Ökumene
Vom wahren Christenthum kündet derzeit eine Ausstellung in Jork. Ihren Titel hat sie von einer Schrift des “Erbauungstheologen” und Celler Generalsuperintendenten Johann Arndt.
Seine Schrift “Vom wahren Christenthum” ist das zentrale Erbauungsbuch der lutherischen Orthodoxie und in Altländer Haushalten in etlichen Exemplaren und Ausgaben vorhanden.
Zu Arndts Zeiten (er wurde vor 450 Jahren geboren) war noch völlig klar, dass der Protestantismus um die Wahrheit kämpfte – und gegen die Irrtümer des Katholizismus.
Und das erwarte ich auch heute vom ökumenischen Dialog: Dass alle Beteiligten darlegen, wie sie die Wahrheit sehen, was sie für die Wahrheit halten und warum sie das tun. Luther und Arndt kann man sicher nicht vorwerfen, nicht klar und deutlich gesagt zu haben, wofür und wogegen sie stehen.
Ich will die Wahrheit besser verstehen, und ich spreche den nicht-katholischen Kirchen von Rom getrennten Christen nicht pauschal ab, dass sie dazu beitragen können. Weil sie womöglich die Wahrheit besser verstehen als ich. Weil der Heilige Geist zweifelsohne weht, wo er will.
Dazu ist es allerdings notwendig, dass meine Dialogpartner ihr Verständnis von der Wahrheit darlegen – und sich nicht selbst dementieren, indem sie sagen, niemand verstehe die Wahrheit, deshalb könnten wir letztlich nicht erkennen, ob eine konkrete Glaubensaussage der Wahrheit entspricht oder nicht.
Diese Position halte ich für eine intellektuelle Bankrotterklärung. Sollte sie in den deutschen protestantischen Denominationen mehrheitsfähig sein, dann würde ich die deutsche Variante des Protestantismus in der Tat für erledigt halten. Das käme nämlich einer Selbstabschaffung gleich. Eine Kirche, die das, was sie lehrt, nicht mehr für die Wahrheit hält (unabhängig davon, ob sie darin irrt oder nicht), entzieht sich selbst die Existenzgrundlage.


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