Wiedeking

Ein Zeit-Interview lässt erahnen, warum der Mann nicht nur erfolgreich ein Unternehmen führt, sondern auch ein hervorragendes Ansehen genießt. Wendelin Wiedeking hat Prinzipien und spricht auch darüber. So scheut er sich nicht, Geiz als Todsünde zu bezeichnen – alles andere als geil.

ZEIT: Was halten Sie von der Kapitalismuskritik von Franz Müntefering?

Wiedeking: Wenn der Papst sich entsprechend äußert, bekommen alle glänzende Augen und jubeln ihm zu. Also muss eine solche Kritik auch Herrn Müntefering gestattet sein. Wir müssen über die Themen, die allen unter den Nägeln brennen, diskutieren. Wir brauchen schlicht Arbeitsplätze – und das jede Menge.

ZEIT: Ist die Werteskala abhanden gekommen?

Wiedeking: Unsere Gesellschaft lebt davon, dass man sich orientieren kann, dass man eine Werteskala hat und dass man weiß, dass es ein gesellschaftliches Grundverständnis gibt. Dieses Grundverständnis scheint verloren gegangen zu sein. Nehmen Sie den Satz »Geiz ist geil«. Geiz ist eine Todsünde, und Geiz zerstört die Werteskala und schafft dann Desorientierung.

ZEIT: Welche Werte gehen kaputt?

Wiedeking: »Geiz ist geil« heißt nichts anderes als »Billig ist gut«, und billig zerstört die gesellschaftliche Anerkennung für Arbeit. Wer als Werker täglich suggeriert bekommt, dass das, was er mit seiner Hände Arbeit schafft, nur durch Verramschen zu etwas Kleingeld gemacht werden kann, verliert jegliches Wertegefühl. Konkret: Es geht eine Werteordnung kaputt, in der Arbeit eine wichtige Rolle spielt.

Geist der Wahrheit


(Bild von oretla.de)

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.
Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
Joh 14,15-17

Werte

Meine Ratzinger-Bibliothek wächst und wächst: Heute ist der neue Ratzinger eingetroffen. Erster Eindruck: Das legendäre Gespräch mit Habermas nutzt Herder zwar geschickt für das Marketing, kommt aber im Buch nicht vor ist aber nur ein Beitrag unter vielen. Es handelt sich vielmehr um Aufsätze und Reden aus etwa 15 Jahren, die der Verlag in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht hat.

Mein aktueller Bestand:

Außerdem bestellt:

Katharina

„Mein Wesen ist Feuer.“

Seid versichert: wenn ich sterbe, ist die einzige Ursache meines Todes die Liebe zur Kirche.“

Katharina von Siena

Rückkehr

Heute in der Süddeutschen, sagt der Perlentaucher:

Zur Frage, ob es eine Rückkehr der Religionen gibt, weist der Bochumer Religionswissenschaftler Volkhard Krech darauf hin, dass es einen Unterschied gibt zwischen Religiösität, diffusem religiösen Interesse und die Sehnsucht nach sakraler Aura.

Falls jemand Zugriff hat…

Sonntagsruhe


Jetzt muss sich schon die Wirtschaftspresse um die Rettung des vielfach bedrohten Sonntags kümmern. Nach der Wirtschaftswoche befasst sich nun auch die Financial Times Deutschland ausführlich mit dem Sinn und Zweck des ersten Tags der Woche (oder auch letzten Tags des Wochenendes).

In diesem Jahr ist der 1. Mai ein Sonntag der Arbeit. Nun muss uns schon der Kalender darauf hinweisen, dass nicht wirklich die Arbeit in Gefahr ist, sondern die freie Zeit, die Muße, die Ruhe. „Dies solis“, der Sonntag, bröckelt ohne großen Protest. Die Kirchen können froh sein, wenn der Vormittag still bleibt. Die Gewerkschaften sorgen sich eher um die steuerfreien Zuschläge.

Federazione dei Comunisti Anarchici

Die Föderation der anarchistischen Kommunisten hat auch etwas zur Papstwahl zu sagen. Schon sehr lustig, wie sich weitreichende Ahnungslosigkeit in der Sache mit der Pose der eigenen Allwissenheit verbindet. (Die schärfsten Kritiker der Elche sind meistens selber welche.) Diese im Gefolge von 1968 weitverbreitete Haltung hat sich ja heute nur noch in ganz wenigen abseitigen Biotopen gehalten. Aber an einem Punkt trifft der Bund ins Schwarze:

„Die frömmlerischen Meinungsmacher haben jetzt mit ein bißchen Verwirrung gesehen, wie ihre Glorienträume zusammengebrochen sind. Sie kommen uns griesgrämig vor wie Kinder, denen ein neues Spielzeug verweigert worden ist.“

Der Vollständigkeit halber sei noch nachgetragen, dass die Pressemitteilung schon vom 19. April datiert. Auch anarchistische Kommunisten betreiben offenbar heutzutage eine reaktionsschnelle Öffentlichkeitsarbeit.

Papst-Zeit

Auch die zweite Ausgabe der Zeit nach der Wahl Benedikts XVI. bringt relativ viel Papst ins Haus: Elisabeth von Thadden eiert, eine weibliche Perspektive einnehmend, ziemlich herum. Jan Ross verhilft den Büchern Joseph Ratzingers zu weiterem Abverkauf:

Das Europäische, wie Benedikt XVI. es liebt und gefährdet sieht, ist das Miteinander von Vernunft und Glaube – die kunstvollen Ideenkathedralen der Theologie, die strengen und gerade nicht orgiastisch ausufernden Formen des Gottesdienstes (dem Geist der Liturgie hat Ratzinger ein eindringliches Buch gewidmet), ein christliches Ethos, das sich die apokalyptische Revolutionsschwärmerei verbietet (daher der Widerstand gegen die marxistisch inspirierte Befreiungstheologie). Dass Religion und Vernunft zusammengehören, dass sie sich wechselseitig »reinigen« und »heilen« müssen, weil der Glaube sonst fundamentalistisch eng und die Vernunft materialistisch leer wird – das ist ein, vielleicht das Leitmotiv im Denken des neuen Papstes.

[via Perlentaucher]

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