Und noch eine Notiz aus dem stern (AP): „Schon...

Und noch eine Notiz aus dem stern (AP): „Schon länger beklagen Experten, dass der Grad der sexuellen Aufklärung unter Jugendlichen deutlich nachlässt. 2003 verzeichneten die Statistiker einen Anstieg der Abtreibungen bei den unter 18-Jährigen um 2,7 Prozent auf insgesamt 7.645 Fälle. Besonders hoch war diesmal die Zunahme bei den älteren Minderjährigen, also den 15- bis 18-Jährigen: Hier wurde eine Zunahme von 3,7 Prozent verzeichnet. Bei den unter 15-Jährigen sank die Zahl dagegen von 761 Fällen im Vorjahr auf 715.“

Irshad Manji, Kolumnistin der New York Times, in...

Irshad Manji, Kolumnistin der New York Times, in der Welt: „Für viele Europäer, die noch immer lebendige Erinnerungen an die intellektuelle Unterdrückung durch die katholische Kirche haben, ist Religion eine irrationale Macht. […] Anders in Amerika. Weil es eine Gesellschaft von Einwanderern ist, die religiöse Toleranz suchten, sieht dort niemand Religion als irrational – auch wenn das, was manche Leute damit anfangen, irrational ist, zum Beispiel Terror. […] Die massenhafte Einwanderung von Muslimen bringt den Glauben zurück in die Öffentlichkeit und schafft so eine post-aufklärerische Modernität in Westeuropa. Diese Wiederkehr der Religion bedroht den säkularen Humanismus, die Orthodoxie, die seit der Französischen Revolution alles dominiert hat. […] Ihr Säkularismus nimmt manchmal eifernde, missionarische – und darf ich es sagen – religiöse Züge an. Womit wir wieder bei der Frage wären, warum ich, eine unabhängige Frau, mich mit dem Islam abgebe. Die Religion verschafft einem eine Reihe von Werten, darunter auch der Disziplin, die ein Gegengewicht zum Materialismus des Westens darstellen. Ich hätte auch ein Renegat werden und durch die Einkaufszentren rennen können, um nach Erfüllung zu suchen. Ich habe es nicht getan. Die Religion setzt etwas dagegen. Sie erzeugt eine Spannung, die das Denken herausfordert und einen dagegen imprägniert, selbst zum Fundamentalisten zu werden. Der heutige Islam hat schwere Defizite, und das zu sagen macht mich in den Augen zahlloser Muslime zur Gotteslästerin. C’est la vie. Wenn sie sich von ihren Gefühlen nicht überwältigen lassen, werden sie die Tatsache würdigen, daß die Religion – gerade für die Rationalisten unter uns – ein Segen ist.“ [via credo ut intelligam]

Jürgen Kaube analysiert scharfsinnig die neuen...

Jürgen Kaube analysiert scharfsinnig die neuen Pisa-Ergebnisse (in der FAZ): „Hätte man nur drei Sätze, um die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Pisa-Studie 2003 zusammenzufassen, so müßten sie lauten: Es gibt Familien. Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, alle unglücklichen Familien aber sind auf länderspezifische Weise unglücklich. Und: Wir stehen vor einem Desaster sowohl der deutschen Einwanderungspolitik wie des Umganges mit den Unterschichten in diesem Land.“ [via Perlentaucher]

Der in Ankara geborene und in Berlin lebende Schriftsteller...

Der in Ankara geborene und in Berlin lebende Schriftsteller und Publizist Zafer Senocak in der Welt über die Krise des heutigen Islam: „Dieses Bild ist das Ergebnis einer Jahrhunderte alten Krise, in der das kreative und zeitgemäße Lesen der Quellen versäumt oder als Häresie verfolgt worden ist. Diese Krise kann nur überwunden werden durch einen radikalen Bruch mit der Tradition und ihren erstarrten Methoden und Sichtweisen. Fragen sind zu stellen an das Menschenbild, das von dieser Tradition überliefert wird, an das Verhältnis der Geschlechter, an das Verhältnis zu Andersgläubigen. Gemäß der islamischen Gesetzgebung, der Scharia, haben Atheisten in der islamischen Welt kein Lebensrecht. Muslimen, die ihre Religion aufgeben, droht die Todesstrafe. Mit solchen Sanktionen stellt sich jeder Glaube, jede Ideologie ins Abseits der menschlichen Zivilisation. Eine Reform in den theologischen Fakultäten ist unumgänglich. Die Methoden moderner Wissenschaften wie Linguistik, Psychoanalyse und Soziologie müssen in dieses Studium Eingang finden. Eine historisch-kritische Betrachtung von sakralen Quellen wie dem Koran müßte die Grundlage von Forschung und Lehre sein.“ [via Perlentaucher]

Die Frankfurter Rundschau über religiö...

Die Frankfurter Rundschau über religiös motivierte Konfliktlagen in Neukölln: „Wir haben hier ein Problem.“ Eines, das ganz unmittelbar mit einem Thema zusammen hängt, das noch vor wenigen Jahren auch im Rollberg keines war: dem Glauben.

Niemand in der Siedlung weiß genau, wie es dazu kam. Klar ist jedoch, das bei „Madonna“ vor wenigen Jahren plötzlich das Wort „haram“ – sündig – die Runde machte. Ein Mädchen ohne Kopftuch: haram. Gummibärchen mit Gelatine: haram. Die Regeln des Ramadan nicht befolgen: haram. Eine Entwicklung, die bizarre Blüten treibt: Vor einem Monat weigerten sich plötzlich zwei achtjährige arabische Mädchen, mit der letzten verbliebenen Blondine bei „Madonna“ zu spielen – Begründung: Die Deutsche sei sündig und somit der Hölle geweiht. Gabriele Heinemann wurde derweil schon mehrfach als „Nutte“ beschimpft – weil sie sich erdreistet, ihrer weiblichen Klientel die Selbständigkeit zu predigen.

„Religion wird für die Leute hier immer wichtiger“, sagt auch die Islamwissenschaftlerin Andrea Schwendner, die in der Diakonie-Beratungsstelle „Al-Muntada“ arbeitet. Noch Anfang der 90er Jahre habe kaum eine moslemische Frau in Neukölln ein Kopftuch getragen – heute ein fast undenkbarer Zustand. Mögliche Gründe dafür gebe es viele: die iranische Revolution, die palästinensische Intifada und natürlich der 11. September 2001, von der „Koalition der Willigen“ zum Auftakt eines weltweiten Glaubenskrieges stilisiert. Dazu komme die deutsche Dauerwirtschaftskrise mit fehlenden Lehrstellen, grassierender Arbeitslosigkeit, kollektiver Depression – ein Zustand, der sich in weiten Teilen Neuköllns, wo überdurchschnittlich viele von Sozialhilfe leben, trefflich beobachten lässt.

„Sie müssen verstehen“, sagt Andrea Schwendner, „für die Leute hier endet die Welt am Hermannplatz“. Die durchschnittliche deutsche Leitkultur, das sei aus Sicht des durchschnittlichen Zuwanderers im Rollberg: Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit, zerrüttete Familien, Gewalt, Alkoholismus. „Wenn dann gesagt wird: Nehmen die Ausländer auch unsere Werte an – dann kann ich nur fragen: Ja welche Werte denn?“ Insofern dürfe man sich nicht wundern, wenn ein Imam, wie kürzlich in der Kreuzberger Mevlana-Moschee, über „stinkende Deutsche“ lästere. „So was hört man hier öfter“, sagt auch „Madonna“-Leiterin Heinemann. Desillusionierung mache nun einmal „anfälliger für Ideologie“.

Deswegen sieht man seit geraumer Zeit auch immer wieder Werber aus den etlichen Neuköllner Moscheen durch den Rollberg laufen, wie Handelsvertreter, nur, dass ihre Ware Allah heißt. Deren Botschaft laute: Ihr habt keine Chance, die Deutschen wollen euch nicht haben, kommt zu uns. „Da sind sie wichtig, hier sind sie nix“, sagt Gabriele Heinemann, die mit Sorge betrachtet, wie ihre Mädchen zunehmend eingeschüchtert werden, wenn sie denn überhaupt noch die Türen des Sündenpfuhls „Madonna“ durchschreiten. Es drohe ein Staffellauf aus Frust, Radikalisierung und Gewalt. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns hier keine Slumbevölkerung heranziehen.“

Nicht, dass es in Neukölln keine Versuche gäbe, den Trend zu stoppen und vor allem den jungen Muslimen neue Perspektiven zu bieten. Im Arabischen Kulturinstitut etwa sitzt Nazar Mahmood, ein untersetzter Herr mit rotem Karo-Pullover und erläutert detailreich die diversen Integrationsprojekte, die sein Verein in den vergangenen sechs Jahren angestoßen hat. Er wird dafür angefeindet, in einem anonymen Rundbrief ist er als Verweser der arabischen Kultur beschimpft worden. Mahmood aber sagt trotzig: „Ich gebe nicht auf.“ Ihn interessiert nicht das Kopftuch, er kämpft dafür, dass sich darunter etwas tut. „Das ist mein Land“, sagt der gebürtige Iraker, er will es nicht denen überlassen, die es zu spalten trachten – er meint damit gleichermaßen seine Glaubensbrüder und die Multi-Kulti-Verächter auf der deutscher Seite. [via Schockwellenreiter]

Das Schandmännchen passend zum gestrigen Gedenktag...

Das Schandmännchen passend zum gestrigen Gedenktag: „Der Heilige Nikolaus (ca. 280 bis ca. 350) war Metropolit von Myra, geboren in Patara (Lykien) und ist nach heutiger Auffassung Türke. Und wenn es nach der Union ginge, dürfte der Nikolaus erst dann in unser Haus kommen, wenn er zuvor bei seinen Eiern auf’s Grundgesetz geschworen hätte.“ [via IT&W]