Zitat des Tages bei Spiegel Online: „‚...

Zitat des Tages bei Spiegel Online: „‚Kinder werden nach wie vor als Objekte gesehen, deren Köpfe mit Fachwissen gefüttert werden müssen. So kann man aber nichts lernen. Das Lernen an deutschen Schulen erinnert mich bisweilen an Bulimie. (…) Dann kommt die Prüfung, und anschließend entledigen sich die Schüler des angelernten Wissens wie Essgestörte der Nahrung. Die Kinder müssen anders lernen als bisher. Passiv erlerntes Wissen ist nutzlos. Man kann sich nur einprägen, was man sich selbst erarbeitet hat.‘

Gerald Hüther, Hirnforscher an der Universität Göttingen, in einem dpa-Gespräch zum 5. Göttinger Bildungskongresses. Hüther kritisiert den klassischen Unterricht an deutschen Schulen als ‚passive Lerndressur‘ – und aus den schlechten Pisa-Ergebnissen zögen deutsche Politiker den falschen Schluss, man müsse ’noch mehr Stoff noch schneller und effektiver in die Kinder reinbekommen‘. Der Wissenschaftler fordert, die Begeisterung der Kinder für das Lernen zu erhalten und zu fördern, statt sie zu reinen ‚Fachidioten‘ zu machen.“ Wie wahr.

Die Frankfurter Rundschau rezensiert: „Im...

Die Frankfurter Rundschau rezensiert: „Im Kern der christlichen Erfahrung […] steht nicht der Selbsterfahrungstrip, sondern die Konfrontation mit dem Begehren des andern, des ‚Nächsten‘. Slavoj Zižek und Alain Badiou haben erst jüngst gezeigt, dass das subversive Potenzial des orthodoxen Christentums im Zeitalter des globalen Kapitalismus keineswegs verbraucht ist. Wenn die frühen Christen zusammenkamen, um gemeinsam das Brot zu brechen und solidarisch füreinander einzustehen, dann traf auf sie zu, was der Apostel Paulus im Galaterbrief sagt: ‚Da gibt es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr seid alle einer in Christus.‘ Genau dieser urdemokratische, urkommunistische Kern der paulinischen Christologie wird in der gnostischen Umdeutung des Christentums verraten zugunsten einer esoterischen Initiation für die wenigen ’spirituell Erleuchteten‘. Für Paulus ist die ‚gute Nachricht‘ keine Geheimlehre Christi, sondern eine Offenbarung, die allem Volk zuteil werden soll.“

Elaine Pagels: Das Geheimnis des fünften Evangeliums. Warum die Bibel nur die halbe Wahrheit sagt. Aus dem Englischen von Kurt Neff. Verlag C.H. Beck, München 2004, 240 Seiten, 19,90 Euro.

Die Welt hat ein Interview mit Joseph Kardinal Ratzinger...

Die Welt hat ein Interview mit Joseph Kardinal Ratzinger: „Zweifelsohne müssen wir alles Mögliche tun, den christlichen Entwurf auf eine Weise zu übersetzen, aus der die wahre Essenz des Christentums ins Heute hinein aufleuchtet.

Wie wollen Sie diese Essenz beschreiben?

Ratzinger: Als Liebesgeschichte zwischen Gott und den Menschen. Wenn das in der heutigen Sprache verstanden wird, wird auch der Rest verstanden werden können.“ [via fonolog]

Bernd Ulrich stellt Fragen (in der Zeit): „...

Bernd Ulrich stellt Fragen (in der Zeit): „Wieso nimmt das Ökobewusstsein der Deutschen im Moment sogar noch zu, wo man doch immer dachte, in wirtschaftlichen Krisen träten die »weichen« Themen zurück? Was bedeutet es für uns, wenn ein ultraliberales Land wie unsere holländischen Nachbarn an seiner eigenen Offenheit zweifelt, wenn es eine autoritäre Wende nimmt? Kann man einen Konservatismus entwickeln, dem nicht alles eins und gleich ist, der also unterscheidet, ohne jedoch zu diskriminieren? Schwierige Fragen, wie gesagt, aber interessanter als die, ob die Amis verrückt geworden sind. Und eine letzte Frage: Ist es nicht eine Chance, wenn den Bürgern Werte wichtiger sind als kurzfristige Interessen? Haben sich Linke und Ökologen das nicht immer gewünscht?“

Kardinal Ratzinger im Interview mit Radio Vatikan...

Kardinal Ratzinger im Interview mit Radio Vatikan auf die Frage, ob der Buttiglione zeige, dass die Mitarbeit von Christen in der EU nicht mehr gewollt ist: „In der Tat – es ist ein Zeichen, daß zunächst die weltanschauliche Neutralität des staatlichen Bereichs sich in eine Art von ideologischer Dogmatik umzuwandeln im Begriff steht, Laizismus also nicht mehr die Gewähr vielfältiger Überzeugungen in Freiheit darstellt, sondern sich selbst als eine Ideologie etabliert, die vorschreibt, was man denken und sagen darf und eine öffentliche Präsenz des Christlichen, zum Beispiel, eben nicht mehr gewährleistet. Das ist, denke ich, schon ein Phänomen, das uns zu denken geben muß: dass das, was zunächst als Gewähr gemeinsamer Freiheit erschien, sich in eine Ideologie umformt, die zum Dogmatismus wird und die Religionsfreiheit zu gefährden beginnt.“
[via fonolog]

Der gute, alte Bertolt Brecht in seinem Lob des...

Der gute, alte Bertolt Brecht in seinem Lob des Zweifels:

Da sind die Unbedenklichen, die niemals zweifeln.
Ihre Verdauung ist glänzend, ihr Urteil ist unfehlbar.
Sie glauben nicht den Fakten, sie glauben nur sich. Im Notfall
Müssen die Fakten dran glauben. Ihre Geduld mit sich selber
Ist unbegrenzt. Auf Argumente
Hören sie mit dem Ohr des Spitzels.

Den Unbedenklichen, die niemals zweifeln
Begegnen die Bedenklichen, die niemals handeln.
Sie zweifeln nicht, um zur Entscheidung zu kommen, sondern
Um der Entscheidung auszuweichen. Köpfe
Benützen sie nur zum Schütteln. Mit besorgter Miene
Warnen sie die Insassen sinkender Schiffe vor dem Wasser.
Unter der Axt des Mörders
Fragen sie sich, ob er nicht auch ein Mensch ist.
Mit der gemurmelten Bemerkung
Daß die Sache noch nicht durchforscht ist, steigen sie ins Bett.
Ihre Tätigkeit besteht in Schwanken.
Ihr Lieblingswort ist: nicht spruchreif.

Freilich, wenn ihr den Zweifel lobt
So lobt nicht
Das Zweifeln, das ein Verzweifeln ist!

Was hilft zweifeln können dem
Der sich nicht entschließen kann!
Falsch mag handeln
Der sich mit zu wenig Gründen begnügt
Aber untätig bleibt in der Gefahr
Der zu viele braucht.

Du, der du ein Führer bist, vergiß nicht
Daß du es bist, weil du an Führern gezweifelt hast!
So gestatte den Geführten
Zu zweifeln!