Nur das leere Grab


Sacro Monte di Crea, Das Auffinden des leeren Grabes Christi, Statuen von Antonio Brilla, 1889

Können wir Menschen glauben, vertrauen, Dinge behaupten, jenseits unserer eigenen Vorstellungskraft, unserer eigenen Erlebniswelt? Sind die Zeugen der Bibel glaubwürdig? Maria Magdalena und die Jünger sahen den auferstandenen Christus mit eigenen Augen. Sie sprachen, gingen, aßen mit ihm. Jedes Evangelium legt Wert darauf, dass es eine wahre Geschichte erzählt. “Und der das gesehen hat,” heißt es bei Johannes, “der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr; und dieser weiß, dass er die Wahrheit sagt, auf dass auch ihr glaubt.”

Karfreitag und Karsamstag nachzuvollziehen fällt leicht. Von Tod und Leid ist jedes Leben durchdrungen. An der Auferstehung scheiden sich die Geister. Sie steht quer zu allem Alltag, quer zu jeder menschlichen Existenz. Durch dieses Nadelöhr aber muss hindurch, wer dem Tod das letzte Wort nicht gönnt. Mit der Auferstehung, sagte Benedikt XVI. in der Osternacht 2009, ereignet sich eine “Eruption des Lichts”. Seit diesem Tag ist “die Gravitation der Liebe stärker als die des Hasses, die Schwerkraft des Lebens stärker als die des Todes”.

Für diesen Sieg ist es nötig, dass die Auferstehung ein Faktum ist – in den Worten Benedikts: eine “geschichtliche Realität, weder ein Mythos noch ein Traum, weder eine Vision noch eine Utopie, kein Märchen, sondern ein einmaliges und unwiederholbares Ereignis”. Das Grab war wirklich leer, der Tod wirklich besiegt. So und nur so lautet die christliche Erzählung der österlichen Tage. Zuweilen hört man aus Christenmund, die Auferstehung sei eine fromme Legende. Entscheidend sei nicht das Ereignis, sondern dessen gemeinschaftsstiftende Folge. Weil die Jünger nicht davon abließen, ihrem gekreuzigten Meister erinnernd die Treue zu halten, sei er in die Gemeinde hinein auferstanden – als Sprachspiel und Moralregel. Und für einen solchen blassen Schemen sollen die Märtyrer sich haben rösten lassen?

Nur das leere Grab kann eine derart unwiderstehliche Bewegung wie das Urchristentum in Gang gesetzt haben. Nur die leibliche Auferstehung kann zu all den Gebeten an Jesus als den Christus ermuntert haben. Und nur im Vertrauen auf den Wahrheitsgehalt dieser Erzählung werden aus Anhängern einer “jesuanischen Ethik” Christen. Um keinen Deut billiger ist der christliche Glaube zu haben. Natürlich muss niemand ihn teilen, muss niemand sich von den Zeugen selbst überzeugen lassen. Es aber tun oder nicht tun markiert die Grenze. Christentum und Auferstehungsglaube sind dasselbe. Seit damals haben Christus und Christenheit dieselbe Geschichte.

Auch die Kirche, weiß Benedikt, “scheint immer untergehen zu müssen, und immer ist sie schon gerettet”.
Alexander Kissler: Christentum ist Auferstehungsglaube

Dominica Resurrectionis


Fra Angelico, Auferstehung Christi und Frauen am Grab

Et valde mane * una sabbatorum veniunt ad monumentum, orto jam sole, alleluia
Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. Halleluja.
Mk 16,2 (Antiphon zum Benedictus)

Gesegnete und frohe Ostern!
Surrexit Dominus vere, * Alleluia.

Sabbato sancto


Giotto di Bondone (1267-1337), Die Beweinung Christi

Mulieres sedentes * ad monumentum lamentabantur, flentes Dominum.
Die Frauen saßen dem Grab gegenüber; sie klagten und weinten über den Herrn.
Antiphon zum Benedictus, vgl. Mt 27,61

Feria Sexta in Parasceve


Brochenzell, Heilig-Kreuz-Kapelle, Kreuzigungsgruppe (ca. 1625–1650)

Posuerunt super caput ejus * causam ipsius scriptam: Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum
Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus von Nazareth, der König der Juden.
Antiphon zum Benedictus (nach Mt 27,37)

Feria Quinta in Cena Domini


Giotto di Bondone (1267-1337), Kuss des Judas

Traditor autem dedit eis signum * dicens: Quem osculatus fuero, ipse est, tenete eum.
Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es, nehmt ihn fest.
Mk 14, 44a (Antiphon zum Benedictus)

Josef Homeyer R.I.P.


Josef Homeyer

Heute verstarb im Hildesheimer Bernward-Krankenhaus der 2004 emeritierte Bischof von Hildesheim, Josef Homeyer. Ich war 14, als er 1983 zum Bischof geweiht wurde. 1985 ging er mit zahlreichen Jugendlichen aus dem Untereichsfeld, darunter auch mir, auf eine Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. Noch Ende 2003 stellte er die Weichen für eine Zukunft mit schrumpfenden finanziellen Mitteln und weniger Priestern – ein Thema, dass er seinem 2005 von Papst Benedikt ernannten Nachfolger Norbert Trelle nicht unbearbeitet hinterlassen wollte.

REQUIEM aeternam dona ei, Domine, et lux perpetua luceat ei. Requiescat in pace. Amen.

Dominica in Palmis


Palmsonntag in Polen

Mit dem Einzug in Jerusalem erfüllt Jesus die Prophetie vom kommenden Messias. Das Volk jubelt über den Erlöser.

Turba multa, * quae convenerat ad diem festum, clamabat Domino: Benedictus qui venit in nomine Domini, Hosanna in excelsis.
Die Menge, die zum Fest gekommen war, rief zum Herrn: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!
Antiphon zum Benedictus

Vom feierlichen Einzug nach Jerusalem bis zur Entscheidung am Kreuz sind es nur wenige Tage. Die Liturgie des Palmsonntags schaut auf die Passion des Herrn. Und zugleich auf seine Auferstehung, die wie an jedem Sonntag auch an diesem gefeiert wird. In der Vesper klingt dies bereits an, in den Worten des Herrn, wenige Verse bevor die Passion beginnt:

Scriptum est enim: * Percutiam pastorem, et dispergentur oves gregis: postquam autem resurrexero, praecedam vos in Galilaeam: ibi me videbitis, dicit Dominus.
In der Schrift steht nämlich: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Dort werdet ihr mich sehen, spricht der Herr.
Antiphon zum Magnificat

Immerfort hat das Ärgernis gewaltet

Immerfort hat das Ärgernis gewaltet. Jesus durfte sagen, was er wollte; Worte voll göttlicher Macht und Weisheit – immer wieder weckten sie Antworten der Verstockung, des Mißtrauens, des Hasses. Er durfte tun, was er wollte; heilen, helfen, lösen, mit Gaben überschütten – was zurückkam, war Verhärtung der Herzen, Verleumdung seiner Absicht, Lästerung des Geistes.
Romano Guardini, Der Herr

Parallelen zu gegenwärtigen Ereignissen sind unübersehbar.

In Annuntiatione Beatæ Mariæ Virginis


Sakramentar von St. Gereon in Köln, Szene: Die Verkündigung

Quomodo fiet istud * Angele Dei, quoniam virum non cognosco? Audi Maria Virgo: Spiritus sanctus superveniet in te, et virtus Altissimi obumbrabit tibi.
Wie soll das geschehen, Engel Gottes, da ich keinen Mann erkenne? Höre, Jungfrau Maria: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Antiphon zum Benedictus