheit zuwenden, nach der es „Christus im Abendmahlssaal so brennend verlangt“ habe – mit jener eigenen inneren Bekehrung, die „Voraussetzung für jeden Fortschritt auf dem Weg der Ökumene“ sei.

Manager-Magazin ist auch Papst

Ein längeres Stück schließt mit einer Erwähnung von Catholicism Wow:

„Im deutschsprachigen Raum sind die katholischen Weblogger noch nicht so verbreitet, doch auch hier gibt es neue Bewegungen wie zum Beispiel ‚Catholicism Wow‘ (www.catholicism-wow.de). Dieser Blog hat sich der Kultivierung von Comics und Musik mit katholischem Hintergrund verschrieben. Als Merchandising-Artikel wird ein T-Shirt mit Logo feilgeboten, das auf den ersten Blick an Coca Cola erinnert. Stattdessen steht dort: ‚Römisch-katholische Kirche. Seit 33 n. Chr.‘ Eine Bewegung, die so was von ‚out‘ ist, ist schon wieder unglaublich ‚in‘.“

Freitagsopfer

Aus der Abteilung In Vergessenheit geraten:

„Alle Freitage des Jahres sind im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn kirchliche Bußtage, an denen der Christ zu einem Freitagsopfer verpflichtet ist; ausgenommen sind die Freitage, auf die ein Hochfest fällt. Das Freitagsopfer kann verschiedene Formen annehmen: Verzicht auf Fleischspei­sen, der nach wie vor sinnvoll und angemessen ist, spürbare Einschränkung im Konsum, besonders bei Genussmitteln, Dienste und Hilfeleistungen für den Nächsten. Das durch das Freitagsopfer Ersparte sollte mit Menschen in Not geteilt werden. Auch eine andere spürbare Einschränkung im Konsumver­halten ist denkbar. Das Zeugnis gemeinsamen Freitagsopfers hat zudem seinen besonderen Wert. Kirchliche Häuser, Ordensgemeinschaften und geistliche Vereinigungen können hier ein Beispiel ge­ben. Dem Sinn des Freitagsopfers entsprechen auch: Gebet und andere Frömmigkeitsübungen, eine wirkliche Einschränkung und der Dienst am Nächsten.“
Aus der Partikularnorm Nr. 16 der Deutschen Bischofskonferenz zu cc. 1251, 1253 CIC Bußordnung / Fasten-Abstinenz (Kirchliche Bußpraxis / Weisungen zur Bußpraxis)

Am kommenden Freitag ist also, da Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu, kein Freitagsopfer angebracht.

Kirchenfrage

Peter stellt sie, aus Anlass des Kirchentages:

„These: Die ev. Landeskirchen in ihrer gegenwärtigen Verfassung stehen zwischen der röm.-kath. Kirche und den Freikirchen in formaler (Kirchenverständnis) und inhaltlicher Hinsicht. Es ergibt sich die Frage, ob die ev. Landeskirchen heute Raum für Evangelisierung bieten können und ob solche Räume von den weiteren Kirchen zur Verfügung gestellt werden.

Grundlegende Vorbehalte sind m.E. gegen die derzeitige Verfassung der ev. Landeskirchen geltend zu machen. Es mangelt. der EKD und vielen Landeskirchen an spirituellem Gehalt; die Seele kommt zu kurz, kann sich nicht vertiefen, sich nicht versenken in der Schönheit des Glaubens und des HERRN. […]

Die Mehrzahl der Andachten, viele Predigten, überwiegend wahrgenommene amtskirchliche Äußerungen befassen sich nicht mit originär glaubenszentrierten Themen, sie behandeln vielmehr diesseitsbezogene Inhalte, basierend auf Befindlichkeitsstatements und Positionierungen, auf weltlich-sozialen Fragestellungen oder befassen sich mit gesellschaftlichen (Rand-)Themen. Spürbar oftmals ein Bemühen, politisch korrekt und zeitgemäß zu sein.“

Das lässt sich leider auch von manchen Äußerungen der Deutschen Bischofskonferenz sagen (auch wenn ich gerade kein Beispiel zur Hand habe).

Nagel

Schade, dass Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel nicht ohne antikatholische Polemik auskommt. In seinem Schlusswort sagte heute der Präsident des 30. Evangelischen Kirchentages:

„Protestantismus wirkt anziehend. Unsere Kultur des Fragens entspricht unserem protestantischen Selbstverständnis: Verzicht auf starre Bilder und unfehlbare Antworten, berührt und bewegt sein vom Evangelium, Mut und Bereitschaft zu Protest, zu Protest für Gottes Wahrheit im alltäglichen Leben.“ [Hervorhebung von mir]

Ein paar Zeilen später dann das pflichtschuldige Bekenntnis zur Ökumene:

„Dieser Kirchentag hat das Thema Ökumene wieder ein Stück vorangebracht. Es gibt keine Alternative zu: Einheit der Kirchen in Vielfalt. Der Weg dorthin ist lang, aber die Mühe lohnt sich. Wir haben die Hoffnung, dass die Worte von Papst Benedikt XVI. zur ökumenischen Entwicklung ein Zeichen der Zuversicht sind. Dies ist Ausdruck des ökumenischen Vertrauens der Töchter und Söhne Luthers, Zwinglis und Calvins. Unsere Hoffnung ist ungebrochen auf Gastfreundschaft beim Abendmahl. Das wäre Stärkung und Wegzehrung auf dem Weg zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München und zur Einheit der Kirchen.“

Auch wenn es sich hier nur um die üblichen vagen Floskeln handelt, verliert Nagels ökumenisches Bekenntnis doch durch seine vorigen Worte gleich erheblich an Glaubwürdigkeit. Schade.

Wozu Ökumene?

Matthias fragt in den Kommentaren:

„Was für einen Sinn soll denn in Deinen Augen, Martin, Ökumene überhaupt haben, wenn das Einswerden sich – so meine ich es zu verstehen – in der Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche manifestieren sollte?“

Bevor ich die Frage beantworte, möchte ich sie gern in die Runde weiterreichen: Wozu Ökumene?

Mitte


Auf dem Kleinen Stundenbuch ist ein Rad mit sechs Speichen abgebildet. Das erinnert mich an das Mainzer Rad, das Wappen der Mainzer (Erz-)Bischöfe. (Meine Heimat gehörte 400 Jahre lang zu Mainz.) Im Innern des Buches heißt es:

Der Kosmos hat eine Mitte.
Aus ihr kommt alles.
Zu ihr führt alles.
Um sie kreist unser Leben.

Andreas schreibt in den Kommentaren bei Petra:

„Ich glaube gerade junge Leute wollen wieder irgendwo ‚dazugehören‘, sie wollen an etwas großem, schönem teilhaben. Und was könnte es schöneres als die Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen geben. Das gibt es in keinem Sportverein, nicht unter Arbeitskollegen, sonstwo,…
Wenn man davon mehr in den Gemeinden merken würde…
Das setzt natürlich voraus, dass die Gemeinschaft sich nicht nur als eine menschliche versteht und nicht quasi sich selber ‚verkauft‘, sondern dass sie sich bewusst ist, was im Zentrum steht.“

Ich bin in diesen Fragen inzwischen ganz puristisch geworden. Die Wochen seit dem Sterben Johannes Pauls, der Sedisvakanz und der Wahl Joseph Ratzingers ins Petrusamt haben überdeutlich gezeigt, dass es uns letztlich um die Mitte, das Zentrum zu tun sein muss.

Wir beschäftigen uns – in unseren Gemeinden, aber nicht nur dort – zu viel mit Nebensächlichkeiten und zu wenig mit der Hauptsache.

9. Sonntag im Jahreskreis

Jetzt ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten:
die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied.
Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.
Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.
Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben.
Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.
Röm 3, 21-25a.28