“dazu müsste die unverfälschte Überlieferung der (katholischen?) Glaubensbotschaft verifizierbar sein”
Ich möchte hier zu Martin – der sozusagen die säkulare Perspektive beleuchtet hat – die Glaubensperspektive dazustellen:
Das Vertrauen, dass die Überlieferung unverfälscht ist, beruht auf dem Vertrauen in Christus selbst, der versprochen hat, dass Seine Kirche nicht in Irrtum abirren wird. Und diese Tradition – die Weitergabe der Glaubenswahrheit – ist die, die nach katholischem Glauben unfehlbar (weil vom Heiligen Geist beschützt) ist.
“Natürlich gibt es auch, was meinen persönlichen Glauben angeht, bestimmte Grundvoraussetzungen und Aspekte, die ich – mit unterschiedlicher Priorität – für wahr oder für falsch halte. Das ist sicherlich ein Produkt meines menschlichen Werdegangs, meiner sehr heterogenen kirchlichen Sozialisation, aber gerade letztere hat mir immer wieder gezeigt: der Geist Gottes weht tatsächlich, wo er will, und nicht nur in der römisch-katholischen Kirche (und dort auch vermutlich auch nicht stärker als anderswo).”
Das sprichst Du zwei Aspekte an: der erste ist das, was ich schon hier angesprochen habe: dass das Erkennen der Wahrheit in Jesus Christus und das gleichzeitige Weiterbestehen auf einer im Grunde agnostischen Einstellung (“ich bastele mir meine Wahrheit selbst”) eigentlich ein Widerspruch ist. (Ad absurdum kommt dabei dann wirklich das heraus.)
Der zweite Aspekt: ich glaube, einer der Hauptgründe für die Differenzen hier ist das Missverstehen der katholischen Wahrheitsanspruchs. Selbstverständlich kann der Heilige Geist auch in nichtkatholischen Christen wirksam sein – das kann er sogar in Nichtchristen! Ein gläubiger, Gott liebender evangelischer Christ ist allemal ein besserer Christ als ein oberflächlicher Katholik. Hier geht’s nicht darum, wo die besseren oder gläubigeren Menschen sind, sondern darum, ob das, was die Kirche bzw. die Gemeinschaft, der sie angehören, verkündet, wirklich die volle Wahrheit Christi ist oder nicht.
Der Anspruch der katholischen Kirche leitet sich eben von der Gründung durch Christus und die ungebrochene Apostolische Tradition her. Natürlich kann man sagen, dass das nicht stimmt: nur finde ich die Aussage “man kann die Wahrheit gar nicht wirklich erkennen” von einem Agnostiker vielleicht noch ein plausibles, von einem Christen aber ein im Grunde widersinniges Argument…
“empfehle dazu, einfach mal die Pluralität in der katholischen Kirche zu berücksichtigen (selbst wenn diese nach außen hin aufgrund solcher Institutionen wie der Glaubenskongregation gar nicht so offensichtlich zutage tritt)”
Der Unterschied ist: die katholische Kirche hat ein verbindliches Lehramt (dessen Verkündigung von der Glaubenskongregation geschützt wird). Natürlich kann man sagen, “mir ist das egal” oder “ich glaube an was anderes” – doch dadurch stellt man sich selbst schon außerhalb des Katholischen (auch wenn es natürlich genug Leute gibt, die sich für gute Katholiken halten und dabei nicht einmal an Grundlagen des Christentums glauben).
Im Protestantismus gibt es hingegen tausende Kirchen und Gemeinschaften, die alle eigene Organisationen sind und ihre eigene Theologie haben – und wenn einer über irgendwas eine andere Meinung hat, kann er einfach eine neue Kirche gründen und alle finden das ok. Es gibt eben keine allgemein verbindliche “protestantische Theologie”, zu der man so und so stehen kann, sondern jede einzelne Gemeinschaft meint, die einzig wahre Theologie zu haben (oder meint das nicht einmal, was viel schlimmer ist).
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