Eltern stärken

Die Welt rechnet mit dem Koalitionsvertrag ab, den Gerhard Schröder nach eigener Aussage ebenso wenig lesen wird wie den vorigen. Schlusskapitel:

„Unsere Familienpolitik“, erklären die Vertragsparteien, „geht davon aus, daß Eltern in ihrer primären Erziehungsverantwortung gestärkt werden müssen. Das bedeutet“, geht es dann weiter, „daß insbesondere für Familien mit sozialen Risiken Angebote entwickelt werden, die den Kindern bessere Bildungschancen und Müttern und Vätern grundlegende Kompetenzen vermitteln.“ Eben das bedeutet es natürlich nicht; es bedeutet das Gegenteil, Subsidiarität nämlich, Vorrang der kleinen vor der größeren Gemeinschaft. So steht es auch im Grundgesetz, das Pflege und Erziehung der Kinder zur Aufgabe der Eltern, nicht des Staates macht. Aber warum soll das Grundgesetz zugunsten der Familie bewirken, was es zugunsten des Etats nicht mehr vermag? Wer es Ernst meint mit der „primären“ Verantwortung, hätte den Eltern zunächst einmal das zu lassen, was sie brauchen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden, Zeit also und Geld. Beides fehlt den Familien allerdings bis heute, entgegen der Verfassung.

Menschlich will dieser Staat sein; und eben das macht ihn verdächtig. Schon in der Überschrift bekennt er sich zur Menschlichkeit, im Text folgt später das Gelöbnis, seine Politik an dem Ziel auszurichten, „den Wert jedes Menschen zu stärken und zu schützen“. Was kann, was sollte daran falsch sein? So gut wie alles. Die Antwort hat bereits Dolf Sternberger gegeben, als er, gewissen Bedenklichkeiten zum Trotz, Begriffe wie „Mensch“, „Menschen“ und „Menschlichkeit“ ins Wörterbuch des Unmenschen aufnahm. Das müsse sein, meinte er, „weil der Unmensch selber die Menschen, das Menschliche und die Menschlichkeit seinem Vokabular einverleibt hat, weil er selber diese Wörter in den Mund genommen hat und sie tagtäglich fleißig in den Mund nimmt“. Die öffentliche Innigkeit, die mit solchen Wörtern bezeugt werde, sei das Gegenteil von Achtung vor der Menschenwürde und der Autonomie der Freiheit. Im Munde der Obrigkeit bezeichne das Wort „Menschen“ Abhängige und Unfreie. Damals schon. Er schrieb dies 1967. [Perlentaucher]

Antiphonen der Messe

Mal ein liturgisches Thema. Confessions of a Recovering Choir Director („A 30 year-old church music director for hire documents the authentic renewal of the Latin Rite liturgy, etc. Since 2002.07.19.“) fragt:

„When was the last time you heard a priest or deacon incorporate the proper antiphons of the day – not ‚opening hymns‘, etc., but the liturgically prescribed Introit, Gradual, Alleluia/Tract, Offertory, and Communion – into a Sunday or feastday homily?“

Hmm. Never?

Heute in der Lesehore

Zum Gedenktag der hl. Margareta von Schottland bietet die Lesehore heute einen Auszug aus Gaudium et Spes. Ich zitiere aus aktuellem Anlass die unmittelbar vorausgehende Textpassage und den Anfang der heutigen Lesung.

47. Das Wohl der Person sowie der menschlichen und christlichen Gesellschaft ist zuinnerst mit einem Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden. Darum begrüßen die Christen zusammen mit allen, welche diese Gemeinschaft hochschätzen, aufrichtig all die verschiedenen Hilfen, mittels derer man heute in der Förderung dieser Gemeinschaft der Liebe und im Schutz des Lebens vorwärtskommt und Gatten und Eltern bei ihrer großen Aufgabe unterstützt werden. Die Christen hoffen von daher auf noch bessere Resultate und suchen dazu beizutragen.

Jedoch nicht überall erscheint die Würde dieser Institution in gleicher Klarheit. Polygamie, um sich greifende Ehescheidung, sogenannte freie Liebe und andere Entartungen entstellen diese Würde. Darüber hinaus wird die eheliche Liebe öfters durch Egoismus, bloße Genußsucht und durch unerlaubte Praktiken gegen die Fruchtbarkeit der Ehe entweiht. Außerdem tragen die heutigen wirtschaftlichen, sozialpsychologischen und staatlichen Verhältnisse erhebliche Störungen in die Familie hinein. Schließlich werden in manchen Teilen der Welt die Probleme der Bevölkerungszunahme mit Besorgnis registriert.

Durch all dies wird das Gewissen der Menschen beunruhigt. Andererseits zeigen sich Bedeutung und Stärke von Ehe und Familie als Institution gerade dadurch, daß sogar die tiefgreifenden Veränderungen der heutigen Gesellschaft trotz aller daraus entstehenden Schwierigkeiten sehr oft die wahre Eigenart dieser Institution in der verschiedensten Weise deutlich werden lassen. Darum will das Konzil durch besondere Hervorhebung bestimmter Hauptpunkte der kirchlichen Lehre die Christen und alle jene Menschen belehren und bestärken, die die ursprüngliche Würde der Ehe und ihren hohen und heiligen Wert zu schützen und zu fördern suchen.

Die Heiligkeit von Ehe und Familie

48. Die innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in der Ehe, vom Schöpfer begründet und mit eigenen Gesetzen geschützt, wird durch den Ehebund, d. h. durch ein unwiderrufliches personales Einverständnis, gestiftet. So entsteht durch den personal freien Akt, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen, eine nach göttlicher Ordnung feste Institution, und zwar auch gegenüber der Gesellschaft.

Dieses heilige Band unterliegt im Hinblick auf das Wohl der Gatten und der Nachkommenschaft sowie auf das Wohl der Gesellschaft nicht mehr menschlicher Willkür. Gott selbst ist Urheber der Ehe, die mit verschiedenen Gütern und Zielen ausgestattet ist; sie alle sind von größter Bedeutung für den Fortbestand der Menschheit, für den persönlichen Fortschritt der einzelnen Familienmitglieder und ihr ewiges Heil; für die Würde, die Festigkeit, den Frieden und das Wohlergehen der Familie selbst und der ganzen menschlichen Gesellschaft.

Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institutionen der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung. Darum gewähren sich Mann und Frau, die im Ehebund nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch (Mt 19,6), in inniger Verbundenheit der Personen und ihres Tuns gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst und erfahren und vollziehen dadurch immer mehr und voller das eigentliche Wesen ihrer Einheit. Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sichschenken zweier Personen wie auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern ihre unauflösliche Einheit.

Albertus Magnus

Mitte der Schöpfung

„Der Mensch steht in der Mitte der Schöpfung, zwischen Stoff und Geist; zwischen Zeit und Ewigkeit.“

„Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.“

„Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild umgestaltet.“

„O Herr, ich wollte, ich wäre ein Mensch nach deinem allerliebsten Willen.“ (Sätze von Albert d. Gr.)

Nachtrag: Heute erinnert der Deutschlandfunk an Albertus Magnus. [MP3]

Breaking News

Mit drastischen Worte kommentiert der Herr durch den Mund seines Propheten eine der jüngsten Debatten in der Blogozese:

Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig.
Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren.
[Ez 18,25-27, aus der gestrigenheutigen ersten Lesung der Lesehore]

Verunsichert über ihren Auftrag

Reinhard Höppner, vormals Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und neuer Präsident des Evangelischen Kirchentages, der 2007 in Köln stattfinden wird, im Interview der Woche des Deutschlandfunks:

„Breker: Die evangelische Kirche steht, wie vieles in dieser Gesellschaft, unter Sparzwang. Die gerade beendete Synode hat nochmal gezeigt, dass mit Kirchensteuer-Mindereinnahmen zu rechnen ist, nicht nur in diesem Jahr, auch im nächsten Jahr. Der Trend wird anhalten. Nachlassender Zuspruch für die Kirche – ist das auch gleichbedeutend für die nachlassende Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft?

Höppner: Zunächst bin ich nicht sicher, ob es wirklich nachlassender Zuspruch zur Kirche ist. Im Osten Deutschlands kann man es jedenfalls nicht sagen, da ist es mindestens konstant. Es sind nachlassende Einnahmen. Und möglicherweise ist es auch ein Bedeutungsverlust in der Gesellschaft, die ja immer pluralistischer und säkularisierter wird, was die gesellschaftlichen Mechanismen anbetrifft. Und möglicherweise drückt die Kirche mehr dieser Bedeutungsverlust als der Einnahmeverlust der Finanzen. Man redet natürlich jetzt vor allen Dingen über die Finanzen. Ich vermute, des Pudels Kern steckt ein bisschen tiefer. Die Kirche ist selber ein bisschen verunsichert über ihren Auftrag, über ihre Funktion in dieser sich rasant verändernden Gesellschaft. Das ist das größere Problem. Die Finanzprobleme ließen sich schon lösen. […]

Und vielleicht ist die Kirche auch selber nicht so richtig davon überzeugt, dass sie jungen Leuten in ihrer durchaus schwierigen Situation, in der sie derzeit sind, irgend etwas wirklich Wegweisendes zu sagen hat. Ich bedaure das, weil ich glaube, wir haben viel zu sagen. Aber die Gewissheit ist bei der Kirche offenbar nicht so verbreitet, dass es so ansteckend wird.“

Verschlechterung der Abtreibungsversorgung

„Hanau
Stationäre Abtreibungen künftig ausgeschlossen?

13. November 2005 Eine deutliche Verschlechterung der Versorgung für Frauen in Hanau befürchten die praktizierenden Gynäkologen in der Stadt und der Umgebung nach der Zusammenlegung des Klinikums Hanau mit dem katholischen St.-Vincenz-Krankenhaus.“ [FAZ]

Trügerisch ist Anmut

Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.
Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn.
Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.
Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen.
Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.
Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände den Armen.
Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit; nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.
Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben.
Spr 31, 10-13.19-20.30-31 (Erste Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)