Hinführung zum Gebet (aus Jürgen Kuhlmann: Heilswahrheit, nicht Begriffskunst): „Der Knabe schon betet zum Gott seiner Väter. Er hat von den Großtaten des geschichtsmächtigen Herrn gehört. Beim ersten Tempelbesuch mag ihm aufgegangen sein, wie strahlend herrlich Jahwe ist. Zusammen mit anderen Betern rezitiert er die alten Psalmen und erlebt, wie der gewaltige Jemand, zu dem er spricht, wirklich da ist, ihm zuhört, ja antwortet auf eine zugleich unverkennbare und unbeschreibliche Weise. In solchen Augenblicken weiß Johannes (wenngleich er es nicht so philosophisch ausgedrückt hätte): ich befinde mich der absoluten Wirklichkeit gegenüber.“
Jürgen Kuhlmann in seinem Christlichen Ideenkorb...
Jürgen Kuhlmann in seinem Christlichen Ideenkorb: „Seit ich als kleines Kind, in sonnigem Zimmer mit einem gläsernen Karaffen-Verschluß spielend, plötzlich einen fröhlich bunten Farbfleck an der Wand tanzen sah, ist die Idee einer verborgenen Beziehungsfülle im scheinbar rein weißen Sinnlicht mir vertraut. Wer die Dreifaltigkeit leugnet, hat insofern recht, als die Sonne nicht bunt strahlt sondern rein weiß. Und niemand ist verpflichtet, ein Prisma zu haben.“
Dan Brown hat mit einem antikatholischen Unterhaltungsroman...
Dan Brown hat mit einem antikatholischen Unterhaltungsroman eine ganze Industrie in Gang gebracht. Aber Muslime riskieren ihr Leben, wenn sie grundsätzliche Kritik an ihrer Religion üben. Ayaan Hirsi Ali bemerkte vor zwei Jahren, nach modernen Maßstäben sei Mohammed als pädophil zu bezeichnen, weil er ein neunjähriges Mädchen zur Frau nahm. Wohlgemerkt, sie sagte: „nach modernen Maßstäben“. Seither muß sie sich von Bodyguards schützen lassen. Ich bezweifle, daß Dan Brown untergetaucht ist und um sein Leben fürchten muß, weil orthodoxe Katholiken einen Preis auf seinen Kopf ausgesetzt haben. Anders gesagt: Es geht um die Freiheit der Religionskritik, und solange der Islam, so unterschiedlich er auch von Land zu Land praktiziert wird, sie nicht zugestehen kann, bleiben die Völker, deren Wertesystem auf dieser Religion gründet, von der Modernität ausgeklammert.
Leon de Winter in seinem in der Welt geführten Holländischen Tagebuch [via Perlentaucher]
Friedrich Wilhelm Graf heute im Feuilleton der NZZ...
Friedrich Wilhelm Graf heute im Feuilleton der NZZ unter der Überschrift Die Vervielfältigung Gottes über den Markt religiöser Möglichkeiten in Amerika: „Protestantische main line churches mit einem Wischiwaschigott haben in den letzten dreissig Jahren zunehmend an Glaubensmarktanteilen verloren. Auch bei den Katholiken sind die Harten, dogmatisch Entschiedenen die Gewinner. Auf die Pädophilie-Skandale hat die katholische Bischofskonferenz der USA soeben mit einer Moralisierungsoffensive reagiert. Angesichts der schnell wachsenden Zahl von Scheidungen bei kirchlich getrauten Katholiken werden demonstrativ die sakramentale Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe betont und Ehen gleichgeschlechtlicher Partner scharf verurteilt.
Man benötige wieder eine klare corporate identity, betonen die theologischen Marketingexperten eines neuen Kampfkatholizismus. In der Tat sind viele enttäuschte Katholiken zu charismatisch geprägten Pfingstkirchen übergewechselt, in denen harte Askese gelebt und innerweltlicher Erfolg prämiert wird. Über genaue Zahlen streiten die Experten. Aber immer mehr amerikanische Bürger gehören einer anderen Religionsgemeinschaft als bei ihrer Geburt an. Die ausgeprägte Konversionsbereitschaft verstärkt den Druck auf die konkurrierenden Anbieter, als effiziente, kundennahe Religionsdienstleister zu agieren.“
Jochen Scherzer ist der Meinung, dass jetzt kein...
Jochen Scherzer ist der Meinung, dass jetzt kein drittes Vaticanum nötig ist, sondern der Schuh ganz woanders drückt.
„Der Priestermangel ist nicht mehr das Problem der deutschsprachigen Kirche am Beginn des dritten Jahrtausends. Ihr Problem ist sicherlich zu einem großen Teil die mangelnde Identifikation der Gläubigen mit der Botschaft Jesu und der daraus erwachsenden alltäglichen Lebensgestaltung. Wer sich nur auf Strukturen und Konzepte verlässt, der wird bald vor leeren Kirchenbänken predigen, selbst wenn er verheiratet ist. Diese neue Innerlichkeit kann aber kein Konzil, keine Zölibatsabschaffung und kein neues Pastoralkonzept bringen. Nicht der akute Priestermangel, sondern der akuten Glaubensmangel zwingt zu einem Umdenkprozess.“
Der Vatikan macht sich wieder einmal unbeliebt....
Der Vatikan macht sich wieder einmal unbeliebt. Zum Weltaidstag erinnert ein Schreiben des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst an die katholische Sexualethik. „Nur Keuschheit kann Aids verhindern“, fasst Spiegel Online das Papier zusammen. Und zitiert wie folgt: Eine „Immunschwäche der moralischen und spirituellen Werte“ sei an der Ausbreitung von Aids schuld. Pflichtschuldig gibt auch Guido Westerwelle seinen Dissens zu Protokoll.
Catholic Analysis zur Moraltheologie (The Proportionalist...
Catholic Analysis zur Moraltheologie (The Proportionalist Argument): „Proportionalists are those ‚Catholic‘ moral theologians who believe in situation ethics. In other words, they believe, contrary to Church teaching, that no acts are instrinsically evil and that whether an act is morally evil depends on its consequences.
Most of you who have studied Philosophy 101, or read any philosophy at all, will likely recognize this supposedly nuanced, avant-garde species of moral theology as nothing more than rehashed nineteenth century utilitarianism. And you would be right.
But it seems that large segments of Catholic moral theology seem bent on replicating, with borrowed Catholic terminology inserted here and there, the errors of philosophy that emerged from nineteenth century Protestant England and Germany. This imitation is then presented as an intellectual breakthrough. But it is an intellectual ‚breakthrough‘ only for those who have no familiarity with the history of Western philosophy.“
Schöne Einleitung, aber das dann folgende konkrete Beispiel ist mir dann doch etwas zu plakativ.
Über die Brights (hier bereits im März...
Über die Brights (hier bereits im März erwähnt) berichtet nun auch die Süddeutsche Zeitung, wie der Perlentaucher feststellt: „Thomas Thiel stellt eine in Amerika jüngst gegründete Gruppierung namens ‚Brights‘ (mehr) vor, die künftig die ’naturalistische Weltsicht‘ verbreiten und die Welt ‚zur Wissenschaft erwecken‘ will; unter ihrem Dach sollen sich ‚all diejenigen versammeln, deren Weltanschauung frei von übersinnlichen und metaphysischen Elementen ist.‘ Mit den – überwiegend atheistischen – ‚Brights‘ trete ‚ein neuer Typus des Intellektuellen in den Fokus der Öffentlichkeit, der nicht mehr die literarisch-historische, sondern die naturwissenschaftliche Bildung als Grundlage zeitgemäßer Intellektualität‘ betrachte.“
In einem Interview mit der taz findet der argentinische...
In einem Interview mit der taz findet der argentinische Schriftsteller Cesar Aira, „dass die Freiheit durch die Populärkultur bedroht wird – gewisse Dinge werden heute geradezu zwanghaft obligatorisch. Zum Beispiel das Mobiltelefon: Zunächst war es ein nützliches Utensil, dann wurde es zu einer zwanghaften Notwendigkeit, und heute ist der Besitz einfach obligatorisch. … Die Populärkultur wird zum Symbol all dessen, was obligatorisch wird. Hingegen Johann Sebastian Bach, der ist nicht obligatorisch. Bach ist frei. Will ich Bach hören, muss ich eine Aufnahme suchen und manchmal muss ich sehr danach suchen. Und um die Musik zu verstehen, muss ich mich anstrengen. Über diese Hochkultur öffnet sich ein Weg in die Freiheit. Mein Verhältnis zur Populärkultur ist eher dialektisch. Ich beziehe mich bei meiner Arbeit ständig auf die Populärkultur. Aber dabei geht es mir um eine Transformation, die auch die Hochkultur verändert.“ [ebenfalls via Spiegel Online via Perlentaucher]
Die Frankfurter Rundschau rezensiert Ludwig Ring...
Die Frankfurter Rundschau rezensiert Ludwig Ring-Eifel: Weltmacht Vatikan. Päpste machen Politik. Pattloch-Verlag, München, 308 Seiten, 19,90 Euro. Und kann sich den folgenden Scherz nicht verkneifen: „‚Gott ist tot. Nietzsche.‘ – ‚Nietzsche ist tot. Gott.‘ Ähnliches könnte man für den Vatikan stricken. Reiche kommen und gehen, und die Päpste treiben weiter Politik. ‚Wie viele Divisionen hat der Papst? Stalin.‘ – ‚Wie alt wurde die Sowjetunion? Johannes Paul II.'“ [via Spiegel Online via Perlentaucher]