@alfred:
Mit dem Verfälschungsargumet wollte ich nur die Argumentation von LePenseur ad absurdum führen
… was Ihnen aber nicht gelungen ist. Denn das Problem ist ja nicht die Bibel (die es, soweit mir erinnerlich, doch schon vor dem hochelobten V2 in volkssprachigen Ausgaben gegeben haben soll, z.B. die Allioli-Bibel habe ich mir sagen lassen
…
Das Problem ist die Verfälschung der Geistestradition, die nun mal seit spätestens seit Gregor I im Abendland lateinisch ist. Wieweit diese nun den “ursprünglichen Jesus” verfälscht, ist eine ganz andere Frage (die ich, ganz im Gegensatz zu Blog-Editor und den meisten Mitpostern, sicherlich bejahe — aber das tut hier nichts zur Sache). Hier geht es darum: ist die volkssprachliche Liturgie des Novus Ordo ein befriedigender Ersatz für die Alte Messe. Und hier komme ich eindeutig zum Schluß: nein!
1. aus dogmatischen Gründen: der Novus Ordo ist schon im lateinischen Original dogmatisch eine Krücke: ziemlich verwaschen (die Ottaviani-Intervention verhinderte Schlimmeres). So irgendwie “Rome goes Wittenberg” und hindesigned auf eine vage Hoffnung, “daß uns dannn wenigstens die Lutheraner ein bisserl liebhaben und gleichzeitig die Orthodoxen nicht ganz die Freundschaft aufkündigen”. Beides war, wie wir wissen ein Schuß in den Ofen: die Lutheraner wollten auch mit Novus Ordo nix von den Katholen wissen, die Orthodoxen genau dessentwegen eher noch weniger als vorher.
2. aus ästhetischen Gründen: wenn man Ritualistik betreibt unter dem Motto: “Ein Kreuzzeichen statt drei tut’s auch!”, dann sollte man den ganzen Zinnober besser gleich abschaffen und einen reinen Predigtvortrag einführen. Aber so “ein bisserl feierlich” ist circa so wie “ein bisserl schwanger”. Es funktioniert nicht wirklich. Wo im alten Ritus die zeremonielle Ruhe eines jahrhundertealten Ritualkunstwerkes besticht, ödet uns der Novus Ordo durch “Gestaltungsfreiheiten” an, die angesichts — sagen wir es einmal milde — nicht eben genialer Liturgieverantwortlicher im handelsüblichen Pfarrgemeinderat erfahrungsgemäß in die Hose gehen, denn nicht jede Reli-Lehrerin ist einem Gregot I kongenial … Was alleine bei so simplen Dingen wie den Fürbitten alles schiefgehen kann, vergällte mir regelmäßig pastoral-bemühte Pfarrgottesdienste, und rief in mir höchst unchristliche Gedanken hervor, z.B. ob es zulässig wäre, die Reihe der auf ihre gestotterte und/oder genuschelte Fürbitte wartenden PGRs, Pfarr-Berufsjugendlichen, Rosenkranz-Betschwestern & Co. durch Einsatz einer Handfeuerwaffe zu verkürzen
3. aus statistischen Gründen: seit der Einführung des Novus Ordo geht der Meßbesuch zurück, und zwar immer schneller, je mehr “novus” und je weniger “ordo” in dem ganzen ist. Wenn bei Coca-Cola seit Einführung einer neuen Rezeptur die Verkaufszahlen ähnlich deplorabel aussähen, würde ich nicht in der Haut der verantwortlichen Manager stecken wollen. Da wäre schon längst die Sache begraben worden (u.U. samt ein paar Herren aus der Chefetage). Nur in der RKK rollen keine Köpfe, da wird von den V2-Alt-Achtundsechzigern auch nach Verlust von zwei Drittel der Besucher beinhart auf “wir müssen die Liturgie noch viel weitergehend verändern” gesetzt. Es wird nicht funktionieren und sie werden es nicht begreifen. Bedauerlich, aber wohl nicht zu ändern …
Nun, konservativer Anarchist, der ich eben bin, sage ich einfach: lassen wir sie doch in ihren geschmacklosen Sichtbeton”kirchen” mit druidensteinartigen “Altar”klötzen ihre improvisierten Rituale dahinholpern, zu peinlich schlecht gecoverten Disco-Hits der 70er-Jahre, mit betulicher “Wir-haben-einander-alle-gaaaanz-lieb”-Attitüde. Der letzte soll nicht vergessen zuzusperren — ach was, eigentlich ganz egal! Die geschmacklosen Kerzenleuchter und das irgendwo herunterhängende Kreuz Marke “Bastelstunde metallverarbeitender Lehrberufe” stiehlt doch eh keiner …
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