Gregorianik als Schlüssel zur Erneuerung der Liturgie
Vermutlich ist es einer Überdosis Gregorianischen Chorals in den letzten Tagen zuzuschreiben, dass ich ihn jetzt für den Schlüssel zur Erneuerung der Liturgie halte. Die Gründe:
- Der Gregorianische Choral ist hip, auch und gerade außerhalb des katholischen Kernpublikums. Mönche stürmen die Charts, und kirchenferne Menschen schätzen ihren Gesang. Die Gregorianik hat also eine Strahlkraft, die weit über den inzwischen doch einigermaßen überschaubaren Kreis regelmäßiger Messbesucher hinausreicht.
- Der Gregorianische Choral ist lateinisch, und das ist auch gut so. Er sperrt sich allen Versuchen, ihn einzudeutschen oder in andere Umgangssprachen zu übersetzen. Selbst die hartnäckigsten Verfechter der landessprachlichen Liturgie und Gegner des Kirchenlateins kommen nicht umhin, die Gregorianik auf Latein zu singen.
- Sollte es gelingen, den Gregorianischen Choral wieder stärker in der Liturgie zur Geltung zu bringen, dann stellen sich quasi von selbst die richtigen Fragen. Zum Beispiel die, warum Proprium und Ordinarium eigentlich auf Latein gesungen werden, während der Rest in der Landessprache vorgetragen wird. Wer sich dieser Frage nicht sperrt, wird früher oder später dem Latein mehr Raum in der Liturgie geben.
- Der Gregorianische Choral fördert die außerordentliche Form des römischen Ritus. Denn da gehört er hin. Seine Texte sind die Texte des Missale Romanum von 1570 bis 1962. Sie bilden mit den übrigen Teilen eine organische Einheit.
Mehr Gregorianik in der Liturgie wird also früher oder später auch zu mehr Latein und zur häufigeren Zelebration des usus antiquior führen. Mal ganz abgesehen vom zeitlosen ästhetischen Wert, was sich vom Neuen Geistlichen Lied oder auch vielen Gotteslobliedern nicht so leicht sagen lässt.


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