Keine Hochzeit

Erst einmal etwas Statistik:

Die Bilanz ist erschreckend: Waren es 1992 noch rund 7800 Hochzeiten in der Landeskirche, lag die Zahl 2002 bei 4560, im vergangenen Jahr nur noch bei 4300. In der Propstei Rhein-Main hat sich die Zahl kirchlicher Hochzeiten von 1992 bis 2002 gar mehr als halbiert, von 1316 auf 610. Die hessen-nassauische Landeskirche ist keine Ausnahme. Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Bistümer Limburg und Mainz verzeichnen Rückgänge. […] In der Stadt [Frankfurt] haben sich im vergangenen Jahr 210 Paare das Ja-Wort gegeben, 1992 waren es 360; im Bistum Limburg, zu dem Frankfurt gehört, ist die Zahl von 2500 (1994) auf 1240 (2004) geschrumpft.

Als „bemerkenswert“ stuft Tobias Blum, Sprecher des Bistums Mainz, die Zahlen ein: Ließen sich dort 1995 noch 2480 Paare trauen, waren es 2004 nur noch 1546. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ging die Zahl in diesem Zeitraum von 3750 auf 2326 zurück. Deren Sprecher Karl Waldeck macht dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich: den „relativ geringen Stellenwert von Ehe und Familie in der Gesellschaft“ und das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter der Kirchenmitglieder, das bei etwa 45 Jahren liege.“ [FAZ]

Und dann ein neues Berufsfeld, die „freien Theologen“ – „mit Zukunft“?

Anita Schuldt, einst Prädikantin in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, hat schon einmal eine Trauzeremonie auf einem Fußballplatz gehalten. „Aber solche Wünsche fallen aus dem Rahmen“, sagt die „freie Theologin“ aus Hasselroth im Main-Kinzig-Kreis. Den großen Vorteil gegenüber einer kirchlichen Trauung sieht Schuldt in der Möglichkeit, viel besser auf individuelle Wünsche von Paaren eingehen zu können. Eine solche Trauung kostet ihr zufolge durchschnittlich etwa 600 bis 700 Euro.

Daß Menschen an diesem Punkt ihres Lebens nach einem Ritual suchen, steht für Schuldt und ihren Kollegen Markus Grünling fest. Grünling war einmal katholischer Pfarrer im Erzbistum Freiburg. „Auch wenn die Zahl kirchlicher Trauungen zurückgeht, wächst das Gefühl, daß eine Trauung einen Rahmen braucht, der Sicherheit gibt“, meint er.

Teresia Benedicta vom Kreuz

Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Joh 4, 19-24

Primitive Zweckmäßigkeit

Nachzutragen wäre da noch ein Artikel von Michael Gassmann auf der Geisteswissenschaften-Seite der FAZ vom 3. August, der sich mit dem Verhältnis von Kirchenmusik und Liturgie beschäftigt.

Man hat der Liturgiereform des Zweiten Vaticanums vorgeworfen, sie habe alle Sinnlichkeit des Ritus zerstört. Das vernichtende Urteil läßt sich in der Theorie leicht widerlegen, findet aber in der Praxis oft seine Bestätigung. Tendenzen der Verflachung sind nicht zu übersehen. Die waren freilich nicht intendiert. Der Begriff der „participatio actuosa“ wird verkürzt, wenn man unter ihm bloß einen äußerlichen Aktionismus versteht, wie es zum Beispiel des beständige Wechselsingen darstellt oder die gleichzeitige Einbindung aller irgendwie musizierenden Gruppen in ein und denselben Gottesdienst. […] Wo heute die Sinnlichkeit des Ritus zerstört wird, da geschieht es meist, weil der Kunstanspruch ans geistliche musikalische Werk aufgegeben wird zugunsten einer primitiven Zweckmäßigkeit, die sich nach den Bedürfnissen und Vorlieben gemeindlicher Arbeitskreise richtet. [FAZ, 85 Cent]

Albert Gerhards (Hg.): Kirchenmusik im 20. Jahrhundert. Erbe und Auftrag. Reihe: Ästhetik – Theologie – Liturgik, Bd. 31, 2005, 192 S., 17.90 EUR, br., ISBN 3-8258-7680-2

Obliegenheiten

Es scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein, dass die Aufnahme in die katholische Kirche auch eine Reihe von Pflichten mit sich bringt. Als da wären (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in alphabetischer Reihenfolge):

  • Gehorsam gegenüber den Hirten der Kirche
  • Finanzielle Beiträge (z.B. Kirchensteuer)
  • Freitagsopfer
  • Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren
  • Kenntnisse über die Lehre zu erwerben
  • Missionspflicht
  • Sakramentenempfang (Eucharistie und Buße mindestens jährlich)
  • Sonntagspflicht

Wird eigentlich darüber noch aufgeklärt, wer für sich oder seine Kinder um die Aufnahme bittet? Und wie stehen jene Nichtkatholiken zu diesem Pflichtenkatalog, die mehr oder weniger dringend die Zulassung zur Eucharistie einfordern?

Nachtrag: Was die einzelnen Punkte bedeuten, erklärt Scipio.

Sein Credo

„Das Evangelium muss vor Kirchenmoral gehen, Seelsorge vor Verwaltung, Mitbestimmung der Basis vor überholten autoritären Strukturen, nicht umgekehrt, wie es leider ist. Sich nur auf den Katechismus zurückziehen bedeutet, mit toten Buchstaben den Geist des Christseins zunichte zu machen.“
Pfr. Roland Breitenbach, der gestern seinen 70. Geburtstag feierte [rzmedia]

Ruminatio

Ralf schreibt über das Stundengebet:

Genauso wie man das Kirchenjahr und die kirchliche „Verarbeitung“ des gesamten Geschehens mit und um Jesus erst versteht, wenn man wirklich jeden Sonntag zur Kirche geht (insbesondere in den Zeiten Advent bis Pfingsten), versteht man einen Großteil der Theologie wirklich nur dann mit Herz und Verstand, wenn man sie betend erfährt.

Sehr wahr.

Nachtrag: Georg berichtet über seine Erfahrungen als langjähriger Beter:

[…] ich habe mit 16 Jahren begonnen, dieses Gebet regelmäßig zu beten und es ist mir über alle Krisenzeiten hinweg tatsächlich zuweilen sogar der einzige Anker geblieben. Natürlich ist es immer wieder eine Herausforderung, dran zu bleiben, gerade wenn man verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist. Andererseits spüre ich, dass ich buchstäblich von den Psalmen lebe […]

Und zum Gemeinschaftsaspekt schreibt er:

[…] gerade weil es ein Gemeinschaftsgebet ist, hilft es mir in meinem persönlichen geistlichen Leben, im Gebet mich vereint zu wissen mit all den Betern die an diesem Tag das Stundengebet in den verschiedensten Sprachen und auch Riten (allein im lateinischen Ritus gibt es mittlerweile -wieder-eine schier unüberschaubare Fülle an verschiedenen Stundenbüchern) feiern und zugleich verbunden zu sein mit all den Menschen, Heiligen und Sündern, die durch die Jahrhunderte das Offizium gebetet haben. Nicht zu vergessen das Gebet des jüdischen Volkes, aus dem unser Stundengebet letztlich entstanden ist und mit dem es bis heute frappierende Ähnlichkeiten aufweist, was uns wiederum sozusagen auf das Gebet Jesu, Mariens und der Apostel sowie aller Propheten zurückverweist. Tatsächlich haben viele Psalmenkommentatoren die Psalmen als genuine Gebete Jesu selber interpretiert, an die wir uns gemeinsam und als einzelne sozusagen anhängen.

So schafft dieses beständige „Opfer des Lobes“ ein Band der Ökumene innerhalb der Kirche und sogar über die Kirche hinaus. Und schließlich wurde in Anlehnung an die Regula Benedicti, die einen großen Einfluß auf die konkrete Ausformung des Stundengebetes im lateinischen Ritus hatte und hat, die Liturgie des Stundengebetes immer auch als das irdische Abbild der himmlischen Liturgie verstanden.

Dominikus

Während einer Hungersnot in Palencia verkaufte Dominikus alles, was er hatte, auch die teuren und ihm so notwendigen Bücher. „Wie könnte ich in diesen toten Büchern studieren, wenn ich weiß, dass lebende Menschen am Verhungern sind?“
Schott