Blick nach Rom

Schon lustig, was so alles in den Kommentarspalten deutscher Tageszeitungen steht. Ein Beispiel aus der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung:

„Diese Form der globalen Gemeinschaft, die sich nun in Köln konzentriert, ist die große Chance der katholischen Kirche und zugleich die schwerste Herausforderung. Denn obwohl die katholischen Christen ihren Glauben unter sehr unterschiedlichen Bedingungen leben, richten sie alle ihren Blick bei den entscheidenden Fragen des Lebens auf Rom. Und von dort müssen Antworten kommen, die den kritischen Geist eines aufgeklärten Theologen ebenso befriedigen wie den naiven Kinderglauben von Millionen Gemeindegliedern.“ [Deutschlandfunk/Presseschau]

Alle Augen nach Rom? Schön wär’s. Als wenn dort ein absolutistischer Herrscher sitzen würde, von dessen Belieben die Antworten abhängen, die er gibt. Da liegt wohl ein einziges, großes Missverständnis vor.

Technorati Tags: , , , , , , ,

Legende

Eine Biografie, die sich mit theologischen Grundlagen befasst? Schenkt man der Rezension von Guido Heinen (in der Welt vom 13.08.) Glauben, so hat Alexander Kissler eine solche vorgelegt:

„Sein Blick auf die Kirche in Deutschland, die in einem protestantisch, von Spätausläufern des Kulturkampfes geprägten Land auf irritierende Weise als die der ‚besseren‘, papstkritischen Deutschen geriert, wird manchen schmerzen. Kisslers besondere Leistung liegt darin, daß er es nicht bei einer Draufsicht bewenden läßt, sondern tief in die theologischen Grundlagen Ratzingers eintaucht. Kissler entdeckt bei Ratzinger das Prinzip der ‚benediktinischen Ganzheitlichkeit‘ und leitet von da den Konflikt ab, in den er mit einer Universitätstheologie treten mußte, die jeden Bezug zum Dogma verloren zu haben scheint. Daß Ratzinger, Wissenschaftler auf höchstem Niveau, diese Kritik so leidenschaftlich wie treffend äußerte, mag den Wunsch, sich nicht mit ihm auseinanderzusetzen, verstärkt haben.

Umso erfrischender ist es zu lesen, wie mit der häufig verbreiteten Legende eines ‚frühen‘ und ’späten‘ Ratzingers, der angeblichen Wandlung von einem ‚guten‘ Konzilstheologen zu einem ‚bösen‘ Reaktionär, aufgeräumt wird. Ratzinger ist sich treu geblieben, seine Begriffe von Kirche, Volk Gottes, Gottesherrschaft sind heute keine anderen als vor vierzig Jahren. Er hat sich weiterentwickelt, sicher, aber Teile der Kirche haben eine Entwicklung durchgemacht, die die vom II. Vatikanum gelegten Grundlagen verdunkelt.“

Alexander Kissler: Der deutsche Papst. Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat. Herder, Freiburg. 192 S., 19,90 EUR.

Technorati Tags: , , , ,

Nachtrag: Mehr dazu bei Scipio.

Luther und Maria

„Maria kann nicht genug gelobt werden.“ Dieser Satz stammt von keinem Geringeren als Dr. Martin Luther. Er fährt fort:

„Der Lobgesang Mariens dient dazu, von den großen Taten Gottes zu singen, zu stärken unseren Glauben, zu trösten alle Geringen.“

In seiner Auslegung des Magnificat (Lk 1,26ff.) hat Luther erläutert, wie rechte Marienverehrung aussieht:

„Wie muß man sagen zu Ihr? Sieh die Worte an, so lehren sie dich so sagen: O, du selige Jungfrau und Mutter Gottes, wie bist du so gar nichts, gering und verachtet gewesen, und Gott hat dich dennoch so überaus gnädig und reichlich angesehen und große Dinge in dir gewirkt. Du bist ja keines davon wert gewesen, und weit und hoch über all dein Verdienst hinaus ist die reiche, überschwengliche Gnade Gottes in dir. Oh, wohl dir; selig bist du von der Stunde an bis zur Ewigkeit, die du einen solchen Gott gefunden hast …“

Und der Evangelische Erwachsenenkatechismus (1975) schreibt:

„‚Maria gehört in das Evangelium …Sie wird als die beispielhafte Hörerin des Wortes Gottes gezeichnet, als die Magd des Herrn, die Ja zu Gottes Willen sagt, als die Begnadete, die aus sich selber nichts, durch Gottes Güte aber alles ist. Und so ist Maria das Urbild der Menschen, die sich Gott öffnen und beschenken lassen, der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche …'“ [KGI via Autobahnkirche]

Technorati Tags: ,

Bild ist Papst

Angesichts dieses Bildes macht sich der Haltungsturner Gedanken um die Professionalität der PR-Arbeit von Card. Meisner:

„Entweder der hat niemanden in seiner Umgebung mit rudimentären Befugnissen in Bezug auf Pressearbeit, oder er und sein Pressesprecher haben so überhaupt keine Ahnung von der Wirkung von Pressebildern, ihrer Emotionalität, ihrer Nachhaltigkeit, ihrer Chancen und Gefahren. Nur noch peinlich.“

Technorati Tags: , , , , ,

taz

Die kleinste meinungsbildende Zeitung bemüht das Klischee von den „liberalen“ Jugendlichen und der „konservativen“ Kirche:

„Ratzinger jedenfalls fehlt wie Meisner jede Gelassenheit bei dem Thema – er soll im vertrauten Kreis angesichts der Kondomwiese des Weltjugendtages gesagt haben: ‚Die brauchen wir nicht, diese Jugendlichen.‘ Dennoch reist er nun nach Köln, um sich wie sein Vorgänger und Idol von genau solchen Jugendlichen feiern zu lassen. (…) So winkt Benedikt XVI. Menschen zu, denen er eher nicht traut. Die Menschen winken einem Papst zu, dem sie selten folgen. Der Weltjugendtag ist auch eine verlogene, leicht zynische Veranstaltung. Und einen Hauch Tragikomik hat er auch. Das Ganze hat etwas von einem großen Missverständnis.“

Und ähnlich hart am Thema vorbei schrammt Jan Feddersen im gleichen Blatt:

„Papst Benedikt XVI. sollte sich trotzdem nicht zu viel versprechen: Er ist der Boss einer in Afrika, Asien und Lateinamerika prosperierenden Psychowellnessagentur – der sein Angebot freilich nicht überspannen darf, schon, um nicht als vollständig weltfremd zu gelten, verschroben und uncool.“ [via Perlentaucher]

Technorati Tags: , , , ,

Selig


Als er das sagte, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.
Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
Lk 11, 27-28

Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Am 1. November 1950 hat Pius XII. die Lehre, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet und damit die seit alters her vorhandene christliche Glaubensüberzeugung endgültig bestätigt. Das Fest „Mariä Himmelfahrt“, richtiger das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, ist in der Ostkirche bald nach dem Konzil von Ephesus (431) aufgekommen. Von Kaiser Mauritius (582-602) wurde der 15. August als staatlicher Feiertag anerkannt. In der römischen Kirche wird das Fest seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.

Das Dogma
„Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“ (Pius XII.)

Schott

Medienpräsenz

Nicht zuletzt der Weltjugendtag trägt dazu bei, dass die Wochenendausgabe der FAZ von katholischen Themen voll ist. Den Anfang macht lustigerweise ein Leserbrief von Klaus Berger, der auf Wolfgang Huber wie folgt antwortet:

Grotesk sind die Urteile Hubers über meine ökumenische Ahnungslosigkeit. Daß ich vor 1962 katholische Theologie studiert hätte und deswegen irgendwie unpassend dächte, trifft nicht zu. Das Attribut „vorkonziliarer Eiferer“, das Huber mir schon vor Monaten brieflich verlieh, betrachte ich angesichts dessen, was Huber darunter versteht, als Auszeichnung. […] Im übrigen freue ich mich über wachsende Übereinstimmung mit Bischof Huber. Gegen katholische Dauernörgler hat er jüngst als einziger den Papst verteidigt.

Der demnächst in Köln weilende Papst, seine Sicherheit und die der übrigen Pilger geben Anlass für vier Spalten auf der Seite Deutschland und die Welt. Direkt darunter Teil 1 einer Reihe von Reportagen zum Weltjugendtag, diesmal über die Ankunft französischer Jugendlicher in Rechtmehring. Im Wirtschaftsteil widmet sich die Seite Menschen und Wirtschaft dem klammen Bistum Aachen und den Sanierungsanstrengungen dort. Das Feuilleton beginnt mit einer launigen Vorschau auf die Wege des Papstes in Köln („Papa ante portas“).

Der Hammer ist jedoch ein Text von Andrzej Stasiuk, der auf einer ganzen Seite über den ersten Besuch von Johannes Paul II. in Polen schreibt:

Dann, spät in der Nacht, gingen wir auf den Schloßplatz, wo Tausende Menschen ihr Lager aufgeschlagen hatten, um am anderen Morgen an der Messe teilzunehmen. Wir hatten Decken oder Schlafsäcke dabei. Ich erinnere mich, daß das Pflaster noch immer warm war, es faßte sich glatt und warm an wie ein lebendiger Körper oder der erhitzte Panzer eines vorsintflutlichen Lebewesens. Tausende Menschen lagen und saßen da, berührten sich. Ich lehnte die Kopf an jemandes Brust. Manche schliefen schon, andere schmiegten sich an ihre Gefährten, suchten Schutz vor der Kälte der Nacht. Ich frage mich, wie wir wohl von oben, aus der Höhe, vom Himmel ausgesehen haben mögen. Wahrscheinlich wie ein heidnisches, ungeordnetes Leiberknäuel, wie die mittelalterliche Vision des Letzten Gerichts, der Höllenstrafe. Die meisten von uns ließen sich von der ruhigen Atemzügen und dem Schnarchen auf dem Platz in den Schlaf wiegen. Diese schlafende Masse im Herzen der Stadt war das Vertrauen selbst. Wir schliefen wie unschuldige Kinder, überzeugt, daß uns nichts zustoßen könne, denn über uns wachte eine gute Macht.

Was der polnische Papst für sein Land bedeutet, zeigt sich auch in diesen Zeilen. Nun kommt ein deutscher Papst auf seiner ersten Reise außerhalb Italiens nach Deutschland und trifft ausgerechnet dort die Jugend der Welt. Was hat der Heilige Geist sich dabei bloß gedacht?

Welche Veränderungen werden von diesem Weltjugendtag ausgehen? Welche eisernen Vorhänge geraten jetzt womöglich ins Wanken? Wird dieses müde, seiner selbst überdrüssige Land dadurch anders? Im September haben wir die Wahl zwischen dem ersten Kanzler, der seinen Amtseid ohne die Formel „So wahr mir Gott helfe“ sprach, und einer geschiedenen Protestantin mit Guido Westerwelle im Gepäck.

Technorati Tags: , , , , , ,