Ablass

Geniale Idee, der Ablass zum Weltjugendtag. Wie die Reaktionen zeigen, zahlt er voll auf das Bild der Marke römisch-katholisch ein.

Nebenbei: Sollte ich mein Notizbuch umbenennen? Römisch-katholisches Notizbuch? Allgemeines Notizbuch? Umfassendes Notizbuch? Christliches Notizbuch? Muss mal eine Umfrage starten…

Was heißt „Notizbuch“ auf Latein? commentarium catholicum…

Patti Smith

„Sie waren in Rom, als Papst Benedikt XVI. gewählt wurde. Ist Patti Smith zum katholischen Glauben konvertiert?

Ich flog nach Rom, um eine Ausstellung mit meinen Bildern und Fotografien zu eröffnen. Also habe ich die Gelegenheit genützt und ging zum Petersplatz. Plötzlich wedelten die vielen Nonnen mit den Armen in der Luft und riefen »Blanca, blanca«. Als ich zum riesigen Bildschirm hochschaute, sah ich den weißen Rauch. Und dann fingen die Glocken an zu läuten – Wow!!! Es war einer der aufregendsten Tage meines Lebens. Unter Tausenden von Menschen auf dem Platz zu stehen, umgeben von dieser unglaublichen Freude. Für mich war das ein Augenblick positiver Geschichte –, und ich habe viele negative Momente erlebt. Selbst aus großer Entfernung konnte man auf dem Bildschirm die Menschlichkeit dieses Mannes spüren. Er war so glücklich – ich habe geweint. Dabei bin ich keine Italienerin, geschweige denn katholisch.

Nun teilen nicht alle diese Freude.

Ich weiß, dass er nicht nach jedermanns Geschmack ist, aber ich denke, er ist eine gute Wahl. Da ich mich um kein Dogma kümmern muss, kann ich intellektuell und spirituell von ihm lernen, wie ich auch vom Dalai Lama gelernt habe. Ich mag ihn – Ratzinger –, sehr sogar.

Er wirkte gelöster, anders, als man ihn kannte.

Er verändert sich. Sein Leben lang saß er in Zimmern und Bibliotheken und las und lehrte, und jetzt fühlt er die Liebe der Menschen. Das merkt man.“ [Die Zeit 04.05.2005 Nr.19]

Der Perlentaucher verkauft das Interview als Neuheit…

Realitätsverweigerung

Das Echo auf den Vorschlag von Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen, spricht Bände.

Bundeswirtschaftsminister Clement bezeichnete den Vorstoß als überzogen und nicht machbar. Der SPD-Politiker plädierte in der ‚Passauer Neuen Presse‘ zugleich für den Vorschlag der Rürup-Kommission, ab 2011 das gesetzliche Renten-Eintrittsalter Jahr für Jahr um je einen Monat auf zuletzt 67 Jahre heraufzusetzen. Auf Kritik stieß der DIW-Vorstoß auch beim CDU-Sozialpolitiker Storm, der die Forderung im Berliner „Tagesspiegel“ völlig absurd nannte. [dradio.de]

Klar, es ist Wahlkampf. Aber was will uns diese kollektive Realitätsverweigerung sagen? Als Bismarck die Rentenversicherung einführte, lag die Altersgrenze bei 70 Jahren. Damals erreichte indes nur ein relativ überschaubarer Teil der Versicherten dieses Alter – die Rentenversicherung war eine Versicherung gegen das Risiko des Altwerdens, das wie alle Risiken nicht in jedem Fall eintrat. Seit Adenauer ist sie eine Art legales Kettenbriefschema – mit entsprechend verheerenden Konsequenzen für die armen Säue am Ende der Nahrungskette.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Riemann-Hanewinkel, hält ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren dagegen für vorstellbar. Dies dürfe jedoch kein Zwang werden, sagte die Sozialdemokratin im Deutschlandradio Kultur. Sie verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die Menschen heute älter werden, weshalb eine längere Lebensarbeitszeit realistisch sei. [dradio.de]

Ich für meinen Teil, nach heutiger Rechtslage Rentner im Jahre 2034, richte mich mal auf Rente ab 75 ein.

Nachtrag: Kurze Geschichte der Rentenversicherung beim DIA

Klara

Mögen auch Fleisch und Herz mir verschmachten,
Gott bleibt mein Fels und mein Anteil auf ewig.
Ich sehe alles als Verlust an, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein.
Gott bleibt mein Fels und mein Anteil auf ewig.
Responsorium zum Gedenktag der Hl. Klara (Lektionar zum Stundenbuch I/6)

Laqueur

Eigentlich wollte ich den Essay Europa im 21. Jahrhundert von Walter Laqueur im Merkur ja noch ausführlich zitieren oder wenigstens kurz loben. Und zwar wegen seiner großen Übersicht über die ganze Spannbreite der demographischen Entwicklung in Europa und ihrer Folgen. Doch nun berichtet der Perlentaucher von einer kritischen Stimme in der Süddeutschen Zeitung:

„Thomas Steinfeld setzt sich […] mit den Protagonisten der ‚demographischen Apokalypse‘ auseinander. Er warnt vor den ‚Taschenpropheten‘, deren Wortmeldungen sich formal ‚bis ins Detail‘ glichen und deren Visionen einen ‚erheblichen Mangel an Phantasie, eine biedere Furcht vor einem noch fernen Ende‘ geltend machten.“

Jetzt ist doch die Frage: Hat hier jemand seine Demographie-Lektion noch nicht gelernt? Oder ist die Kritik tatsächlich fundiert?

Laurentius

Das Fest des Diakons und Märtyrers Laurentius gibt mir Gelegenheit, mich als Eichsfelder, namentlich Duderstädter im norddeutschen Exil zu erkennen zu geben. Laurentius ist der Patron meiner Heimatstadt und wird dort jeweils am nächstliegenden Sonntag mit einer Messe im Freien gefeiert. Am vergangenen Sonntag war ich dort, allerdings fand die Messe dann wetterbedingt doch in St. Cyriakus (dessen Gedenktag und damit das Patrozinium meiner Heimatkirche übrigens am Montag war) statt.

Noch vor einer Generation war der Laurentiustag in Duderstadt eine Art wilder Feiertag wie heute noch Fronleichnam: Geschäfte und Schulen waren geschlossen, und in Erfüllung eines Gelübdes zog die Gemeinde in einer großen Prozession zu Ehren des Hl. Laurentius durch die Stadt. Von dieser Tradition ist heute zwar nicht mehr viel übrig, aber verschwunden ist sie jedenfalls noch nicht. Der genaue Ursprung liegt im Dunkeln.

Vor ungefähr 500 Jahren wurde Duderstadt von einer gewaltigen Feuersbrunst heimgesucht, die sich unheimlich schnell ausbreitete. Schon waren fast die Hälfte der Häuser dem Brande zum Opfer gefallen, und die Einwohner mußten befürchten, daß die ganze Stadt in Schutt und Asche sinken würde. In dieser furchtbaren Not gelobten sie eine Prozession, die alljährlich zu Ehren des Stadtpatrons, des hl. Laurentius, abgehalten werden sollte. Die Feuersflammen legten sich, und der Brand hörte auf. Die Duderstädter aber hielten ihr Gelübde, und noch heute findet am 10. August, dem Tage des hl. Laurentius, die große Prozession mit dem Allerheiligsten statt. [Quelle]

Und Joseph Dieck berichtet in seiner Geschichte der Pfarrei und Kirche St. Cyriakus Duderstadt:

„Den Kirchenpatron (St. Cyriacus) begehen wir am 8. August und den Stadtpatron (St. Laurentius) am 10. August. Am letzteren Tage war eine feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten von der Pfarrkirche zur Unterkirche [St. Servatius], wo ein feierliches Amt zelebriert wurde. Nach dem Amte ging die Prozession durch mehrere Straßen der Stadt zurück zur Oberkirche. Später, nach Abtretung der Unterkirche, verlegte man die Prozession nach der Liebfrauenkirche. Das Hochamt wird jetzt in der Cyriakuskirche gehalten“. Die Servatiuskirche, die de facto, wenngleich nicht de jure zweite Stadtpfarrkirche war, wurde den Protestanten 1808 zur Verfügung gestellt.

Alles über Laurentius in Duderstadt findet sich bei Klaus Graf: St. Laurentius, Stadtpatron von Duderstadt. Erschienen in: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 65 (1997), S. 103-127.

Wie

hab ich das nur jahrelang ausgehalten? Fragt sich und uns der Haltungsturner.

„Ich war lange in dieser weinerlich-linksradikalen Szene aktiv, die sich vor allem bei Kirchens häuft. Unter Theologiestudenten war das auch sehr verbreitet damals bis in die erste Hälfte der 90er. So wie dieser Kommentar von ‚mikel‘ bei Nico und noch mehr seiner zwei Kommentare darüber. Erinnerte mich sehr an meinen Lieblingstroll Rolf in der letzten Mailingsliste, in die ich hin und wieder reinschaue. Und an so viele, die damals bei den religiösen Sozialisten rumturnten.

Dieses ’so lange bis, …, niemals‘. Dieses freudlose und jedem Unernst, der das Leben doch erträglich machen könnte, abholde. Es ist schon lustig. Und gruselig in der Rückschau, dass ich das mal normal fand.“

Religiöse Sozialisten? Was es alles gibt.

Meisner

Hier häufig zitiert, der Kölner Kardinal. Heute bei Spiegel Online:

„SPIEGEL ONLINE: Dienen Sie den Menschen, indem Sie Homosexualität verdammen und von Schwulen und Lesben verlangen, gegen Ihre Natur zu leben?

Meisner: Die Kirche hat für die Schöpfungsordnung einzustehen. Der Mann ist auf die Frau hin geschaffen und die Frau auf den Mann hin und daraufhin, dass sie aus der Ehe eine Familie machen. Damit ist dann auch der Fortbestand der Menschheit gesichert.

SPIEGEL ONLINE: Das widerspricht der Lebenserfahrung von Homosexuellen komplett.

Meisner: Aber es entspricht der Schöpfungsordnung. Ich stehe für die Schöpfung Gottes ein und verkünde den Glauben. Wenn meine Zeit abgelaufen ist, werde ich dafür vor dem Richterstuhl Gottes stehen.“

Sehr lustig übrigens, der Schreibfehler in „gegen Ihre Natur“…

Berufungen

Ich habe übrigens in meiner Aufzählung eine Pflicht vergessen:

Der ganzen christlichen Gemeinschaft obliegt die Pflicht, Berufungen zu fördern, damit in der ganzen Kirche für die Erfordernisse des geistlichen Amtes ausreichend vorgesorgt wird; besonders sind dazu die christlichen Familien, die Erzieher und in besonderer Weise die Priester, vor allem die Pfarrer verpflichtet. Die Diözesanbischöfe, denen die Sorge um die Förderung von Berufungen hauptsächlich aufgegeben ist, haben das ihnen anvertraute Volk über die Bedeutung des geistlichen Amtes und über die Notwendigkeit von Amtsträgern in der Kirche zu belehren; sie haben Unternehmungen zur Förderung von Berufungen, besonders durch Werke, die dazu errichtet werden, zu veranlassen und zu unterhalten. [CIC 233,1]

Nicht ganz unwichtig.