Ferienprogramm

Heute ist der erste von insgesamt 20 (ok, vermutlich wird zwischendurch ein Bürotag nötig, also 19) Urlaubstagen, die mir vier freie Wochen oder auch 30 Tage fern der alltäglichen Routine bescheren werden. Ich habe mir für die Ferienzeit einen Plan gemacht, um sie etwas zu strukturieren und nicht von einem Extrem ins andere zu verfallen. Das Grundgerüst bildet ein Raster mit sechs Elementen:

  • Gebet: Laudes, Bibellektüre, Vesper, Komplet
  • Arbeit: Haus, Garten, Beruf
  • Sport: Laufen, Radfahren, Schwimmen (Freibad!)
  • Lesen
  • Kochen und Essen
  • Entspannen

Für jedes dieser Elemente sehe ich etwa zwei Stunden vor, was insgesamt 12 Stunden ergibt. Bleiben weitere zwölf Stunden für Schlaf, Sonstiges und falls irgendetwas mal wieder länger dauert.

Gebet und Bibellektüre nehmen wahrscheinlich weniger als zwei Stunden am Tag in Anspruch. Die Arbeit in Haus und Garten sowie gelegentlich auch Berufliches hingegen auf nur zwei Stunden am Tag zu beschränken ist schon schwieriger. Ein Freibadaufenthalt mit Junior dauert allein schon länger als zwei Stunden, während es mir gar nicht so leicht fällt, zwei Stunden am Tag zu lesen. Trotz einer langen Leseliste und überquellender Bücherregale reicht meine Konzentration selten für ausgedehnte Lesestrecken.

Kochen und Essen addieren sich inklusive Rezeptauswahl und Einkauf schnell auf mehr als zwei Stunden pro Tag, sodass ich mal sehen muss, ob noch Zeit zur Entspannung (zum Beispiel Musik hören, Klavier üben oder Mittagsschlaf halten) bleibt. Eine Woche werden wir mit insgesamt vier Kindern in Schloss Dankern verbringen. In dieser Zeit werden sich die Akzente vermutlich leicht verschieben, aber am Grundraster ändert sich nichts.

Und ganz am Ende meiner Ferien werde ich dann noch Gelegenheit haben, ein paar Tage bei den Trappisten von Mariawald zu Gast zu sein. In jener ersten Augustwoche beginnt dann auch schon wieder das neue Schuljahr.


Abtei Mariawald

Dominica VII Post Pentecosten


Carl Heinrich Bloch: Bergpredigt

Attendite * a falsis prophetis, qui veniunt ad vos in vestimentis ovium, intrinsecus autem sunt lupi rapaces: a fructibus eorum cognoscetis eos, alleluia.
Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Halleluja.
Antiphon zum Benedictus (Lk 7, 15-16a)

Non potest arbor * bona fructus malos facere, nec arbor mala fructus bonos facere: omnis arbor, quae non facit fructum bonum, excidetur, et in ignem mittetur, alleluia.
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Halleluja.
Antiphon zum Magnificat (Lk 7, 18-19)

Zwischen Jericho und Jerusalem


Herberge an der Straße von Jericho nach Jerusalem

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.

Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
Lk 10, 30b-34

Dieser Beitrag von Jill Bevilacqua im englischen Programm von Radio Vatikan hat mich dazu gebracht, nach einem Bild von jener Herberge an der Straße von Jericho nach Jerusalem zu suchen. Auf der anderen Straßenseite sind offenbar die Überreste einer dem Hl. Euthymius geweihten Kirche zu finden, die dort im 5. Jahrhundert zum Gedenken an das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter gebaut wurde.


Straße nach Jericho (Foto: Yonidebest, Lizenz)

Die etwa 27 Kilometer lange Straße nach Jericho war berüchtigt, bot ihre Lage doch Räubern jede Menge Gelegenheit, ihrer Tätigkeit nachzugehen. Sie fällt stark ab, verläuft in zahllosen engen Kurven und trägt den Beinamen „Straße des Blutes“, eben jener Verbrecher wegen.


Judäisches Bergland in der Nähe der Herberge des Barmherzigen Samariters

Immer noch besser als die Protestanten

Dies sei allen, die der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche ein protestantisches Reformprogramm verschreiben möchten, dick ins Stammbuch geschrieben:

Nach wie vor ist die protestantische Kirche stärker von Austrittsüberlegungen betroffen als die katholische. Die katholische Kirche, die weitaus mehr Reibungsflächen bietet und in der Kritik steht, hält sich insgesamt weitaus besser als die protestantische. Aktuell sind 4 Prozent der Protestanten, obwohl deren Kirchen von Missbrauchsvorwürfen weitestgehend verschont geblieben sind, jedoch nur 2 Prozent der Katholiken entschlossen, ihrer Kirche den Rücken zu kehren.

Modernismus


E. J. Pace, The Descent of the Modernists, 1922

Tarzisius von sensuum defectui hat jetzt die obige Karikatur ausgegraben, was mich daran erinnert, dass ich schon länger meinen Senf zu diesem Thema abgeben wollte.

Mitte der 90er Jahre war ich fast Agnostiker. Ich lebte damals in Berlin und hatte den Kontakt zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche so gut wie verloren. Wenn ich heute überlege, wo wohl der Wendepunkt lag, der mich Jahre später zurück zum Glauben führte, dann fällt mir ein Buch von Jürgen Habermas ein: Der philosophische Diskurs der Moderne: Zwölf Vorlesungen. Dieses Buch hinterließ bei mir einen schalen Nachgeschmack. Konnte das wirklich alles sein?

Letztlich war es übrigens die Osternacht, die mich auch in den glaubensfernsten Jahren meines Lebens immer fasziniert hat, die ich auch nur in wenigen Jahren verpasst und einmal sogar in einer protestantischen Variante gefeiert habe, aber das ist eine andere Geschichte. Habermas stellte mich vor die Alternative, ob ich all die Manifestationen des Glaubens – die Martyrer, die Heiligen, die Milliarden von Christen, die Liturgie (Osternacht!), die Musik, die Kathedralen – als Folgen einer großen Illusion verwerfen und mein Herz statt an Gott an die moderne Weltanschauung, kurz: die Moderne hängen sollte.

Beides erschien mir unmöglich, aber damit war der Glaube zwar nicht ad acta gelegt, doch auch noch lange nicht wiedergewonnen. Denn nun ging es für lange Zeit darum, den Glauben mit der Moderne zu vereinbaren. Dieser gescheiterte Versuch trägt den historischen Namen Modernismus. fortes-fide hat vor einiger Zeit den Antimodernisteneid herausgekramt, den von 1910 bis 1967 jeder Kleriker ablegen musste. Dessen Grundfrage ist, ob Glauben und Moderne konfliktfrei miteinander vereinbar sind oder nicht. Und falls nicht, ob im Konfliktfall dem Glauben oder der Moderne der Vorrang gebührt. Der Modernisteneid ist in dieser Frage eindeutig.

In der Praxis geben indes die meisten (nominellen) Christen, die ich kenne, wie auch ich früher, im Konfliktfall der Moderne den Vorrang. Insofern hat der Modernismus gesiegt. Der Glaube wird auf eine Privatsache reduziert, seine Auswirkungen auf das übrige Leben in Familie, Beruf und Freizeit minimiert. Weiter noch: Auch Glaubenssätze, die der Moderne widersprechen, werden aufgegeben oder so interpretiert, dass kein Widerspruch mehr auftritt.

Eine Spielart des Modernismus ist der (ontologische) Naturalismus. Er besagt im Grunde, dass es nichts gibt und geben kann außer der Natur, die nicht als Schöpfung begriffen wird, da dies einen nicht zur Natur gehörigen Schöpfer voraussetzen würde. Der Naturalismus setzt voraus, dass alle Phänomene eine natürliche, mit den Methoden der Naturwissenschaft erklärbare Ursache haben. Demnach kann es keine Wunder geben, die Wunderberichte der Bibel beruhen für den Naturalisten auf Täuschung und Irrtum.

Doch damit ist, die Karikatur zeigt es deutlich, noch nicht der Tiefpunkt erreicht. Es wäre interessant zu wissen, warum der Antimodernisteneid abgeschafft wurde.

In Festo Sanctissimi Corporis Christi


Fronleichnam in Tamarite de Litera

Ego sum * panis vivus, qui de caelo descendi: si quis manducaverit ex hoc pane, vivet in aeternum, alleluia.
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Halleluja.
Antiphon zum Benedictus (Joh 6, 51)

Institut St. Philipp Neri braucht Hilfe

Soeben habe ich auf Anregung von Elsa meinen Obulus an das Institut St. Philipp Neri überwiesen, das auf unsere finanzielle Unterstützung dringend angewiesen ist. Zu Christi Himmelfahrt war ich dort im Hochamt. Es war nach zwei stillen Messen mein erstes Hochamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus.

Ich bin immer noch überrascht, wie sehr mir bei allen Unterschieden im Detail doch die Einheit des römischen Ritus auffällt. Die außerordentliche Form hat nichts Verbotenes, Subversives oder gar Reaktionäres. Sie ist eine wunderbare Form der einen Messe.

In diesem Fall eine festliche, sehr würdige und völlig selbstverständliche Form. Eine würdig gefeierte lateinische Messe in der ordentlichen Form würde sich, man muss hier wohl im Konjunktiv sprechen, gar nicht so sehr von der außerordentlichen Form unterscheiden.

Pfingstoktav reloaded

Jahrelang war der Pfingstmontag ein Tag, an dem ich besonders mit der Liturgiereform gehadert habe. Die von Father Z zum wiederholten Male vorgetragene Anekdote vom weinenden Papst Paul VI. beim Anblick der grünen Gewänder am Morgen des Montags nach Pfingsten 1970 trifft das verbreitete Unbehagen angesichts des plötzlichen Endes der Osterzeit auf den Punkt.

Nun, das liturgische Problem ist lösbar, und ich habe es gelöst, indem ich auf das Breviarium Romanum zurückgegriffen habe. Das kennt selbstverständlich eine Pfingstoktav, wie es sich gehört, auch das Ende der Weihnachtszeit kommt nicht so übereilt wie nach dem neuen Kalender. Und als Bonus gibt es noch die Sonntage Septuagesima, Sexagesima und Quinquagesima obendrauf. Prädikat: höchst empfehlenswert. Und spätestens seit MP 777 auch über jeden Zweifel erhaben.

Selbstverständlich war ich gestern auch in der Messe, die nach dem Missale Romanum von 1969/70 in der deutschen Übersetzung von 1975 nebst einigen der heute allgemeinen Verwirrung* geschuldeten Auslassungen und Zusätzen gefeiert wurde. Weil nicht nur Patrozinium, sondern auch das 50-jährige Jubiläum der Kirchweih gefeiert wurde, hatte sich unser Diözesanbischof auf den weiten Weg zu uns gemacht.

Immer noch pfingstlich gestimmt, möchte ich darüber hinwegsehen, dass sich der örtliche Superintendent nicht zu schade dafür war, vom Ambo aus (!) vor dem Schlusssegen (!) in einem Grußwort (!) vom Bischof unter donnerndem Applaus (!) das gemeinsame Abendmahl (!) zu fordern. In jenem Moment wäre ich vor Scham am liebsten im Boden versunken. Nach fast zwei Stunden des Stehens in der rappelvollen Kirche auch nicht schlecht.

* „und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde“ – ist es nicht bezeichnend, wenn der Bischof beim Vater unser die Gemeinde mit dem Embolismus unterbrechen muss, der sonst allzu oft ausgelassen wird?

Dominica Pentecostes


Pfingstikone

Die Antiphonen zum Benedictus und zum Magnificat verweisen zurück auf den ersten jener fünfzig Tage, die mit dem heutigen Pfingsttage zu Ende gehen. So zitiert die Benedictus-Antiphon die Worte des Auferstandenen am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten.

Accipite Spiritum sanctum * quorum remiseritis peccata, remittuntur eis, alleluia.
Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Halleluja.
Antiphon zum Benedictus (Joh 20, 22b-23a)

Wie der Vater Jesus gesandt hat, so sendet er nun seine Jünger in die Welt und den Heiligen Geist zu den Jüngern. In dieser doppelten Sendung kulminieren Oster- und Pfingstereignis am fünfzigsten Tag nach Ostern, als die Jünger erneut zusammenkommen, um nun den Heiligen Geist zu empfangen, den ihnen der Herr bereits am Ostertag zugesprochen hatte. Die Antiphon zum Benedictus fasst das Festgeheimnis von Pfingsten so zusammen:

Hodie * completi sunt dies Pentecostes, alleluia: hodie Spiritus sanctus in igne discipulis apparuit, et tribuit eis charismatum dona: misit eos in universum mundum praedicare, et testificare: qui crediderit, et baptizatus fuerit, salvus erit, alleluia.
Heute sind die fünfzig Tage vollendet, Halleluja. Heute kam der Heilige Geist im Feuer auf die Apostel herab und gab ihnen die Gnadengaben. Er sandte sie in alle Welt, damit sie verkündigen und bezeugen: Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet, Halleluja.
Antiphon zum Magnificat

Die Antiphon greift hier den Taufbefehl des Auferstandenen aus Markus 16, 15-16 heraus. Dort heißt es weiter:

Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Auch hier finden wir wieder einen Hinweis auf Pfingsten, als die Apostel begannen, in fremden Sprachen zu reden. Und schließlich verweisen die Antiphonen klar und deutlich auf die Vergebung der Sünden, die den Sündern durch die Apostel zugesprochen wird, auf die Erlösung durch die Taufe und damit auf das Heil, das durch Jesus in die Welt gekommen ist.

Dominica post Ascensionem


Bleiglasfenster in einer Kapelle bei der St. Josephskirche in Hindenburg/Zabrze

Am Sonntag nach Himmelfahrt wird Joh 15, 26-27 und 16, 1-4 als Evangelium gelesen. Die Verse stehen unmittelbar vor dem Evangelium von vor zwei Wochen. Ein weiteres Mal kündigt Jesus den Heiligen Geist an und verweist so auf das nahe Pfingstereignis.

Cum venerit Paraclitus, * quem ego mittam vobis Spiritum veritatis, qui a Patre procedit, ille testimonium perhibebit de me, alleluia.
Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Halleluja.
Antiphon zum Benedictus (Joh 15, 26)