@Georg:
Warum sollten Sie böse sein “dürfen”? Ziemt sich denn das für Christen? Tz, tz, tz …
Nun, Ihre Anmerkungen zum alten Römischen Ritus sind für mich nicht etwas wirklich Neues. Ich kenne diese Empfindungen, die Sie beschreiben, aus eigener Erfahrung. Ich war schließlich lange genug Besucher von Opus-Dei-Priestern “würdig gefeierter Novus-Ordo-Messen” und besuchte danach durch viele Jahre Messen im Alten Ritus (diese mittlerweile auch eher nur sehr kursorisch — aber das hat weniger “rituelle” als vielmehr glaubensmäßige Gründe). Aber lassen Sie mich dennoch ein paar Kommentare machen:
der Priester feiert flüsternd in einem atemberaubenden Tempo einen Gottesdienst bei dem man [...] selbst die zahlreichen Riten kaum mitverfolgen kann – von den Texten gar nicht zu reden und am Ende hat jeder das Gefühl: Deo gratias-gemma ham…
Hier unterliegen Sie dem Verständnis (das ich durchaus als Mißverständnis bezeichnen möchte!) der V2-Ideologie, die die katechetische Seite des Gottesdienstes allein und damit über-betont und die meditative Seite vernachlässigt. Es ist im Alten Ritus völlig egal, ob Sie jedes Gebet verstehen (so, wie ja auch die Mantras im tibetischen Buddhismus von den Lamas mit atemberaubender Geschwindigkeit rezitiert werden), wichtig ist das spirituelle “Kontinuum”, das sich dabei aufbaut. Und zu diesem Kontinuum gehört eben mehr die Textunverständlichkeit (deshalb “funktioniert” m.E. der alte Ritus auch nur auf Latein), als die Textverständlichkeit, eher die Magie der (meist wiederholten) Zeichen, als die Redundanz erklärender Worte. Und all diese Elemente hat der alte Ritus eben mit den Ostriten gemeinsam, die ja ebenso (bei aller Verschiedenheit) sich durch Bild- und Gestenreichtum und Textunverständlichkeit (Sprechtempo, psalmodierende Vortragsweise, mehr oder weniger unverständliche Liturgiesprache) ähnlich sind, wie andererseits der Novus Ordo in seiner katechetischen “Verwortung” den Gottesdiensten der Protestanten ähnlich ist.
Damit mich keiner falsch versteht: ich bin kein Anhänger einer “Weihrauchschwaden-Mystik” (wenn ich sie auch in Form eines “tridentinischen” levitierten Hochamtes und unter Aufführung z.B. einer Mozart-Messe als sakrales Gesamtkunstwerks sehr zu schätzen weiß!) — aber ich muß der Ehrlichkeit halber bekennen, daß hier eben rund ums V2 ein Paradigmenwechsel (wie man heute zu sagen pflegt) stattfand und nicht versuchen, darüber “hinwegzumogeln” (ich möchte Ihnen hier keine böse Absicht unterstellen, aber für mich wäre das eben “Mogelei” — sorry!).
Für mich persönlich, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, sähe der “Idealritus” ohnehin total anders aus: zwar sehr wohl auf Latein (ich liebe einfach diese Sprache von einzigartiger Prägnanz und archaischer Strenge!), aber fast ohne “Riten”, jedenfalls ohne regelmäßige Eucharistiefeier (einmal im Jahr zum Gründonnerstag würde mir, ehrlich gesagt, völlig reichen). Auch keine Meßgewänder — “Clergyman” ist genug, dezenter Blumenschmuck, an und ab Weihrauch und ein paar Kerzen sind auch ganz nett. Abgesehen von ein paar für den jeweiligen Tag festgelegten Lesungen, Orationen und Versikeln frei gestaltete Betrachtung eines Glaubensgegenstandes durch den Priester (bei aller Liebe zum Latein: das natürlich auf Deutsch!) — falls Sie einmal in der Krypta der Wiener Peterskirche an einer “Betrachtung” durch Opus-Dei-Priester teilgenommen haben sollten, dann wissen Sie in etwa, was ich meine. Dazwischen meditative Musik. Das ganze hätte dann — wie ich gerne konzediere — eher den Charakter einer weihevollen Logensitzung als den einer “Messe” (und zwar weder des Alten Ritus, noch des Novus Ordo).
Aber das sind eben meine persönlichen Vorstellungen, die mein Urteil über die Differenz “Alte-Messe” — Novus Ordo nicht beeinflussen.
… obwohl ich den röm Canon in seiner lat. Fassung auswendig kann, gelang es mir nicht einmal in Stille ihn in der Geschwindigkeit des Priesters mitzubeten.
Das ist Übungssache, denke ich mal. Ich habe jahrelang Teile des Breviers (regelmäßig alles wäre mir denn doch zu mühsam gewesen) gebetet und kann sagen: auch mit einem ganzen Tagesoffizium (Stil 1962 — also nur 3 Lesungen) war ich in ca. 35 min. “durch”, wenn ich mich beeilte. Das bedeutet natürlich eine Rezitationsweise, die z.B. die Psalmen (die man ja eh “halb auswendig” kennt) eher pointillistisch hintupft, als mit dem Pinsel der silben- und Wortverständlichkeit breit ausmalt. “Modo Romano”, halt — so, wie die “stille Messe” in 17 min. etc. etc. …
Aber von Würde, Anbetung, Mystik, und v.a. Inhalt bleibt da für den normal sterblichen Christgläubigen nicht mehr viel über
… schrieben Sie oben: glauben Sie mir, ich weiß genau, was Sie meinen! Es wird Sie aber nach vorstehenden Ausführungen nicht überraschen, daß ich da anderer Meinung bin. “Ganz im Gegenteil”, würde ich sogar sagen …
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