Der legendäre Dialog zwischen Joseph Kard. Ratzinger und Jürgen Habermas (Dokumentation) ist nun als schmales Bändchen (64 Seiten) zum Preis von 9,90 Euro bei Herder erschienen. Der Band trägt den an Horkheimer/Adorno gemahnenden Titel Dialektik der Säkularisierung.
Tierischer Geist
Haben Tiere ein Bewusstsein? Ein Sammelband, rezensiert in der SZ, liefert Erhellendes.
DOMINIK PERLER, MARKUS WILD (Hrsg.): Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 449 Seiten. 16 Euro.
Liturgisches Archiv
Das Archivum Liturgicum Sacrosantae Romanae Ecclesiae ist (wieder-)eröffnet.
Katholizität
„Die Katholizität drückt nicht nur eine horizontale Dimension aus, die gemeinsame Versammlung von zahlreichen Menschen; es drückt auch eine vertikale Dimension aus“, sagte Benedikt XVI. in seiner Homilie: „Nur indem wir den Blick auf Gott richten, nur indem wir uns für ihn öffnen, können wir wirklich eins werden.“
„Katholizität bedeutet Universalität – Vielfalt, die zur Einheit wird; Einheit, die dennoch Vielfalt bleibt“, erinnerte der Papst. Diese Einheit bedeute, dass die Menschen fähig sind, „über sich selbst hinauszuwachsen“, um auf Gott zu schauen. Die Einheit der Menschen sei möglich, weil Gott sich uns offenbart habe, „weil die wesentliche Wahrheit über unser Leben, über unser ‚Woher?’ und ‚Wohin’?’ sichtbar geworden ist, als Er sich uns gezeigt hat und uns in Jesus Christus sein Antlitz, sich selbst, schauen ließ.“
Diese Wahrheit führe uns zur Einheit. „Katholizität und Einheit gehören zusammen“, betonte Benedikt XVI. Die Einheit beinhalte „den Glauben, den die Apostel uns von Christus überliefert haben“. Charakteristikum der Kirche sei auch, dass sie „apostolisch“ sei. „Die Kirche ist apostolisch, weil sie den Glauben der Apostel bezeugt und versucht, ihn zu leben“, sagte der Papst.
Die Kirche sei auch „heilig“, sagte Benedikt XVI. „Die Kirche ist nicht von sich aus heilig; sie besteht vielmehr aus Sündern – wir wissen das und wir sehen es alle. Sie wird jedoch stets von Neuem durch die reinigende Liebe Christi geheiligt. Gott hat nicht nur gesprochen: Er hat uns sehr realistisch geliebt – bis hin zum Tod des eigenen Sohnes.“
kath.net fasst die Predigt von Papst Benedikt XVI. zum heutigen Hochfest zusammen.
Nominiert
Petras Beitrag zum Zölibat ist nominiert.
Nachtrag: Matthias‘ Schrift übrigens auch. (Danke, Petra!)
Schweigen
Das Schweigen meines Notizbuches hat, ähnlich wie Scipio es beschreibt, teils profane (Dienstreise), teils inhaltliche Gründe. Nach den großen Themen der letzten Monate – Papst und Protestantismus – ist nun erst einmal Ernüchterung eingekehrt. Ich werde jetzt wohl einfach etwas Handwerk abliefern, die angefangene Reihe fortsetzen, den einen oder anderen Faden aus dem Gemetzel der letzten Wochen noch einmal aufgreifen und schließlich in Sommerurlaub gehen…
Peter und Paul
Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen;
ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.
Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.
In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.
Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte
seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate;
ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.
Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.
Gal 11,1-18
Irenäus
Wie ist Gott und wie groß ist er, er, der alles in allem wirkt, der unsichtbar ist, der für die, die er geschaffen hat, mit Worten nicht zu fassen ist, der aber dennoch nicht unerkennbar ist! Die Menschen lernen alles durch sein Wort: daß e i n Gott ist, der Vater, der alles zusammenhält und allem das Sein gibt, wie der Herr gesagt hat: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“
Irenäus von Lyon (+ um 202): Aus dem Buch gegen die Irrlehren
Werner Bergengruen
Noch ein Konvertit: Der Schriftsteller Werner Bergengruen bekehrte sich 1936 zum katholischen Glauben. Ein Jahr später wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Der Deutschlandfunk rezensierte heute in der Sendung Politische Literatur das in diesem Jahr erschienene Buch Schriftstellerexistenz in der Diktatur. Der Text ist noch nicht online. Einstweilen können wir auf eine Rezension in der Welt zurückgreifen.
Nachtrag: Inzwischen ist die Rezension beim DLF nachzulesen. Auszug:
Bergengruen legt hier Rechenschaft ab über sein Tun und Denken zwischen 1933 und 1945. Aber vor allen Dingen ist sein Kompendium eine intellektuelle Positionsbestimmung vor und nach 1945. Er verortet sich außerhalb des NS-Regimes und außerhalb der NS-hörigen Literaturszene. Und von diesem Standort strikter Distanz aus liefert er erstaunliche Innenansichten. Dazu gehört seine Auseinandersetzung mit dem Nationalgefühl der Deutschen, das – wie er schreibt – „niemals in der Balance“ gewesen sei: spätestens seit 1918 immer hin und her gerissen zwischen „würdeloser Verleugnung“ und „überhitzter Gewaltsamkeit“, immer weitaus mehr der Heimat und dem Stamm ergeben als dem Staat. Im Bürgertum, und hier besonders im protestantischen Bürgertum, und seiner zur Schau gestellten Wohlanständigkeit sieht der 1936 zum Katholizismus konvertierte Bergengruen die Gesinnungslosigkeit wüten und den Urgrund für „alle Scheußlichkeiten des Dritten Reiches“. Über den Grund der Anziehungskraft des Nationalsozialismus auf die breite Masse notierte er 1945 eine Einschätzung, die durch die Debatte um Götz Alys Buch „Hitlers Volksstaat“ derzeit etwas aus dem Blick geraten ist:
Der Nationalsozialismus appellierte an den uralten Kinderwunsch der Menschen, die komplexe Vieldeutigkeit des Daseins, der sie sich nicht gewachsen fühlen, gelöst und alle Erscheinungen reinlich in Gut und Böse aufgehälftet zu sehen. Er gab einem jeden mit Ausnahme der schon durch Geburt verdammten Andersrassigen die Möglichkeit, sich bei dieser Aufhälftung auf die Seite des Guten zu stellen. Das heißt, er speiste ihn mit moralischer Genugtuung, an denen gemessen die verheißenen materiellen Vorteile vielleicht gering waren.
Revelation
“A revelation is not given, if there be no authority to decide what it is that is given.”
John Henry Newman, zitiert vom Pontificator

