Die Antwort ist im Grunde ganz einfach: das, was wir hier machen, ist gelebte Ökumene.
Vielleicht erscheint das auf den ersten Blick verwunderlich, da die Auseinandersetzungen manchmal doch recht “hart” waren; doch ich glaube, das ist der einzige richtige Weg. Die in Deutschland vor allem von der EKD öfters geforderte “Wohlfühl-Ökumene”, die grundlegende Gegensätze übertünchen will, entspricht zwar vielleicht dem deutschen Harmoniebedürfnis, produziert im Grunde aber nur Frustration und gegenseitiges Unverständnis – wie wir ja immer wieder sehen.
Natürlich ist eine richtige, volle Einheit – in die eine oder die andere Richtung – heute nicht absehbar: weder wird Bischöfin Käßmann haareraufend durch die Straßen von Hannover laufen und klagen: “Oh mein Gott, ich bin nicht befugt, dem Abendmahl vorzustehen! Herr, erbarme Dich meiner!”, noch wird der Papst eine Erklärung abgeben, dass das mit der Apostolischen Sukzession alles ein Missverständnis war, und dann gemeinsam mit allen Bischöfen abdanken.
So bleibt als einziger wirklich produktiver Weg die Auseinandersetzung: die Auseinandersetzung damit, was der andere wirklich denkt und glaubt; die Auseinandersetzung mit den eigenen Glaubensvorstellungen, und wie man diese der anderen Seite gegenüber argumentieren kann; und schlussendlich auch die Frage: was haben wir gemeinsam? Können wir über bestimmte Fragen eine Vereinbarung finden?
Dies war ja auch der Weg, der zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre mit dem Lutherischen Weltbund und zur Gemeinsamen Erklärung zu Maria mit den Anglikanern führte. Diese Kommissionen pflegten eben nicht eine falsche “Wohlfühl-Ökumene”, sondern setzten sich intensiv mit Fragen auseinander wie: Was glauben wir? Was glauben die anderen? Warum glauben wir das, was wir glauben? Womit begründen wir es jeweils (Schrift, Tradition)? Was davon lässt sich vereinbaren?
Wir haben ja auch in diesem kleinen Rahmen – neben allen oft emotionalen Auseinandersetzungen – doch öfter erlebt, dass uns vieles verbindet: Dinge wie das Apostolische Glaubensbekenntnis zum Beispiel (ok… vielleicht mit Ausnahme der Zeile über die Kirche
); aber natürlich sind das auch das Vaterunser, manche Gebete und Lieder, die großen Meisterwerke der religiösen Musik von Bach bis Mozart… Oder einfach auch die Grundeinstellung zum Glauben und zu Gott in einer säkularen Welt – wie das Matthias kürzlich ganz wunderbar in seinem Blog dargelegt hat.
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