Ein Hammer

Heinz Angehrn kündigt eine neue Buchbesprechung an. Diesmal: Klaus-Peter Jörns. Notwendige Abschiede. Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum. Gütersloh 2004. Vollmundig:

Das Buch ist ein Hammer und reinste Provokation für katholikale und evangelikale Kirchenohren und -hirne.

Vielversprechend auch die Kurzbeschreibung bei Amazon:

Provozierend und Notwendig. Die kritische Revision christlicher Glaubensaussagen. Eine scharfe Analyse in großer Sympathie. Für einen Glauben, der Leben schafft. Das Unbehagen wächst – aber niemand tut etwas. Die Menschen wenden sich gelangweilt ab. Selbst Pfarrer und Pfarrerinnen glauben kaum, was ihr Amt ihnen zu bekennen aufgibt – doch niemand traut sich, die Wahrheit offen auszusprechen: Die Kirche muss sich von vielen ihrer Glaubensaussagen verabschieden. Es gilt, Neues zu bedenken. Klaus-Peter Jörns unterzieht alle zentralen Glaubensaussagen der Christen einer kritischen Revision. Ob die Bedeutung der Bibel oder Jesus Christus, ob Offenbarungsglaube oder Schöpfungsbericht – alles prüft er mit scharfer Analyse und in großer Sympathie. Sein Ziel: die Neuformulierung eines Glaubens, der Leben schafft.

Und Amazon in seiner großen Weisheit weiß das Buch gleich richtig einzuordnen:

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Sterbende Ideologien

Im Kampf der Karikaturen (Alan Posener) stehen sich zwei Ideologien unversöhnlich gegenüber: Säkularismus und Islamismus.

Der Islamismus hat dem Säkularismus seine Vitalität voraus. Säkular dominierte Gesellschaften sterben aus, während die Bevölkerung islamischer Länder dynamisch wächst.

IslaMuslimische Zuwanderer in säkular dominierte Länder stellen zu Recht die Frage, warum sie sich dem Wertesystem einer sterbenden Gesellschaft anpassen sollen.

Dennoch ist es ein Kampf zwischen zwei Verlierern: Der zur Ideologie gewordene Islam hat sich von der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung abgekoppelt; der ideologische Säkularismus ist schon rein biologisch nicht in der Lage, sich zu reproduzieren.

Der Christ sitzt hier zwischen allen Stühlen, was ihm im Zweifel auch nicht hilft.

Gregor VII. vs. Heinrich IV.

Heute vor 930 Jahren verhängte Papst Gregor VII. den Kirchenbann über König Heinrich IV. Ein Jahr später ging Heinrich nach Canossa. Das heißt, eigentlich wollte er nach Rom, aber der Papst war schon auf dem Weg in Richtung Augsburg, um dort Gericht über Heinrich zu halten. Mehr im Deutschlandfunk. [MP3]

Wer ist Mehrheit, und wer ist Minderheit?

Frank Schirrmacher antwortet in der FAZ (online beim Spiegel, Hinweis von Scipio) auf einen Spiegel-Essay von Botho Strauß:

Wer ist Mehrheit, und wer ist Minderheit? Diese Frage, die Politiker aus naheliegenden Gründen nicht öffentlich zu stellen wagen, hat der Bevölkerungsforscher Herwig Birg längst beantwortet. Dabei geht es nicht um die Veränderungen der Mehrheitsverhältnisse in der Gesellschaft insgesamt, sondern um eine demographische Revolution von unten. Wie die unsere Debatten bestimmt, ließ sich in den letzten fünfzehn Jahren studieren: Erst debattierte die Gesellschaft den Familiennachzug, dann die Probleme bei der Integration in den Kindergärten, es folgte eine Auseinandersetzung um die Probleme in Grundschulen, dann – mittlerweile war die Großelterngeneration in den Herkunftsländern hoch betagt – eine Debatte um das Staatsbürgerrecht mit besonderem Hinweis auf die Erbschaftsproblematik.

Wir sind jetzt, Stand 2006, bei den Hauptschulen und den fünfzehnjährigen Schülern angelangt, die im Pausenhof Deutsch sprechen sollen – jeder, der die Augen nicht verschließt, weiß, daß die nächste Phase der Debatte bevorsteht: der Augenblick, wo diese Generationen die Schulen verlassen und, da schlecht von uns ausgebildet, mit einem abweisenden Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Dieser Augenblick ist schätzungweise noch maximal fünf Jahre entfernt.

Aber es geht nicht nur um ein Integrationsproblem einer vorwiegend muslimischen Mehrheit. Es geht mittlerweile um ein Desintegrationproblem der nicht zugewanderten jungen Minderheit. „Es ist nicht übertrieben“, so Birg mit Blick auf die Jahre 2010 bis 2015, „daß die nicht zugewanderte, inländische Bevölkerung bei den unter Vierzigjährigen vielerorts zu einer Minderheit unter anderen Minderheiten wird.“

Ein katholischer Schriftsteller

Jens Jessen in der Zeit 10/2004 über Nicolás Gómez Dávila:

Es sind messerscharfe Aphorismen, in fünf Bänden gesammelt von 1977 bis 1992, die von einem überwältigenden Hass auf die Moderne angetrieben werden, wie er seit Nietzsche nicht mehr formuliert worden ist. Es ist aber nicht Gott, den er zu Grabe trägt, sondern der moderne Glaube, ohne Gott auskommen zu können. Gómez Dávila ist ein katholischer Schriftsteller von einzigartiger Angriffslust. Der Atheismus, sagt er, macht den Menschen nicht frei, sondern unterwirft ihn den absurdesten innerweltlichen Heilsversprechen. […]

Er selbst sah sich als „authentischen Reaktionär“. Das macht es
allerdings für ein zeitgenössisches Publikum nicht leichter. Unter einem Reaktionär kann es sich kaum etwas anderes als einen Faschisten oder, bestenfalls, Monarchisten vorstellen. Gómez Dávila ist aber weder das eine noch das andere. Der Reaktionär ist für ihn überhaupt kein politischer Aktivist, der alte Zustände wiederherstellen will, sondern „bloß ein Passagier, der mit Würde Schiffbruch erleidet“. Der Reaktionär sei „jener Narr, der die Eitelkeit besitzt, die Geschichte zu verurteilen, und die Unmoral, sich mit ihr abzufinden“.

Gómez Dávila will die Moderne nicht abschaffen, das hält er für unmöglich; aber er will ihr die Selbstverständlichkeit bestreiten, mit der sie einen Fortschritt zum Besseren behauptet. […] In der Bereitschaft, um des Fortschritts willen den Menschen zu versklaven, sieht er nicht den geringsten Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Insbesondere empört er sich über die Gelassenheit, mit der das Scheitern der totalitären Großversuche des 20. Jahrhunderts hingenommen wird, zu denen er ohne Umschweife auch die liberale Marktwirtschaft rechnet. […]

Für Gómez Dávila ist der moderne Mensch ein Wesen von monströser Verantwortungslosigkeit; und zwar aus Selbstüberschätzung. Er fühlt sich als Meister seines Glücks. Aber wenn sich herausstellt, dass er doch eher als Meister des Unglücks tätig war, zweifelt er noch immer nicht an seiner Güte. […]

Sein zentraler Gedanke ist die merkwürdige Bereitschaft der Bürger, Mehrheitsentscheidungen auch über Grundwerte und Gewissensfragen zu akzeptieren. Das wäre, wenn es einen nichtmenschlichen Gott gäbe, an dessen Gebot der Bürger glaubte, gänzlich unverständlich. Wahrhaft göttliche Gebote müssten jedem irdischen Dafürhalten entzogen sein.

Auch die unerträgliche Einschränkung der individuellen Freiheit, die im Mehrheitsprinzip liegt, ist nur akzeptabel, wenn der Bürger annimmt, dass in der Mehrheitsmeinung eine höhere, quasigöttliche Vernunft zu Geltung kommt. Aber warum sollte diese Vernunft bei der Mehrheit liegen? Das eben, sagt Dávila, ist der mystische Glaubenskern der Demokratie, an dem sich ihr pseudoreligiöser Charakter erkennen lässt.

Keine Werber hier oben

Werbeblogger Andreas Rodenheber (Gottes Werk und Werbers Beitrag) schreibt ein göttliches Briefing:

From: JHWH
To: Hl. Petrus the Rock.
CC: Jesus v. Nazareth, Hl. Geist, Hl. Sebastianus, Hl. Christopherus, Hl. Martin von Tours
Subject: Spread the Word!

Moin,

also, wie schon gesagt.

Zielgruppe:
Deutschland. Alle Menschen, die guten Willens sind.

Ziel:
Ende mit der Rumjammerei. Teamgeist wecken. Aktivierung für die gute Sache.

Benefit:
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir dein Stecken und Stab trösten mich.

Reason why:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele und führet mich auf rechter Strasse um seines Namens Willen.

Timing:
Konzeptpräsentation mit Bildideen (Scrap) und Headlines (Copy blind) Anfang 7. KW

Keine Ausreden. Keine Halbheiten. Kein Wenn und Aber.

gez.
JHWH
nach Diktat verreist

Dringend die ganze Story lesen!

Mehr von Nicolás Gómez Dávila

Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht.

Zu den wichtigsten kulturellen Leistungen des Katholizismus gehört es, ein den ökonomischen Aktivitäten ungünstiges Klima geschaffen zu haben.

Um den Patienten heilen zu können, den sie im 19. Jahrhundert verwundete, musste ihn die Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert verblöden.

Der Preis für industriellen Wohlstand ist die Verblödung.

Der größte moderne Irrtum besteht nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, dass der Teufel tot sei.

Der moderne Mensch zieht aus den Katastrophen keine Lehre, sondern sieht in ihnen Unverschämtheiten des Universums.

Der Kapitalismus sieht sich nicht als bürgerliche Ideologie, sondern als Gebäude der menschlichen Vernunft; der Kommunist erklärt sich nicht zur Klassenideologie, sondern behauptet, das Proletariat sei der einzige Vertreter der Menschheit.

Der Amtsmissbrauch und die Bestechung sind in demokratischen Zeiten die letzten Schutzräume der Freiheit.

Die Feministen sind lächerlich; die Anti-Feministen sind vulgär.

Es ist an der Zeit, die Kultur in Verruf zu bringen, damit es sich nicht mehr lohnt, sie im Dienste der Politik oder der Industrie zu erniedrigen.

Vulgäre Zerstreuung und vulgäre Beschäftigung sind die einzigen, für die man sich nicht zu entschuldigen braucht.

[Die Zeit 10/2004]

Nicolás Gómez Dávila

In den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, mehrere Blicke in das Buch „Einsamkeiten“ von Nicolás Gómez Dávila zu werfen. Seine Bücher sind reine Aphorismensammlungen.

Der intelligente Mensch lebt nie in einer mittelmäßigen Umgebung. Eine mittelmäßige Umgebung ist die, in der es keine intelligenten Menschen gibt.

Die Parteigänger einer Sache sind in der Regel die besten Argumente gegen sie.

Die Idee der freien Entfaltung der Persönlichkeit scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat.

Meine Überzeugungen sind die eines alten Weibes, das im Winkel der Kirche seine Gebete murmelt.

Köstlich! Dazwischen finden sich immer wieder katholische Anspielungen, offene Bezüge zum katholischen Denken und Seitenhiebe auf katholische Zeitereignisse. So schreibt er einmal sinngemäß über das Zweite Vaticanum, es habe mehr einer Versammlung von Gewerbetreibenden geglichen, die ihre Kundschaft verloren hatten…

Und wie das Leben so spielt, berichtete auch der Spiegel gerade in der vergangenen Woche [kostet] über diesen Autor.

Der kolumbianische Aphoristiker Nicolás Gómez Dávila wird in Europa als neuer Nietzsche entdeckt. Die einen halten den reaktionären Denker für genial, die anderen für unerträglich elitär.

Pflichtlektüre! „Einsamkeiten“ ist bei Karolinger erschienen. Bei Amazon lieferbar ist sein Frühwerk „Notas. Unzeitgemäße Gedanken“.

Das im Spiegel abgedruckte Foto (oben) stammt übrigens von Martin Mosebach.

Scholastika

Über Scholastika haben wir Nachrichten nur durch den legendären Bericht des Papstes Gregor d. Gr. Scholastika war eine Schwester des hl. Benedikt und wohnte als gottgeweihte Jungfrau nicht weit vom Kloster Monte Cassino. Einmal im Jahr besuchte sie ihren Bruder zu einem geistlichen Gespräch. Das Letzte dieser Gespräche ist bemerkenswert, dass es bis in die Nacht hinein verlängert wurde; Scholastika hat den Bruder dazu gezwungen, indem sie durch ihr Gebet ein plötzliches Gewitter bewirkte, das ein Verlassen des Hauses unmöglich machte. Scholastika „war mächtiger, weil sie die größere Liebe hatte“, sagt Gregor. Drei Tage später sah Benedikt die Seele seiner Schwester in Gestalt einer Taube zum Himmel aufsteigen. Ihren Leib ließ er in dem Grab beisetzen, das für ihn selbst bestimmt war. [Schott]

Erhabener Gott,
wir begehen
das Gedächtnis der heiligen Jungfrau Scholastika.
Lass uns nach ihrem Beispiel
dir stets in aufrichtiger Liebe dienen
und gewähre uns in deiner Güte
einst einen seligen Heimgang zu dir.
Tagesgebet

Pone me ut signaculum super cor tuum,
ut signaculum super brachium tuum,
quia fortis est ut mors dilectio,
dura sicut infernus aemulatio;
lampades eius lampades ignis
atque flammae divinae.
Aquae multae non potuerunt exstinguere caritatem,
nec flumina obruent illam;
si dederit homo omnem substantiam domus suae pro dilectione,
quasi nihil despicient eum.
Canticum Canticorum 8,6-7

…dann ändert sich alles

Bernhard beschreibt, was passiert, wenn Gott wirklich `Gott´ ist…

Jesus sagt: „Gib mir alles! Ich will nicht nur einen bestimmten Teil deiner Zeit, deines Geldes und deiner Arbeit. Ich will Dich. Ich bin nicht gekommen, dein natürliches Selbst zu quälen, sondern zu töten! “ Es geht im Glauben eben nicht um Lebensverbesserung, sondern um Lebensveränderung – wie ein Bischof neulich sagte. Leider hat die moderne und die heutige Theologie das völlig aus dem Blick verloren. Es geht ihr auch nicht darum, Menschen zu retten, sondern etweder darum, sie moralisch (wie oben geschrieben) zu bestimmen, oder sie so sein zu lassen, wie sie sind; schlicht ihren „Selbstwert“ zu stärken. Weder in dem einem, noch in dem anderen ist das, was Jesus mit Nachfolge meinte, erfasst. Wenn Gott wirklich `Gott´ ist, und dieses Wissen mich erwischt, dann ändert sich alles.