Nun, sie fragten schon mehrfach nach der Auferstehung — eh voilà! Hier meine Antwort:
Man kann m.E. sehr wohl Christ sein, ohne daran zu glauben, daß Christus im herkömmlichen Sinne “auferstanden” ist (wobei dieser Terminus ohnehin so vieldeutig ist, daß man darunter alles mögliche verstehen kann). Aber versuchen wir diesen schwammigen Begriff möglichst exakt zu fassen, etwa so:
Unter der Voraussetzung, daß Christus am Kreuz wirklich gestorben ist (nicht scheintod war, ohnmächtig etc.), sondern in einer Weise tot war, daß unter normalem Verlauf die Verwesung beginnen mußte, glaube ich nicht, daß Christus in der Weise “auferstanden” ist, daß er wieder als real lebender (d.h. mit Atmung, Herzschlag, Blutkreislauf, Verdauungsprozessen etc.) Mensch zu bezeichnen gewesen wäre. Daraus ergeben sich für mich folgende Probleme mit resultierenden Schlußfolgerungen (die Sie natürlich völlig anders ziehen können und werden):
1. ist zu klären, inwieweit die Kreuzigung a) stattgefunden hat oder b) wenn sie stattfand, mit dem Tod Christi endete.
2. ist zu klären, wenn sie mit dem Tod Christi endete, ob a) die “Auferstehung” sich bloß als Vision der Jünger ereignete (also das Skelett Christi tatsächlich noch irgendwann später in einem Grab lag) oder b) irgendein Sachverhalt die Annahme ein unerklärbaren Phänomens nahelegte.
3. ist schließlich zu klären, welche “unerklärbaren Phänomene” es denn gewesen sein dürften (Fehlen der Leichnams, “Begegnungen” mit Christus etc.)
Für mich ist es z.B. vorstellbar, daß der Leichnam Christi in Energie umgewandelt wurde. So etwas wird u.a. auch vom Tod diverser hoher Lamas (“Inkarnationen”) in Tibet berichtet und obwohl ich auch diesen Berichten mit einem Höchstmaß an Skepsis gegenüberstehe, könnte ich mir (aufgrund der vielen, von einander unabhängigen Berichte zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten) irgendwie vorstellen, daß es sowas geben kann.
Ansonsten tragen für mich alle Evangelienberichte über die Begegnungen mit dem “auferstandenen Christus” das deutliche Zeichen visionärer Vorgänge an sich: da löst sich Jesus in Luft auf, geht durch Wände, spricht mit jemandem, der/die ihn aber trotzdem nicht erkennt etc. etc. Wenn man die Auferstehung in diesem weiteren Sinne (also daß Jesus seinen Jüngern in Visionen erschienen ist) nimmt: ja, das halte ich für durchaus möglich und wahrscheinlich.
Aber nur zu Ihrer weiteren Argumentation:
… dann muß man auch mit offenem Auge durch die Welt gehen und daß tut z.B. Drewermann nicht. Wunder darf es bei ihm einfach nicht geben.
Ich glaube, sie tun Drewermann hier ziemlich Unrecht. Was Sie sagen, stimmt sicher für die rationalistische Bibelkritik des 19. Jahrhunderts, aber nicht für ihn. Er versucht ja gerade, die Wundererzählungen zu deuten, indem er das eigentlich “Wunderbare” daran herausarbeitet. Wenn das Wunder der Jungfrauengeburt darin besteht, daß Gott aus dem haploiden weiblichen Chromosomensatz einer Eizelle Marias einen diploiden männlichen macht, dann haben wir glaube ich ein Auffassungsproblem, worin (und wofür!) dieses “Wunder” nun eigentlich besteht.
Und ich würde halt noch hinzufügen, wenn es mir glaubwürdige Zeugen berichten. Denn glaub ich ja sonst auch in Bezug auf Christus.
Genau da liegt der Hase im Pfeffer: wir haben nur Berichte aus zweiter, dritter etc. Hand (jeder der Evangelisten berichtet über Dinge, die er selbst nie gesehen hat, ja teilweise nie gesehen haben konnte!), und die sind noch dazu von “Parteigängern” verfaßt. Jetzt mal ganz provokant: ein Gruppe von Neonazis beschließt heute, die ultimative Hitlerbiographie zu schreiben und heraus kommt aus vielen (un- bzw. kaum dokumentierten Berichten), daß Hitler ein ganz großartiger Mensch gewesen ist. Was wäre Ihre Reaktion?
Meine wäre: Hitler ist seit Jahrzehnten tot, es gibt (fast) keine Agenzeugen mehr, die Biographen sind nicht nur Bewunderer von Hitler, sondern haben ein lebhaftes eigennütziges Interesse, Hitler im besten Licht darzustellen. Daher ist die Biographie nicht als seriöse Quelle zu betrachten.
Damit jetzt kein Mißverständnis entsteht: ich will Jesus überhaupt nicht mit Hitler vergleichen, sondern am Beispiel einer vermutlich voreingenommenen Berichterstattung hinterfragen: wie war es denn im Falle der Bibel?
Und hier kommen wir eben zum selben Befund:
1. die Evangelisten (wer immer das jetzt genau war) waren keine Augenzeugen all dessen, was sie schrieben
2. es gab zur Zeit der Abfassung auch nur mehr wenige Augenzeugen (und die waren jedenfalls schon betagt)
3. die Christen hatten sich bereits als eigene Gruppierung abgetrennt und mußten sich gegen alle möglichen Unterstellungen und Verfolgungen durch Juden und Römer wehren
4. die Evangelien wollen nicht historisches Werk sein, sondern Glaubensverkündigung.
Jetzt meine Gegenfrage: wie “glaubwürdig” sind für Sie solche Zeugen.
(meine Antwort können Sie sich denken)
Mmh, und woher beziehen sie dann überhaupt irgendwelche “Glaubensinformationen”? Dann kann ich mir meinen Glauben ja auch selbst backen à la Joseph Smith.
Können Sie mir einen objektivierbaren Beweis liefern, daß das Buch Mormon keine Offenbarung ist, den ich nicht ebenso dafür verwenden kann, der Bibel den Offenbarungscharakter abzuerkennen?
Ich versuche “Glaubensinformationen” nicht aus der spitzfindigen Interpretation eines alten religiösen Textes zu sammeln, sondern durch den kritischen Vergleich und das rationale Abwägen von Lehrmeinungen von Philosophen und Theologen. Das gibt mir wesentlich mehr “Glauben” (den ich nämlich auch verstandesmäßig verarbeitet weitergeben kann!), als gefinkelte Klügeleien, ob das Wort “pro multis” in den Wandlungsworten auch mit “für alle” übersetzt werden könnte, und welche gedanklichen Implikationen sich daran knüpfen …
Ich muß es leider schon wieder sagen: Was soll diese dumme Frage. Er tut was er tut und läßt was er läßt. Selbst wenn wir es nicht verstehen sollten, heißt es nicht das es so ist.
Diese Frage ist eine Frage nach der Vernünftigkeit von Gottes handeln. Lesen Sie doch die jüngste Papst-Vorlesung in Regensburg. Sie argumentieren hier schon fast “islamisch”
“Wunder sind nach RKK-Ansicht die vorzüglichsten Glaubensmotive!” – Das wäre mir neu.
Lesen Sie in einem klassischen Dogmatikwerk (Premm, Schmaus etc.), dann werden Sie genau diese Aussage finden!
Das ist natürlich grundfalsch. Wer waren denn die bereits Überzeugten? Thomas sicherlich nicht und die anderen Apostel auch nicht. Nur, wenn nunmal jeder, der das Wunder erlebt dadurch zum Glauben käme, dann kann es nach Ihrer Argumentation gar keine “richtigen Zeugen” geben. Die Argumentation ist also eine Immunisierungsstrategie.
Das ist verkehrt herum gedacht — ich meinte eigentlich: ein glaubwürdiger Zeuge wäre es, wenn jemand durch das “Wunderereignis” nicht Jünger wird (bzw. es nicht auf Dauer bleibt), die Faktizität des Ereignisses dennoch bestätigt (quasi ein weiterhin skeptischer Thomas). Und das ist auch das Einzige (neben der üppigen Namensphantasie), was mich am “Buch Mormon” beeindrucken konnte: daß am Beginn das Zeugnis mehrerer Männer steht, die bestätigen, daß die Auffindung und Übersetzung sich so zugetragen hätte, einige von ihnen dann vom Momonentum wieder abfielen, jedoch ihr Zeugnis nie widerrufen, sondern weiter bestätigt haben. Nicht daß mich das allein zum Mormonen bekehren könnte, aber: es ist ein erster Hinweis, daß Zeugen “etwas wert sind”.
Ganz abgesehen davon, daß es Zeugnisse von Außenstehenden gibt, wie z. B. das Sonnenwunder von Fatima.
Und wiederholt diese widersinnige Argumentation: keiner berichtet davon außer denen die davon berichten. Was soll das beweisen.
Ach, das Sonnenwunder von Fatima. Sie vergessen aber die Weltverschwörung aller Observatorien und seimologischen Anstalten der Welt, die dieses Sonnenwunder leider nicht registrierten.
Und meine Argumentation lautet nicht (wie Sie behaupten) “keiner berichtet davon außer denen die davon berichten” sondern “keiner berichtet davon außer denen die ein Interesse haben, das so zu berichten”.
Die übrige Argumentation bedarf keiner Widerlegung, denn sie beruht auf einer falschen Annahme (Nr. 2) und auch auf der Vorstellung, daß Gott das Heil gefälligst jedem auf dem Silbertablett servieren soll. Bitte nur keine eigene Anstrengung.
Zunächst zu Annahme Nr. 2: hier verweise ich wieder auf Premm & Co. außerdem bestätigen Sie selbst im nächsten Satz, daß diese Annahme RKK-Lehre ist.
Nun zum “Silbertablett”: nein, das ist nicht mein Argument. Aber wenn Gott ein (doch angeblich existenziell für das Heil aller Menschen so wichtiges) Wunder wirkt, dann frage ich mich: warum verbirgt und verunklärt er es so, daß es im Fall, daß es einem positiv Voreingenommenen vorgetragen wird, faktisch unbeweisbar ist?
Nehmen wir an, ich hätte ein Wissen, das für die Menschheit sehr wichtig ist — sagen wir einmal: die chemische Formel für die absolut sichere Heilung von Krebs. Was würden Sie sagen, wenn ich diese Information als eine Reihe von Novellen und Lehrgedichten verschlüsselt in mein Tagebuch schriebe, welches ich dann unter dem Titel “Krebsgänge” veröffentliche. Würden Sie mir hier attestieren, daß mir das Heil der Menschheit sehr am Herzen liegt?
(meine Antwort können sie sich vermutlich denken)
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