Mystizismus versus natürliche Metaphysik?
Das Kapitalismus-Magazin referiert einen Artikel von John Podhoretz, den der Autor wohl nicht ganz treffend als Mystiker bezeichnet, zum philosophischen Hintergrund des Streits um Theresa Schiavo:
“Die Rationalisten sagen, dass sie nicht leiden wird durch das langsame Aushungern, weil sie nichts mehr fühle. Diejenigen, die an die Seele glauben, sagen, dass es keinen Weg gibt, dies herauszufinden, dass die Wissenschaft Grenzen habe und dass sie ihre Grenzen erreicht, wenn sie versucht, zu definieren, was es bedeutet, menschlich zu sein.”
Er zieht dann folgenden Schluss:
“Tatsächlich stehen sich diese beiden Positionen auch unversöhnlich gegenüber, denn zwischen der mystischen Sicht einer von Gott gegebenen Menschen Seele, die die Essenz eines Menschen bildet, und der säkularen Auffassung von der Bindung der menschliche Personalität an die einzigartige Form des menschlichen Bewußtseins, die durch Denken, Kreativität und Konzeptionalität geprägt wird, gibt es keine Gemeinsamkeit. Die Person Terri Schiavo hat aufgehört zu existieren, als sich ihr zerebraler Kortex aufgelöst hat.”
Den hier aufgebauten Gegensatz halte ich für intellektuell unredlich, weil er eine Zwangsläufigkeit des Urteils unterstellt, die es nicht gibt (als Beispiel siehe dazu heute Gesa Lindemann in der Frankfurter Rundschau, die in diesem Schema wohl als Rationalistin gelten müsste, aber zu völlig anderen Schlüssen kommt). Und der Schluss zeigt die zynischen und an Menschenverachtung grenzenden Konsequenzen dieser Art des Denkens. Zugleich auch ein Verrat an der Idee der Menschenrechte, denn die war immer inklusiv und nicht selektiv.


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