Es muß nachgewiesen werden? Das geht (nicht nur) meiner Ansicht nach genausowenig wie das Gegenteil.
Ich denke, ein Ausgangspunkt, wo noch Einigkeit herrschen dürfte, ist daß die christliche Theologie nicht von Punkt null an fertig war, sondern gewachsen ist. Von Jesu Lehre über Paulus, allerlei Kirchenväter bis zu den großen Theologen dieser Zeit ist das Gebäude der Theologie gewachsen. Soweit okay?
In jedem konkreten Punkt gibt es nun mögliche Differenzen, für die jede Seite mehr oder weniger gute Argumente auffährt. Das beginnt bereits bei den “ganz harten”, die aus Jesus einen lieben Wanderprediger machen wollen und den kompletten Paulus bereits als “Vergewaltigung der Lehre des Nazareners” ansehen. Selbst dafür können sie allerlei biblische Argumente auffahren … ich muß wohl keinem erläutern, wie arg man mit der Bibel so ziemlich alles gegründen kann!
Die spätere Verheiratung der christlichen Lehre mit Aristoteles sorgt dann bis heute für Differenzen zwischen den Theologen, quer durch alle Konfessionen. Man kann diese Entwicklung als gottgewollt und notwendig interpretieren oder als historische Gegebenheit, auf die es in anderem kulturellen Kontext zu verzichten gilt. Keiner soll mir erzählen, es gäbe unwiderlegbare Beweise für die eine oder andere Auffassung!
Und damit komme ich vorsichtig zum Kern des Themas hier. Ich finde den Tonfall hier zum Teil extrem abwertend und hoffe, daß meiner nicht umgekehrt genauso wirkt. Ich will hier niemanden angreifen, keinen Menschen, keinen Glauben, keine Glaubensgemeinschaft. Ich versuche nur die Auffassung von mir (und großen Teilen der Christenheit) darzulegen. Ich hoffe, es kommt richtig an.
Schaffen wir zunächst wieder eine gemeinsame Basis: nach Pfingsten und nach den Missionsreisen entstanden damals immer mehr Gemeinden, die einerseits selbständig waren, andererseits Kontakt hielten bis hin zu gemeinsamen Konzililien.
Unbestritten dürfte weiterhin sein, daß die Gemeinde von Rom auf einigen Konzililien eine besondere Stellung beanspruchte, mit dieser Forderung aber auf Widerstand stieß.
Für alles weitere gibt es wohl unterschiedliche Auffassungen. Sehr platt formuliert lesen die sich so, daß Rom darauf pocht, immer schon diese Stellung gehabt zu haben und dafür seine bekannten Gründe anführt, während die andere Seite die gleichberechtigte Unabhängigkeit der Patriarchate als gottgewollten Ausgangszustand sieht. Damit sind für die römische Seite sind jene, die den römischen Primat nicht anerkennen, “Spalter”, für die anderen hat Rom sich aus der kirchlichen Gemeinschaft abgespalten.
Und damit liefere ich jetzt die gewünschte “evangelische” Sichtweise auf die Krichengeschichte (wohl wissend, daß Ihr sie nicht akzeptieren könnt, aber es macht halt den Eindruck, als sei diese Sichtweise gar nicht ausreichend bekannt):
Die vom Heiligen Geist gestiftete Kirche entwickelte sich an unterschiedlichen Orten unterschiedlich, versuchte aber in den entscheidenden Glaubensfragen durch gemeinsame Beschlüsse verbunden zu bleiben.
Das Wachstum der Kirche schuf auch Machtstrukturen, die leider im Laufe der Jahrhunderte an Bedeutung gewannen. Bei manchen Konzilsbeschlüssen dient die theologische Frage mehr als Arena für Machtkämpfe; bedeutende Kirchenführer wurden mit ihrer unterlegenen Meinung plötzlich zu machtlosen “Ketzern”.
Die Gemeinde in Rom hatte durch ihre Verbindung mit der weltlichen Macht in Rom eine herausragende Position erlangt, die es (wenn ich mich recht entsinne) 451 erstmalig mit einer “theologischen” Begründung unterfütterte, um seinen Anspruch durchzusetzen. Erfolglos, aber von diesem Zeitpunkt an existiert die Römische Gemeinde als abgespaltene Institution, die zwar noch an Konzilien teilnimmt, aber daneben ihr nicht allgemein anerkanntes Selbstverständnis pflegt.
Da die Römische Gmeinde ihre Auffassungen im Kielwasser der weltlichen Macht des Römischen Reiches verbreitet, wird sie in weiten Teilen der damaligen Welt zur maßgeblichen christlichen Institution und setzt schließlich die eigene Institution mit der vom Heiligen Geist gestifteten Kirche gleich.
Mit der Zeit flossen immer mehr vom jeweiligen Zeitgeist inspirierte Interpretationen, Volksfrömmigkeiten und als Theologie getarnte Maßnahmen zum Machtausbau in die römische Lehre ein, die mehrmals Versuche einer Kurskorrektur provozierten. In der Reformation entzündete sich an diesen Streitpunkten schließlich die Frage, ob diese Kirche überhaupt die Kirche sei. Wieder waren es Machtinteressen (auf beiden Seiten), die zu einer Spaltung führten. Auf Seiten der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen wurde in der Folgezeit ein Großteil der damaligen Lehre hinterfragt und in unterschiedlichem Maße verworfen. Dieser Prozeß dauert bis heute an und wird bis zum Jüngsten Tag andauern.
Als Folgeinstitution der Konzilien erscheint der Ökumenische Rat der Kirchen, in dem es den verschiedenen Orthodoxen Kirchen, “Lutheranern”, Reformierten, Baptisten, Charismatikern, Altkatholiken, einigen Anglikanischen Kirchen usw. gelingt, gemeinsame Positionen zu finden. Es fällt auf, daß unter den wenigen Nichtmitgliedern gerade jene Kirchen sind, die in gewaltsame Glaubensauseinandersetzungen verwickelt sind, etwa die die nordirischen Protestanten mit der Römischen Kirche.
So, das war es in groben Zügen und sollte Euch eigentlich nicht überraschen. Es lohnt sich wohl nicht, sich mit gegenteiligen Begründungen “die Finger wund zu schreiben”: die sind wohl hinlänglich bekannt. Und was bringt es, wenn wir uns hier über die uralte Frage auseinandersetzen, ob Petrus in Rom gewesen ist. Das haben schon größere nicht klären können.
Meiner Auffassung nach lohnt es sich eher, sich Gedanken zu machen, wie man unter diesen Voraussetzungen Gemeinsames pflegen kann. Wie man von einander lernen kann, ohne sich selbst aufzugeben. Wie man einander achten und verstehen kann.
Und dazu gehört für mich z.B. (siehe Überschrift), einzusehen, daß Abendmahlgemeinschaft dauerhaft unmöglich sein wird, ohne daß eine Seite zentrales verliert. Aber kann ein gemeinsames Agapemahl nicht nicht auch Ausdruck einladender Gemeinschaft sein.
Friede sei mit Euch!
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