Typologie des liturgischen Irrtums
- Die Messe beginnt nicht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, sondern mit einer mehr oder weniger frei formulierten Stand-up, in die das Kreuzzeichen nach Art eines running gag eingefügt wird.
- Vom Bußakt bleibt nur das Kyrie, mit dem der Herr begrüßt wird. Erbarmen? Versteht eh’ kein Mensch, was das heißen soll.
- An Stelle des Tagesgebetes steht eine freie Variation über das liturgische Tagesthema, angereichert mit allem, worum wir schon immer mal bitten wollten. In der Schlussformel tritt an die Stelle des Herrschers der Schöpfer (“der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und Leben schafft”).
- Die Fürbitten sind mühsam bis peinlich.
- Gabengebet: siehe Tagesgebet. Der Herr ist zugleich Bruder (“durch Christus, unseren Bruder und Herrn”).
- Das Hochgebet verschlimmbessert der Zelebrant durch Erweiterungen, Ergänzungen oder Straffungen. Die Schlussdoxologie spricht er gemeinsam mit der Gemeinde.
- Voller Emphase lädt er zum Vater unser ein. Der Embolismus entfällt, der Priester geht sofort zu einem erweiterten, ergänzten oder gestrafften Friedensgebet über. Spätestens jetzt übernimmt der Moderator die Rolle des Gastgebers beim Mahle. Beim Friedensgruß grüßt möglichst jeder jeden, und ein guter Gastgeber grüßt möglichst viele seiner Gäste persönlich per Handschlag.
- Nach dem Agnus Dei zeigt der Gastgeber Christus, das gebrochene Brot, und den Kelch mit Wein, etwas verschämt auch Lamm Gottes genannt. Wenigstens einigen seiner Gäste reicht er als Zeichen des Respekts und der Höflichkeit das eucharistische Brot zuerst, bevor er selbst den Herrn empfängt. Könnte deutlicher zum Ausdruck kommen, dass der Priester an Christi Statt handelt und nicht Empfangender, sondern Geber ist?
- Schlussgebet: siehe Gabengebet.
- Vor dem Schlusssegen dankt der Gastgeber allen Mitwirkenden und wünscht in einer Art Responsorium einen schönen Sonntag, worauf die Gemeinde antwortet: Danke, gleichfalls! In einer Überleitung betont er dann, dass er um den Segen bittet.
- Dennoch erteilt er anschließend den Schlusssegen, wenn auch mit einer variierten Formel, die den Kreis der Gesegneten (nach dem Vorbild von urbi et orbi?) weit über den Kreis der Anwesenden hinaus erweitert (“alle, für die wir gebetet haben”, “alle, für die wir Sorge tragen”).
- Darauf folgt die Entlassung: Lasst uns gehen in Frieden.
Deo gratias.


6 Comments