Heute vor 120 Jahren wurde Romano Guardini geboren. Ich lese seit einigen Tagen sein erstmals 1918 erschienenes Büchlein Vom Geist der Liturgie. Verblüffend aktuell, wenn man sich nicht von der zeitbedingten Sprache täuschen lässt. Zur erstaunlichen Wirkungsgeschichte des Werkes zählt auch das Schlagwort von der „Liturgiefähigkeit“ des Menschen. Ob Guardini es heute billigen würde, dass man ihn als Wegbereiter der Liturgiereform bezeichnet?
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Auf den französischen Essayisten, Bankier und...
Auf den französischen Essayisten, Bankier und ehemaligen Ministerialbeamten Yves-Marie Laulan bin ich heute morgen durch einen Beitrag im Deutschlandfunk aufmerksam geworden. Sein jüngstes Buch Allemagne : Chronique d’une mort annoncée („Chronik eines angekündigten Todes“) rezensierte Michael Stürmer bereits Mitte Januar in der Welt. Auszüge:
„In ganz Europa sinken seit 40 Jahren die Geburtenzahlen, als der Babyboom der Nachkriegszeit mit Pille und Emanzipation zu einem Ende kam. Deutschland ist von dieser Entwicklung auffallend stärker betroffen als Frankreich und Großbritannien. Das bedarf der Erklärung. Laulan: ‚Der demographische Niedergang in Deutschland ist unzweifelhaft von besonderer Art. Er hat etwas von Selbstmord an sich, denn er verläuft schneller, schärfer und gezielter als überall sonst.‘ Ein kollektiver Wille verberge sich dahinter, der Wille zum Untergang: ‚Entschiedenen Schrittes geht Deutschland in seinen nächsten Ruin.‘ Doch die Europäer sind miteinander schicksalsverbunden. Ein Narr, sagt Laulan, wer sich in Paris über die Vergreisung des alten Erbfeinds freuen wollte, so wie man vor 1914 dessen jugendliche Kraft fürchtete. Für falsche historische Genugtuung sei die Lage längst zu ernst. Denn es gehe in Deutschland nicht nur um Kindergeld und Kitas. Es geht, so Laulan, um nicht weniger als eine ’seelische Krankheit, die Krankheit zum Tode‘.“
Eine weitere Rezension erschien dann Ende Januar im Rheinischen Merkur.
Aus der Abteilung „Beten ist teuer“:...
Aus der Abteilung „Beten ist teuer“: Seit geraumer Zeit besitze ich das Christuslob. Es handelt sich um ein vollständiges Stundenbuch, das den kompletten Jahreskreis, die geprägten Zeiten und die Gedenktage der Heiligen bietet. In der Praxis benutze ich es allerdings nicht, da ich kurz nach der Anschaffung den derzeit nicht lieferbaren vierten Band des Kleinen Stundenbuches (Gedenktage der Heiligen) antiquarisch beschaffen konnte.
Das Christuslob ist vor allem für die tätigen Frauenorden gedacht. Zum Beispiel ist es bei den Vinzentinerinnen im Gebrauch. Es enthält die Laudes mit Invitatorium, Mittagshore, Vesper und Komplet. Hingegen fehlt die Lesehore – wer diese Hore beten möchte, ist auf andere Stundenbücher angewiesen.
Der heute lieferbare Band ist die „Spezialausgabe“, die das ursprüngliche Christuslob und den Ergänzungsband zusammenfasst. Aus Gründen der Kompatibilität – die Seitenzählung soll den gemeinsamen Gebrauch verschiedener Ausgaben erlauben – ist das Buch etwas unübersichtlich und daher gewöhnungsbedürftig.
Abstriche muss der Beter bei den angebotenen Eigentexten machen. So gibt es zum Beispiel auch für Sonntage und Hochfeste nur eine Vesper, eine geringere Auswahl an Antiphonen als im Kleinen Stundenbuch und weniger Eigentexte für Heiligengedenktage. Die Sonntagsorationen stehen zur Verfügung, die für die meisten Gedenktage hingegen nicht – sie müssen entweder dem Schott entnommen oder durch Commune-Orationen ersetzt werden.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dennoch angemessen. Für 48 bis 50 Euro (je nach Ausgabe) erhält der Beter nicht nur ein komplettes Stundenbuch, mit dem er die wichtigsten Horen im ganzen Kirchenjahr feiern kann, sondern auch noch ein Antiphonale: Alle Hymnen und Antiphonen sind mit Noten versehen, der jeweilige Psalmton ist angegeben und alle Psalmtöne auf einem separaten Einlegeblatt abgedruckt.
Man kann also mit dem Christuslob – im Gegensatz zum großen Stundenbuch und dem daraus abgeleiteten Kleinen Stundenbuch – die Liturgia Horarum singen, wie es ihrer Eigenart entspricht. Zugegeben, für mich alleine singe ich nicht (es würde auch meine Familie stören, wenn ich um 6 Uhr früh das Invitatorium anstimmen würde), aber immerhin singen wir bereits ab und an die Komplet in der Gemeinde. Ein Anfang ist gemacht.
Aus der Abteilung „Beten ist teuer“:...
Aus der Abteilung „Beten ist teuer“: Bei paxbook.com gibt es das lateinische Stundenbuch (hier die Ausgabe für Fasten- und Osterzeit) in vier Bänden zu je 57,60 Euro. Macht also 230,40 Euro. Dies nur zur Ergänzung meiner Übersicht über die verschiedenen Stundenbücher.
Mario Vargas Llosa in seinem Essay Variationen auf...
Mario Vargas Llosa in seinem Essay Variationen auf das Kondom:
Für die Kirche hat der sexuelle Akt keinen anderen Sinn als den, die Frau zu schwängern und diesem Tal der Tränen neue Seelen zuzuführen, die dem Herrn dienen werden. Es kann auch gar nicht anders sein. Das Überleben der Art, die Aufrechterhaltung menschlichen Lebens, ist es, was die Familie heiligt und den Liebesakt rechtfertigt.
Schon die bloße Idee der Lust wurde von der katholischen Moral von jeher mit Mißtrauen betrachtet und mit Verdammnis belegt, wenn es sich um sexuelle Lust handelte. Sie ist nur als Nebenprodukt der Empfängnis akzeptabel. [via Perlentaucher]
Man vergleiche den Katechismus der Katholischen Kirche:
2362 „Jene Akte also, durch die Eheleute innigst und lauter eins werden, sind von sittlicher Würde; sie bringen, wenn sie human vollzogen werden, jenes gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck und vertiefen es, durch das sich die Gatten gegenseitig in Freude und Dankbarkeit reich machen“ (GS 49,2). Die Geschlechtlichkeit ist eine Quelle der Freude und Lust:
„Der Schöpfer selbst … hat es so eingerichtet, daß die Gatten bei dieser [Zeugungs]funktion Lust und Befriedigung des Leibes und des Geistes erleben. Somit begehen die Gatten nichts Böses, wenn sie diese Lust anstreben und sie genießen. Sie nehmen das an, was der Schöpfer ihnen zugedacht hat. Doch sollen die Gatten sich innerhalb der Grenzen einer angebrachten Mäßigung zu halten wissen“ (Pius XII., Ansprache vom 29. Oktober 1951).
2363 Durch die Vereinigung der Gatten verwirklicht sich der doppelte Zweck der Ehe: das Wohl der Gatten selbst und die Weitergabe des Lebens. Man kann diese beiden Bedeutungen oder Werte der Ehe nicht voneinander trennen, ohne das geistliche Leben des Ehepaares zu beeinträchtigen und die Güter der Ehe und die Zukunft der Familie aufs Spiel zu setzen.
Die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau steht somit unter der doppelten Forderung der Treue und der Fruchtbarkeit.
Aus gegebenem Anlass: Et is wie et is, et kü...
Aus gegebenem Anlass: Et is wie et is, et kütt wie et kütt, et hät noch immer jot jejange, et Levve jeit wigger, drink doch eine mit, Kölle alaaf! Wir Nordlichter haben es ja in letzter Konsequenz Dr. Martinus Luther zu verdanken, dass hier kein Karneval gefeiert wird. Er selbst hatte wohl nichts dagegen einzuwenden, war aber auch kein Befürworter. Calvin und Zwingli lehnten den Karneval ab, und die nachlutherischen Protestanten ließen ihn schließlich flächendeckend fallen – wie so manches, an dem Luther selbst noch festgehalten hat.
Christoph Uehlinger in einer Rezension: «Die beiden...
Christoph Uehlinger in einer Rezension: «Die beiden für die Geschichte der Schweiz prägenden Grosskirchen haben den Marsch in die Unleserlichkeit angetreten.» Der reformierte Theologe Campiche fragt nach den Bedingungen der Weitergabe des christlichen Gedankenguts. Wie kann eine Tradition lebendig bleiben, deren Erinnerung von den Adepten der «universalen Religion» nicht selber wachgehalten, sondern an eine schwindende Minderheit von Gläubigen gewissermassen delegiert wird? Der katholische Theologe Dubach meint, für die Kirchen dränge sich langfristig eine «Grundsatzentscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Sozialformen auf: die Sozialform einer religiösen Bewegung zu bevorzugen oder als Volkskirchen unterschiedliche Mitgliedschaften zuzulassen». [via credo ut intelligam]
Roland J. Campiche: Die zwei Gesichter der Religion. Faszination und Entzauberung. Unter Mitarbeit von Raphaël Broquet, Alfred Dubach und Jörg Stolz. Theologischer Verlag Zürich, 2004. 395 S., Fr. 48.-, EUR 30.-. Originalausgabe: Les deux visages de la religion. Labor et Fides, Genf 2004.
„Statt junge Familien zu einer Entscheidung...
„Statt junge Familien zu einer Entscheidung zu drängen, wäre es an der Zeit, auf die junge Generation zuzugehen und sie von dem Anspruch zu entlasten, alles perfekt gestalten zu wollen, also auch Familie oder Beruf. Kinder bedeuten ohnehin das Ende jeglicher Perfektion. Wer Kinder bekommt, kann gar nicht alles richtig machen, weil sie Chaos hervorrufen, schlaflose Nächte und totale Unvorhersehbarkeit. […] Kinder setzen ihren Eltern zugleich Grenzen und eröffnen Horizonte, beschränken nicht nur, sondern lenken den Blick aufs Wesentliche. Vielleicht könnten sie uns das Quentchen Mut zur Improvisation lehren, eine lebenspraktische Phantasie, die wieder Lust aufs Familienabenteuer macht. Anderenfalls stehen die Kinder bald nicht mehr im fröhlichen Mittelpunkt – und wir unter Artenschutz.“ [aus der FAZ]
Mit gerade einmal 30 Jahren Verspätung hat...
Mit gerade einmal 30 Jahren Verspätung hat sich die Erkenntnis, dass wir ein gewisses demographisches Problem haben, nun endlich Bahn gebrochen. Doch auf welchen Abwegen diese Debatte geführt wird, führt nun die taz vor:
„Man definiert sich zwar in kaum einem anderen Land in gleicher Weise über das Geld, aber ignoriert zugleich die Bedeutung materieller Lebensbedingungen. Stattdessen führt man lieber Wertedebatten. Auf diesem Niveau wird jetzt ein moralisierender Diskurs über die Motive von Menschen zum Verzicht auf Kinder geführt. […] Die Kinderlosigkeit ist keineswegs das Ergebnis von Egoismus, sondern die Folge des herrschenden ökonomischen Diskurses. Es fehlt, um Todd richtig zu verstehen, an Selbstbewusstsein und Zukunftsvertrauen, sich dem zu widersetzen. Die in der Eltern-Studie angegebene Begründung des „fehlenden Partners“ ist dafür ein Indiz. Man kann auch in Trennungssituationen gemeinsam Kinder erziehen – oder unter schwierigen sozialen Bedingungen. Wer will das bestreiten? Die meisten Befragten verstehen das Diktat der Ökonomie schon richtig. Sie wagen es aber nicht, diesem Diktat konträre Entscheidungen zu treffen. Dem Staatsbürger – dem Citoyen – fehlt es bei uns an Selbstbewusstsein. Es dominiert der Bourgeois mit seiner betriebswirtschaftlichen Logik. Kinder sind in dieser Perspektive ein schlechtes Geschäft: Man muss ein ökonomischer Idiot sein, um sich für mehrere Kinder zu entscheiden.“ [via pickings]
Es gibt kaum einen größeren Irrtum als den, den sich der alte Katholik und Bundeskanzler Konrad Adenauer leistete, indem er seinerzeit bei der Einführung des heutigen, umlagefinanzierten Rentensystems sagte: „Kinder bekommen die Leute immer.“ Damit schlug er die Warnungen vor einer Schieflage in den Wind, die langfristig daraus entstehen würde, dass Kinderlose Renten aus einem System beziehen, zu dessen Erhalt sie nichts beigetragen haben. Denn alle aus noch so hohen Rentenbeiträgen erworbenen Ansprüche sind nichts als Fiktionen – die Beiträge dienen ausschließlich dazu, die Ansprüche der vorherigen Generation zu befriedigen. De facto handelt es sich um eine Steuer auf Arbeit im Angestelltenverhältnis.
Passend zum Evangelium des vergangenen Sonntags...
Passend zum Evangelium des vergangenen Sonntags kommt Brendon Connelly auf die Idee, die Seligpreisungen für den Kundendienst zu adaptieren. Kostprobe:
Blessed are the poor in spirit: for theirs is the kingdom of heaven
My take on this first beatitude is that we’re all in the same boat. Though we gain varying degrees of mastery of our jobs, at some level, if we’re honest, we remain beginners–„poor in spirit“. We’re always conscious of the fact that the more knowledge we have, the less we actually know. I think the first beatitude speaks pretty well to this sense of begninner-ness. Further, acknowledging this helps bring us to level ground with our customers. We know that, despite the imbalance of product knowledge, we are ultimately equals. And transactions between equals are way more likely to culminate in mutually agreeable results.