Problemanalyse
Also, was ist in Kürze deine Problemanalyse?
Und: Worüber bist du erschrocken, was im letzten Jahrhundert geschehen ist?
Und wo bleibt von dir die Analyse über die Probleme des Gottesdienstes vor dem II. Vat.? Sonst hätte man doch die alte Messe nicht zu reformieren versucht, wäre alles in Ordnung gewesen.
ad 1.: Ich habe noch keine vollständige Problemanalyse, schon gar keine kurze. Im Oktober habe ich mit dem Versuch begonnen, die Liturgiereform nicht als eine ominöse Ereigniseinheit zu begreifen, sondern sie in (damals vier) verschiedene Aspekte zu gliedern. Ich musste lernen, dass diese Unterscheidungen nicht ausreichen. Derzeit sieht mein liturgiereformhistorisches Forschungsprogramm (wenn ich das mal so nennen darf) so aus.
ad 2.: Ich bin erschrocken über die zahllosen Details, die mir bis jetzt begegnet sind. Über die Rücksichtslosigkeit, mit der die Liturgiereformer dem Gegenstand ihrer Bemühungen gegenübertraten. Über die Wissenschaftsgläubigkeit, mit der sie das Missale Romanum auf den Seziertisch legten, in kleinste Einzelteile zerschnitten und das Puzzle nach ihrem eigenen Plan neu zusammensetzten. Über die Überheblichkeit gegenüber einer weit über 1.000 Jahre währenden liturgischen Tradition. Und vieles mehr.
ad 3.: Kommt Zeit, kommt Analyse. Erst einmal werde ich versuchen, mein Programm abzuarbeiten. Ich möchte zuerst verstehen, was überhaupt geschehen ist, wie es geschah und in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte unternommen wurden. Das Zweite Vaticanum stand ja keinesfalls am Anfang der Reformen, sondern war allenfalls ein Meilenstein in einem bereits andauernden Prozess. Wahrscheinlich wird es nötig sein, zu den Anfängen der liturgischen Bewegung im 19. Jahrhundert zurückzugehen. Ein traditionalistisch motivierter Aufsatz, auf den ich neulich schon einmal verwiesen hatte, spannt den Bogen noch weiter in die Vergangenheit. Und auch Georg wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die liturgische Krise im Westen kein Phänomen erst des XX. Jahrhunderts ist, sondern weit zurückreicht.
Deshalb tue ich mich schwer mit kurzen und schnellen Analysen. Und noch viel schwerer mit ebensolchen Lösungsvorschlägen. Keinen Zweifel habe ich allerdings, dass in der Tat endlich die Ächtung der bis 1970 gültigen Form von Liturgie aufhören muss. Wenn das geschehen ist, sind keineswegs alle Probleme gelöst. Aber erst dann ist überhaupt der Weg frei, ernsthaft an einer Lösung zu arbeiten.


8 Comments