Miegel/Biedenkopf

Kurt Biedenkopf hält heute in einem FAZ-Interview (1,50 EUR) fest, dass das demografische Problem nicht erst gestern entdeckt wurde:

„1977 habe ich, zusammen mit Meinhard Miegel, das ‚Institut für Wirtschaft und Gesellschaft‘ in Bonn gegründet. Wir waren überzeugt, dass die enormen Probleme, die sich schon damals auf unser Land zubewegten, wissenschaftlich untersucht und politisch bewusst gemacht werden mussten. Neben den Folgen des Geburtenrückgangs ging es uns um die Folgen der schnell ansteigenden Staatsverschuldung, der Fehlentwicklungen im Arbeitsmarkt und der expandierenden Ansprüche an das Sozialsystem. Für uns stand bereits Ende der siebziger Jahre fest, dass es angesichts der demografischen Entwicklung nicht möglich sein würde, das durch Umlage finanzierte Alterssicherungssystem beizubehalten.“ [Perlentaucher]

Und wir hatten Miegel/Biedenkopf bereits in den späten achtziger Jahren im Gemeinschaftskundeunterricht der Oberstufe. 25 Jahre bis zur Wahrnehmungsschwelle.

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Quelle

Ganz im Gegensatz zu vielen deutschen Zeitungen (aktuelles Beispiel siehe hier) trifft La Croix aus Paris ins Schwarze:

„Benedikt XVI. spricht anders zur Jugend als sein gewaltiger Vorgänger. Und Benedikt findet Worte, die Kardinal Ratzinger kaum benutzen konnte. Wesentliche Aussage: Die katholische Kirche ist jung! Aber es geht nicht nur darum, dass es der Kirche gelingt, alle zwei, drei Jahre die junge Generation der fünf Kontinente zu mobilisieren. Die Jugend kommt aus dem Glauben, der immer wieder neu aus Gottes Herzen entspringt. Diesen Glauben als frische Quelle zu entdecken und nicht als einen seit 2000 Jahren immer wieder aufgewärmten, modrigen Bodensatz, das ist das Ziel des 20. Weltjugendtages.“ [Deutschlandfunk/Presseschau]

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Bischöfin Huber

Amüsante Fehlleistung beim Deutschlandfunk:

Wolfgang Heuer: In Köln geht dieser Tage fast nichts mehr. Die Stadt ist voller junger Gläubiger, denn heute wird der Weltjugendtag eröffnet. 400.000 Jugendliche werden zunächst erwartet. Wenn der Papst kommt Ende der Woche, sollen es mindestens 800.000 sein. Was ist, was bedeutet dieses Ereignis eigentlich? Ist es ein christlicher Aufbruch junger Menschen, ein Zeichen der Hoffnung vielleicht nicht allein für die katholische, sondern auch für die evangelische Kirche? Am Telefon jetzt der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland. Guten Morgen Bischof Huber.

Christine Huber: Guten Morgen Frau Heuer.“

Mehr zum Huber-Interview später.

Stephan von Ungarn

„Stephan nahm die Krone nicht als Ehrung, sondern als Dienst an, und in allen Situationen suchte er immer das Wohl der ihm anvertrauten Gemeinschaft, sowohl durch die Organisation und Verteidigung des Reiches als auch durch den Erlaß neuer Gesetze und durch die Entfaltung der beiden Kulturen, der menschlichen und der göttlichen. König Stephan ließ sich in keiner Weise von der Faszination seiner eigenen Vorteile und Erfolge hinreißen. Nachdem er den Verlockungen seiner Zeit widerstanden hatte, fand er eine lebendige Quelle: Aus ihr schöpfte er und stärkte dadurch seinen Geist für die Leitung seines Volkes mit treuer Dienstbarkeit. Diese geistige Quelle wird von einem Schriftsteller kurz und treffend mit folgenden Worten zusammengefaßt:

»Er trat immer so auf, als befände er sich vor dem Gericht Christi, dessen Gegenwart er mit seinen inneren Augen und mit einem respektgebietenden Gesicht betrachtete; dadurch bewies er, Christus auf den Lippen, im Herzen und in all seinem Tun zu tragen«

(vgl. Legenda maior S. Stephani, c. 20; Scrittori della storia ungherese al tempo dei comandanti e dei re della stirpe Arpadiana, hrsg. von E. Szentpetery, I –II, Budapest 1937/1938, 11, 392).“ [Apostolisches Schreiben an die katholische Bevölkerung Ungarns zur Feier des „ungarischen Jahrtausends“, Iohannes Paul II., 25. Juli 2001]

Hiermit erhebe ich den heutigen Gedenktag zum Festtag für die deutschsprachige Blogozese.

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Blick nach Rom

Schon lustig, was so alles in den Kommentarspalten deutscher Tageszeitungen steht. Ein Beispiel aus der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung:

„Diese Form der globalen Gemeinschaft, die sich nun in Köln konzentriert, ist die große Chance der katholischen Kirche und zugleich die schwerste Herausforderung. Denn obwohl die katholischen Christen ihren Glauben unter sehr unterschiedlichen Bedingungen leben, richten sie alle ihren Blick bei den entscheidenden Fragen des Lebens auf Rom. Und von dort müssen Antworten kommen, die den kritischen Geist eines aufgeklärten Theologen ebenso befriedigen wie den naiven Kinderglauben von Millionen Gemeindegliedern.“ [Deutschlandfunk/Presseschau]

Alle Augen nach Rom? Schön wär’s. Als wenn dort ein absolutistischer Herrscher sitzen würde, von dessen Belieben die Antworten abhängen, die er gibt. Da liegt wohl ein einziges, großes Missverständnis vor.

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Legende

Eine Biografie, die sich mit theologischen Grundlagen befasst? Schenkt man der Rezension von Guido Heinen (in der Welt vom 13.08.) Glauben, so hat Alexander Kissler eine solche vorgelegt:

„Sein Blick auf die Kirche in Deutschland, die in einem protestantisch, von Spätausläufern des Kulturkampfes geprägten Land auf irritierende Weise als die der ‚besseren‘, papstkritischen Deutschen geriert, wird manchen schmerzen. Kisslers besondere Leistung liegt darin, daß er es nicht bei einer Draufsicht bewenden läßt, sondern tief in die theologischen Grundlagen Ratzingers eintaucht. Kissler entdeckt bei Ratzinger das Prinzip der ‚benediktinischen Ganzheitlichkeit‘ und leitet von da den Konflikt ab, in den er mit einer Universitätstheologie treten mußte, die jeden Bezug zum Dogma verloren zu haben scheint. Daß Ratzinger, Wissenschaftler auf höchstem Niveau, diese Kritik so leidenschaftlich wie treffend äußerte, mag den Wunsch, sich nicht mit ihm auseinanderzusetzen, verstärkt haben.

Umso erfrischender ist es zu lesen, wie mit der häufig verbreiteten Legende eines ‚frühen‘ und ’späten‘ Ratzingers, der angeblichen Wandlung von einem ‚guten‘ Konzilstheologen zu einem ‚bösen‘ Reaktionär, aufgeräumt wird. Ratzinger ist sich treu geblieben, seine Begriffe von Kirche, Volk Gottes, Gottesherrschaft sind heute keine anderen als vor vierzig Jahren. Er hat sich weiterentwickelt, sicher, aber Teile der Kirche haben eine Entwicklung durchgemacht, die die vom II. Vatikanum gelegten Grundlagen verdunkelt.“

Alexander Kissler: Der deutsche Papst. Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat. Herder, Freiburg. 192 S., 19,90 EUR.

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Nachtrag: Mehr dazu bei Scipio.

Luther und Maria

„Maria kann nicht genug gelobt werden.“ Dieser Satz stammt von keinem Geringeren als Dr. Martin Luther. Er fährt fort:

„Der Lobgesang Mariens dient dazu, von den großen Taten Gottes zu singen, zu stärken unseren Glauben, zu trösten alle Geringen.“

In seiner Auslegung des Magnificat (Lk 1,26ff.) hat Luther erläutert, wie rechte Marienverehrung aussieht:

„Wie muß man sagen zu Ihr? Sieh die Worte an, so lehren sie dich so sagen: O, du selige Jungfrau und Mutter Gottes, wie bist du so gar nichts, gering und verachtet gewesen, und Gott hat dich dennoch so überaus gnädig und reichlich angesehen und große Dinge in dir gewirkt. Du bist ja keines davon wert gewesen, und weit und hoch über all dein Verdienst hinaus ist die reiche, überschwengliche Gnade Gottes in dir. Oh, wohl dir; selig bist du von der Stunde an bis zur Ewigkeit, die du einen solchen Gott gefunden hast …“

Und der Evangelische Erwachsenenkatechismus (1975) schreibt:

„‚Maria gehört in das Evangelium …Sie wird als die beispielhafte Hörerin des Wortes Gottes gezeichnet, als die Magd des Herrn, die Ja zu Gottes Willen sagt, als die Begnadete, die aus sich selber nichts, durch Gottes Güte aber alles ist. Und so ist Maria das Urbild der Menschen, die sich Gott öffnen und beschenken lassen, der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche …'“ [KGI via Autobahnkirche]

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Bild ist Papst

Angesichts dieses Bildes macht sich der Haltungsturner Gedanken um die Professionalität der PR-Arbeit von Card. Meisner:

„Entweder der hat niemanden in seiner Umgebung mit rudimentären Befugnissen in Bezug auf Pressearbeit, oder er und sein Pressesprecher haben so überhaupt keine Ahnung von der Wirkung von Pressebildern, ihrer Emotionalität, ihrer Nachhaltigkeit, ihrer Chancen und Gefahren. Nur noch peinlich.“

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