
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Joh 21,4-6
Catholica
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Kirchenaustritt
Theodor Haecker
Vor 60 Jahren wurde der katholische Schriftsteller und Kulturphilosoph Theodor Haecker ermordet. Der Deutschlandfunk erinnert heute auch an ihn:
„Haecker war ein Gegner der rassenbiologischen Vorstellungen der Nazis, bereits in den dreißiger Jahren mit Lehr- und Publikationsverbot belegt worden und unterhielt Kontakte zur ‚Weißen Rose‘ um Hans und Sophie Scholl. Zusammen mit Wilhelm Canaris, Hans Oster und Dietrich Bonhoeffer wurde Theodor Haecker am 9. April 1945 in Flossenbürg ermordet.“
Ich lese gerade sein Büchlein „Was ist der Mensch?“.
Dies irae

Dies irae, dies illa
solvet saeclum in favilla:
teste David cum Sibylla.
Quantus tremor est futurus,
quando judex est venturus,
cuncta stricte discussurus!
Tuba mirum spargens sonum
per sepulcra regionum,
coget omnes ante thronum.
Mors stupebit et natura,
cum resurget creatura,
judicanti responsura.
Liber scriptus proferetur,
in quo totum continetur,
unde mundus judicetur.
Judex ergo cum sedebit,
quidquid latet apparebit:
nil inultum remanebit.
Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus,
cum vix justus sit securus?
Rex tremendae majestatis,
qui salvandos salvas gratis,
salva me fons pietatis.
Recordare, Jesu pie,
quod sum causa tuae viae:
ne me perdas illa die.
Quaerens me, sedisti lassus:
redemisti Crucem passus:
tantus labor non sit cassus.
Juste judex ultionis,
donum fac remissionis
ante diem rationis.
Ingemisco, tamquam reus:
culpa rubet vultus meus:
supplicanti parce, Deus.
Qui Mariam absolvisti,
et latronem exaudisti,
mihi quoque spem dedisti.
Preces meae non sunt dignae:
sed tu bonus fac benigne,
ne perenni cremer igne.
Inter oves locum praesta,
et ab haedis me sequestra,
statuens in parte dextra.
Confutatis maledictis,
flammis acribus addictis:
voca me cum benedictis.
Oro supplex et acclinis,
cor contritum quasi cinis:
gere curam mei finis.
Lacrimosa dies illa,
qua resurget ex favilla
judicandus homo reus.
Huic ergo parce, Deus:
pie Jesu Domine,
dona eis requiem. Amen.
Österliche Trauer
Es ist ein eindrucksvolles Zeichen, dass der Papst genau zum Ende der Osteroktav gestorben ist – großartiges Timing. Denn so bekommt die Trauer eine gewisse österliche Leichtigkeit, weil sie sich eng mit der Freude über die Auferstehung verbindet. Das zeigt sich sehr schön in den Osterliedern und den zahlreichen Hallelujarufen, wie ich sie heute live aus dem Petersdom hören konnte. (Zur Stunde zeigt der Livestream nur den nächtlichen Petersdom, morgen soll dort das Requiem übertragen werden.)
Sonntag
Doch, es gibt auch noch andere Themen. Wirtschaftwoche-Autor Christian Deysson schreibt (online nicht frei verfügbar) über die Institution Sonntag. Zwar kann auch er mit keiner ganz schlüssigen Erklärung des Phänomens dienen, aber dafür fasst er sehr schön den christlichen Ursprung des Feiertags am ersten Tag der Woche zusammen:
„Der Sonntag, das war der Lichtblick und das Glanzlicht einer jeden Woche. Seit frühchristlichen Zeiten gingen Abendländer sonntags zur Kirche, um allwöchentlich die Auferstehung Christi zu feiern. Die frühen Christen taten dies noch an ganz normalen Arbeitstagen. Erst seit Kaiser Konstantin den ursprünglich dem Sonnengott gewidmeten Tag im Jahr 321 per Gesetz zum arbeitsfreien christlichen Feiertag erklärt hatte, wurde sonntags geruht.
Doch der Sonntag war mehr als nur ein freier Tag, er war ein Feiertag im ursprünglichen Sinn des Wortes, geprägt vom christlichen Auferstehungsgedanken. Jeder Sonntag war ein kleines Ostern. Deshalb durfte auch während der Fastenzeit an Sonntagen ausnahmsweise Fleisch gegessen werden. Das Konzil von Nizäa befürwortete im Jahr 325 sogar, dass die Christen beim Sonntagsgebet auf die sonst gebotene Demutshaltung des Kniens verzichten sollten, um der Freude über die Besiegung des Todes sichtbar Ausdruck zu verleihen.“
Unverstandene Kultur
Mit bemerkenswerter Gründlichkeit schreitet die Bestandsaufnahme in Sachen Religion fort, die mit dem öffentlichen Sterben des polnischen Giganten (Matussek) begonnen hat. So bringt die morgige Ausgabe der Zeit u.a. ein Stück von Josef Joffe über den Großtrend Säkularisierung. Treffend der Titel „Entchristianisierung“ im URL – denn Säkularisierung ist ein wenig konzises Konzept, wie Luhmann in seinem posthum veröffentlichten Buch Die Religion der Gesellschaft festgestellt hat. Joffe schließt mit einem Blick auf die Konsequenzen für das Verständnis von Kunst und Literatur:
„Bis vor ein, zwei Generationen war die Bibel das Band zwischen Klassen, Völkern und Generationen. Sie war Teil des kollektiven Gedächtnisses. Hält die Entchristianisierung an, werden wir bald ein Viertel der westlichen Literatur, die Hälfte westlicher Kunst nicht mehr verstehen. Und werden uns am Kopf kratzen, wenn das Kind fragt: »Sag mal, wie war das mit Joseph und seinen Brüdern?« Oder beim Moses von Michelangelo: »Wer ist dieser Bärtige mit dem Hörnern auf der Stirn?«“
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Rom vs. Canterbury 1:0
Der Perlentaucher bringt heute diese Preziose an die Oberfläche:
„Heinrich VIII. brach mit Rom, um sich scheiden lassen und wieder heiraten zu können. Jetzt verschiebt ein englischer Thronfolger die eigene Hochzeit wegen eines Papst-Begräbnisses.“
SZ-Autor Alexander Kissler über die Konkurrenz zwischen Vatikan und Anglikanischer Kirche
Seltsame Nachrichtengebung
Hund beißt Mann. Seit wann ist das eine Nachricht? Der Deutschlandfunk, nun wirklich ein Ausbund an seriöser Nachrichtengebung, vermeldet heute:
„Der neue Papst sollte nach Ansicht der Bewegung ‚Wir sind Kirche‘ Reformen in der katholischen Kirche einleiten.“
Wer hätte das gedacht?
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Zwischenbilanz
Scipio zieht die Summe aus mehr als 26 Jahren mit dem Papst.
