Georg, ich glaube, die Geschichte mit den Trid. Messbesuchern ist einfach regional sehr unterschiedlich. In Wien gibt’s tatsächlich eine eingeschworene kleine Gemeinde, die immer hingeht (ich sehe dort praktisch dauernd die gleichen Gesichter). In Frankreich ist das alles viel-viel breiter – man darf nicht vergessen, dass 90% der SSPX-Anhänger dort leben, und dass die Gesellschaft im Allgemeinen viel-viel säkularisierter ist als hier!
Ich hatte in Frankreich nur einmal mit einer Trid. Messe zu tun (diesen Besuch kann man in meiner Konversionsgeschichte nachlesen), diese wurde von SSPX gefeiert (in der von den Tradis seit den 70er Jahren besetzten Pariser Kirche St Nicholas de Chardonnet – in Frankreich muss auch wirklich alles so aktionistisch verlaufen…
). Dort war die wirklich große Zahl von jungen Leuten und Familien auffällig. (Allerdings hatte ich damals – da noch nicht katholisch – kaum Vergleichsmöglichkeit.)
In Brüssel war ich ein paarmal in einer Indultmesse in einer katholischen Schule: dort waren – wohl weil Schule – die Familien mit Kindern in der deutlichen Überzahl, auch wenn die Schulkirche nicht gerade aus den Nähten platzte (ungef. ähnlich voll wie die Kapuzinerkirche hier an Sonntagen).
Fazit: ich glaube, in Gesellschaften, wo der katholische Glaube nicht ein absolutes Minderheitenprogramm, die durchschnittliche Messe im Allgemeinen nicht übermäßig verhunzt und die Kirche in der Gesellschaft noch halbwegs verankert ist, wie in Ö, hast Du vermutlich Recht, und es ist ein Minderheitenprogramm. Je mehr es anders ist, desto weniger, da die wenigen Leute, die dann noch in die Messe gehen, irgendwas ganz Tolles geboten haben wollen (da hat sicher das Konsumdenken etwas übergegriffen, ob man’s will oder nicht). Wenn in NOM-Gemeinden die Beichte abgeschafft, die Pfarrer häretisch und die Eucharistie ein gemütliches Feiern um den Altar (! – in Belgien an Wochentagen paarmal erlebt) wird, flüchten die Leute natürlich in die Alte Messe.
Der Prozentsatz der Alt-Messbesucher ist damit sozusagen ein Messgrad für den Säkularisierungsgrad der Gesellschaft einerseits und die liturgische Reformbedürftigkeit (im Sinn der “Reform der Reform”) der durchschnittlichen Novus-Ordo-Messe in dem Land andererseits.
Die Bischöfe in diesen Ländern sollen also nicht vor der Alten Messe herumzittern, sondern stattdessen die (NOM-)movimenti und junge Orden (wie die Gemeinschaft vom Lamm oder die Johannesgemeinschaft) unterstützen – die haben einen frischen Enthusiasmus und einen fröhlichen, unverkrampften, gleichzeitig klaren Blick auf die Welt drauf, die man in AM-Gemeinden wohl nicht so oft (und in SSPX-Gemeinden gar nicht) findet.
(A propos, ich lese, dass in St Rochus die Zelebration ad orientem (wieder)eingeführt wird?! Ist ja geil…
)
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