Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schö...

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn zitiert in einem Interview mit kath.net seinen „Leib- und Magendichter“ C. S. Lewis. Der habe in einem Brief an einen Freund geschrieben, was er sich als Laie vom Zelebranten wünscht.

Was ich mir als Laie wünsche, ist nur dieses eine, dass ich während des Gottesdienstes nicht ständig denken muss: „Was um Gottes Willen geht jetzt dem Zelebranten schon wieder durch den Kopf?“

Der Papst als Philosoph. Auch die FAZ rezensiert...

Der Papst als Philosoph. Auch die FAZ rezensiert das jüngste Buch von Johannes Paul II.:

„Soweit die Freiheit des Menschen gemeint ist, neigt der Papst dazu, der Aufklärung und selbst der Französischen Revolution eine positive Wirkung zuzugestehen. Allerdings sei sie verantwortlich für die Versuche einer Entchristlichung Europas; Wirklichkeiten würden seit Descartes systematisch zugunsten von Konstruktionen zurückgedrängt. […] Die Untaten des zwanzigsten Jahrhunderts sieht der Papst als Folgen der Entchristlichung: ‚Der Mensch war allein geblieben.'“

Ein interessanter Gegensatz, den der Papst hier aufbaut – zwischen Wirklichkeiten und Konstruktionen. Ich sollte vielleicht mal das Descartes-Kapitel bei Küng nachlesen. [via credo ut intelligam]

Jan-Heiner Tück bespricht in der NZZ das neue...

Jan-Heiner Tück bespricht in der NZZ das neue Buch des Papstes. Anders als viele, die sich in den letzten Wochen dazu geäußert haben, hat er es offenbar gelesen. Die Kritik hatte sich an einer Passage entzündet, in der der Autor

«die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen [anspricht]. Und diesmal handelt es sich um eine Vernichtung, die sogar von demokratisch gewählten Parlamenten beschlossen ist, in denen man sich auf den zivilen Fortschritt der Gesellschaft und der gesamten Menschheit beruft.»

Dazu findet Tück klare Worte:

„Der zitierte Passus stellt – um es deutlich zu sagen – den Holocaust und die Abtreibung nicht auf eine Stufe, wie in manchen kritischen Äusserungen der letzten Tage behauptet wurde. Der Kontext der inkriminierten Stelle zeigt vielmehr, dass es um verschiedene Manifestationen des Bösen in der Geschichte und um eine Kultur der Wachsamkeit geht, die sich aus der Erinnerung an das Unrecht speist. Nichts läge Karol Wojtyla, der sich mehr als alle seine Vorgänger für ein neues Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum eingesetzt hat, ferner, als die Singularität von Auschwitz zu relativieren. Aber die Lektion, die er aus der Geschichte zieht, ist die, dass das Eingedenken der Katastrophen des 20. Jahrhunderts für die moralische Beurteilung der Gegenwart nicht folgenlos bleiben darf.“

Vor allem, so jedenfalls Tück, ist das Buch jedoch „alles andere als ein moralisches Manifest mit kulturpessimistischem Einschlag“. Im Gegenteil sei es von einem Optimismus getragen, der sich aus der Auferstehung des Gekreuzigten speise. Das Böse ist für den Papst (und für die ganze Kirche, möchte man hinzufügen) damit bereits besiegt. Die Rezension schließt mit diesem Fazit:

„Die offensive Erinnerung an Gott ist für eine Öffentlichkeit, die ein zunehmend gebrochenes Verhältnis zum christlichen Erbe unterhält, eine Provokation. Der Papst nimmt sie in Kauf, wenn er den Namen Gottes als letzten Garanten für die Würde des Menschen in Anschlag bringt. In diesem Namen liegt zugleich eine Verheissung für die Opfer der Geschichte, die nur dann dem Vergessen entrinnen, wenn ihre Namen in die memoria Dei eingeschrieben sind. Auch die offen gebliebenen Fragen der Gerechtigkeit werden im Jüngsten Gericht eine Antwort finden. Das Gottesgedächtnis wachhalten heisst, die menschliche Endlichkeit und Schuldfähigkeit ebenso anzuerkennen wie aufkeimende Fehlentwicklungen beim Namen zu nennen. Eine Kultur, in deren öffentlicher Selbstverständigung das Gottesthema nicht mehr vorkäme, würde den Menschen verkürzen.“

Johannes Paul II.: Erinnerung und Identität. Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden. Weltbild-Verlag, Augsburg 2005. 224 S., 14,90 EUR.

Seit November 2004 geben die Verlage der Benediktinerabtei...

Seit November 2004 geben die Verlage der Benediktinerabtei Maria Laach (Ars liturgica) und des Katholischen Bibelwerkes das Te Deum heraus. Der Untertitel lautet „Das Stundengebet im Alltag“. Wer sich an Magnificat erinnert fühlt, der liegt ganz richtig. Offensichtlich hat sich der Verlag Butzon & Bercker von der früher in Maria Laach ansässigen Redaktion getrennt, die daraufhin eigene Wege ging. Wettbewerb belebt das Geschäft.

Der eine oder andere regelmäßige Leser...

Der eine oder andere regelmäßige Leser dieses Notizbuches hat vielleicht schon gemerkt, dass mich seit einiger Zeit die demographische Frage umtreibt. (Ich habe übrigens hier eine Reihe von einschlägigen Artikeln gesammelt und werde dies weiterhin tun.) Jetzt startet FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der dem Thema bereits ein ganzes Buch gewidmet hat, einen Grundkurs für Staatsbürger. Dessen Autor ist Herwig Birg, Professor für Bevölkerungswissenschaft und Demographie an der Universität Bielefeld. Schirrmachers Einführung endet mit diesem Satz:

„Was ein Mensch wirklich ist – so pathetisch dieses Satz klingen mag – , was also ein geborener Mensch wirklich wert ist, das werden wir alle jetzt erst erfahren. Es müßte uns gelingen, über etwas ganz Einfaches und Naheliegendes zu reden, etwas was nicht jeder hat, aber jeder einmal war. Reden wir über Kinder.“

Von ähnlicher Einfachheit sind Marion und Werner Tiki Küstenmacher getragen, wenn sie eines ihrer Büchlein wie folgt beginnen:

„Wie genervt und gestresst wir Eltern auch manchmal sein mögen – der größte Reichtum in unserem Leben sind doch unsere Kinder. Wir alle leben, weil unsere Eltern ebenso gedacht und uns großzügigerweise in die Welt gesetzt haben. Auf diesem einfachen Gedanken […] beruht unser Leben.“

Man mag von Küstenmachers Art der Welterklärung halten, was man will – hier haben sie einfach nur Recht.

Grundkurs Demographie

Erste Lektion
Deutschlands Weltrekorde

Zweite Lektion
Die Logik der Trägheit

Dritte Lektion
Was taugen Prognosen?

Vierte Lektion
Deutschlandbericht

Fünfte Lektion
100 Jahre Geburtenrückgang

Sechste Lektion
Mängel der Sozialversicherung

Siebte Lektion
Standortfaktor Bevölkerung

Achte Lektion
Demographische Konflikte

Neunte Lektion
Die innerdeutsche Migration

Zehnte Lektion
Der lange Bremsweg

Heute eingetroffen: Hörer des Wortes von Karl...

Heute eingetroffen: Hörer des Wortes von Karl Rahner in der durch Johann Baptist Metz bearbeiteten Neuauflage von 1963. Warum dieses Buch? Der Grundkurs des Glaubens (erschienen 1976) hinterließ auf den ersten hundert Seiten – weiter bin ich nicht gekommen – den vagen Eindruck, in seinen (religions)philosophischen Grundannahmen stark unter dem Einfluss Martin Heideggers zu stehen. Um dies nachzuprüfen, möchte ich nun, statt Heidegger zu studieren, zunächst beim früheren Rahner nachschlagen. Denn erst wenn diese Frage geklärt ist, will ich den Grundkurs wieder aufnehmen.