Opening the Mind

Nachdem der Adressat in persona nun feststeht, schreibt alle Welt ihm ins Stammbuch, was zu tun ist. Reformen in der Kirche fordern selbst Leute, die ansonsten Kirchen und Religionen sofort abschaffen möchten.

Benedikt XVI. wird vermutlich seinem großen Vorgänger darin folgen, dass er viel eher ein Reformprogramm für die Welt verfolgt denn für die Kirche. Einige Stichworte sind bereits gefallen. Catholic Analysis beschreibt die Herausforderung so:

Benedict has work to do. He knows it. He is fully capable of doing the hard work of engaging a Western world whose secularist mentality combines breathtaking ignorance with breathtaking technological advancement. And he will do that work marvelously. He will challenge the Western world to think again, open its mind, to learn to philosophize again. The secular, morally relativist mentality refuses to think and to even be open to differing and challenging points of view. It is not so much a matter of opening up the Church–the Church is always open to all and has a reasoned and wise answer for all. It is more an urgent matter of opening the mind of a secular world […].

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Gott und die Welt

Bücher von Joseph Ratzinger erleben eine Sonderkonjunktur. Gestern noch war Gott und die Welt bei Amazon für 3,15 EUR (plus 3,00 EUR Versand) zu haben. Heute liegt das günstigste Angebot bei 11,95 EUR. Der neue Ratzinger ist in ein bis zwei Wochen lieferbar.

Ähnliches Bild bei Ebay: Dort sind jetzt schon fast 500 Angebote unter dem Suchwort Ratzinger zu finden. Zum Teil werden abstruse Preise geboten.

Abebooks.de hat Ratzinger auf die Startseite gehoben. Preislich hat sich dort eher wenig getan. So mancher Antiquar wird heute wohl über seine Preisgestaltung nachdenken.

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Geistliche Pointe

Matussek bringt es wieder auf den Punkt:

„Der Heilige Geist hat sich da tatsächlich eine mächtige Pointe geleistet, den Papst ausgerechnet bei denen zu rekrutieren, die ihn am nötigsten haben: bei den Deutschen. Das Drama der Modernität begann schließlich in Deutschland, und es sind die Deutschen, die es am weitesten getrieben haben.

Bei uns wird der Glaube in der Öffentlichkeit am lautesten von denen diskutiert, die ihm längst den Rücken gekehrt haben. All diese Talkshow-Moderatoren möchten die unzeitgemäße Trutzburg aus Gebetstiefe, Kultur und Traditionen, die sie da verlassen haben, möglichst weit trivialisiert und modernisiert sehen. So weit, dass ihnen die untergründig verspürte Melancholie darüber vergeht, dass sie ihr nicht mehr angehören.

Sie wollen sie so trivial wie den Supermarkt an der Ecke, in den jeder latschen kann. So trivial wie sie selber sind. Deshalb reden sie, wenn sie vom Glauben reden, am liebsten von Priesterinnen, Kondomen, Kommunion für alle. Sie möchten nicht über die zehn Gebote reden, den sonntäglichen Kirchgang, die Sünde und die Beichte, den Rosenkranz, und wenn, dann nur mit anzüglichem Spott. Sie möchten das Angebot, das sie ausschlagen, gerne ohne jeden Wert.“

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Te Deum laudamus

Te Deum laudamus,
te Dominum confitemur.
Te aeternum Patrem omnis terra veneratur.
Tibi omnes angeli, tibi caeli et universae
potestates, tibi cherubim et seraphim
incessabili voce proclamant:
Sanctus, sanctus,
sanctus Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra
maiestatis gloriae tuae.

Te gloriosus Apostolorum chorus,
te prophetarum laudabilis numerus,
te martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum
sancta confitetur ecclesia.
Patrem immensae maiestatis;
venerandum tuum verum et unicum filium;
Sanctum quoque Paraclitum Spiritum.

Tu rex gloriae, Christe.
Tu Patris sempiternus es filius.

Tu, ad liberandum suscepturus hominem,
non horruisti virginis uterum.

Tu, devicto mortis aculeo,
aperuisti credentibus regna caelorum.

Tu ad dexteram Dei sedes
in gloria Patris.
Iudex crederis esse venturus.

Te ergo quaesumus, tuis famulis subveni,
quos pretioso sanguine redemisti.

Aeterna fac
cum sanctis tuis in gloria numerari.

Weißer Rauch?

Sieht im Augenblick ganz danach aus.

Update: Die Glocken läuten noch nicht. Und bei Spiegel Online wird von Unklarheiten berichtet, was die Interpretation der Farbe angeht.

Update 2: Jetzt ist von weißem Rauch die Rede.


Update 3: Um 18:04 beginnt die große Glocke zu schwingen. Auf dem Petersplatz bricht Jubel aus.

Zeitreise

Hätte mir im Oktober 1978 jemand erzählt, ich würde das nächste Konklave an einem Schreibtisch sitzend verfolgen, mit einem persönlichen Arbeitsplatzrechner ausgestattet, dessen Leistungsfähigkeit die Großrechner jener Jahre übertrifft, live im Blick den Petersplatz und den Kamin auf der Sixtinischen Kapelle mit Bewegtbildern, die über ein weltweites Computernetzwerk vermittelt werden – es hätte mich doch reichlich verwundert.