Weißer Rauch?

Sieht im Augenblick ganz danach aus.

Update: Die Glocken läuten noch nicht. Und bei Spiegel Online wird von Unklarheiten berichtet, was die Interpretation der Farbe angeht.

Update 2: Jetzt ist von weißem Rauch die Rede.


Update 3: Um 18:04 beginnt die große Glocke zu schwingen. Auf dem Petersplatz bricht Jubel aus.

Zeitreise

Hätte mir im Oktober 1978 jemand erzählt, ich würde das nächste Konklave an einem Schreibtisch sitzend verfolgen, mit einem persönlichen Arbeitsplatzrechner ausgestattet, dessen Leistungsfähigkeit die Großrechner jener Jahre übertrifft, live im Blick den Petersplatz und den Kamin auf der Sixtinischen Kapelle mit Bewegtbildern, die über ein weltweites Computernetzwerk vermittelt werden – es hätte mich doch reichlich verwundert.

Zeit des Wartens

Die römische Zeitung La Stampa schreibt:

„Dies ist die Zeit des Wartens – eine Erfahrung, die das wahre Herz der Kirche zeigt, ihre Verschiedenheit von den politischen Institutionen offenbart. (…) Auf der anderen Seite spricht man von Allianzen und Unterstützung, davon, Kandidaten nicht zu verbrennen, um sie im zweiten Wahlgang unverbraucht und unschuldig zu präsentieren. Der Heilige Geist bedient sich, so heißt es, menschlicher Mittel. Manchmal auch allzu menschlicher. ( …) Man wird warten müssen. Die Kirche hat auf ihrem Weg keine Eile.“

[via FTD]

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Apostolic Boldness

Eine katholische Analyse erklärt, warum Ratzinger ein großartiger Papst wäre:

„Ratzinger is not a fearful conservative. In fact, what Ratzinger proposes for the Church is an apostolic boldness in the face of secularism, indifference, and moral chaos that builds on the foundations laid by John Paul the Great. A Ratzinger papacy would boldly engage the modern world on any intellectual or philosophical battlefield proposed. And on that battlefield, a Pope Ratzinger, combining his tremendous charisms of intellect and faith, would stun an indifferent world with the Truth. Ratzinger would not be afraid. Ratzinger would put out into the deep and let down his nets for a catch. He will not conform. Like John Paul the Great, Ratzinger would be a voice of reason and sanity prophetically calling the world to conversion.“

Hätte ich auch nicht von mir gedacht, dass ich einmal so viel Gutes über Joseph Ratzinger schreiben und zitieren würde.

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Drewermann

So klingt es, wenn der Kranke dem Arzt die Therapie vorschlägt:

„Ich stelle mir die Religion von morgen so vor, dass sie psychologisch integrativ ist, also die psychoanalytische Aufklärung nacharbeitet, die Integration des Unbewussten, dass sie integrativ kulturell ist, den Dialog mit den Religionen, vor allem Buddhismus, Hinduismus, Islam, enorm verstärkt und dass sie integrativ ökologisch ist, dass sie das Thema der Umwelt, der Schutz der Tiere mit einer ganz neuen, in der katholischen Kirche nie gewesenen Ethik nacharbeitet. Dann kann der Papst im Grunde sein, wie er will, wenn er diesen Zielsetzungen einer Religiosität von morgen entsprechend wäre.“

Eugen Drewermann heute morgen im Interview mit dem Deutschlandfunk. Ganz großes Kino.

Confiteor: Ich habe Kleriker (bei Amazon jetzt ab 2 EUR) gelesen, und nicht ohne Gewinn. Was aber reitet einen Menschen, der Kirche ihre Selbstabschaffung vorzuschlagen? Es fällt mir schwer, jemanden mit solchen Thesen noch ernst zu nehmen.

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Bürde

Aus der ganzen Welt nimmt man seine Zuflucht zum Stuhl des heiligen Petrus, und alle erwarten von unserer Verwaltung des Hohenpriesteramtes dieselbe Liebe zur gesamten Kirche, wie sie dem Petrus vom Herrn ins Herz gelegt wurde. Da fühlen wir die Bürde um so schwerer auf uns lasten, je Größeres wir allen schulden.
Wie können wir also bei solch begründeter Besorgnis mit solchem Vertrauen an die Ausführung unserer Aufgabe gehen, wenn nicht er ohne Schlummer und Schlaf wäre, der über Israel wacht und zu seinen Jüngern spricht: „Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, wenn sich nicht er, den man zwar nicht sieht, wohl aber in seinem Innern fühlt, sich dazu herabließe, der Hüter seiner Schafe und der Hirt der Hirten selbst zu sein.
Leo der Große: Aus einer Predigt über die Bürde des Petrusamtes

Gelernter Katholik

Der Papst wirkt. Oder doch der Heilige Geist? So scheint es jedenfalls, schaut man auf die vorsichtigen Reflexionen von Thomas E. Schmidt in der Zeit der vergangenen Woche:

»Man hat gern Gewissheit, man möchte gern, dass der Papst in Glaubenssachen unfehlbar sei und dass die ehrwürdigen Doktoren es in Sittlichkeitsfragen seien, damit man seine Sicherheit hat«, schrieb Blaise Pascal. Auch das 17. Jahrhundert nahm den Papst als Figur der weltlichen Beruhigung in Beschlag, als Wahrheitsonkel und Moralopa. Den kann man auch gut finden, wenn einem das Christliche ansonsten zu anstrengend ist.

Jemand wie ich, der zwar gelernter Katholik ist, sich heute aber eher als einen liberalen Ironiker bezeichnen würde, schreckt daher auch nicht so sehr bei der öffentlichen Wallung der Gefühle auf, sondern durch die Bewegung, die der Papst in meinem Inneren auslöste. Wäre es möglich, dass da noch etwas auf mich wartet, jenseits der überschaubaren Ordnung der Dinge, in der ich mich eingerichtet habe? Und was könnte das sein, etwas Gutes oder doch etwas Ungutes? Meine Illusion der Beruhigung im Sinne Pascals besteht in der Überzeugung, dass wir bei der Lösung unserer Probleme nicht notwendigerweise auf die Empfehlungen einer Religion Rücksicht nehmen müssen – es aus historischen Erfahrungen vielleicht auch gar nicht tun sollten. Davon unberührt bleibt der Satz, dass jeder nach seiner Façon selig werden kann.

Und weiter:

Wenn sich die richtige oder die falsche Haltung zum Religiösen kaum mehr ausmachen lässt, bröselt dann auch die Trennung zwischen liberalem Ironiker und potenziellem Katholiken in einem selbst? Das Gleichgewicht, das man zwischen Weltzugewandtheit und religiöser Vorprägung für sich hergestellt hat, muss ja nicht für alle Ewigkeit bestehen. »Wenn unsere Lage wirklich glücklich wäre«, schreibt Pascal, »müssten wir unsere Gedanken nicht durch Zerstreuungen davon ablenken, um uns glücklich zu machen.«

Interessant, sich vorzustellen, was passieren würde, falls man die Priorität wirklich änderte. Es begänne ein schmerzlicher Prozess. In Pascals Augen ist unser Glück nur Schein, aber wir klammern uns verzweifelt an das eingebildete Glück. Keiner weiß, wofür wir es eintauschten, wenn wir es aufgäben. Für den eingefleischten Ironiker ist das keine sinnvolle Spekulation. Immerhin das muss er zugestehen: Alle Versuche, das Religiöse ohne Leidenschaft und Drama ins Leben einzufädeln, haben mit echtem Glauben nichts zu tun. Sie dämpfen nur vorauseilend dessen Energien.

Kaum erwähnenswert unter diesen Möglichkeiten ist die kuschelweiche Spiritualität, die sich heute am Papst aufrichtet und morgen wieder am Dalai Lama. Feige ist im Grunde auch die Begeisterung für die Grandeur der katholischen Inszenierung. Mag die Kirche als Felsen in der Brandung einer als quälend empfundenen Moderne Trost spenden – der Kulturkonservatismus hat mit Christus letztlich nichts zu tun. Und ebenso verdruckst sind die Versuche, einen kleinsten gemeinsamen Nenner unter den monotheistischen Religionen auszumachen, ähnlich wie in Lessings Ringparabel. Am Ende soll damit nur eine universalistische Moralphilosophie historisch beglaubigt werden: unironische Restmetaphysik.

Das sind die Antworten der anderen, an denen ich mich abarbeite. Der strenge Pascal würde diese zaghafte Einkreisung des Zentrums schnell als Ausweichmanöver entzaubern. Er sagt: »Das Herz und nicht die Vernunft nimmt Gott wahr. Das heißt glauben. Gott ist dem Herzen und nicht der Vernunft wahrnehmbar.« Aber was genau ist das Herz? Der Lohn, den ich erhalte, wenn ich den Sprung wage, oder der Antrieb meiner Gedankenbewegung? Ich denke in kleiner werdenden Kreisen.

Bemerkenswert. Ich war noch vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation. Damals nannte ich mich „praktizierender Gelegenheitskatholik und Kirchensteuerzahler“. Seitdem ist eine Menge passiert.

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Verantwortung

Welche Rolle spielt der Heilige Geist im Konklave? Dazu schreibt der National Catholic Reporter:

„Joseph Ratzinger […] was asked on Bavarian television in 1997 if the Holy Spirit is responsible for who gets elected pope, and this was his response:

“I would not say so, in the sense that the Holy Spirit picks out the pope. … I would say that the Spirit does not exactly take control of the affair, but rather like a good educator, as it were, leaves us much space, much freedom, without entirely abandoning us. Thus the Spirit’s role should be understood in a much more elastic sense, not that he dictates the candidate for whom one must vote. Probably the only assurance he offers is that the thing cannot be totally ruined.”

Then the clincher: “There are too many contrary instances of popes the Holy Spirit would obviously not have picked.”“

[via Against the Grain/Ratzingerfanclub.com]

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