Deutschland hat eine Staatsreligion

Die Formulierung mag überraschen, aber es ist die Summe aus den Ereignissen der letzten Wochen. Das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland ist neu definiert worden. Das Christentum ist nun die Religion einer unterdrückten und in mehrere Gruppen gespaltenen Minderheit, während die Mehrheit sich eine Zivilreligion gegeben hat, deren oberste Sachwalterin zugleich Kanzlerin ist.

Wer wie Bischof Richard Williamson den Massenmord an den Juden oder jedenfalls die Existenz von Gaskammern leugnet, stellt damit nach Ansicht von Eckhard Fuhr den zentralen Bezugspunkt der westlichen Zivilreligion infrage. Diese ist auch nach Auffassung meines Altbischofs das Fundament der Europäischen Union.

Die Anerkennung des Holocaust ist nach Ansicht des emeritierten Hildesheimer Bischofs Josef Homeyer die Eintrittskarte nach Europa. Daher sei die Europäische Union (EU) auch eine Antwort auf die „tragische Geschichte dieses Kontinents“ so Homeyer bei einer Tagung in Potsdam „Europas zukünftige Identität“. Für Juden war noch 1825 die Taufe das „Entreebillet“ nach Europa, wie Heinrich Heine damals schrieb. Eine ironische Wendung der Geschichte habe aber dazu geführt, dass heute die Vernichtung der Juden die einschlägige europäische Bezugsgröße geworden sei, so Homeyer. Dass sich die Präsidenten von Polen und Rumänien zur Mitschuld ihrer Länder an der Judenvernichtung bekannten, habe deren Beitritt zur EU erleichtert.

Noch deutlicher wird Stephan Detjen in seinem Kommentar [via]:

Eine Bundeskanzlerin, die das Gedenken an den Holocaust zu einem Bestandteil deutscher Staatsräson erklärt, darf sich selbstverständlich dazu äußern, wenn der Papst einen notorischen Holocaust-Leugner und Antisemiten auf spektakuläre Weise in seine Kirche re-integriert. […]

Im Fall Williamson ergibt sich eine zusätzliche Verbindung zur deutschen Staatsgewalt, weil der reaktionäre Bischof seine jüngsten Äußerungen, in denen er den Holocaust leugnete, ausgerechnet auf deutschem Boden tat. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen ihn. Die Kanzlerin bewegt sich mit ihrer Papst-Kritik indes auf einer ganz anderen Ebene. Sie liegt jenseits von Recht und Politik. Es ist die Sphäre der Zivilreligion, zu der sich die Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden im Nachkriegsdeutschland ausgeprägt hat.

Merkels Redewendung vom Holocaust als Teil der Staatsräson ist der Versuch, die Kultivierung und Dogmatisierung historischer Erinnerung in die Sprache der Politik zu übersetzen. Im Strafrecht findet die zivilreligiöse Qualität des Holocaust-Gedenkens ihren Ausdruck in der einzigartigen Kriminalisierung einer historisch unwahren Tatsachenbehauptung. Über vieles lässt sich in unserem Land verhandeln: Die plurale und multiethnische Gesellschaft integriert Menschen aller Hautfarben, Weltanschauungen und Religionen. Antisemitismus und Versuche, nationalsozialistische Verbrecher zu rehabilitieren aber liegen jenseits einer absoluten Grenze. Hier haben Toleranz und Diskursbereitschaft ein Ende, hier steht das zur Disposition, was den Kern kollektiver Identität der Nachkriegsdeutschen ausmacht. Es geht deshalb in der Debatte um die Papst-Kritik Merkels nicht allein um rational begründbare Formen des Umgangs miteinander.

Genau das macht die Auseinandersetzung zwischen Benedikt und Merkel so pikant: Der absolutistische Herrscher der Kirche trifft auf die Hohepriesterin der Zivilreligion.

Hier wird die Grenzüberschreitung Merkels deutlich sichtbar, auch wenn Detjen dies gar nicht zu erkennen scheint. Die Kanzlerin hat sich in einer Glaubensfrage über den Papst gestellt und verdient deshalb die Bezeichnung Hohepriesterin völlig zu Recht.

Welche Folgen es für das Christentum hat, wenn Auschwitz zur Zivilreligion erhoben wird, bringt Claude Lanzmann auf den Punkt:

Wenn Auschwitz etwas anderes ist als ein Schrecken der Geschichte, wenn es sich der ‘Banalität des Bösen’ entzieht, dann erbebt das Christentum in seinen Grundfesten. Christus ist der Sohn Gottes, der bis zum Ende des Menschenmöglichen gegangen ist, wo er die entsetzlichen Leiden erduldet hat … Wenn Auschwitz wahr ist, gibt es ein menschliches Leiden, das sich mit jenem Christi überhaupt nicht auf eine Stufe stellen läßt … In diesem Fall ist Christus falsch, und nicht von ihm wird das Heil kommen. Fanatismus des Leidens! Wenn nun Auschwitz weitaus extremer als die Apokalypse ist, weitaus schreckerregender als das, was der Johannes in der Apokalypse erzählt (denn die Apokalypse ist beschreibbar und gemahnt sogar an ein großes, hollywoodähnliches Spektakel, während Auschwitz unaussprechbar und undarstellbar ist), dann ist das Buch der Apokalypse falsch, und das Evangelium desgleichen. Auschwitz ist die Widerlegung Christi.

(Aus: Claude Lanzmann, Les Temps modernes, Paris, Dez. 1993, Seite 132,133. – Zitiert nach: http://www.kreuzforum.net/showthread.php?tid=2383) [via]

Und was es heißt, den systematischen Völkermord der Nazis an den Juden “das entsetzlichste Menschheitsverbrechen” zu nennen, fragt Dr. Gunther Maria Michel in seinem Blog karmelblume:

Wenn Sie das Wort “entsetzlichst” elativisch verstehen im Sinne von extrem entsetzlich, dann verstehe ich diese Formulierung und stimmen Ihnen voll zu. Wenn Sie “entsetzlichst” aber superlativisch im Sinne von “entsetzlicher als alle anderen Menschheitsverbrechen” verstehen, dann verstehe ich Sie nicht. Ich vermute jedoch fast, dass Sie es im letzteren, heute allgemein verbreiteten Sinne meinen, so etwa wie das ARD den Holocaust als das “präzedenzlose Verbrechen” und “größte Verbrechen der Geschichte” beschrieben hat.

Ich frage: War der Völkermord an den Sinti und Roma durch die Nazis weniger entsetzlich als der an den Juden? War der Völkermord an den Armeniern und an den Suryoye im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1917 weniger entsetzlich? War der Völkermord in Ruanda im Jahre 1994 weniger entsetzlich? Waren der Holodomor 1932-1933 (früher Hunger-Holocaust genannt) und der Völkermord der Zwangskollektivierung und Kulakenverfolgung durch Josef Stalin, deren Opferzahl von Wissenschaftlern auf 14,5 Millionen Menschen geschätzt wird, weniger entsetzlich? Wenn ja, in welcher Hinsicht?

Hochwürdigster Herr Bischof, bitte helfen Sie mir, Sie zu verstehen. In quantitativer Hinsicht kann das Verbrechen doch nicht entsetzlicher gewesen sein, wie aus der größeren Zahl der Opfer in der Sowjetunion ersichtlich ist. Inwiefern aber in qualitativer Hinsicht? War der Mord an den Juden grausamer als an andern Genozidopfern? Wer wagt es, das Leiden zu vergleichen? War die Absicht der Nazimörder niederträchtiger als die anderer Völkermörder? Wer ist imstande, die Gesinnungen zu beurteilen? Waren die Opfer der Schoah unschuldiger als andere Mordopfer?

Wäre dann nicht jeder Mord an einem ungeborenen Kind entsetzlicher als ein Völkermord, denn ein ungeborener Mensch ist zwar befleckt vom Makel der Erbsünde, aber frei von jeder persönlichen Schuld? Aber wie wir wissen, beträgt die Anzahl der unschuldig ermordeten Kinder weltweit nach offiziellen Schätzungen jährlich mehr als vierzig Millionen! Was also bedeutet Ihr Wort vom entsetzlichsten Menschheitsverbrechen?

Aber vielleicht wollten Sie damit keine geschichtliche, sondern eine metaphysische oder theologische Aussage machen? Sind die Juden allein aufgrund ihrer Geburt andere Menschen als die übrigen Menschen? Etwa nach dem Credo des Südafrikaners in dem Film “München” von Steven Spielberg: “Das einzige Blut, das für mich zählt, ist jüdisches Blut”?

Ich glaube nicht, dass Sie das meinen, hochwürdigster Herr Bischof. Aber was dann? Unter theologischem Aspekt komme ich als Christ nicht umhin, an die Ermordung unseres Herrn, wahren Gottes und Heilands Jesus Christus zu denken, den der Hohe Rat der Juden zum Tode verurteilt und an die Römer zur Hinrichtung ausgeliefert hat. Ist dieser Mord, mit den Augen des christlichen Glaubens betrachtet, nicht entsetzlicher als alle Morde der Menschheitsgeschichte, denn Er, Christus, war doch der einzige unschuldige Sohn Adams, der jemals über diese Erde gegangen ist? Und Er, das unschuldige Lamm Gottes, war, wie Sie und ich und wie auch die Bischöfe und Priester der Piusbruderschaft glauben, das einzige reine und makellose Opfer, das je Gott dargebracht wurde? Was ist dann nach christlichem Glauben präzedenzlos und singulär: Golgotha oder Auschwitz?

All das heißt, dass es hier letztlich um zwei konkurrierende Wahrheitsansprüche geht: Entweder ist der verabsolutierte und zum Götzen erhobene Holocaust wahr oder das Christentum. Man kann nicht zwei Herren dienen. Unterwerfen sich die deutschen Bischöfe etwa deshalb mehrheitlich der Merkelschen Holocaustvergötzung, weil sie Konkordate und Kirchensteuer nicht riskieren wollen?

Die protestantische Pfarrerstochter Merkel als Hohepriesterin einer antichristlichen Zivilreligion? Ein ungewohnter Gedanke. Aber womöglich werden wir uns daran gewöhnen müssen. An unserer neuen Staatsreligion werden wir jedenfalls noch viel Freude haben.

Was vom Skandale übrigbleibt

Fast alles, was zu schreiben war über die – ja, was eigentlich? – Aufregungen der letzten Wochen, ist geschrieben, wenn auch nicht von mir. Ein paar Erkenntnisse möchte ich dennoch hier festhalten.

  • Die demographische Dimension: Sicherlich sind 600.000 Gläubige der Priesterbruderschaft Pius X. nicht besonders viele – es sind aber 500.000 mehr als beim Tod von Erzbischof Lefebvre vor 18 Jahren. Wenn 493 Priestern 215 Priesteranwärter gegenüberstehen und wenn in Frankreich schon ein Drittel aller Seminaristen Traditionalisten sind (darunter auch jede Menge Lefebvristen), dann haben wir es hier jedenfalls mit einer dynamisch wachsenden Gruppe zu tun. Und damit je nach Weltanschauung um ein wachsendes Problem oder einen Teil der Lösung.
  • Die kirchenrechtliche Dimension: Eine Exkommunikation ist im Kirchenrecht allein vorgesehen für
    1. Apostaten, Häretiker oder Schismatiker,
    2. Sakrilege,
    3. physische Gewalt gegen den Papst,
    4. Priester, die dem Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs eine (außer in Todesgefahr) ungültige Absolution erteilen,
    5. einen Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt,
    6. Verletzung des Beichtgeheimnisses und
    7. Abtreibung.

    Exkommunikation ist insbesondere keine Gesinnungsfrage, auch wenn manch einer das gerne so hätte.

  • Die zivilreligiöse Dimension: Dass westlich-postchristliche Gesellschaften, allen voran Deutschland, nach 1945 eine Zivilreligion herausgebildet haben, die den Holocaust (Ganzopfer) als zentralen Bezugspunkt nimmt und damit an die Stelle setzt, die das Kreuzesopfer Christi für das Christentum hat, hat sich nie so klar gezeigt wie jetzt. Und ist erfreulicherweise von hellsichtigen Kommentatoren wie zuletzt Eckhard Fuhr auch klar ausgesprochen worden. Eine trivial erscheinende Ausprägung ist die politische Korrektheit, die immer stärker totalitäre Züge trägt und längst damit begonnen hat, abweichende Meinungen und Abweichler zu sanktionieren. Dass Meinungsfreiheit in Deutschland wenig gilt, ist keine neue Erkenntnis. Doch inzwischen schlägt das Diktat der politischen Korrektheit in Terror gegen Andersdenkende um. Zu denen immer mehr Christen gehören. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte das schon unserer Generation die Gelegenheit zum Martyrium geben.
  • Die demokratische Dimension: Zur Hoffnung gibt indes eine Internetumfrage der Welt Anlass: „Papst Benedikt XVI. hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viel Kritik hervorgerufen. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?“ 57 Prozent der Befragten antworten: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig.“ Und weitere 13 Prozent sagen: „Er ist ein gutes Kirchenoberhaupt, auch wenn nicht jede Entscheidung glücklich ist.“ Trotz einer beispiellosen Medienkampagne erklären nur 30 Prozent: „Skandalös. Ein Papst darf Holocaust-Leugner nicht in seiner Kirche dulden.“ Das mediale Trommelfeuer hat offensichtlich nicht gefruchtet. Gut so.
  • Die theologische Dimension: Was heißt es eigentlich, das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen? Geht es nur darum, das Konzil als ein legales und legitimes Konzil in der langen Reihe der Konzile zu akzeptieren? Geht es um die vollständige Akzeptanz jedes einzelnen Textes oder gar um den omninösen Geist des Konzils, der vom Buchstaben häufig nicht gedeckt ist? Was von einem Konzil wirklich bleibt, sind die Texte. Einige davon, wie das in Nizea und Konstantinopel formulierte Glaubensbekenntnis, schleppen wir bis heute mit uns herum. Andere geraten irgendwann in Vergessenheit. In unserem Fall muss erst die Generation V2 mit ihren Illusionen und Lebenslügen verschwinden, bevor ein unverstellter Blick auf die Konzilstexte möglich wird.

Genug für heute. Was noch zu sagen ist:



Ein Dialog mit Volker Beck

Es gibt zwei Gründe, die Parteien wählbar oder unwählbar machen: das Programm und das politische Personal. Als ehemaliger, langjähriger Stammwähler der Grünen ist für mich heute Volker Beck einer der Gründe, die diese Partei für mich unwählbar machen. Nicht weil er homosexuell wäre, sondern weil er ein Demagoge ist.

Gestern und heute hatte ich Gelegenheit zu einem Dialog mit ihm per Twitter. Dort schrieb er gestern:

Der Papst ist ein Heuchler: Respekt sieht anders aus /Ablehnung eines französichen Botschafter wegen dessen Homosexualität

Meine Antwort:

Not sure if I like to listen to your dumb propaganda. Considering to unfollow you.

Ein paar Stunden später hatte Volker Beck eine Pressemitteilung im Netz:

03.10.2008
Der Papst ist ein Heuchler: Respekt sieht anders aus

Französische Medien haben berichtet, dass der Vatikan den Botschafter Jean-Loup Kuhn-Delforge als Vertreter der Französischen Republik gegenüber dem Vatikanstaat wegen seiner Homosexualität abgelehnt hat. Auch ein geschiedener Botschafter wurde von Rom abgelehnt (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,581713,00.html).

Dazu erklärt Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer:

Der Papst ist ein Heuchler: Respekt sieht anders aus.

Der Papst hält sich meines Erachtens nicht an den eigenen Katechismus. Dort heißt es unmissverständlich:
“Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen.“

Was von den Gläubigen verlangt wird, sollte zu allererst das Oberhaupt der katholischen Kirche beherzigen. So entwertet der Papst selbst diese Sätze im Katechismus: Dass dort von Achtung, Mitleid und Takt gesprochen wird, ist angesichts dieses Vorfalls nur noch Heuchelei.

Die Nichtakzeptanz eines homosexuellen Botschafters ist ein Dokument der Herabwürdigung, das Gegenteil von Achtung und Respekt. Die katholische Kirche beleidigt mit der Zurückweisung von geschiedenen und homosexuellen Botschaftern so alle Geschiedenen und Homosexuellen. Dass man unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Lebensführung und sexuellen Identität einen Botschafter eines anderen Staates zurückweist, ist ein Übergriff der Religion auch in die staatliche Sphäre.

Beck argumentiert mit dem Katechismus, braucht also keinen mehr.

Einen Tag später ist seine Antwort da:

Das steht jedem frei, wem er hier folgen will. Was hier „dumb propaganda“ ist erschließt sich mir nicht.

Dem Manne kann geholfen werden.

You insult dissenters as hypocrites („Heuchler“), but don’t bother to provide a link. That’s what I call dumb propaganda.

Und weiter:

Beck: Der off. Widerspruch zwischen „Achtung“ im Katechismus und Ablehnung eines Botschafters oder Kündigungen bei Caritas verdient dies.

me: Can’t see a contradiction. Diplomats must be trusted by both parties. Trust can’t be enforced. That’s why diplomats have to be approved. What would you do if your employee left the green party and switched to the CSU? Fire him?

Beck: Sexual identity is not a choice. So your example doesn’t match. And a french ambassador is not the employee of the pope.

me: Don’t be confused, please. My example was referring to your argument about Caritas, not the french ambassador. It’s not a question of sexual identity, but of trust. The pope can’t be forced to trust a gay activist as ambassador. And if you think that insulting dissenters can be justified, think again. The catechism may be a help.

Beck: This is the same argument: Saudi Government can’t be forced to trust a woman or a christian as ambassador.

me: No government can be forced to trust a particular person as ambassador.

Beck: The insult is not in my word it is in the behavior of Pope Benedict.

me: You insulted the pope as hypocrite, not the other way around. Let’s simply stay with the facts.

Beck: This hypocrite insulted all homosexuals by acting like he did. the catechism speaks about respect, the pope just doesn’t care. Nobody wanted to force the pope to do anything. But he has to be judged by his actions.

me: No, that’s simply not true. In this case it’s pretty clear that you are the offender who insults dissenters, not the pope.

Der Dialog zeigt aufs Schönste den demagogischen Diskussionsstil des Politikers. Beck fordert allen Ernstes, einen Aktivisten der Homosexuellenbewegung zum Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl zu machen. Es soll also ein Propagandist der Sünde die diplomatischen Beziehungen eines ehemals katholischen Kernlandes Europas zum Vatikanstaat pflegen. Geht’s noch? Was hat das mit Respekt zu tun?

Und dann dreht er schlicht das Argument um. Er beleidigt den Papst, und hält man ihm dies vor, so behauptet er schlicht, der Papst habe ihn und seinesgleichen beleidigt. Nein, selbstverständlich wolle er den Papst zu nichts zwingen, aber wenn er nicht tut, was Beck will, so ist Beck beleidigt.

Dieser Diskussionsstil ist schlicht zum Kotzen. Ich mag das Schlagwort Politikverdrossenheit nicht, aber nach diesem Dialog ist mir klar, woher sie kommt. Es sind Leute wie Beck, die den Wähler verdrießen.

Beck ist mit seinen Argumenten heute Mainstream, was die veröffentlichte Meinung betrifft. Der Papst spricht zwar für eine große Gruppe, vertritt aber gegenüber jener veröffentlichten Meinung eine Minderheitsposition. So haben sich die Verhältnisse längst umgekehrt. Beck ist zwar der Sprecher einer Minderheit, vertritt aber eine Mehrheitsposition. Und attackiert Andersdenkende skrupellos.

Wer ist hier eigentlich der Heuchler?

Zweifel am Erscheinungsbild

wolfsschafpriester.jpg

Foto: marcokalmann

Wie passend, da wir uns gerade mit antikatholischer Propaganda beschäftigen, dass mir heute früh die Skulptur Wolfschafspriester der Wiener Künstlerin Deborah Sengl (im Bild neben ihrem Werk) aus der Zeitung entgegenblickt. Und passend auch der Text:

Die Pose ist unverkennbar: So ließ sich Papst Johannes Paul II. oft beim Beten filmen. Doch die österreichische Künstlerin […] nutzt sie, um – etwa im Hinblick auf Kindesmissbrauch durch Priester – ihre Zweifel am Erscheinungsbild der katholischen Kirche sichtbar zu machen.

Die Skulptur ist Teil einer Ausstellung, die am Sonntag in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück eröffnet wird. Die Künstlerin hat sich mit dem Sujet ausführlicher beschäftigt.

„Keiner ist nur Täter oder nur Opfer. Die Betrachtungsweise ist zu simpel. In den Sportler-Katholiken-Bildern untersuche ich, was passiert, wenn sie ihre Requisiten tauschen. Fanatismus, ob für Religion oder einen Sport, ist für mich absolut austauschbar. Es sind absolut die gleichen Bewegungsabläufe, ob ein Priester segnet oder ein Sportler seine Medaille vorzeigt. Der Mensch wird immer mehr zu dem, was wir eigentlich sind: Täter und Opfer, also Wolfsschafpriester.“

Zeichnet es sich womöglich ab, dass sich da Neues auftut? „In jüngster Zeit habe ich Versuche mit Film begonnen. Zu Katholiken habe ich keine Lust mehr, werde mich demnächst stark um Trachten kümmern, da ist die Tarnung durch das Kostüm noch offensichtlicher.“

Dieses Bild ziert ihre Werkschau im Web:

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Der liberale Normalbürger als Maß aller Dinge

Der gestern bereits erwähnte FAZ-Kommentar von Peter Lückemeier zur Absetzung des Wetzlarer Dekans ist zwar kein besonders intelligentes Stück Zeitungsprosa. Dennoch will ich mir die Mühe einer Replik machen.

Wahrscheinlich ist der am Niederrhein erzkatholisch sozialisierte neue Bischof von Limburg sich nicht im Klaren darüber, wie abstoßend, mitleidslos, realitätsfern seine Maßregelung des Wetzlarer Dekans aufs großstädtische Publikum wirken muss.

Wahrscheinlich ist er sich sehr wohl im Klaren darüber, wie wenig sich ein großstädtisches Publikum um Gott, Glaube, Kirche und Bischof schert. Und wie es höchstens dann Notiz nimmt, wenn es Widerspruch vernimmt.

Homosexuelle Lebenspartnerschaften werden in Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden anders bewertet als im Westerwald.

Tatsächlich? Ich fürchte, das war einmal.

Der liberale Normalbürger wird sich sagen: Du liebe Güte, da lebt ein homosexuelles Paar seit langem zusammen, besiegelt diesen Bund vor dem Standesamt für immer und erbittet dazu göttlichen Segen – warum sollte die Kirche solch einen Akt des Wohlwollens verweigern?

Seit wann ist der liberale Normalbürger das Maß kirchlicher Dinge? Viel zu oft ist er es, aber er sollte es definitiv nicht sein. Dass homosexuelle Paare vor das Standesamt treten und dort eine Heirat simulieren können, mag zwar dem Normalbürger normal erscheinen. Aber gut und richtig ist es deshalb noch lange nicht.

Doch Bischof Tebartz-van Elst sieht die Sache anders, und zum größten Teil muss er sie so sehen, auch sein Vorgänger Franz Kamphaus hätte kaum anders handeln können. Denn Ehe und Familie stehen nicht nur laut Grundgesetz unter besonderem Schutz des Staates, die katholische Ehe zwischen Mann und Frau ist sogar ein Sakrament, allerdings gespendet von den beiden Beteiligten.

Korrekt.

In diesem Lichte kann es nicht angehen, dass die Ehe, die nach kirchlicher Sicht dem Zwecke dient, Kinder zu zeugen, gleichrangig mit einer homosexuellen Partnerschaft behandelt wird.

Der Hauptsatz ist korrekt, der die Ehe erläuternde Relativsatz ist mindestens verkürzt. Die Ehe dient nicht allein dem Zwecke, Kinder zu zeugen.

Überdies hat der Bischof in der Bestrafung des bisherigen Dekans die mildeste Form gewählt, die ihm zur Verfügung stand, denn der Wetzlarer Priester bleibt im Amt, wird weder abgesetzt noch versetzt.

Das ist richtig und ein Zeichen bischöflicher Klugheit.

Das eigentliche Problem aber bleibt ungelöst. Es lautet: Wie soll die Kirche, Repräsentant eines liebenden Gottes, mit Homosexuellen umgehen, zumal mit homosexuellen Gläubigen? Die offizielle Linie der römischen Glaubenskongregation, Homosexualität an sich sei keine Sünde, nur ihre Ausübung sei es, muss als haarspalterischer Theologismus verstanden werden.

Nur für den, der sich weder mit Theologie noch mit Moral beschäftigen möchte. Den Sünder lieben, die Sünde hassen. Das ist wirklich keine Neuigkeit.

Die katholische Kirche täte gut daran, für seriöse dauerhafte gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die sich nicht nur die Billigung des Staates, sondern auch die Sympathie ihrer Kirche wünschen, einen Akt, eine symbolische kirchliche Handlung oder eine Feier auszudenken.

Wohl kaum. Die Sympathie der Kirche wird ein wenig frommer Wunsch bleiben.

Dass Gott die Qualität eines Menschen nach dessen sexuellen Präferenzen beurteilen könnte, muss als unwahrscheinlich gelten.

Diesen sinnlosen Satz hätte der Schlussredakteur besser gestrichen.

Und damit soll es dann auch gut sein. Ab morgen wieder andere Themen.

Wahre Freiheit

Das Bundesverfassungsgericht hat in dieser Woche über Ausnahmen vom Rauchverbot in Gaststätten entschieden. Richtig so. Im Geiste dieser wegweisenden Entscheidung schlage ich vor, als nächstes dem staatlichen Kinderkrippenwesen die Grundlage zu entziehen. Auch hier greift der Staat weiter in den persönlichen Bereich ein als wünschenswert.

Meint übrigens auch Volker Kauder. Sich um sich selbst zu kümmern, das sei nicht nur Bürde, sondern auch Freiheit, zitiert ihn die Zeit. Doch Freiheit ist in Deutschland ein schwieriges Thema, wie Alan Posener treffend feststellt:

Dass die wahre Freiheit nicht Hemmungslosigkeit sei, sondern bedeuten könnte, sich freiwillig einem durchaus strengen sittlichen Regiment unterzuordnen, erkannte zuerst Paulus; dieser Gedanke ist auch der Kern des Protestantismus. Aber schon Martin Luther hielt das nicht durch und erklärte die „Freiheit eines Christenmenschen“ (sprich: eines Deutschen) zur Freiheit, sich seinem Fürsten zu unterwerfen, was etwas völlig Anderes ist.

Heilige Einfalt

Da wählt die Deutsche Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden, und wen befragt dazu der Deutschlandfunk aus dem katholischen Köln? Christian Weisner, Sprecher einer verschwindend kleinen Minderheit, die von sich kontrafaktisch und untheologisch behauptet, Kirche zu sein. [MP3]

Das Deutschlandradio Kultur aus dem heidnischen Berlin hingegen spricht am gleichen Tag mit dem Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen – allerdings über die Kritik des Hilfswerks Misereor an der Verwendung von Entwicklungshilfegeldern. [MP3]