Wo die 80er bis heute fortleben

Das Heidentum sitzt heute in der Kirche selbst, schrieb der junge Theologe Joseph Ratzinger 1958 in einem Aufsatz, den jüngst das Vatican-Magazin wieder zugänglich gemacht hat. Wer wie ich seine Jugend in einer noch stark katholisch geprägten Gegend verbracht hat, der konnte sehen, was die äußere Deckung von Kirche und Welt bedeutet, die nur noch zum Schein besteht.

„Frieden und Gerechtigkeit“ stand damals in den 80ern unter Picassos Friedenstaube auf den ökopapiergrauen Briefumschlägen, in denen die Bezirksstelle der Katholischen Jugend ihre Post verschickte. An Mail war noch nicht zu denken. Meine Jugend begann mit Friedens- und Umweltbewegung, Nachrüstungsdebatte und der geistig-moralischen Wende der Ära Kohl.

Während sich die Generation unserer Eltern noch selbstverständlich hinter Helmut Kohl scharte, tobte innerhalb der Kirche schon der Kampf verschiedener Fraktionen. Wir Jugendlichen fühlten uns als christlicher, katholischer Teil der Friedens- und Unweltbewegung und gerieten so in Widerspruch zu unseren CDU-Eltern und dem katholischen Establishment.

Unsere Opposition war also eine innerkirchliche. Wir schauten kritisch auf alles, was unserer Meinung nach dem Evangelium widersprach, gerade in der Kirche. Und wir experimentierten mit unserer jugendlichen Art des Kircheseins. „Wir sind Kirche“, lautete Mitte der 80er das Motto einer großen Jugendwallfahrt mit Bischof Josef Homeyer nach Vierzehnheiligen. Mit der gleichnamigen Splittergruppe hatte das aber nichts zu tun.

Mir scheint, die 80er leben bis heute fort, wenn ich mir die heutige innerkirchliche Opposition ansehe. Sie arbeitet sich an Themen ab, die uns schon damals nur am Rande interessierten, und das auch nur, weil davon so viel gesprochen wurde. Dabei gerät völlig aus dem Blickfeld, was die eigentlichen Herausforderungen der Zeit sind.

Das Evangelium ernstzunehmen muss mit dem innerkirchlichen Heidentum, das nur noch pro forma am Christentum festhält, notwendigerweise in Konflikt geraten. Mir scheint aber, dass sich die heutigen Kritiker eher auf Seiten eben jenes Heidentums befinden. Sie nehmen ihre Maßstäbe aus der Welt, nicht aus dem Evangelium, und sie hätten die Lehre der Kirche gern zeitgemäß, was heißt: der Welt gemäß.

Genau hier setzt der von Papst Benedikt im vergangenen Herbst geprägte Begriff der Entweltlichung an. Sie ist das Gegenteil jener Verweltlichung, die unweigerlich in einem neuen Heidentum enden muss. Entweltlichung ist nicht der Abschied von der Welt, sondern der Wechsel der Maßstäbe, weg von denen der Welt, hin zu jenen des Evangeliums.

Viel spannender als die müde innerkirchliche Opposition mit den immergleichen Langweilerthemen ist die Kirche in Opposition zur Welt, nicht grundsätzlich, aber dort, wo die Welt heillos geworden ist. Das Heil kommt nicht aus der Welt, sondern nur von Christus. Daran wird die Kirche notwendigerweise immer festhalten.

Ein Vorschlag zur sprachlichen Güte

Über kirchliche Strukturfragen wird in diesem Land nicht nur allzu gern diskutiert, die Strukturdebatte der vergangenen Jahrzehnte hat auch jede Menge sprachliche Ungetüme hervorgebracht. So zählt die Wikipedia eine wahrscheinlich nicht einmal vollständige Reihe grässlicher Synonyme für Pfarrverband auf:

Seelsorgeeinheit, Seelsorgebezirk, Kooperationseinheit, Pastoralverbund oder Pfarreiengemeinschaft

Beim Wort Seelsorgeeinheit muss ich immer an die berühmte Raufutter verzehrende Großvieheinheit denken. Die sprachlichen Missgriffe verweisen auf Schwierigkeiten im Denken.

Dabei könnte es so einfach sein. Wozu sollen Pfarreien überhaupt eigenständig bleiben, wenn sie sich den Pfarrer und das übrige pastorale Personal ohnehin teilen müssen? Legen wir die Pfarreien zusammen, dann braucht es keine Pfarrverbände oder dergleichen.

Stattdessen geben wir die Gleichsetzung von Pfarrei und Gemeinde auf. Eine Pfarrei mit mehreren Standorten, gerne auch Kirchorte oder Filialkirchen genannt, besteht dann aus mehreren Gemeinden. Eine Gemeinde definiert sich über ihre Kirche, den Ort des Gottesdienstes. Eine Pfarrei hingegen ist eine Verwaltungseinheit mit dem Pfarrer als Führungskraft.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Jede Menge Gremien können abgeschafft, die Kräfte gebündelt und der Blick wieder auf das Wesentliche gerichtet werden. Die an sich bewährte Territorialstruktur mit dem Prinzip der Ortsgemeinde bleibt erhalten. Und übrigens: Viele heute eigenständige Klein- und Kleinstgemeinden sind keine 100 Jahre alt. Sie wurden eigenständig, als Pfarrstellen für Priester gebraucht wurden.

Heute ist es umgekehrt.

Eine deutsche Nationalkirche? Ein Szenario

Seit einigen Wochen geistert das Gespenst einer deutschen Nationalkirche durch die Gazetten. Eine solche Kirche würde sich von Rom lossagen und eine eigene Struktur bilden. Zur Debatte stehen:

eine horizontale Kirche der Abstimmung und des Dauerdialogs, in der auch Glaubenssätze Mehrheitsfragen werden können, und eine vertikale Kirche, die die überlieferten Sakramente durch die Zeiten trägt.

Einmal abgesehen davon, dass es solche horizontalen „Kirchen“ im protestantischen Raum schon seit langem gibt, dieses Marktsegment also hinreichend abgedeckt ist – wie könnte sich ein solches Schisma (denn das wäre es) konkret vollziehen? Und welche Handlungsmöglichkeiten bleiben dem einfachen Laien in einem solchen Falle?

Die Schlüsselfiguren in diesem schlechten Spiel sind auf jeden Fall die Bischöfe. Sagen sich einzelne Bischöfe oder Gruppen von Bischöfen von Rom los, kommt es zum Schisma. Vermutlich wird dies nicht durch eine Erklärung geschehen, sondern wie schon im Falle der Priesterbruderschaft St. Pius X. durch unerlaubte Bischofsweihen. Doch wie kann es dazu kommen?

Die abtrünnigen Bischöfe können wahrscheinlich zunächst auf die Milde und Langmut des Vatikans und des Papstes setzen. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hat Joseph Ratzinger seine Machtmittel nur im äußersten Notfall eingesetzt, dann nämlich, wenn ihm auch kirchenrechtlich keine andere Wahl mehr blieb. Er hat als Papst bereits mehrfach die Exkommunikation unerlaubt geweihter Bischöfe aufgehoben, in China wie auch im Fall der Piusbruderschaft.

Wenn sich die deutschen Bischöfe nicht äußerst ungeschickt verhalten, dann wird es also nur dann zum offenen Bruch kommen, wenn ein vakanter Bischofsstuhl gegen den Willen Roms besetzt werden soll und sich mindestens ein Bischof zu einer unerlaubten Weihe hinreißen lässt. In diesem Fall wäre das Schisma perfekt, und mindestens zwei Bischöfe, der Geweihte und der Weihende, zögen sich die Tatstrafe der Exkommunikation (excommunicatio latae sententiae) zu.

Dann wäre die Reihe an den jeweiligen Bistümern, angefangen vom direkten Apparat des Bischofs, seinem Generalvikariat, den Priestern und Diakonen und den Laien im kirchlichen Dienst. Eine Schlüsselrolle hat der Finanzdirektor, der die Kirchensteuereinnahmen verwaltet und die Gehälter überweist. Verweigert er sich dem unerlaubt geweihten Bischof, kommt es zum offenen Machtkampf. Von dessen Ausgang hängt der weitere Verlauf des Schismas ab.

Klar scheint mir, dass ein unerlaubt geweihter Diözesanbischof in Deutschland ohne Zugriff auf die Kirchensteuermittel keinen großen Einfluss hätte. Im umgekehrten Falle dürften dem Lockruf des Geldes wohl viele, wenn nicht die meisten Kleriker und Laien eines Bistums erliegen. Sprich: Sie sind dann vor die Alternative gestellt, ohne Geld Rom treu zu bleiben oder mit Gehalt einem abtrünnigen Bischof zu folgen.

Nun setzt allerdings eine Abstimmung mit den Füßen ein. Romtreue Priester werden wahrscheinlich die Diözese wechseln und sich ebensolchen Bischöfen anschließen und umgekehrt. Rom dürfte sich, auf geltende Konkordate und romtreue Bischöfe gestützt, relativ schnell an die Wiedererrichtung kirchenrechtlich gültiger Bistümer auf dem Territorium der abtrünnigen (Teil-)Diözesen machen.

Mit der Existenz von parallelen Strukturen wäre das Schisma zunächst stabilisiert. Die schismatischen Bischöfe und Bistümer samt ihren Gemeinden verlieren in der Folge mindestens das Attribut „römisch“, wenn nicht auch „katholisch“. Um weiterhin Kirchensteuer erheben zu können, müssten sie vom Staat als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden, was aber kein Problem sein dürfte – die Altkatholiken haben das auch geschafft.

Die einzelnen Gemeinden hingegen bleiben zunächst ihrem Bischof zugeordnet. Sollte der Pfarrer das Weite suchen und sich einem romtreuen Bischof anschließen, so besteht eine gewisse Chance auf einen neuen, schismatischen Pfarrer, der aus einem anderen Bistum wechselt. Denkbar ist auch der Wechsel ganzer Gemeinden, und zwar in beide Richtungen – weg von Rom ins Schisma oder umgekehrt.

Der einfache Laie wird dann am Namen des Bischofs, der im Hochgebet genannt wird, die Zugehörigkeit seiner Gemeinde erkennen. Wird ein romtreuer Bischof genannt, ist alles in Ordnung. Andernfalls wäre der Wechsel zu einer romtreuen Gemeinde angezeigt. Das könnte, insbesondere in der Diaspora, durchaus schwierig werden.

Zu prüfen ist außerdem, an welchen Bischof die Kirchensteuer fließt. Notfalls wäre vor den staatlichen Stellen der Austritt aus der Kirche zu erklären, um zu verhindern, dass Kirchensteuern an schismatische Bischöfe und Bistümer fließen. Dann wäre es vermutlich angezeigt, die entsprechenden Beträge monatlich auf ein Sperrkonto einzuzahlen, um sie zu gegebener Zeit dem rechtmäßigen Bischof zukommen zu lassen.

Wie realistisch ist dieses Szenario? Bis jetzt gab es nur einen designierten Weihbischof in Österreich, der unter massivem Druck auf sein Amt verzichtete. Wann wird der erste designierte Bischof in eine vergleichbare Situation geraten? Und wann wird zum ersten Mal der Versuch unternommen, Rom einen bestimmten Bischofskandidaten aufzuzwingen? Was passiert, wenn Rom diesem Druck standhält?

Ein Szenario ist keine Prognose. Es könnte so kommen, es könnte auch ganz anders sein. Zu wünschen ist, dass es gar nicht dazu kommt.

Spaß mit dem Duden

Extra ecclesiam nulla salus – der Duden weiß Bescheid. Ihm zufolge ist besonders die katholische Kirche die allein seligmachende (oder allein selig machende) Kirche. Nur schade, dass das schöne Adjektiv „alleinseligmachend“ der Rechtschreibreform zum Opfer gefallen ist.

Wo wir gerade dabei sind – auch Google ist im Bilde:

Alexander Kissler, die Kirche und die Medien

Sein Buch Dummgeglotzt: Wie das Fernsehen uns verblödet, erschienen 2009, gab den Anlass für ein Gespräch, das Alexander Kissler Ende August mit Radio Horeb geführt hat und das ich dieser Tage endlich angehört habe. Der Journalist und Autor kommt darin auch auch die bekannten Stärken und Schwächen kirchlicher Kommunikation und Medienarbeit speziell in Deutschland zu sprechen.

Interessant fand ich seinen Vorschlag, die Bistumspresse aufzulösen und stattdessen eine Art Mitgliederzeitschrift nach dem Muster der ADAC Motorwelt zu schaffen, die allen Kirchensteuerzahlern (und sicher auch denen, die mangels Einkommen keine Steuern zahlen) unaufgefordert zugeschickt wird. Ob allerdings die derzeitigen Kirchenzeitungsredakteure dafür das richtige Personal sind, wie Alexander Kissler meint, sei dahingestellt.

Die Kirche hat eine Bestandsgarantie

Tu es Petrus
et super hanc petram ædificabo ecclesiam meam
et portæ inferi non prævalebunt adversus eam.

Ein großartiges Versprechen stellt uns das heutige Sonntagsevangelium vor Augen. Die Kirche hat eine Bestandsgarantie von höchster Stelle. Wenn wir uns also, berechtigt oder unberechtigt, um die Kirche sorgen, dann können wir sicher sein, dass sie nicht untergehen wird.

Allerdings gilt das nicht für einzelne Gemeinden oder Bistümer. Gemeinden entstehen und vergehen, auch ganze Bistümer werden gegründet und wieder aufgehoben. Heutzutage geschieht das vor allem, wenn der Nachwuchs ausbleibt, wenn Gemeinden und Bistümer schrumpfen und vergreisen, wenn die Berufungen zum Priester- und Ordensleben ausbleiben (oder überhört werden).

Es ist nicht ohne Ironie, dass die Kirche dort am schnellsten und heftigsten schrumpft und vergreist, wo sie sich am weitesten vom rechten Glauben entfernt. Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen, aber wo die Kirche kleingläubig wird, da verschwindet sie.

Ökumenisches Simultandesaster

Relativ ruhig, sachlich und unaufgeregt, so scheint es, wird die Absetzung des Wetzlarer Dekans aufgenommen. Die FAZ berichtet nun einige interessante Fakten.

So ist der Wetzlarer Dom eine Simultankirche mit einer katholischen und einer evangelischen Gemeinde. Geistliche beider Konfessionen haben an der Segnung mitgewirkt. Jürgen Erbach, einer der beiden Partner, für die die Zeremonie gestaltet worden war, Professor für Immobilienmanagement, sagte laut FAZ, dass es auch in der evangelischen Gemeinde Bedenken hinsichtlich der Feier für ihn und seinen Partner Kristof Heil gegeben habe.

Deshalb habe man sich für den evangelischen Part darauf verständigt, dass ein Gastpfarrer die Zeremonie im Gotteshaus mitgestaltet und auch nicht im Talar auftritt. Der katholische Pfarrer Kollas, der als Vertreter von Erbachs Partner an der ökumenischen Zeremonie teilnahm, hatte seine Segensworte indes im Talar gesprochen.

Im Talar? Also einem schwarzen liturgischen Untergewand mit Rochett? Und Stola? Oder wie?

Erbach sagte im Gespräch weiter, er und sein Partner hätten die Nachricht vom Vorgehen des Bischofs „mit Bestürzung“ zur Kenntnis genommen. Hätten er und sein Partner die Konsequenz für Kollas vorhersehen können, „hätten wir auf die Zeremonie in dieser Form verzichtet“, erklärte Erbach. Man habe Kollas keinen Schaden zufügen wollen.

Hat man nun aber. Und der dem Limburger Bischof wenig freundlich gesinnte Kommentar von Peter Lückemeier weist immerhin darauf hin, dass der Bischof

in der Bestrafung des bisherigen Dekans die mildeste Form gewählt hat, die ihm zur Verfügung stand, denn der Wetzlarer Priester bleibt im Amt, wird weder abgesetzt noch versetzt.

Obwohl Ab- oder Versetzung, wenn das Vertrauensverhältnis tatsächlich zerstört sein sollte, wohl nicht unangebracht wäre.

Die Kirche ist keine Marke. Sagt Hans Küng.

Man nicht sagen, dass ich besonders oft mit Hans Küng übereinstimmen würde. Auch wenn ich „Existiert Gott?“ nach wie vor für ein gutes Buch halte. Aber was er hier im Interview mit der Welt sagt, kann ich unterschreiben:

WELT ONLINE: Sie haben also Vorbehalte gegen den Begriff „Ökumene der Profile“, der von evangelischer Seite in die Diskussion eingeführt wurde?
Küng: Wenn die evangelische Kirche sich nur noch profilieren kann, indem sie sich absetzt einerseits von Rom und andererseits vom Islam, dann verleugnet sie im Grunde das, was in der ökumenischen Bewegung längst deutlich wurde: dass wir uns nicht gegenseitig zu profilieren suchen. Begriffe wie Profilierung stammen aus der Geschäftswelt. Man betrachtet da die Kirche als eine Marke. Aber eine christliche Glaubensgemeinschaft ist keine Marke. Der Konkurrenzbegriff, der damit eingeführt wird, ist nicht der richtige Begriff für die Beziehungen der Christen untereinander, die ja Geschwister in Christus sein sollen.

Legitimationsprobleme im Spätprotestantismus

Ein Nachtrag zum Nachtrag.

Wer jahrzehntelang das Einende betont und das Trennende marginalisiert und verdrängt hat, steht früher oder später vor der Frage, was eigentlich noch die Trennung von Rom rechtfertigt. Denn vom Trennenden darf ja nicht gesprochen werden.

Dieses Legitimationsproblem trifft, obwohl es jahrzehntelang anders aussah, den Protestantismus schärfer als die katholische Kirche. Denn die kann theologisch lupenrein erläutern, warum oberflächliche Konzepte von ökumenischer Einigung nicht ausreichen. Der protestantische Versuch, das Problem der Trennung durch Umdefinition des Begriffs Kirche zu lösen, war zwar in der öffentlichen Wahrnehmung erfolgreich, aber nicht in der Praxis.

Denn am Ende führt er in die Sackgasse. Auch wenn sich über längere Zeit der schwarze Peter nach Rom schieben lässt, weil dort das Trennende beim Namen genannt wird – irgendwann muss der Protestantismus die Frage beantworten, warum er von Rom getrennt ist. Dieser Frage lässt sich durch noch so brilliante Rhetorik nicht ausweichen.

Der protestantische Theologe Eberhard Jüngel, emeritierter Ordinarius für systematische Theologie und Religionsphilosophie in Tübingen, hat sie übrigens so beantwortet:

Man könnte zwar daran erinnern, dass nach evangelischer Lehre die römisch-katholische Kirche sich von der Kirche Jesu Christi weniger durch einen Mangel als vielmehr durch ein bedrohliches Zuviel unterscheidet und dass das Alte Testament und das Neue Testament bezeugen, wie wenig es dem lebendigen Gott gefällt, «wenn jemand etwas hinzufügt». Und man könnte aufzählen, was die Kirche alles zur Wahrheit des Evangeliums hinzugefügt hat. Schon der Apostel Paulus hat dem Apostel Petrus aus eben diesem Grund «ins Angesicht widerstanden».

Da haben wir ihn doch, den casus secessionis aus protestantischer Sicht. Wie soll, die Frage müsste Jüngel als nächste beantworten, dann die Einheit erreicht werden? Durch eine Reformation der katholischen Kirche? Die ist nicht zu erwarten.